{"id":301396,"date":"2021-07-27T17:00:00","date_gmt":"2021-07-27T15:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/innovationorigins.com\/?p=301396"},"modified":"2021-07-27T17:00:00","modified_gmt":"2021-07-27T15:00:00","slug":"fein-gemahlenes-gestein-koennte-co2-in-der-atmosphaere-binden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/de\/fein-gemahlenes-gestein-koennte-co2-in-der-atmosphaere-binden\/","title":{"rendered":"Fein gemahlenes Gestein k\u00f6nnte CO2 in der Atmosph\u00e4re binden"},"content":{"rendered":"\n<p>Im Jahr 2016 haben sich 191 Staaten im Pariser Klimaabkommen darauf geeinigt, die globale Erw\u00e4rmung langfristig auf maximal 1,5\u00b0C zu senken. Um dieses Ziel zu erreichen, m\u00fcsste die Atmosph\u00e4re zuerst einmal von Kohlendioxid (CO2) gereinigt werden, um so genannte negative Emissionen zu erreichen. Hier stellt sich jedoch in erster Linie die Frage, wie diese negativen Emissionen schnell und mit technisch zuverl\u00e4ssigen Technologien realisieren lassen, die sowohl kosteneffizient als auch nachhaltig und \u00f6ffentlich akzeptabel sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine vielversprechende M\u00f6glichkeit w\u00e4re zum Beispiel, Pflanzen und B\u00f6den so zu st\u00e4rken, dass sie der Atmosph\u00e4re mehr Kohlenstoff entziehen, als sie freisetzen. Ein Team internationaler Wissenschaftler hat unter der Leitung des <a href=\"https:\/\/www.lsce.ipsl.fr\/en\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Laboratoire des Sciences du Climat et de l&#8217;Environnement (LSCE) <\/a>und unter Beteiligung mehrerer Forscher des <a href=\"https:\/\/iiasa.ac.at\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">IIASA &#8211; International Institute for Applied Systems Analysis<\/a> die Verwendung von fein gemahlenem Silikatgesteinspulver erforscht.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">&#8220;Negative Emissionstechnologie&#8221;<\/h3>\n\n\n\n<p>Gesteinsmehl zu verwenden, um die physikalischen Eigenschaften des Bodens \u2013 wie Wasserr\u00fcckhalt, Drainage, Bel\u00fcftung und Struktur \u2013 zu verbessern, ist nichts Neues. Um CO2 aus der Luft zu ziehen, wurde es bisher aber noch nicht genutzt. Die Forscher glauben jedoch, das m\u00f6glich w\u00e4re, wenn man das Gesteinsmehl gro\u00dffl\u00e4chig in den Boden einbringt.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei dieser negativen Emissionstechnologie setzt man auf die nat\u00fcrliche Reaktion von CO2 mit Gesteinen und Mineralien an der Erdoberfl\u00e4che w\u00e4hrend des Zerstzungs- und Verwitterungsprozesses. Dazu werden Silikatminerale zu einem Pulver zermahlen und auf den Boden gestreut. Dort reagiert es mit dem CO2 in der Luft und entfernt es aus der Atmosph\u00e4re. F\u00fcr diesen &#8220;abiotischen Kohlendioxid-Entfernungspfad&#8221; kommt besonders gut Basalt infrage. Der ist erstens eine reichlich vorhandene Gesteinsressource, au\u00dferdem hat er eine hohe Witterungsbest\u00e4ndigkeit und enth\u00e4lt laut Aussagen der Forscher auch Pflanzenn\u00e4hrstoffe, die &#8220;f\u00fcr einen zweiten biologischen CO2-Entfernungsweg von zentraler Bedeutung sind&#8221;.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;In einer Vielzahl von \u00d6kosystemen wird die Bindung von CO2 w\u00e4hrend der Photosynthese durch Pflanzen und seine Speicherung in Biomasse und B\u00f6den durch eine geringe Bodenfruchtbarkeit behindert&#8221;, erkl\u00e4rt Sibel Eker, Koautorin und Forscherin am IIASA. &#8220;Durch das Bespr\u00fchen von \u00d6kosystemen mit N\u00e4hrstoffmangel mit Basaltpulver, das bei der Verwitterung langsam N\u00e4hrstoffe freisetzt, k\u00f6nnten die N\u00e4hrstoffbeschr\u00e4nkungen theoretisch aufgehoben und die Kohlenstoffspeicherung im \u00d6kosystem gef\u00f6rdert werden.