{"id":296026,"date":"2021-06-22T17:00:00","date_gmt":"2021-06-22T15:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/innovationorigins.com\/?p=296026"},"modified":"2021-06-22T17:00:00","modified_gmt":"2021-06-22T15:00:00","slug":"mehr-bedenkliche-substanzen-in-plastik-als-bisher-bekannt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/de\/mehr-bedenkliche-substanzen-in-plastik-als-bisher-bekannt\/","title":{"rendered":"Mehr bedenkliche Substanzen in Plastik als bisher bekannt"},"content":{"rendered":"\n<p>Mehr als 350 Millionen Tonnen Plastik werden weltweit jedes Jahr hergestellt. In all diesen Kunststoffen sind die unterschiedlichsten Chemikalien verarbeitet, die fr\u00fcher oder sp\u00e4ter freigesetzt werden k\u00f6nnen. Ein Teil davon sind Substanzen, die sowohl sch\u00e4dlich f\u00fcr die Umwelt sind als auch gef\u00e4hrlich Mensch und Tier. Der gr\u00f6\u00dfte Teil dieser Chemikalien ist allerdings weder umfassend wissenschaftlich untersucht, noch wissen die Verbraucher \u00fcberhaupt davon.<\/p>\n\n\n\n<p>Prof. Dr. Stefanie Hellweg, Professorin f\u00fcr \u00d6kologisches Systemdesign an der <a href=\"https:\/\/ethz.ch\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">ETH<\/a>, hat mit einem Team nun zum ersten Mal alle Kunststoff-\u200bMonomere, Zusatzstoffe und Hilfsmittel, die f\u00fcr den Weltmarkt f\u00fcr die Produktion von Plastik zugelassen sind, anhand von Verwendungsmustern und Gefahrenpotenzialen klassifiziert. Dabei kamen die Wissenschaftler zu einem wenig erfreulichen Ergebnis.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Gro\u00dfe chemische Vielfalt<\/h3>\n\n\n\n<p>Insgesamt identifizierten Hellweg und ihre Kollegen rund 10.500 verschiedene Chemikalien, die absichtlich in Plastik eingebracht werden. Davon waren 2.489 in Verpackungen, 2.429 in Textilien, 2.109 in Produkten, die mit Lebensmitteln in Kontakt kommen, 522 in Spielzeug und 247 in medizinischen Gegenst\u00e4nden (einschlie\u00dflich Masken) zu finden. 2.480 Stoffe, das sind 24 Prozent aller Substanzen, bewerteten die Forscher als &#8220;potenziell besorgniserregend&#8221;.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Das bedeutet, dass knapp ein Viertel aller Chemikalien in Plastik entweder nicht abbaubar sind, sich in Organismen anreichern oder toxisch sind. H\u00e4ufig sind diese Stoffe f\u00fcr Wasserlebewesen giftig, verursachen Krebs oder sch\u00e4digen bestimmte Zielorgane&#8221;, erkl\u00e4rt Helene Wiesinger, Doktorandin am Lehrstuhl f\u00fcr \u00d6kologisches Systemdesign und Erstautorin der Studie. Bei etwa der H\u00e4lfte handelt es laut Aussagen der Wissenschaftler um Chemikalien, die in der EU oder den USA in gro\u00dfen Mengen produziert werden.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Bemerkenswert ist, dass viele der fraglichen Substanzen kaum kontrolliert oder unzul\u00e4nglich beschrieben sind&#8221;, erkl\u00e4rt Wiesinger. Genau gesagt, handelt es sich um mehr als die H\u00e4lfte \u2013 53 Prozent \u2013 der potenziell bedenklichen Stoffe, die weder in den USA, noch in der EU noch in Japan reguliert werden. Offiziell f\u00fcr die Verwendung in Kunststoffen mit Lebensmittelkontakt zugelassen sind in diesen L\u00e4ndern sogar 901 dieser gef\u00e4hrlichen Substanzen. F\u00fcr rund zehn Prozent aller potenziell besorgniserregenden Stoffe fehlen wissenschaftliche Studien komplett.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Plastik-\u200bMonomere, Additive und Hilfsstoffe<\/h3>\n\n\n\n<p>Kunststoffe bestehen in erster Linie aus organischen Polymeren. Um die verschiedenen Kunststoffarten mit den gew\u00fcnschten Eigenschaften auszustatten, werden Zusatzstoffe wie beispielsweise Antioxidantien, Weichmacher oder Flammschutzmittel beigemischt. Zudem kommen w\u00e4hrend des Produktionsprozesses Hilfsstoffe wie Katalysatoren, L\u00f6sungsmittel und weitere Chemikalien zum Einsatz.