{"id":288950,"date":"2021-05-11T17:00:00","date_gmt":"2021-05-11T15:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/innovationorigins.com\/?p=288950"},"modified":"2021-05-11T17:00:00","modified_gmt":"2021-05-11T15:00:00","slug":"schaumstoff-ganz-einfach-backen-ohne-kunststoff","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/de\/schaumstoff-ganz-einfach-backen-ohne-kunststoff\/","title":{"rendered":"Schaumstoff ganz einfach backen \u2013 ohne Kunststoff"},"content":{"rendered":"\n<p>Bei Verpackungsmaterialien oder auch allt\u00e4glichen Gebrauchsgegenst\u00e4nden wie Sp\u00fclschw\u00e4mmen ist Schaumstoff \u2013 und das hei\u00dft Kunststoff &#8211; bei der Produktion nicht mehr wegzudenken. Polymersch\u00e4ume findet man aber beispielsweise auch in der Ski- und Snowboardherstellung oder in der Baubranche. Dort wird Styropor als D\u00e4mmmaterial verwendet. All diese Sch\u00e4ume werden ausschlie\u00dflich aus Kunststoff hergestellt. Das hei\u00dft aus Plastik. Im Rahmen des EU-Projekts &#8220;BreadCell&#8221;, das bis 2025 laufen wird, forschen Wissenschaftler aus \u00d6sterreich, Schweden und Spanien nun nach umweltfreundlichen Alternativen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ihr Ziel ist es, Polymersch\u00e4ume aus Cellulose zu entwickeln und sie mittels einer biologischen Gaserzeugungsmethode herzustellen. &#8220;Biologisch sch\u00e4umen hei\u00dft in unserem Fall, dass wir Hefe nutzen&#8221;, erkl\u00e4rt Materialchemiker Alexander Bismarck, vom Institut f\u00fcr Materialchemie der <a href=\"https:\/\/www.univie.ac.at\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Universit\u00e4t Wien<\/a>. &#8220;Dabei bedienen wir uns eines Prozesses aus einer der \u00e4ltesten Kulturtechniken, dem Brotbacken. Das Prinzip ist ganz \u00e4hnlich: Hefe produziert CO2, das wiederum den Zucker aus dem Teig abbaut und dadurch diesen sch\u00e4umt. In unserem Fall ist der Teig die Cellulose.&#8221;<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Cellulose anstatt Brot backen<\/h3>\n\n\n\n<p>Dabei habe es jedoch ein Problem gegeben, sagt Bismarck: &#8220;Dass normale Cellulose zwar ein polymerer Zucker ist, aber leider nicht durch Hefe angegriffen wird. Nur wenn wir sogenannte Hemicellulosen verwenden, die sich \u00fcbrigens sogar noch leichter abbauen lassen, k\u00f6nnen sie von einer speziell gez\u00fcchteten Hefe abgebaut werden&#8221;, erkl\u00e4rt er. &#8220;Diese Hefe erzeugt dabei Carbondioxid, das wiederum eine Suspension von Cellulosefasern aufsch\u00e4umt.&#8221; Nach Aussagen der Forscher k\u00f6nnte dieser Celluloseschaum langfristig viele Kunststoffe ersetzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Bis es tats\u00e4chlich soweit ist, liegt allerdings noch ein weiter Weg vor den Wissenschaftlern, denn auch die Materialqualit\u00e4t muss nat\u00fcrlich stimmen. Um f\u00fcr bestimmte Zwecke eingesetzt werden zu k\u00f6nnen, muss es auch bestimmte Eigenschaften besitzen. &#8220;Wir wollen den Celluloseschaum in eine bestimmte Breite bekommen, mit so wenig Gewicht pro Volumen wie m\u00f6glich; gleichzeitig muss das Material immer noch mechanische Eigenschaften, wie z.B. eine bestimmte Stabilit\u00e4t, besitzen&#8221;, erkl\u00e4rt der Materialchemiker<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Ziel: Zumindest ein Prototyp<\/h3>\n\n\n\n<p>Die Forscher haben sich zum Ziel gesetzt, am Ende des Projekts in f\u00fcnf Jahren, mindestens einen Material-Prototypen zu haben, der alle n\u00f6tigen Eigenschaften an Dichte und Funktionalit\u00e4t aufweist. Mit einem Industriepartner soll dann der erneuerbare Polymerschaum aus Cellulose in sogenannten Sandwich Composites getestet werden. &#8220;Das Material ist generell f\u00fcr umweltfreundliche Verpackungsmaterialen, wie z.B. auch Kaffeekapseln, interessant. Wenn die aus Cellulose sind, kann ich die gebrauchten Kapseln direkt auf den Hauskompost oder in die Biotonne geben.&#8221;&nbsp;Das Besondere am BreadCell-Projekt sei, dass der entwickelte Polymerschaum nicht nur vielseitig einsetzbar und biologisch abbaubar sei, sondern auch, dass der Sch\u00e4umungsprozess selbst durch die Hefe biologisch sei, betonen die Wissenschaftler.<\/p>\n\n\n\n<p>Trotz aller positiver Aussichten bez\u00fcglich der Entwicklung erneuerbarer, umweltfreundlicher Materialien, gibt es aber auch in Zukunft immer noch einen Wermutstropfen. Man wird zwar viele Kunststoff-Materialien langfristig ersetzen k\u00f6nnen, aber l\u00e4ngst nicht alle. &#8220;Kunststoff, also Polymere, wurden erfunden und werden erzeugt, gerade weil sie langlebig sind. Ohne Polymere h\u00e4tten wir ein Riesenproblem mit jeder Verkabelung, mit jedem elektrischen Ger\u00e4t&#8221;, so Bismarck. Man m\u00fcsse trotzdem im Konsumverhalten umdenken und vielleicht nicht mehr alles einzeln verpacken. Dann k\u00f6nne der Einsatz von biologisch abbaubaren Ausgangsmaterialien, die ebenso umweltfreundlich hergestellt werden, dazu beitragen, das Problem um CO2-Werte in der Luft und um Verpackungsm\u00fcll zu l\u00f6sen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das EU-Projekt &#8220;BreadCell \u2013 Upgrading of cellulose fibers into porous materials&#8221; l\u00e4uft seit April 2021 im Rahmen von Horizon und endet im M\u00e4rz 2025. Die <a href=\"https:\/\/www.chalmers.se\/en\/pages\/default.aspx\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Technische Universit\u00e4t Chalmers<\/a> (Schweden), die <a href=\"https:\/\/www.tugraz.at\/home\/\">Technische Uni<\/a><a href=\"https:\/\/www.tugraz.at\/home\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">v<\/a><a href=\"https:\/\/www.tugraz.at\/home\/\">ersit\u00e4t Graz<\/a>, die <a href=\"https:\/\/www.univie.ac.at\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Universit\u00e4t Wien<\/a> mit Alexander Bismarck, <a href=\"https:\/\/www.tecnalia.com\/en\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Fundacion Tecnalia Research &amp; Innovation<\/a> (Spanien) und die <a href=\"https:\/\/www.bnn.at\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Bionanonet Forschungsgesellschaft mbH<\/a> (\u00d6sterreich), sind als Projektpartner miteingebunden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Weitere Artikel zum Thema Plastik finden Sie <a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/?s=plastikm%C3%BCll\">hier<\/a>.<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bei Verpackungsmaterialien oder auch allt\u00e4glichen Gebrauchsgegenst\u00e4nden wie Sp\u00fclschw\u00e4mmen ist Schaumstoff \u2013 und das hei\u00dft Kunststoff &#8211; bei der Produktion nicht mehr wegzudenken. 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