{"id":310571,"date":"2021-10-03T09:25:33","date_gmt":"2021-10-03T07:25:33","guid":{"rendered":"https:\/\/innovationorigins.com\/?p=310571"},"modified":"2021-10-03T09:25:33","modified_gmt":"2021-10-03T07:25:33","slug":"technologieoffenheit-oder-wie-das-dogma-entwicklungen-behindert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/de\/technologieoffenheit-oder-wie-das-dogma-entwicklungen-behindert\/","title":{"rendered":"&#8220;Technologieoffenheit&#8221; \u2013 oder wie das Dogma Entwicklungen behindert"},"content":{"rendered":"\n<p>&#8220;Wenn du es eilig hast, gehe langsam.\u201c Will sagen, wenn wichtige Entscheidungen und Ma\u00dfnahmen getroffen werden m\u00fcssen, ist es besser wohl\u00fcberlegt aber zielstrebig vorzugehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn\u2019s um den Verkehr geht, der nachweislich einen der h\u00f6chsten Anteile am CO<sub>2<\/sub>-Ausstoss auf diesem Planeten hat, scheint alles gelaufen zu sein. Neben der Einsicht, dass weniger gefahren werden muss, scheint der Elektroantrieb mit Batterie das Rennen gewonnen zu haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Wer, wie einige wenige Autohersteller, immer noch die &#8220;Technologieoffenheit\u201c propagiert, der landet nicht nur wegen der twitter- und Facebook-Blase immer mehr im Abseits. BMW beispielsweise hat neben dem batterieelektrischen Antrieb f\u00fcr Pkw immer noch den Wasserstoff auf dem Radar. Toyota und Hyundai werden ihre H2-Stromer-Stragegien ebenfalls weiterverfolgen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Fatal Wasserstoff herauszuk\u00fcrzen<\/h3>\n\n\n\n<p>Dennoch w\u00e4re es fatal, den Wasserstoff an sich aus der Berechnung komplett herauszuk\u00fcrzen. Jede Anstrengung, jede Technologie, die zur Dekarbonisierung beitragen kann, sollte weiterverfolgt werden. Das Klima interessiert es letztlich nicht, wie das erreicht wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Die ersten kontrovers diskutierten Ans\u00e4tze waren die sogenannten E-Fuels. Dabei wird der Luft Kohlendioxid entzogen und mittels \u201egr\u00fcnem\u201c Wasserstoff synthetische Kraftstoffe hergestellt. Der Vorteil: nur das CO<sub>2<\/sub>, das der Luft entzogen wurde, wird wieder freigesetzt. Der Verbrennungsmotor w\u00e4re quasi CO<sub>2<\/sub>-neutral.<\/p>\n\n\n\n<p>In Norwegen, wo derzeit der monatliche Absatztrend laut Prognosen bis Mai \u201922 nahezu 100% elektrifizierte Fahrzeuge erreichen wird, besteht der Pkw-Bestand Ende 2020 aus rund 2,8 Mio. Fahrzeugen, nur 340.000 davon waren reine Elektroautos. W\u00fcrde man die 2,5 Mio. Verbrenner mit synthetischen Kraftstoffen betanken, solange sie noch auf den Stra\u00dfen unterwegs sind, w\u00e4re man auf der klimasicheren Seite.<\/p>\n\n\n\n<p>Ungl\u00fccklicherweise wird f\u00fcr die Herstellung des &#8220;gr\u00fcnen\u201c Wasserstoff Energie ben\u00f6tigt, die \u2013 <em>nomen est omen <\/em>\u2013 nur aus regenerativen Energiequellen stammen darf. Das halten viele Elektroauto-Fans f\u00fcr den falschen Weg, denn der Energieaufwand daf\u00fcr w\u00fcrde ein vielfaches dessen betragen, was beispielsweise ein Batterie-Elektroauto f\u00fcr dieselbe Strecke verbraucht. Und Energie, das haben wir inzwischen gelernt, ist kostbar, und vor allem in Deutschland besonders teuer.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Synthetische Kraftstoffe<\/h3>\n\n\n\n<p>Porsche geht deshalb einen anderen Weg. Man will in Patagonien zusammen mit Siemens Energy ein Kraftwerk f\u00fcr die Herstellung synthetischer Kraftstoffe in Betrieb nehmen. Der Strom f\u00fcr die Wasserstoff-Herstellung soll dabei aus Windkraftwerken kommen. Keine Dumme Idee, denn in Patagonien bl\u00e4st der Wind recht stark. Der Kraftstoff selbst wird dann wieder ganz normal durch Tankschiffe auf die M\u00e4rkte gebracht. Sp\u00e4testens hier wird sich die \u00d6kobilanz wieder dramatisch verschlechtern. Andererseits w\u00e4re ein Stromkabel von Patagonien nach Deutschland \u2026 lassen wird das.<\/p>\n\n\n\n<p>Seit der IAAMobility sorgt auch <a href=\"https:\/\/www.obrist.at\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/edison_-_Tesla_fu__r_20.000_Euro__Ja__aber_mit_Hybridantrieb.pdf\">das \u00f6sterreichische Unternehmen Obrist<\/a> f\u00fcr sehr kontroverse Diskussionen. Die \u00d6sterreicher haben einen entscheidenden Fehler begangen: sie haben ein Tesla Model Y als Proof-of-Concept auf Range Extender-Betrieb umgestellt. Ein kleiner, \u00e4u\u00dferst g\u00fcnstiger Methanolmotor, der gerade mal 2.500 Euro kostet, liefert die Energie f\u00fcr eine kleine Pufferbatterie, die dann das Fahrzeug rein elektrisch antreibt.