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Bislang konzentrieren sich Forschung, Industrie und Regulatoren vor allem auf eine begrenzte Anzahl gef\u00e4hrlicher Chemikalien, die bekannterma\u00dfen in Kunststoffen vorkommen&#8221;, wei\u00df Wiesinger. So st\u00fcnden Kunststoffverpackungen als Hauptquelle f\u00fcr organische Verunreinigungen in Lebensmitteln im Mittelpunkt der Diskussion. Phthalat-\u200bWeichmacher oder bromierte Flammschutzmittel k\u00f6nnen schon seit einiger Zeit in Hausstaub und Raumluft nachgewiesen werden. Bereits in fr\u00fcheren Studien kamen Forscher zu dem Ergebnis, dass weit mehr Plastik-\u200bChemikalien, die weltweit im Einsatz sind, potenziell gef\u00e4hrlich sind, als bisher angenommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Trotzdem waren die ETH-Forscher vom Ergebnis ihrer Studie negativ \u00fcberrascht. &#8220;Die unerwartet hohe Anzahl potenziell besorgniserregender Substanzen ist bedenklich&#8221;, sagt Zhanyun Wang, Senior Scientist in Stefanie Hellwegs Gruppe. Solchen Stoffen ausgesetzt zu sein, k\u00f6nne sich negativ auf die Gesundheit von Verbrauchern und Arbeitern auswirken und au\u00dferdem die \u00d6kosysteme belasten. &#8220;Zudem k\u00f6nnen Problemchemikalien Recyclingprozesse sowie die Sicherheit und Qualit\u00e4t von recycelten Materialien beeintr\u00e4chtigen&#8221;, betonen die Forscher. Und das sei noch nicht alles. Potentiell k\u00f6nnten noch mehr Plastikchemikalien problematisch sein, f\u00fcrchtet Wang. &#8220;Erfasste Gefahrendaten sind oft begrenzt, und f\u00fcr 4.100 oder 39 Prozent aller von uns identifizierten Stoffe fehlen noch Gefahrklassifikationen.&#8221;<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Zu wenige Daten, zu wenig Transparenz<\/h3>\n\n\n\n<p>Das gr\u00f6\u00dfte Problem sehen die Forscher in mangelnder Transparenz bei Chemikalien in Kunststoffen sowie in einer &#8220;verzettelten Datenbasis&#8221;. Sie durchsuchten f\u00fcr ihre Studie im Zeitraum von \u00fcber zweieinhalb Jahren mehr als 190 \u00f6ffentlich zug\u00e4ngliche Verzeichnisse und Datenquellen aus Forschung, Industrie und von Beh\u00f6rden. Dabei enthielten lediglich 60 Verzeichnisse ausreichende Informationen \u00fcber Zus\u00e4tze in Plastik. &#8220;Wir fanden mehrere kritische Wissens-\u200b und Datenl\u00fccken, insbesondere bei den Substanzen und ihren Anwendungszwecken. Das erschwert es letztlich Verbrauchern, sichere Kunststoffprodukte zu w\u00e4hlen&#8221;, sagen Wiesinger und Wang.<\/p>\n\n\n\n<p>Um das Ziel einer nachhaltigen Kreislauf-\u200bKunststoffwirtschaft zu erreichen, ist nach Meinung der beiden Forscher ein &#8220;griffiges globales Chemikalienmanagement&#8221; n\u00f6tig. Dieses m\u00fcsste transparent sein, unabh\u00e4ngig und es m\u00fcssten Risikostoffe vollst\u00e4ndig erfasst werden. Au\u00dferdem sei ein &#8220;offener und niederschwelliger Zugang zu gesicherter Information&#8221; entscheidend.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Studie ist im Fachmagazin <a href=\"https:\/\/pubs.acs.org\/doi\/10.1021\/acs.est.1c00976\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Environmental Science &amp; Technology<\/a> erschienen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Auch interessant:<\/strong><br><a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/so-sehr-belastet-mikropastik-landwirtschaftliche-boeden\/\">So sehr belastet Mikroplastik landwirtschaftliche B\u00f6den<\/a><br><a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/statt-plastik-biologisch-abbaubare-materialien-aus-holzbestandteilen\/\">Statt Plastik: Biologisch abbaubare Materialien aus Holzbestandteilen<\/a><br><a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/weniger-plastikmuell-dank-bioaktiver-papierbeschichtung-bei-lebensmittelverpackungen\/\">Weniger Plastikm\u00fcll dank bioaktiver Papierbeschichtung bei Lebensmittelverpackungen<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mehr als 350 Millionen Tonnen Plastik werden weltweit jedes Jahr hergestellt. 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