{"id":300601,"date":"2021-09-01T10:00:00","date_gmt":"2021-09-01T08:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/innovationorigins.com\/?p=300601"},"modified":"2021-09-01T10:00:00","modified_gmt":"2021-09-01T08:00:00","slug":"pelze-aus-dem-labor-koennten-die-zucht-von-pelztieren-obsolet-machen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/de\/pelze-aus-dem-labor-koennten-die-zucht-von-pelztieren-obsolet-machen\/","title":{"rendered":"Pelz aus dem Labor k\u00f6nnte die Zucht von Pelztieren obsolet machen"},"content":{"rendered":"\n<p>Als in der Coronakrise auf d\u00e4nischen und niederl\u00e4ndischen Nerzfarmen Infektionen nachgewiesen wurden, mussten Millionen Tiere get\u00f6tet werden. Stimmen gegen die Zucht von Pelztieren wurden laut. In den Niederlanden beschloss man daraufhin die Pelztierzucht sofort zu verbieten. Urspr\u00fcnglich war das Ende ab 2024 geplant.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Zucht von Pelztieren ist grausam den Tieren gegen\u00fcber. Geht es nach <a href=\"https:\/\/www.peta.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">PETA<\/a>, dann stellt diese aber auch eine der gr\u00f6\u00dften Klimabedrohungen unserer Zeit dar. Bedenklich sei sowohl die Produktion von Futtermitteln als auch die nitrathaltige Ausscheidung der Pelztiere auf Farmen, so die Tierschutzorganisation.<\/p>\n\n\n\n<p>Zuletzt haben auch mehrere Modeluxuslabels erkl\u00e4rt, in Zukunft auf Pelz verzichten zu wollen. F\u00fcr die Tierschutzorganisationen ist das ein gro\u00dfer Erfolg. Denn, \u201ePelz ist der Inbegriff von Luxus und es wird immer Menschen geben, die ihren Status nach au\u00dfen zeigen wollen\u201c, sagt Maria Zakurnaeva. Sie ist Chief Executive Officer der <em><a href=\"https:\/\/www.furoid.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Furoid SE<\/a> <\/em>in Gr\u00fcndung und hat fr\u00fcher selbst in der Modeindustrie gearbeitet. Weiters gehe es auch um die hohe W\u00e4rmeleistung von Pelz. In Regionen mit bis zu 50 Minusgraden gebe es keine Alternative zu echten Pelzen und Fellen. Bei diesen Temperaturen w\u00e4rmt eine Daunenjacke nicht ausreichend. Au\u00dferdem Daunenjacken aus fossilen Kunststoffen und Daunen &#8211; sind also weder nachhaltig noch grausamkeitsfrei. <\/p>\n\n\n\n<p><strong>Auch interessant:<\/strong> <a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/tierversuchsfreie-medizinische-forschung-braucht-eine-klare-gesetzgebung\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Tierversuchsfreie medizinische Forschung braucht eine klare Gesetzgebung<\/a><\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Zucht von Pelztieren k\u00f6nnte obsolet werden<\/h3>\n\n\n\n<p>Aber auch wenn die Zucht von Pelztieren verboten wird, muss die Modeindustrie langfristig nicht auf Pelze und Felle verzichten: Weltweit arbeiten schon mehrere Forschungsgruppen an einer zellbasierten Alternative aus dem Labor. Geht es nach dem Start-up <em>Furoid SE<\/em>, dann wird das Labor die einzig m\u00f6gliche Quelle f\u00fcr Pelze und Felle mit echtem Pelztierhaar sein. Wann mit einer marktreifen L\u00f6sung zu rechnen ist, ist noch unklar.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein multidisziplin\u00e4res Team um <em>Chief Scientific Director<\/em> Professor <a href=\"https:\/\/research.vumc.nl\/en\/persons\/sue-gibbs\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Sue Gibbs<\/a> von der <em><a href=\"https:\/\/vu.nl\/nl\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Freie Universit\u00e4t Amsterdam<\/a><\/em>, hat in der Vergangenheit bereits menschliche Haarfollikel im Labor gez\u00fcchtet. Jetzt hat es dieses Verfahren weiterentwickelt, um auch Pelze und Felle von Tieren im Labor z\u00fcchten zu k\u00f6nnen. Der <em>proof-of-concept<\/em> ist bereits geschafft: Die Reproduzierbarkeit des Ergebnisses konnte in vitro nachgewiesen werden. <\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/archive.ioplus.nl\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/IMG_9093-753x1004.jpg\" alt=\"Pelztieren, Pelztiere, Pelztierzucht, Grausamkeitsfrei\" class=\"wp-image-301268\" width=\"425\" height=\"566\"\/><figcaption>Das erste biogeprintete Kollagenst\u00fcck mit integrierten Haarfollikeln (c) Furoid<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Stammzellen gef\u00e4hrdeter Arten von Pelztieren<\/h3>\n\n\n\n<p>Die Forscher nutzen Zellen von verschiedenen Wirbeltieren (Vertebrata). Beispiele sind Chinchilla, Nerz oder Leopard. Die Stammzellen k\u00f6nnen von einem gesunden Pelztier gewonnen oder aber einer Zelllinie entnommen werden. Bei Furoid konzentriert man sich auf gef\u00e4hrdete und kommerziell genutzte Arten und baut eine eigene Stammzelldatenbank aus induzierten pluripotenten Stammzellen (IPS-Zellen) auf.