{"id":488583,"date":"2024-09-29T12:00:00","date_gmt":"2024-09-29T10:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/innovationorigins.com\/?p=488583"},"modified":"2024-09-29T12:00:00","modified_gmt":"2024-09-29T10:00:00","slug":"domino","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/en\/domino\/","title":{"rendered":"Domino"},"content":{"rendered":"\n<p>In meiner <a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/die-e-mobilitaet-in-deutschland-ist-besser-als-ihr-ruf\/\">letzten Kolumne<\/a> berichtete ich \u00fcber die VW-Krise. Die hat sich inzwischen zu einer echten Autobauerkrise ausgeweitet \u2013 dieser Eindruck entsteht jedenfalls, wenn man den immer hysterischeren Headlines in der deutschen Presse folgt. Die sind ungl\u00fccklicherweise keineswegs \u00fcbertrieben.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Das Ende ist nah?<\/h2>\n\n\n\n<p>Tats\u00e4chlich scheint sich die VW-Krise bereits so weiter entwickelt zu haben, dass neben der Schlie\u00dfung von 2-3 ganzen Fabriken auch noch staatliche Beihilfen in der Diskussion sind. Sp\u00e4testens seit diese \u201eBeihilfen\u201c diskutiert werden, haben bei mir die Alarmglocken geklingelt. Soll die Allgemeinheit wieder f\u00fcr Management- (und Politik-) Fehler den Kopf hinhalten?<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Riesige Barverm\u00f6gen<\/h2>\n\n\n\n<p>Zur Klarstellung: Der VW-Konzern rutscht erst einmal nicht ins Minus. Der Gewinn ist lediglich eingebrochen, vor allem wegen Deutschland.<\/p>\n\n\n\n<p>VW verf\u00fcgte im Juni 2024 noch \u00fcber einen Bargeldbestand von rund 75 Mrd. Euro. Um dies in Bezug zu setzen: Das von Tesla in Brandenburg errichtete Werk kostete rund 5,8 Mrd. Euro und kann, wenn es voll ausgelastet ist, 500.000 Elektrofahrzeuge j\u00e4hrlich produzieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Noch im Jahr 2018 erkl\u00e4rte VW, dass es bis zum Jahr 2030 mindestens eine elektrische Version von jedem der 300 Konzernmodelle geben solle. Daf\u00fcr wollte man 34 Mrd. Euro in die Hand nehmen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Der damalige CEO Herbert Diess war dabei in einer Diskussionsrunde so von sich und VW \u00fcberzeugt, dass er <a href=\"https:\/\/x.com\/AHuxley1963\/status\/1837942499429564490\">ank\u00fcndigte<\/a>, dass man einen Stromer auf die R\u00e4der stellen werde, der \u201ealles k\u00f6nnen werde wie Tesla, nur besser und f\u00fcr die H\u00e4lfte der Kosten\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Noch 2019 erkl\u00e4rte VW laut \u201eAutomobil Produktion\u201c, dass man auf Basis der von SEAT entwickelten \u201ekleinen\u201c MEB-Plattform (VWs Elektroarchitektur), Elektrofahrzeuge f\u00fcr einen Preis von weniger als 20.000 Euro anbieten wolle. Die Plattform sollte die sogenannte New Small Family mit VW Up, \u0160koda Citigo und Seat Mii abl\u00f6sen. Was aus dem neuen A-Segment-Stromer geworden ist? Bislang nichts.<\/p>\n\n\n\n<p>Dar\u00fcber hinaus plante man die MEB+ Plattform, die ab 2025 die Reichweite und Effizienz der VW-Konzernmodelle erh\u00f6hen soll. Diese Weiterentwicklung scheint laut einem Bericht des Manager Magazin abgeblasen worden zu sein. Stattdessen konzentriert man sich auf die teurere aber modernere PPE-Plattform.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Was kostet denn die Entwicklung eines neuen Autos?<\/h2>\n\n\n\n<p>Da differieren die Angaben, aber die Entwicklungskosten und der Aufbau der neuen Produktion eines (Verbrenner-)Autos verschlingt etwa 2 Mrd. Euro. Nach Diess Angaben in der Diskussionsrunde 2018 (siehe oben) habe man \u00fcber 30 Mrd. Euro in die Elektromobilit\u00e4t investiert.