{"id":349559,"date":"2022-01-26T09:07:52","date_gmt":"2022-01-26T08:07:52","guid":{"rendered":"https:\/\/innovationorigins.com\/?p=349559"},"modified":"2022-01-26T09:07:52","modified_gmt":"2022-01-26T08:07:52","slug":"textilarchitekt-will-die-formgebung-von-kleidern-revolutionieren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/de\/textilarchitekt-will-die-formgebung-von-kleidern-revolutionieren\/","title":{"rendered":"Textilarchitekt will die Formgebung von Kleidern revolutionieren"},"content":{"rendered":"\n<p>Jef Montes war von&nbsp;der Sch\u00f6nheit der Meere und der H\u00e4sslichkeit der Plastikverschmutzung&nbsp;geleitet, als er&nbsp;2014 sein nachhaltiges Modeprojekt&nbsp;<em>Marinero<\/em>&nbsp;startete. Der Architekt wollte Kunststoffe aus den Meeren recyceln und daraus modische Kleider herstellen, deren Formgebung an Meereswellen erinnert. Ein Effekt, den er \u00fcber architektonisch konstruierte Stoffe erreicht, die unter Einwirkung von&nbsp;&nbsp;Regen, starkem Wind und Trockenheit eine vorab definierte dreidimensionale Form annehmen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Mit diesem neuartigen Ansatz will er die traditionelle Lieferkette revolutionieren. 2D-Schnitte, Schere und Nadel werden obsolet.&nbsp;Das Material entwickelt sozusagen seine eigene Schnitttechnik und wandelt sich von 2D zu 3D. Abfall, wie in der konventionellen Bekleidungskonfektion, entsteht keiner. Das Konzept stammt aus der Biomimikry \u2013 in der sich 2D-Elementarformen in komplexe 3D-Formen aufl\u00f6sen. Montes hat sich&nbsp;von der Konstruktion von vom nat\u00fcrlichen Wachstumsprozess von Kiefernzapfen inspirieren lassen. Insbesondere waren es die Faltlinien der Kiefernzapfen, die er in seine textilen Architekturen auf Mikro- und Makroebene integrierte. Aber auch die Art, wie sich ihre Form durch die Witterungseinfl\u00fcsse ver\u00e4ndert.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/archive.ioplus.nl\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/1ee38af7-785d-4dd9-a041-c784a5deb1c6-2-1004x710.jpg\" alt=\"Formgebung, Textilarchitektur, Adaptive Skins, Jef Montes,\" class=\"wp-image-349569\"\/><figcaption>Das Tannenzapfenprinzip inspiriert die Formgebung (c) Adaptive Skins<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Zun\u00e4chst wirkt seine Arbeit recht unspektakul\u00e4r. Montes fertigt Rechtecke mit \u00d6ffnungen f\u00fcr Kopf und Arme. Das Potenzial zur Formgebung steckt in der architektonischen Stoffkonstruktion, die den Plan enth\u00e4lt. Wobei es die Fasern, beziehungsweise die technischen Filamente sind, welche den gr\u00f6\u00dften Teil der Arbeit \u00fcbernehmen. Die&nbsp;Herausforderung ist es, eine Filamentstruktur zu schaffen, die dem Material und dem Ziel des Experiments folgen und \u00fcberraschend sch\u00f6ne Formgebung bewirkt, so der Forscher.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\" id=\"das-adaptive-archifilament-0a0109a9-1777-4ad1-911b-c649a8bb639b\">Das adaptive Archi-Filament<\/h3>\n\n\n\n<p>In Zusammenarbeit mit der&nbsp;<em>Horizon 2020<\/em>&nbsp;Co-Creation-Tech-Plattform&nbsp;<a href=\"https:\/\/re-fream.eu\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><em>Re-FREAM<\/em>&nbsp;in Linz<\/a> hatte Montes 2020\/21 die M\u00f6glichkeit, Forschung und Entwicklung f\u00fcr die das technische Filament&nbsp;voranzutreiben. Er&nbsp;entwickelte gemeinsam mit europ\u00e4ischen Technologiepartnern Garnkonstruktionen und nachhaltige Beschichtungstechniken. Das sogenannte adaptive&nbsp;<em>Archi-Filament<\/em>&nbsp;wurde in Kooperation mit <a href=\"https:\/\/haratech.at\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Haratech in Linz<\/a> entwickelt. In die Versuche gingen zwei Faserkategorien ein: recycelte Kunststoffabf\u00e4lle aus den Meeren und Biokunststoff (PLA).<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Auch interessant<\/strong>: <a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/selbstfaltende-materialien-ermoeglichen-die-bildung-von-komplexen-formen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Selbstfaltende Materialien erm\u00f6glichen die Bildung von komplexen Formen<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Die Eigenschaften des Garns m\u00fcssen von Garninneren nach au\u00dfen hin geschichtet werden. Dies sollte erst durch den Einsatz von 3D-Drucktechniken erreicht werden. Da aber die d\u00fcnnsten Faserversionen brachen, werden es am Ende doch konventionellere Garnherstellungsprozesse sein.