{"id":302796,"date":"2021-08-25T07:30:00","date_gmt":"2021-08-25T05:30:00","guid":{"rendered":"https:\/\/innovationorigins.com\/?p=302796"},"modified":"2021-08-25T07:30:00","modified_gmt":"2021-08-25T05:30:00","slug":"wiener-forscher-recycling-von-textilien-soll-nicht-den-rapiden-sortimentswechsel-rechtfertigen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/de\/wiener-forscher-recycling-von-textilien-soll-nicht-den-rapiden-sortimentswechsel-rechtfertigen\/","title":{"rendered":"Wiener Forscher: Recycling von Textilien soll nicht den rapiden Sortimentswechsel rechtfertigen"},"content":{"rendered":"\n<p>Recyclingfasern werden in der Bekleidungsindustrie schon verwendet \u2013 aber vor allem solche aus PET (Polyethylenterephthalat) &#8211; und das wird unter anderem aus Getr\u00e4nkeflaschen gewonnen. Rund drei Viertel des aus alten PET-Flaschen hergestellten Granulats werden von Faserherstellern verbraucht, wei\u00df <a href=\"https:\/\/tiss.tuwien.ac.at\/adressbuch\/adressbuch\/person\/41825\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Dr. Andreas Bartl<\/a> von der <a href=\"https:\/\/tiss.tuwien.ac.at\/fpl\/research-unit\/index.xhtml?id=15\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Forschungsgruppe <em>Partikeltechnologie, Recyclingtechnologie und Technikbewertung<\/em><\/a><em> <\/em>an der<em> <a href=\"https:\/\/www.tuwien.at\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">TU Wien<\/a><\/em>. Hingegen macht das Recycling von Textilien erst einen Prozent aus! (Quelle: <a href=\"https:\/\/www.ellenmacarthurfoundation.org\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Ellen MacArthur Foundation<\/a>, 2017). Die Kreislaufwirtschaft scheitert wesentlich daran, dass das Recycling von textilen Fasern teurer ist, als Fasern neu zu produzieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Bartl forscht gemeinsam mit seinen Kollegen Emanuel Boschmeier und <a href=\"https:\/\/tiss.tuwien.ac.at\/adressbuch\/adressbuch\/person\/44923\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Wolfgang Ipsmiller<\/a> im EU-Projekt <a href=\"https:\/\/www.esg-group.eu\/en\/news\/2021-07-02-scirt-project-horizon2020\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">SCIRT <\/a>(System Circularity &amp; Innovative Recycling of Textiles). Im Konsortium mit 18 Forschungspartnern aus f\u00fcnf L\u00e4ndern, wollen sie die Hindernisse f\u00fcr das Textilrecycling \u00fcberwinden, um eine echte, dauerhafte Kreislaufwirtschaft f\u00fcr Mode zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/archive.ioplus.nl\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/TU_SCIRT_Labor_Fasermischung-1004x669.jpg\" alt=\"Recycling von Textilien, Modeindustrie, Kreislaufwirtschaft, \" class=\"wp-image-302812\"\/><figcaption>Recycling von Textilien aus zwei oder mehreren Fasern (c) TU Wien <\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Alttextilien getrennt sammeln<\/h3>\n\n\n\n<p>Bis dato ist aber noch nicht mal die getrennte Sammlung von Alttextilien verpflichtend. Bartl: \u201eDerzeit erfolgt diese auf freiwilliger Basis, weil Alttextilien&nbsp; aufgrund der EU-Richtlinie 2008\/851 als Hausm\u00fcll gelten. Aber das wird sich ab 2025 \u00e4ndern, denn dann wird die getrennte Sammlung verpflichtend.\u201c Die Quote sei derzeit noch offen. Bei Elektroger\u00e4ten m\u00fcssen zum Beispiel 65 Prozent von den drei Jahre zuvor gekauften Ger\u00e4ten gesammelt werden (Richtlinie 2012\/19\/EU). Ob es noch zus\u00e4tzliche Auflagen geben wird, ist noch ungewiss. Eine m\u00f6gliche Auflage &nbsp;k\u00f6nnte sein, dass zum Beispiel 30 Prozent der gesammelten Alttextilien aus Recyclingmaterial bestehen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<p>Aus technischer Perspektive gibt es im Projekt SCIRT zwei Schwerpunkte: Zum einen soll ein umweltfreundliches Recyclingverfahren f\u00fcr Mischfasern auf industrielles Niveau gebracht werden und zum anderen gilt es, recyclingf\u00e4hige Design- und Produktionspraxen zu entwickeln.