{"id":346440,"date":"2022-01-15T12:00:00","date_gmt":"2022-01-15T11:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/innovationorigins.com\/?p=346440"},"modified":"2022-01-15T12:00:00","modified_gmt":"2022-01-15T11:00:00","slug":"ein-smartfone-auf-raedern-oder-andersrum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/de\/ein-smartfone-auf-raedern-oder-andersrum\/","title":{"rendered":"Ein Smartphone auf R\u00e4dern, oder andersrum?"},"content":{"rendered":"\n<p>Gerade ging die <a href=\"https:\/\/www.ces.tech\">CES 2022 <\/a>zu Ende. Nomen est omen. Das CE steht f\u00fcr \u201eConsumer Electronic\u201c. In der Vergangenheit war die CES die Messe f\u00fcr die IT-Branche. Fast alle renommierten Unterhaltungselektronik-, Computer- und Telekommunikationsfirmen mussten dort vertreten sein. Wer allerdings immer mit Abwesenheit gl\u00e4nzte, war Apple.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Apropos Apple.<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Vor ziemlich genau 15 Jahren wurde das erste iPhone vorgestellt. Das damalige Rennen um das erfolgreichste Smartphone ging zumindest nach \u201eConvenience-Gesichtspunkten\u201c an Cupertino.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Der ehemalige Platzhirsch und Handy-Hersteller NOKIA l\u00e4chelte anfangs nur \u00fcber die \u201eVersuche\u201c eines Computer-Unternehmens und der damalige Smartphone-Spezialist Blackberry (RIM) machte sich allenfalls hinter vorgehaltener Hand Sorgen um das zuk\u00fcnftige Business. Die CEOs von RIM, Research in Motion, erkannten durchaus die Relevanz. \u201eDie haben einen verdammten Mac in ein Telefon eingebaut!\u201c soll der Off-the-Record-Kommentar von Co-CEO Mike Lazaridis gewesen sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Wettbewerb war noch offen. Neben Googles \u201eAndroid-OS\u201c existierten mehrere andere aussichtreiche Konkurrenten. Das Android-OS und Smartphonedesign sah zu dem Zeitpunkt noch ganz anders aus und war eher mit den Blackberrys vergleichbar.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Das iPhone hat alles ver\u00e4ndert<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Bei Google war der kapazitive Touchscreen mit Pinch &amp; Zoom zu dem Zeitpunkt noch nicht auf dem Radar und Microsofts Steve Ballmer mokierte sich gar \u00fcber die Ambitionen von Steve Jobs und Apple.<\/p>\n\n\n\n<p>Der \u201eTouchscreen\u201c musste sich in der Tat erst durchsetzen. In Deutschland, wo die Vorbehalte dagegen am h\u00f6chsten waren, sagten gestandene IT-Journalisten dem iPhone bzw. dem Smartphone ohne \u201eechte\u201c Tasten eine grandiose Niederlage voraus \u2013 auch wegen des f\u00fcr damalige Verh\u00e4ltnisse hohen Preises.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>\u201eEin Auto ist kein iPhone auf R\u00e4dern\u201c<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Die Elektromobilit\u00e4t, wie wir sie heute kennen, war nat\u00fcrlich 2007 noch weit entfernt. Der erste Nissan LEAF wurde erst im August 2009 in Yokohama der \u00d6ffentlichkeit vorgestellt. In deutschen Landen kaprizierte man sich auf \u201eechte Fahrmaschinen\u201c, die immer mehr PS bekamen und auch immer gr\u00f6\u00dfer wurden. Da war die Verbrennerwelt noch in Ordnung.<\/p>\n\n\n\n<p>An eine Elektrifizierung dachte da noch kein deutscher Automanager und Teslas Siegeszug hatte noch nicht einmal begonnen, der allererste Roadster ein Lotus-Derivat, das zwar schon 2006 vorgestellt wurde, sollte erst ab 2008 in hom\u00f6opathischen Dosierungen produziert werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><strong>Auch interessant: <a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/entwicklung-autonomer-fahrzeuge-mit-technologien-aus-der-computerspiel-branche\/\">Entwicklung autonomer Fahrzeuge mit Technologien aus der Computerspiel-Branche<\/a><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Tesla wurde von den deutschen OEMs lange nicht mal beachtet (mit Ausnahme von Daimler, die anf\u00e4nglich eine Beteiligung hielten) und schlie\u00dflich bel\u00e4chelt. Ein BMW-Manager liess sich sogar noch in den sp\u00e4ten 2010er-Jahren im Blick auf die Kalifornier zu der Aussage hinreissen, dass ein Auto kein iPhone auf R\u00e4dern sei.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Digitalisierung als Fanal f\u00fcr die Autohersteller<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Die Digitalisierung im Automobil war und ist bis heute die Achillesferse der (deutschen) Premiumhersteller. BMWs erste Schritte mit dem Drehknopf auf der Mittelkonsole oder Daimlers Bem\u00fchungen mit dem \u201eComand-System\u201c muten heute wie Steinzeittechnologien an. Und selbst jetzt haben die OEMs noch nicht einmal das Niveau des allerersten iPhone erreicht. Die \u201eComputer\u201c in den derzeitigen Fahrzeugen verf\u00fcgen zwar \u00fcber m\u00e4chtige Mehrkern-Chips, aber die Software hinkt b\u00f6se nach.