<\/p>\n\n\n\n<p>Tesla-Fans sind die Dogmatiker der Elektromobilit\u00e4t. F\u00fcr sie z\u00e4hlt nur der kalifornische Hersteller, auf Elektroauto-Piloten, die auf anderen Herstellern unterwegs sind, wird gerne h\u00e4misch heruntergeblickt. Verbrenner-Fahrer sind ohnehin v\u00f6llig indiskutabel.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Model Y mit Verbrennungsmotor<\/h3>\n\n\n\n<p>Einen Tesla umzubauen \u2013 das ist die reine H\u00e4resie. Da war schon die Tatsache, dass man ein Model Y mit einem Verbrennungsmotor ausgestattet hatte, genug, um die eigentlich clevere Anstrengung der \u00d6sterreicher zu verdammen und die Idee dahinter nicht mehr zu beachten.<\/p>\n\n\n\n<p>Zitat aus der twitter-Blase: &#8220;In einen Tesla einen Verbrennungsmotor einbauen. Auf solche Ideen kommt man auch nur in Deutschland und nennt das dann Innovation (Woman facepalming). Wie viel Stahlwerke wir wohl br\u00e4uchten um auch nur 1\u2030 unseres Spritbedarfs zu decken?! Schwerter zu Stahlwerken!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Das muss man nicht kommentieren. Aber zur\u00fcck zu Obrist: clever deshalb, weil der Methanol-Stromer mit 3 Litern 100 Kilometer weit kommt \u2013 dank der Effizienz des Elektromotors. Die Batterie wurde dramatisch verkleinert, was weniger CO<sub>2<\/sub>-Rucksack bedeutet. Die Fahrleistungen sind \u00e4hnlich wie bei einem herk\u00f6mmlichen Tesla.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Riesige Sonnenfarmen<\/h3>\n\n\n\n<p>Das Methanol \u2013 und das ist das Neue an der Obrist-Vision \u2013 soll in sonnenreichen L\u00e4ndern, wie beispielsweise Nordafrika, durch riesige Solarfarmen hergestellt werden. Dabei sollen diese Solarfarmen an der K\u00fcste entstehen, um das Meerwasser durch Elektrolyse in Wasserstoff und Sauerstoff aufzuspalten. Schlie\u00dflich soll durch riesige Anlagen auch noch das CO<sub>2<\/sub> aus der Luft entzogen werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Damit nicht genug. Man m\u00f6chte der Luft so viel CO<sub>2<\/sub> entziehen um zus\u00e4tzlich Graphit herzustellen, mithin also Kohlenstoff in fester Form, der als Rohstoff f\u00fcr eine weitere Verarbeitung (beispielsweise Schmierstoffe) verwendet werden kann. Auch ist Graphit gefahrloser zu lagern, als beispielsweise in anderen CCS-Verfahren, die das Gas in unterirdische Kavernen verbringen wollen.<\/p>\n\n\n\n<p>Unter dem Strich w\u00fcrde also ein mit Methanol aus dieser Kreislaufwirtschaft angetriebenes Fahrzeug einen Minusrekord bei den CO<sub>2<\/sub>-Emissionen aufgestellen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">F\u00fcr \u00d6ko-Dogmaktiker nicht satisfaktionsf\u00e4hig<\/h3>\n\n\n\n<p>Diese innovative Idee war es der scheidenden Bundesministerin Anja Karliczek tats\u00e4chlich Wert, Subventionen und Unterst\u00fctzung des Ministeriums f\u00fcr Forschung und Bildung zu signalisieren. Das war der zweite Fehler der \u00d6sterreicher. Denn Karliczek ist Mitglied der CDU und damit f\u00fcr die \u00d6ko-Dogmatiker ohnehin nicht satisfaktionsf\u00e4hig.<\/p>\n\n\n\n<p>Ob das Projekt tats\u00e4chlich zielf\u00fchrend und finanzierbar ist, bleibt dahingestellt. Aber 3 Liter Methanol sind immer noch weniger als beispielsweise 8 Liter Diesel- oder 12 Liter Benzin-Surrogat f\u00fcr 100 Kilometer, f\u00fcr die verbleibenden riesigen Verbrennerflotten dieser Welt. Denn die werden, selbst wenn 2030 die ersten L\u00e4nder den Verkauf von Verbrennern verbieten, immer noch jahrelang weiterfahren.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Dogma, so haben wir gerade gelernt, bleibt auch im 21. Jahrhundert weiter relevant. Und Ideologie frisst Pragmatism.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220;Wenn du es eilig hast, gehe langsam.\u201c Will sagen, wenn wichtige Entscheidungen und Ma\u00dfnahmen getroffen werden m\u00fcssen, ist es besser wohl\u00fcberlegt aber zielstrebig vorzugehen. Wenn\u2019s um den Verkehr geht, der nachweislich einen der h\u00f6chsten Anteile am CO2-Ausstoss auf diesem Planeten hat, scheint alles gelaufen zu sein. 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