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Umweltfreundliches Recycling von Textilien<\/h3>\n\n\n\n<p>Was das Recycling so aufw\u00e4ndig macht, das sind Textilien aus zwei oder mehreren Fasermaterialien. Die Kombination mehrerer Fasern soll Textilien spezielle Funktionen verleihen, wie etwa verbesserte Trage- und Pflegeeigenschaften sowie eine h\u00f6here Lebensdauer. Eine der h\u00e4ufigsten Fasermischungen ist Baumwolle\/Polyester. Problematisch an Mischtextilien ist, dass diese im Recycling schwer zu trennen sind. Vorhandene Trennverfahren sind in Technologie, Procedere und Preis noch nicht marktf\u00e4hig. Das zu \u00e4ndern ist die Aufgabe von Bartl und seinen Kollegen. Sie wollen &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>ein gr\u00fcnes Recyclingverfahren f\u00fcr Mischfasern auf eine industrielle Basis heben. Das Verfahren wurde gemeinsam mit der <a href=\"https:\/\/boku.ac.at\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><em>Universit\u00e4t f\u00fcr Bodenkultur<\/em> <\/a>(BOKU) Wien entwickelt und basiert auf Enzymen aus Bakterien.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Auch interessant:<\/strong> <a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/natuerliche-enzyme-revolutionieren-das-plastikrecycling\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Nat\u00fcrliche Enzyme revolutionieren das Plastikrecycling<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Dieses Verfahren erm\u00f6glicht es, das Polyester zur\u00fcckzugewinnen. Das Enzym spaltet n\u00e4mlich die Cellulose aus der Baumwolle in kleine Molek\u00fcle und verwandelt sie so in Glukose, die zum Beispiel in der chemischen Industrie weiterverarbeitet werden kann. \u00dcbrig bleiben die Polyesterfasern, die eingeschmolzen und zu Granulat verarbeitet werden. Das ist die Ausgangsbasis, um diese einer neuen Verwendung zuzuf\u00fchren. Die Enzyme werden bereits in gro\u00dfem Ma\u00dfstab industriell gewonnen, sind also vorhanden. Auch in der Re-Granulation von Polyester kann man auf bestehende Verfahren zur\u00fcckgreifen. Bartl und sein Team werden das Verfahren optimieren und in gro\u00dfem Ma\u00dfstab nutzbar machen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Erschwerende Effekte vermeiden<\/h3>\n\n\n\n<p>Eine weitere H\u00fcrde f\u00fcr ein kosteneffizientes Recycling sind traditionelle Design- und Produktionspraxen. Beispiel daf\u00fcr sind zum Beispiel die Metallnieten und -kn\u00f6pfe an den Taschen von Jeans und die Lederlabels am Bund. Die Entfernung von Metall und Leder w\u00e4re zu aufw\u00e4ndig, weshalb meist nur die Hosenbeine recycelt werden und der obere Teil der Hose weggeworfen wird. So beschreibt es der belgische Projektpartner <a href=\"https:\/\/www.letsbehonest.eu\/pages\/about\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">HNST <\/a>auf seiner Website. <\/p>\n\n\n\n<p>In SCIRT gilt es L\u00f6sungen f\u00fcr Probleme dieser Art zu finden.<\/p>\n\n\n\n<p>In einer echten und dauerhaften Kreislaufwirtschaft d\u00fcrfen schwer oder nicht zu recycelnde Materialien gar nicht erst produziert werden. Auch das soll in SCIRT erreicht werden. Bartl: \u201eWir ermitteln mit unseren Partnern aus der Wirtschaft, welche Kriterien spezifische Textilien erf\u00fcllen m\u00fcssen. Diese Textilien ver\u00e4ndern wir dann so, dass sie recyclingf\u00e4hig sind. Im Gegenzug k\u00f6nnen wir erreichen, dass bestimmte Faserkombinationen nicht mehr verwendet werden.