{"id":298467,"date":"2021-07-06T17:00:00","date_gmt":"2021-07-06T15:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/innovationorigins.com\/?p=298467"},"modified":"2021-07-06T17:00:00","modified_gmt":"2021-07-06T15:00:00","slug":"3d-hautinfektionsmodell-als-alternative-zu-tiermodellen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/de\/3d-hautinfektionsmodell-als-alternative-zu-tiermodellen\/","title":{"rendered":"3D-Hautinfektionsmodell als Alternative zu Tiermodellen"},"content":{"rendered":"\n<p>Medikamente, Kosmetika, Chemikalien, Futtermittel, gentechnisch ver\u00e4nderte Lebensmittel, Pflanzenschutzmittel &#8211; die Lister der Dinge, die im sogenannten &#8220;Tiermodell&#8221; getestet werden, ist lang. In der Praxis bedeutet das f\u00fcr die Tiere, von der bekannten Laborratte bis hin zu Hunden und Affen, ein Leben im K\u00e4fig und mehr oder weniger ein Leben voller Leid. Immer mehr Projekt widmen sich mittlerweile aber dem Ziel, diese Tierversuche mehr und mehr zu reduzieren. So auch das <a href=\"https:\/\/www.uniklinikum-jena.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Universit\u00e4tsklinikum Jena<\/a> (UKJ), an dem Forscher als Alternative zu Tierversuchen 3D-Hautinfektionsmodelle entwickeln, an denen die die Wirksamkeit antimikrobieller Wundheilungsprodukte getestet werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Unser Hautmodell bildet sogar Brandblasen!\u201c, freut sich PD Dr. Cornelia Wiegand. Sie entwickelt im dermatologischen Forschungslabor der Klinik f\u00fcr Hautkrankheiten am UKJ ein dreidimensionales Modell der menschlichen Haut, das sowohl Ober- und Lederhaut vollst\u00e4ndig nachbildet als auch zentrale Funktionen des Organs aufweist. Am Ende des Kooperationsprojekt &#8220;InVitroWund&#8221;, an dem das UKJ gemeinsam mit der <a href=\"https:\/\/brillhygiene.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Dr. Brill + Partner GmbH<\/a> in Hamburg arbeitet, soll aus dieser k\u00fcnstlichen Haut ein Hautinfektionsmodell entstehen, so dass antimikrobielle Wundheilungsprodukte ohne die Einbeziehung von Tierversuchen standardisiert getestet werden k\u00f6nnen. Das Projekt wird vom Bundeswirtschaftsministerium gef\u00f6rdert.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Tierversuche nicht nur ethisch fragw\u00fcrdig<\/h3>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend kleine Wunden dank der Selbstheilungskr\u00e4fte unseres K\u00f6rpers in der Regel von alleine heilen, muss bei gr\u00f6\u00dferen Verletzungen oder bei chronischen Wunden, die beispielsweise infolge von Venenschw\u00e4che und Diabetes oder als Druckgeschw\u00fcre entstehen k\u00f6nnen, nachgeholfen werden. Zudem erschweren lokale Infektionen durch Bakterien die Wundheilung zus\u00e4tzlich. Aber auch die Heilung &#8220;normaler&#8221; Verletzungen wird oft durch Wundinfektionen erschwert und dauert l\u00e4nger.<\/p>\n\n\n\n<p>In diesen F\u00e4llen kommen Wundsp\u00fcll\u00f6sungen oder Verbandmittel mit antimikrobiellen Komponenten zum Einsatz, die st\u00e4ndig weiterentwickelt werden. Bei den vorgeschriebenen, normierten Suspensionsversuche zum Wirksamkeitsnachweis wirken die neuen Pr\u00e4parate in verschiedenen L\u00f6sungen auf Testbakterien ein. Aber: &#8220;Das geschieht nicht mit klinisch relevanten Konzentrationen und hat nat\u00fcrlich wenig mit einer realit\u00e4tsnahen Wundsituation zu tun&#8221;, erkl\u00e4rt Cornelia Wiegand.