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>So kann man zwar in deutschen Premiumfahrzeugen einen Touchscreen benutzen, die Responsivit\u00e4t der Monitore auf Toucheingaben bleibt in der Regel weit hinter den billigsten Smartphones aus Fernost zur\u00fcck.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Was uns zur CES zur\u00fcckbringt<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Apple ist immer noch nicht in Las Vegas vertreten. Die Innovationen der IT-Branche erfahren immer weniger Beachtung, daf\u00fcr zeigen immer mehr Automobilhersteller der Welt Ihre Innovationen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Mehr oder weniger innovativ<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Die sind mehr oder weniger innovativ. Mercedes-Benz zeigte den Vision EQXX, der mit unglaublich hoher Effizienz und gigantischem Materialeinsatz 1.000 Kilometer weit mit einer 100 kWh-Batterie kommen soll. Das Auto selbst bleibt freilich nur eine Studie.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Andere Hersteller zeigen, wie man die Wagenfarbe des Fahrzeugs auf Knopfdruck von einem Schlamm-Ton in einen anderen Schlamm-Ton \u00e4ndern kann.&nbsp;<strong><em>Die<\/em><\/strong>&nbsp;L\u00f6sung f\u00fcr \u201eFirst-World-Probleme\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Sounddesigner aus Hollywood verpassen den Elektrofahrzeugen \u201eaufregende\u201c Klangeigenschaften (auf die der durchschnittliche Stromer-Pilot kaum Wert legt, denn der liebt die Stille des Antriebs) und zahlreiche Weltkonzerne k\u00fcndigen Kooperationen mit Software- und Computerfirmen an, um den R\u00fcckstand bei der Digitalisierung, vornehmlich dem autonomen Fahren m\u00f6glichst schnell wett zu machen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Ohne iPhone h\u00e4tte es l\u00e4nger gedauert<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Fakt ist, dass ohne die Einf\u00fchrung des iPhone vor 15 Jahren die Entwicklung in der PC-Welt m\u00f6glicherweise eine andere Wendung genommen h\u00e4tte. Soziale Medien h\u00e4tten einen weit langsameren Siegeszug ohne Smartphone hingelegt und die Automobilentwicklung w\u00e4re vermutlich noch sp\u00e4ter in die Digitalisierung eingestiegen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Fakt ist aber auch: das Automobil wird tats\u00e4chlich zum Smartphone auf R\u00e4dern (werden m\u00fcssen). Das haben nicht zuletzt die ehemaligen IT-Firmen erkannt, die sich immer h\u00e4ufiger an ein (Elektro-) Fahrzeug herantrauen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\nhttps:\/\/youtu.be\/3jZmLIe_vEA\n<\/div><figcaption>Sony&#8217;s E-Auto VISION-S 02<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Sony, Huawei, Google, Microsoft (mobileye), Foxconn und Apple. Sie alle treten gerade erst in den Wettbewerb um das Elektroauto ein. Bei der Software sind sie ganz weit vorne. Und das ist das Problem f\u00fcr die OEMs. Fragt sich: wer macht das Rennen?<\/p>\n\n\n\n<p>Der Elektronikriese, der ein Auto baut oder der Autohersteller, der versucht Software-Know-how zu entwickeln?&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die Antwort auf diese Frage bleibt spannend.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><strong>Die andere&nbsp;<a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/?s=BERND+MAIER-LEPPLA\">Kolumne von Bernd Maier-Leppla<\/a>&nbsp;lesen Sie hier.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Foto: Auf der CES 2020 in Las Vegas pr\u00e4sentierte der japanische Elektronik-Konzern die Studie einer Elektro-Limousine, die mit \u00f6sterreichischer und deutscher Hilfe entstanden ist.&nbsp;(c) Consumer Technology Association.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Zu dieser Rubrik:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>In einer w\u00f6chentlichen Kolumne, abwechselnd geschrieben von Bert Overlack, Eveline van Zeeland, JP Kroeger, Eug\u00e8ne Franken, Helen Kardan, Katleen Gabriels, Carina Weijma, <strong>Bernd Maier-Leppla <\/strong>und Colinda de Beer versucht Innovation Origins herauszufinden, wie die Zukunft aussehen wird. Diese Kolumnisten, manchmal erg\u00e4nzt durch Gastblogger, arbeiten alle auf ihre Weise an L\u00f6sungen f\u00fcr die Probleme unserer Zeit.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gerade ging die CES 2022 zu Ende. Nomen est omen. Das CE steht f\u00fcr \u201eConsumer Electronic\u201c. In der Vergangenheit war die CES die Messe f\u00fcr die IT-Branche. Fast alle renommierten Unterhaltungselektronik-, Computer- und Telekommunikationsfirmen mussten dort vertreten sein. Wer allerdings immer mit Abwesenheit gl\u00e4nzte, war Apple. Apropos Apple. 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