&#8221;<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Potenzial gr\u00f6\u00dfer als angenommen<\/h3>\n\n\n\n<p>In ihrer Studie untersuchten die Wissenschaftler speziell diese M\u00f6glichkeit der CO2-Bindung auf nat\u00fcrlichen \u00d6kosystemen mit wenig fruchtbaren B\u00f6den. Dazu verwendeten sie &#8220;ein umfassendes numerisches Modell der Biosph\u00e4re&#8221;, um die F\u00e4higkeit von Gesteinsmehl zu simulieren, CO2 aus der Atmosph\u00e4re zu entfernen. Es stellte sich heraus, dass pro Jahr bis zu 2,5 Gigatonnen CO2 abgebaut werden konnten. Davon waren rund 50 % auf die Reaktion der Biosph\u00e4re auf Gesteinsmehl zur\u00fcckzuf\u00fchren. Zudem zeigten sich die gr\u00f6\u00dften CO2-Entfernungsraten in Regionen, von denen man bisher dachte, dass sie f\u00fcr Gesteinsmehl nicht geeignet seien.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Unsere Ergebnisse machen das globale physikalische und wirtschaftliche CO2-Entfernungspotenzial von Basalt wesentlich gr\u00f6\u00dfer als bisher angenommen&#8221;, betont der Co-Autor der Studie, Michael Obersteiner, ein leitender Forscher des IIASA und Direktor des Environmental Change Institute an der Universit\u00e4t Oxford.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Auch wirtschaftlich rentabel<\/h3>\n\n\n\n<p>Um die Wirtschaftlichkeit des Verfahrens zu kalkulieren, ber\u00fccksichtigten die Forscher Informationen \u00fcber Herstellungskosten von Gesteinsmehl, den Transport und die Ausbringung von Gesteinsmehl. Weiterhin gingen sie davon aus, dass das Gesteinspulver mit Flugzeugen verspr\u00fcht w\u00fcrde. Am Ende zeigte sich, dass die Kosten bei etwa 150 US-Dollar pro Tonne entferntes CO2 liegen w\u00fcrden &#8211; niedriger als angenommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Damit eine ausreichend hohe Netto-CO2-Entfernung erreicht werden kann, m\u00fcsse laut Aussagen der Autoren allerdings der Basaltabbau ausgeweitet werden. Zus\u00e4tzlich m\u00fcssten in entlegenen Gebieten Systeme mit geringem Kohlenstoff-Fu\u00dfabdruck, wie Drohnen oder Luftschiffe, eingesetzt und au\u00dferdem Energie aus kohlenstoffarmen Quellen verwendet werden. Die Ergebnisse ihrer Studie w\u00fcrden zeigen, dass die Verbesserung von B\u00f6den durch Basalt &#8220;bei der Bewertung von Optionen f\u00fcr die Landbewirtschaftung zur Abschw\u00e4chung des Klimawandels als eine wichtige Option betrachtet werden sollte&#8221;. Dazu m\u00fcssten aber erst m\u00f6gliche Nebenwirkungen, ebenso wie nur begrenzt vorhandene Daten bez\u00fcglich des Einsatzes von Gesteinsmehl im Feldma\u00dfstab gekl\u00e4rt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Pilotstudien sollten sich auf gesch\u00e4digte Systeme und Aufforstungsprojekte konzentrieren, um m\u00f6gliche negative Nebenwirkungen zu testen&#8221;, so der Hauptautor der Studie, Daniel Goll, der mit der Universit\u00e4t Augsburg in Deutschland und dem LSCE in Frankreich zusammenarbeitet. &#8220;Wenn Gesteinsmehl die CO2-Entfernung in bestehenden bewirtschafteten Systemen verbessern kann, wird es dazu beitragen, den Druck auf nat\u00fcrliche \u00d6kosysteme anderswo zu verringern.&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p>Die Forscher haben die Ergebnisse ihrer Studie im Fachmagazin <a href=\"https:\/\/www.nature.com\/articles\/s41561-021-00798-x\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Nature Geoscience<\/a> ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Auch interessant:<\/strong><br><a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/wie-co2-aus-der-umgebungsluft-zu-einem-high-tech-rohstoff-wird\/\">Wie CO2 aus der Umgebungsluft zu einem High-Tech-Rohstoff wird<\/a><br><a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/neuer-effizienzmotor-co2-klimaziele\/\">Neuer Effizienzmotor als Weg zu CO2-Klimazielen<\/a><br><a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/vorbild-natur-aus-sonnenlicht-co2-und-wasser-wird-ameisensaure\/\">Vorbild Natur: Aus Sonnenlicht, CO2 und Wasser wird Ameisens\u00e4ure<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Jahr 2016 haben sich 191 Staaten im Pariser Klimaabkommen darauf geeinigt, die globale Erw\u00e4rmung langfristig auf maximal 1,5\u00b0C zu senken. 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