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese &#8220;realit\u00e4tsnahe Wundsituation&#8221; und die Wirksamkeit der Wundheilungsprodukte wird deshalb in einem zweiten Testschritt in Tierversuchen mit Schweinen oder M\u00e4usen erforscht. Dazu m\u00fcssen den Versuchstieren Verletzungen beigebracht werden, die die Selbstheilungskr\u00e4fte der Tiere \u00fcberfordern, aber auch nicht zu schwer sein d\u00fcrfen. Das ist nicht nur ethisch fragw\u00fcrdig, sondern st\u00f6\u00dft auch in der Praxis auf Probleme. Die Tiere lecken die Salben ab oder knabbern die Wundauflagen an. Dadurch werden wiederum mehr Versuche n\u00f6tig und die Verl\u00e4sslichkeit der Aussagen wird weiter erschwert.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">&#8220;Das tut dem Hautmodell ja nicht weh\u201c<\/h3>\n\n\n\n<p>Deshalb wollen die Forscher in Jena und Hamburg &#8220;eine aussagekr\u00e4ftige Alternative zu den Tierversuchen etablieren&#8221;: Mit dem Hautmodell aus Fibroblasten und Keratinozyten, das auf einem Kollagenger\u00fcst w\u00e4chst und sich in einer N\u00e4hrl\u00f6sung etwa einen Monat lang regenerieren kann. Die Zellen reagieren dabei auf Kontakt oder Verletzungen, indem sie, genau wie das Originalvorbild, immunrelevante Signalsubstanzen aussch\u00fctten. Bei gro\u00dfer Hitzeeinwirkung bilden sich sogar Brandblasen. &#8220;Derzeit etablieren wir standardisierte Verbrennungen und Schnittverletzungen, das tut dem Hautmodell ja nicht weh\u201c, so Cornelia Wiegand. Anschlie\u00dfend w\u00fcrden Infektionsversuche &#8220;mit definierten Mengen typischer Wundkeime wie Staphylokokken oder Pseudomonaden&#8221; durchgef\u00fchrt. Ziel der Forschung sei es, am Ende in der Kunsthaut &#8220;eine Umgebung zu erzeugen, die einer echten Wunde so \u00e4hnlich wie m\u00f6glich ist&#8221;.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Praxis mit verschiedenen markt\u00fcblichen Wundheilungsprodukten erprobt wird das Modell dann im Partnerlabor der Dr. Brill GmbH. Au\u00dferdem soll in Hamburg auch das Pr\u00fcfverfahren optimiert werden. &#8220;Das Verfahren soll nicht nur die antimikrobielle Wirksamkeit von Wundheilungspr\u00e4paraten in standardisierter Weise bewerten k\u00f6nnen, sondern auch deren Einfluss auf den Wundheilungsprozess erfassen\u201c, so Cornelia Wiegand. \u201eDamit wollen wir eine effektive und gut praktikable Alternative zu Tierversuchen etablieren.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>Titelbild:<\/strong> Als Alternative zu Tierversuchen entwickelt ein Forschungsteam am Uniklinikum Jena 3d-Hautinfektionsmodelle, um die Wirksamkeit antimikrobieller Wundheilungsprodukte zu pr\u00fcfen. Foto: Heiko Hellmann\/UKJ<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Auch interessant:<br><a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/3-d-druck-und-simulationen-als-ersatz-fur-tierversuche\/\">3-D-Druck und Simulationen als Ersatz f\u00fcr Tierversuche<\/a><br><a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/paradigmenwechsel-bei-tierversuchen-weniger-tiere-verlaesslichere-resultate\/\">Paradigmenwechsel bei Tierversuchen: Weniger Tiere, verl\u00e4sslichere Resultate<\/a><br><a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/weniger-tierversuche-und-mehr-forschung-dank-3d-druck\/\">Weniger Tierversuche und mehr Forschung dank 3D-Druck<\/a><br><a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/forschung-mit-3d-zellkultursystem-anstatt-mit-tierversuchen\/\">Forschung mit 3D-Zellkultursystem anstatt mit Tierversuchen<\/a><br><a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/skin-on-a-chip-forschung-tierversuche\/\">Skin On A Chip \u2013 Forschung ohne Tierversuche<\/a><br><br><br><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Medikamente, Kosmetika, Chemikalien, Futtermittel, gentechnisch ver\u00e4nderte Lebensmittel, Pflanzenschutzmittel &#8211; die Lister der Dinge, die im sogenannten &#8220;Tiermodell&#8221; getestet werden, ist lang. 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