<\/p>\n\n\n\n<p>IPS-Zellen sind pluripotente Stammzellen, die durch k\u00fcnstliche Reprogrammierung von nicht-pluripotenten somatischen (k\u00f6rperbezogenen) Zellen entstanden sind. Sie \u00e4hneln in ihren Eigenschaften stark nat\u00fcrlichen Stammzellen. Ob IPS-Zellen in allen Eigenschaften mit nat\u00fcrlichen Stammzellen \u00fcbereinstimmen, ist bis dato ungekl\u00e4rt.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/archive.ioplus.nl\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/BTH55_20171121_WT-iPSC-007-4dEB-3dafterTrans_3chir_0.5nMBMP4_1-1004x751.jpeg\" alt=\"Pelztieren, Pelztiere, Pelztierzucht, in vitro Pelz, Pelz aus dem Labor,\" class=\"wp-image-301276\"\/><figcaption>Die erste reprogrammierten  IPSC (induzierte pluripotente Stammzellen) im November 2017 (c) Furoid SE<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Dies IPS-Zellen werden kryogen \u2013 also bei extrem niedrigen Temperaturen \u2013 konserviert. Dadurch leisten die Forscher einen wichtigen Beitrag zum Tierschutz und zur konservatorischen Wissenschaft. Der Anfang wurde mit Nerzen gemacht, die bis dato kommerziell gez\u00fcchtet werden. Laut <em>Furoid SE <\/em>J\u00e4hrlich werden zwischen 40 und 85 Millionen Nerze geschlachtet.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Gerben und F\u00e4rben auf zellul\u00e4rer Ebene<\/h3>\n\n\n\n<p>Das Start-up arbeitet mit <em>Blockchain<\/em>-Technologie und <em>DNA-Tagging<\/em>, um einen sicheren Nachweis f\u00fcr die biotechnologisch hergestellten Pelze zu gew\u00e4hrleisten. Jeder Pelz aus dem Labor ist mit einer einzigartigen vorcodierten genetischen Signaturkombination versehen. Dadurch kann dieser leicht von Produkten aus der Zucht von Pelztieren oder von Wilderern unterscheidet werden. Einzigartig an der Technologie ist, dass sich der konventionelle Prozess der Gerbung und F\u00e4rbung er\u00fcbrigt, weil diese Eigenschaften auf zellul\u00e4rer Ebene bearbeitet werden k\u00f6nnen. Das macht die Pelze aus dem Labor noch umweltfreundlicher. Denn nicht nur das Z\u00fcchten von Pelztieren wird obsolet, sondern auch ein Produktionsprozess, der die Umwelt mit hohem Wasserverbrauch und allf\u00e4lligen Substanzen belasten k\u00f6nnte.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/archive.ioplus.nl\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Geneusbiotech-Raw-Data-Images-of-Hair-Confocal-imaging-of-hair-follicle-IVH-hair-D33-K75-DAPI_Render_Series3-1004x608.jpg\" alt=\"Pelztieren, Pelztiere, Pelztierzucht, Pelz aus dem Labor \" class=\"wp-image-301274\" width=\"753\" height=\"456\"\/><figcaption>In vitro Haarfollikel auf Kollagen, NFT- und DNA-getagged.  (c) Furoid SE<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Foto: <em>Das weltweit erste in vitro Haarfollikel, das untrennbar mit Kollagen verbunden ist. Der Prototyp 1.0 ist NFT- und DNA getagged. Erstmals zu sehen zur <a href=\"https:\/\/www.futurefabricsvirtualexpo.com\/events\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Future Fabrics Expo 9 1\/2 London<\/a>, von 22. Juni bis 2. Juli in zu sehen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Um die Machbarkeit der patentierten L\u00f6sung zu beweisen, sind allerdings noch einige Fragen zu beantworten, erkl\u00e4rt Zakurnaeva: \u201eMenschliches Haar muss in den K\u00f6rper transplantiert werden. Beim Haar von Pelztieren ist das nicht der Fall. Das hei\u00dft, dass es etwas einfacher mit den Regulierungen ist, aber viel schwieriger in der Entwicklung\u201c. In der COVID-19 Krise forschte ihr Team an der renommierten <a