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/archive.ioplus.nl\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/feea5974-666d-4ced-bd6e-aa7c4bb4de6d-1004x669.jpg\" alt=\"Formgebung, Adaptive Skins, Jef Montes, Meeresplastik\" class=\"wp-image-349567\"\/><figcaption>Neuartiges Prinzip der Formgebung (c) Adaptive Skins<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\" id=\"verformungsmechanismus-90b8abda-6580-4707-8530-fedde18005e2\">Verformungsmechanismus<\/h3>\n\n\n\n<p>Der Kern des adaptiven&nbsp;<em>Archi-Filaments<\/em>&nbsp;zeigt ein bewegliches, anpassungsf\u00e4higes Garn, das in Spiralen gelegt und mit einem wasserl\u00f6slichen F\u00fcllstoff aus Algenst\u00e4rke beschichtet wird. In dieser Konstrktion kann das Garn auf konventionellen Ger\u00e4ten wie Jacquardwebstuhl und Strickmaschine verarbeitet werden.&nbsp;Idee ist es, die Verformungsmechanismen (die Spiralen) zun\u00e4chst innerhalb einer festen Bio-Kunststoffschicht zu blockieren. Bei Regen&nbsp;<em>schmelzen<\/em>&nbsp;diese wasserl\u00f6slichen Schichten aus Algenst\u00e4rke und die gewebten und gestrickten Strukturen beginnen sich durch die freigewordenen Spiralen zu verformen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die gr\u00f6\u00dfte Herausforderung bei der Produktion des adaptiven Archi-Filaments besteht darin, das richtige Gleichgewicht zwischen den Materialien und der Beschichtung zu finden. Es ist erforderlich, alle Filamente und Garne innerhalb der Beschichtung zu halten. Die Beschichtung darf nicht platzen oder brechen. Alles im Inneren muss&nbsp;<em>eingefroren<\/em>&nbsp;bleiben, so Montes in seinem Open Source Plan.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<iframe loading=\"lazy\" title=\"Project Marinero overview and result\" width=\"1290\" height=\"726\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/QppLICtcXuc?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe>\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\" id=\"wasserlosliche-beschichtung-3cf33f98-5210-483e-b8a4-5ceaed989b42\">Wasserl\u00f6sliche Beschichtung<\/h3>\n\n\n\n<p>Die Beschichtung f\u00fcr das adaptive<em>&nbsp;Archi-Filament&nbsp;<\/em>wurde gemeinsam mit dem Institut f\u00fcr Materialtechnologie&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.aitex.es\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><em>AITEX&nbsp;<\/em>in Alcoy\/Valencia<\/a> und der Forschungseinrichtung&nbsp;<em>Wood K Plus<\/em>&nbsp;in Linz entwickelt.&nbsp;Technologien, die sie nutzten, waren Schmelzbeschichtung und Tauchbeschichtung. Die Tauchbeschichtung, die gemeinsam mit&nbsp;<em>AITEX<\/em>&nbsp;angewandt wurde, hat den Vorteil einer geringen Beschichtungstemperatur und kann dadurch f\u00fcr mehrere Materialtypen angewendet werden. Der Nachteil liegt in einem langwierigen Produktionsprozess. Trotzdem: Das Prinzip funktioniert und das Forschungsziel wurde erreicht \u2013 auch wenn es noch weitere Forschung braucht.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.wood-kplus.at\/de\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><em>Wood K Plus<\/em>&nbsp;in Linz <\/a>wendete eine Schmelzbeschichtungstechnik an, die zwar eine k\u00fcrzere Herstellungsdauer hat, aber eine hohe Schmelztemperatur erfordert. Dadurch ist die Bandbreite der zu verwendenden Materialien eingeschr\u00e4nkt. Auf hitzeempfindliche Materialien kann diese nicht angewendet werden. Die St\u00e4rke der Technik liegt in der gr\u00f6\u00dferen Umwandlungskraft, das hei\u00dft das adaptive Filament ist st\u00e4rker verformbar. Allerdings wurde nicht das technische Niveau erreicht, das f\u00fcr die Erstellung eines Prototypen erforderlich ist.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Auch interessant<\/strong>: <a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/ein-dreidimensionaler-ansatz-konnte-die-modeproduktion-revolutionieren\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Ein dreidimensionaler Ansatz k\u00f6nnte die Modeproduktion revolutionieren<\/a><\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\" id=\"das-design-folgt-dem-material-daa7eb4c-4111-48ef-aeb5-f023d95d9a34\">Das Design folgt dem Material<\/h3>\n\n\n\n<p>Die Materialien wurden in Zusammenarbeit mit dem&nbsp;<em>TextielLab Tilburg<\/em>&nbsp;gestrickt und gewebt. Webstoffe bestehen aus einer vertikal laufenden Kette und einem horizontal eingebrachten Schuss. Montes verwendet f\u00fcr die Kette Monofilament und f\u00fcr den Schuss&nbsp;variable&nbsp;nachhaltige Garne \u2013 wie