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Management-Fehler<\/h2>\n\n\n\n<p>Wenn man sich all diese Zahlen betrachtet, scheint eines ziemlich eindeutig: Dass der VW-Konzern in den Seilen h\u00e4ngt, liegt offenbar daran, dass man es vers\u00e4umt hat, rechtzeitig g\u00fcnstigere bzw. nachgefragte Modelle auf den Markt zu bringen. Das Geld f\u00fcr eine erneute rasche Transformation w\u00e4re da \u2013 allein das Wort \u201erasch\u201c passt nicht mehr in die deutsche Realit\u00e4t. Man ist zu satt und tr\u00e4ge geworden. Nun kommt noch die L\u00e4hmung hinzu, ausgel\u00f6st durch die Schockwellen der abst\u00fcrzenden Wirtschaft.<\/p>\n\n\n\n<p>Dass eine schnelle Transformation nicht mit einem Oliver Blume als CEO funktionieren kann, scheint dabei kaum zu \u00fcberraschen. Blume kommt aus dem Luxusfahrzeugsegment (Porsche), wo Geld bislang keine Rolle gespielt hat. Aber auch hier \u00e4ndert sich die Situation derzeit dramatisch. Mit den chinesischen Aufsteigern wurde deutlich, wie sehr der Konsument mit Marken wie Audi, Porsche und auch VW abgezockt wurde. Solange die Wirtschaft gut lief, kein Thema. Wenn das Geld aber knapp wird im Haushalt, wird es zum Thema. Und genau das ist passiert.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Auch die \u201eAmpel\u201c hat versagt und ist dabei einen weiteren grandiosen Fehler zu begehen<\/h2>\n\n\n\n<p>Dass man im Habeck-Minsterium nicht proaktiv arbeitet, ist inzwischen eine \u00e4rgerliche Gewissheit. Das Ministerium funktioniert nur, wenn es darum geht, Energie-Ideologie und -Wende auf Teufel komm\u2019 raus umzusetzen. Der Kosten-Nutzen bleibt zweifelhaft.<\/p>\n\n\n\n<p>Alle anderen Dinge, die nicht funktionieren, versuchte man mit Geld zuzusch\u00fctten. Das ging auch so lange gut, wie die Wirtschaft florierte. Nun glaubt man, die \u201eSchuldenbremse\u201c sei schuld (sic!) am Niedergang der deutschen Wirtschaft. Was n\u00fcchtern betrachtet Bl\u00f6dsinn ist, denn die irrlichternde Wirtschaftspolitik der Ampel w\u00fcrgte jeglichen Aufschwung nach Corona nachhaltig ab.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Eine neue Abwrackpr\u00e4mie solls richten?<\/h2>\n\n\n\n<p>Um zu retten, was noch zu retten ist, verf\u00e4llt man auf L\u00f6sungsans\u00e4tze, die schon zu Merkel-Zeiten umstritten waren. So schl\u00e4gt man allen Ernstes eine Abwrack-Pr\u00e4mie von bis zu 6.000 Euro f\u00fcr Verbrenner vor, um den Absatz von Elektrofahrzeugen zu beschleunigen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Abgesehen von den \u00f6kologischen Implikationen ist diese Pr\u00e4mie das D\u00fcmmste, was man in einer solchen Situation machen kann. Planwirtschaftliche \u00dcberlegungen haben Deutschland erst in diese prek\u00e4re Situation gebracht.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Hier scheint aber das Finanzministerium nicht mitziehen zu wollen.<\/p>\n\n\n\n<p>Bringt uns zum Fazit: Wie wird es weitergehen? Derzeit sieht es nicht gut aus. Wie die Dominosteine fallen beinahe w\u00f6chentlich weitere Zuliefererunternehmen der schlechten Autokonjunktur um. Auch der Maschinenbau liegt in den Seilen. Da an jedem Arbeitsplatz&nbsp; bis zu 5-6 weitere h\u00e4ngen, bedeutet das eine sich beschleunigende Entwicklung nach unten.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Jonas Eckhardt (Restrukturierungsexperte bei der Unternehmensberatung Falkensteg) zu BILD in einem <a href=\"https:\/\/www.bild.de\/politik\/inland\/mehr-insolvenzen-befuerchtet-2024-koennte-katastrophen-jahr-fuer-autoindustrie-werden-66f15215e1d06e35845f04ab\">Interview<\/a> am 24.9.: \u201eBereits nach acht Monaten im Jahr 2024 haben wir die Insolvenzzahlen des gesamten Vorjahres 2023 erreicht. Ich rechne in diesem Jahr mit rund 60 Gro\u00dfinsolvenzen [im Automobilsektor]. Im Vorjahr waren es insgesamt 34 Insolvenzen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>In diese negative Gemengelage passt auch die neueste Sottise von Prof. Marcel Fratzscher, dem Haus-und-Hof-Wirtschaftswissenschaftler der \u201eAmpel\u201c und Boss der NGO DIW in Berlin: Man solle, so seine Aussage, die energieintensiven Branchen einfach ziehen lassen &#8230;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Vermutlich hat