href=\"https:\/\/www.wur.nl\/de\/wageningen-university.htm\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><em>Universit\u00e4t f\u00fcr Bodenkultur<\/em> <em>Wageningen<\/em> <\/a>in den Niederlanden. Wegen der pandemiebedingten Schlie\u00dfungen kehrte es aber vorzeitig wieder nach Deutschland zur\u00fcck. Jetzt \u00fcberlegen sie, ihre Forschung in die <em>Vereinigten Staaten<\/em> zu verlegen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Vegane N\u00e4hrl\u00f6sung w\u00e4re gro\u00dfer Durchbruch<\/h3>\n\n\n\n<p>Da das Produkt am Ende vegan sein soll, werden die Haarfollikel der Pelztiere nicht auf Leder angepflanzt, sondern auf Kollagen. F\u00fcr das Wachstum brauchen die Zellen eine N\u00e4hrl\u00f6sung, die  aus einem Extrakt von K\u00e4lbern gewonnen wird und sehr teuer ist. Das hei\u00dft, diese N\u00e4hrl\u00f6sung ist nicht vegan und muss deshalb ersetzt werden. Eine geeignete Alternative zu finden, w\u00e4re ein gro\u00dfer Durchbruch, erkl\u00e4rt Zakurnaeva.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/archive.ioplus.nl\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/IMG_5508_Ein-SEM-Mikroskop-Bild-des-ersten-geprinteten-Prototypen-samt-sichtbarer-Dermal-Papillen.jpg\" alt=\"Pelztieren, Pelztiere, Pelztierzucht, , \" class=\"wp-image-301275\"\/><figcaption>Ein SEM Mikroskop Bild des ersten geprinteten Prototypen samt sichtbarer Dermal Papillen. (c) Furoid SE<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><em>Foto: Der erste geprintete Prototyp samt sichtbarer Papillen der Lederhaut unter dem SEM Mikroskop (scanning electron microscope).<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Wobei das Haar zwar die gr\u00f6\u00dfte Herausforderung bedeute, aber simultan auch noch an anderen Faktoren geforscht werde. Wie etwa&nbsp; an der Basisschicht die das Haar h\u00e4lt. \u201eWir fragen uns, ob diese Schicht tats\u00e4chlich aus Kollagen bestehen soll oder ob&nbsp; vielleicht doch ein anderes Material besser geeignet ist. Wenn wir Kollagen verwenden, dann stehen wir vor der Herausforderung, dieses dauerhaft zu machen. Offen sind auch noch die Eigenschaften, die das Haar haben soll, das hei\u00dft, die Art wie es auf den menschlichen K\u00f6rper reagieren soll \u2013 etwa in Bezug auf W\u00e4rmespeicherung versus W\u00e4rmeabgabe,\u201c so Zakurnaeva.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Zu gro\u00df f\u00fcr einen Modekonzern<\/h3>\n\n\n\n<p>F\u00fcr den Abschluss des Projekts bedarf es noch der Finanzierung \u2013 und die gestaltet sich nicht so einfach. Die Innovation sei zu gro\u00df, um exklusiv von einem Modekonzern oder Investoren genutzt zu werden, sagt Zakurnaeva. Lieber m\u00f6chte man diese dem Massenmarkt zug\u00e4nglich machen. Eine ideale L\u00f6sung w\u00e4re es, Zusch\u00fcsse oder Spenden von philanthropischen Organisationen oder Investorengruppen mit langfristigen Nachhaltigkeits-Anlagethesen zu bekommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein alternatives Finanzierungsszenario k\u00f6nnte auch ein Lizenzierungsmodell aus der pharmazeutischen Biotechnologie sein. Dabei w\u00fcrden sich die Evaluierungslizenzen mindestens auf eine einmal j\u00e4hrliche Geb\u00fchr oder maximal auf 0,5 Prozent der j\u00e4hrlichen Bruttoumsatzerl\u00f6se belaufen. Das w\u00e4re ein demokratischer Ansatz, weil es auch kleinen Marken erm\u00f6glichen w\u00fcrde an der industriellen Upscale-Phase teilzunehmen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Auch interessant:<\/strong> <a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/forschung-mit-3d-zellkultursystem-anstatt-mit-tierversuchen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Forschung mit 3D-Zellkultursystem anstatt mit Tierversuchen<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als in der Coronakrise auf d\u00e4nischen und niederl\u00e4ndischen Nerzfarmen Infektionen nachgewiesen wurden, mussten Millionen Tiere get\u00f6tet werden. Stimmen gegen die Zucht von Pelztieren wurden laut. In den Niederlanden beschloss man daraufhin die Pelztierzucht sofort zu verbieten. Urspr\u00fcnglich war das Ende ab 2024 geplant. Die Zucht von Pelztieren ist grausam den Tieren gegen\u00fcber. 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