\u201c<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Unterst\u00fctzende politische Ma\u00dfnahmen<\/h3>\n\n\n\n<p>Soviel zu den technischen Herausforderungen im Recycling von Textilien. Dar\u00fcberhinaus werden die Forscher auch an Konsultationen der <em>Europ\u00e4ischen Kommission<\/em> teilnehmen, um Grundlagen f\u00fcr unterst\u00fctzende politische Instrumente einzubringen. Das erm\u00f6glicht es realistische und auch ambitioniertere Vorgaben zu machen, sagt Bartl.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein m\u00f6gliches umweltpolitisches Instrument ist etwa die <em>erweiterte Herstellerverantwortung<\/em> &nbsp;(Extended Producer Responsibility, EPR), mit der Herstellern die Verantwortung f\u00fcr das Management der Nachnutzungsphase eines Produkts \u00fcbertragen wird. Gesteuert wird diese Verantwortung \u00fcber die Geb\u00fchren die f\u00fcr in Verkehr gebrachte Produkte anfallen. F\u00fcr Produkte, die f\u00fcr die Kreislaufwirtschaft konzipiert sind, fallen n\u00e4mlich geringere Geb\u00fchren an. So k\u00f6nnen Anreize f\u00fcr vorgelagerte Design\u00e4nderungen geschaffen werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Am Ende des Projekts sollen sechs kreislauff\u00e4hige Basiskleidungsst\u00fccke stehen &#8211; von Unterw\u00e4sche \u00fcber Sportkleidung bis hin zu Uniformen. Die&nbsp; Kleidungsst\u00fccke sollen allen geforderten Funktionen entsprechen und erschwinglich f\u00fcr viele sein.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Verbraucherverhalten verstehen<\/h3>\n\n\n\n<p>Ziel des Forschungsprojekts sei es aber nicht, zu recyceln, um die rapiden Sortimentswechsel der Industrie rechtfertigen zu k\u00f6nnen, so Bartl: \u201eFr\u00fcher gab es zwei bis vier Kollektionen pro Jahr, jetzt sind es schon bis zu 25. Das kann nicht so weiter gehen.\u201c Ziel sei es vielmehr weniger Textilien auf den Markt zu bringen, die l\u00e4nger verwendet werden. Laut einer britischen Studie fallen 75 Prozent der Alttextilien unter die Kategorien <em>didn\u2019t like, didn\u2019t want, didn\u2019t fit<\/em>. Nur 19 Prozent der Alttextilien werden weggegeben, weil sie tats\u00e4chlich kaputt sind. \u201eSelbst wenn man die Lebensdauer von Kleidung signifikant erh\u00f6ht, k\u00f6nnte man nur diese 19 Prozent adressieren. F\u00fcr die 75 Prozent gibt es keine L\u00f6sung\u201c moniert Bartl. Das ist umso dramatischer, als der rapide Sortimentswechsel \u00dcberlager produziert, die \u201averschwinden\u2019, sobald die neuen Teile eintreffen. Bis zu 30 % werden verbrannt, bevor sie verkauft werden, so der Forscher. Offizielle Daten dazu gebe es nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Das ist der Punkt an dem die Verantwortung der Konsumierenden ins Spiel kommt. Um deren Perspektive einzubeziehen, werden im Projekt SCIRT B\u00fcrgerlabore an verschiedenen europ\u00e4ischen Standorten errichtet. Mithilfe einer Online-Beteiligungsplattform soll auch deren Konsumverhalten erforscht werden. Von Interesse sind die Wahrnehmung, die Motivationen und die Emotionen, die den Kauf, die Verwendung und die Entsorgung von Textilien bestimmen.<\/p>\n\n\n\n<p>SCIRT wird von <a href=\"https:\/\/vito.be\/en\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">VITO <\/a>koordiniert, einer unabh\u00e4ngigen fl\u00e4mischen Forschungsorganisation im Sektor Cleantech und nachhaltige Entwicklung.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Auch interessant<\/strong>: <a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/neue-methode-ermoglicht-das-recycling-von-kleidung-mit-polyamid-erstmals-im-geschlossenen-kreislauf\/\">Durchbruch im Recycling von Kleidung mit Polyamid<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Recyclingfasern werden in der Bekleidungsindustrie schon verwendet \u2013 aber vor allem solche aus PET (Polyethylenterephthalat) &#8211; und das wird unter anderem aus Getr\u00e4nkeflaschen gewonnen. 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