der Mann wohl noch nie Dominosteine fallen sehen &#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In meiner letzten Kolumne berichtete ich \u00fcber die VW-Krise. Die hat sich inzwischen zu einer echten Autobauerkrise ausgeweitet \u2013 dieser Eindruck entsteht jedenfalls, wenn man den immer hysterischeren Headlines in der deutschen Presse folgt. Die sind ungl\u00fccklicherweise keineswegs \u00fcbertrieben. Das Ende ist nah? Tats\u00e4chlich scheint sich die VW-Krise bereits so weiter entwickelt zu haben, dass [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1765,"featured_media":506170,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"advgb_blocks_editor_width":"","advgb_blocks_columns_visual_guide":"","footnotes":""},"categories":[26049],"tags":[31183],"location":[24456],"article_type":[55242],"serie":[],"archives":[],"internal_archives":[],"reboot-archive":[81075],"class_list":["post-488583","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-mobility","tag-vw-en","location-germany","article_type-column","reboot-archive-community"],"blocksy_meta":[],"acf":{"subtitle":"Tats\u00e4chlich scheint sich die VW-Krise bereits so weiter entwickelt zu haben, dass neben der Schlie\u00dfung von Fabriken auch noch staatliche Beihilfen in der Diskussion sind, so Bernd Maier-Leppla.","text_display_homepage":false},"author_meta":{"display_name":"Bernd Maier-Leppla","author_link":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/author\/e-engine\/"},"featured_img":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/brewbart_a_straight_line_of_german_cars_standing_upright_on_the_74318eb1-618a-4208-bf73-1c58e8230806.png","coauthors":[],"tax_additional":{"categories":{"linked":["<a href=\"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/en\/category\/mobility\/\" class=\"advgb-post-tax-term\">Mobility<\/a>"],"unlinked":["<span class=\"advgb-post-tax-term\">Mobility<\/span>"]},"tags":{"linked":["<a href=\"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/en\/category\/mobility\/\" class=\"advgb-post-tax-term\">VW<\/a>"],"unlinked":["<span class=\"advgb-post-tax-term\">VW<\/span>"]}},"comment_count":"0","relative_dates":{"created":"Posted 2 years ago","modified":"Updated 2 years ago"},"absolute_dates":{"created":"Posted on September 29, 2024","modified":"Updated on September 29, 2024"},"absolute_dates_time":{"created":"Posted on September 29, 2024 12:00 pm","modified":"Updated on September 29, 2024 12:00 pm"},"featured_img_caption":"","series_order":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/488583","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1765"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=488583"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/488583\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/wp-json\/wp\/v2\/media\/506170"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=488583"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=488583"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=488583"},{"taxonomy":"location","embeddable":true,"href":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/wp-json\/wp\/v2\/location?post=488583"},{"taxonomy":"article_type","embeddable":true,"href":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/wp-json\/wp\/v2\/article_type?post=488583"},{"taxonomy":"serie","embeddable":true,"href":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/wp-json\/wp\/v2\/serie?post=488583"},{"taxonomy":"archives","embeddable":true,"href":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/wp-json\/wp\/v2\/archives?post=488583"},{"taxonomy":"internal_archives","embeddable":true,"href":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/wp-json\/wp\/v2\/internal_archives?post=488583"},{"taxonomy":"reboot-archive","embeddable":true,"href":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/wp-json\/wp\/v2\/reboot-archive?post=488583"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}