etwa&nbsp;<em>Seacell<\/em>&nbsp;Seidengarne, die mit Algenpigmenten gef\u00e4rbt sind. Diese Kombination verursacht Reibung und f\u00fchrt bei unterschiedlichen meteorologischen Bedingungen wie Regen, starkem Wind oder Trockenheit zu dynamischen Formen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend Montes in den ersten sechs Jahren seines Projekts mit Geweben experimentierte, ging er in Re-FREAM mit dem&nbsp;<em>TextielLab Tilburg<\/em>&nbsp;zum Stricken \u00fcber. Stricken ist insofern anspruchsvoller als Weben, als es ein durchgehend intaktes Filament erfordert. Wenn ein Faden rei\u00dft oder ein Loch entsteht, muss das gesamte Kleidungsst\u00fcck verworfen werden. In Zukunft m\u00f6chte er beide Techniken verbinden.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\" id=\"formgebung-durch-die-witterung-69689890-b0ef-41c3-baca-e084418498e4\">Formgebung durch die Witterung<\/h3>\n\n\n\n<p>Das anschlie\u00dfende&nbsp;<em>Design follows Material<\/em>-Experiment lief \u00fcber sechs Monate. Insgesamt wurden 66 Marinero-Entw\u00fcrfe produziert, die jeweils f\u00fcr 30 Tage den Wetterbedingungen in der freien Natur ausgesetzt wurden und unter Einwirkung von Regen, starkem Wind und Sonne dynamische Formen annahmen. Die Au\u00dfeninstallationen wurden in Zusammenarbeit mit dem K\u00fcnstler <a href=\"http:\/\/bartnijboer.nl\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Bart Nijboer<\/a> entworfen. Wobei es zwei Modelle waren, die au\u00dferordentliche Ergebnisse zeigten: eines entwickelte eine besonders dramatische Form und ein anderes eine gute Balance zwischen allen entwickelten Garnprototypen und dem ma\u00dfgeschneiderten Effekt.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\" id=\"unmittelbar-kommerziell-umsetzbar-fbd73dc7-3bfc-499b-a50e-55c074d68763\">Unmittelbar kommerziell umsetzbar<\/h3>\n\n\n\n<p>Im Rahmen des umfangreichen Experiments mit&nbsp;<em>Wood K Plus<\/em>&nbsp;wurde ein Filament entwickelt, das strukturiert ist und aussieht, als sei es mit einem zarten Wasserfilm \u00fcberzogen. Wandelbar ist es nicht, aber es entwickelt in Gewebe und Strick einen faszinierend kristall\u00e4hnlichen optischen Effekt. F\u00fcr die Herstellung des sogenannten&nbsp;<em>BioTex Archi-Fil <\/em>musste eine eigene Maschine gebaut werden. Dadurch kann es jetzt kommerziell umgesetzt werden.&nbsp;Es wird erstmals im Juni 2022 auf der Messe&nbsp;<em>Techtextil<\/em>&nbsp;in Frankfurt zu sehen und k\u00e4uflich zu erwerben sein.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Das Projekt&nbsp;<em>Marinero<\/em>&nbsp;ist&nbsp;<em>open source<\/em>&nbsp;und wurde&nbsp;auf der Hauptseite von <a href=\"https:\/\/studioadaptiveskins.com\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">studioadaptiveskins.com<\/a> ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Weitere Kooperationspartner im Rahmen von\u00a0<em><a href=\"https:\/\/re-fream.eu\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">RE-FREAM<\/a><\/em>\u00a0waren\u00a0<em>die<\/em>\u00a0<em><a href=\"https:\/\/www.google.com\/search?client=safari&amp;rls=en&amp;q=JKU+Linz&amp;ie=UTF-8&amp;oe=UTF-8\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Johannes Kepler Universit\u00e4t Linz<\/a><\/em>, die\u00a0<em><a href=\"https:\/\/www.empa.ch\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Empa Eidgen\u00f6ssische Materialpr\u00fcfungsanstalt St. Gallen<\/a><\/em>\u00a0und\u00a0<a href=\"https:\/\/www.wur.nl\/en.htm\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><em>Wageningen University Researc<\/em>h<\/a>. <a href=\"https:\/\/creativeregion.org\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Creative Region Linz &amp; Upper Austria<\/a> ist ein Re-FREAM Partner und hat die K\u00fcnstlerInnen von Hub Linz w\u00e4hrend der beiden Projektrunden betreut.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Auch interessant<\/strong>: <a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/194191-2\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Jacke Setae von Julia K\u00f6rner demonstriert 3D-Druck auf Stoff<\/a>&nbsp;&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jef Montes war von&nbsp;der Sch\u00f6nheit der Meere und der H\u00e4sslichkeit der Plastikverschmutzung&nbsp;geleitet, als er&nbsp;2014 sein nachhaltiges Modeprojekt&nbsp;Marinero&nbsp;startete. Der Architekt wollte Kunststoffe aus den Meeren recyceln und daraus modische Kleider herstellen, deren Formgebung an Meereswellen erinnert. 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