{"id":287652,"date":"2021-05-05T09:00:00","date_gmt":"2021-05-05T07:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/innovationorigins.com\/?p=287652"},"modified":"2021-05-05T09:00:00","modified_gmt":"2021-05-05T07:00:00","slug":"bessere-therapie-von-hirntumoren-dank-neuartigem-implantat","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/de\/bessere-therapie-von-hirntumoren-dank-neuartigem-implantat\/","title":{"rendered":"Bessere Therapie von Hirntumoren dank neuartigem Implantat"},"content":{"rendered":"\n<p>Die Diagnose &#8220;b\u00f6sartiger Hirntumor&#8221; kommt f\u00fcr die Betroffenen immer noch zum gro\u00dfen Teil einem Todesurteil gleich. Auch nach Operation und anschlie\u00dfender Behandlung mit Chemotherapie und Bestrahlung kommt der Krebs bei den meisten Patienten zur\u00fcck. So sinkt die Lebenserwartung betr\u00e4chtlich. Nur knapp zehn Prozent \u00fcberleben f\u00fcnf Jahre. Forscherteams in \u00d6sterreich und Schweden haben es in Experimenten mit Krebszellen aber nun geschafft, Chemotherapeutika mithilfe einer Ionenpumpe gezielt zu verabreichen. So soll die Therapie auch zu weniger schweren Nebenwirkungen f\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Das ist das erste Mal, dass eine Ionenpumpe als m\u00f6gliche Methode zur Behandlung von b\u00f6sartigen Hirntumoren getestet wurde&#8221;, erl\u00e4utert der Physiker Daniel Simon vom Labor f\u00fcr organische Elektronik an der <a href=\"https:\/\/liu.se\/en\">Universit\u00e4t Link\u00f6ping<\/a> in Schweden. &#8220;Wir haben Krebszellen im Labor verwendet, und die Ergebnisse sind \u00e4u\u00dferst vielversprechend. Es wird aber wahrscheinlich noch f\u00fcnf bis zehn Jahre dauern, bis wir diese neue Technologie in der Behandlung von Hirntumoren einsetzen k\u00f6nnen.&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p>Wissenschaftler aus den Bereichen Biophysik und Neurochirurgie der <a href=\"https:\/\/www.medunigraz.at\/en\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Medizinischen Universit\u00e4t Graz <\/a>haben hierf\u00fcr Zellen von Glioblastomen verwendet. Diese h\u00e4ufigste und aggressivste Krebsart, die im Gehirn entstehen kann, f\u00fchrt im Allgemeinen zur geringsten Lebenserwartung Betroffener. Der Grund ist, dass auch nach der chirurgischen Entfernung des Hirntumors oft kleine Teile des Tumors, die zwischen den Gehirnzellen eingebettet sind, zur\u00fcckbleiben. Da keine auch noch so pr\u00e4zise Operation diese Zellen entfernen kann, ohne das umliegende gesunde Hirngewebe zu sch\u00e4digen, versucht man, sie mit Strahlen- und Chemotherapie so weit wie m\u00f6glich abzut\u00f6ten. So kann ein Wiederauftreten des Tumors zumindest hinausgez\u00f6gert werden.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Medikamente gezielt ins Gehirn leiten<\/h3>\n\n\n\n<p>Diese Chemotherapeutika haben jedoch einen gro\u00dfen Nachteil. Da sie meist entweder intraven\u00f6s oder in Tablettenform verabreicht werden, m\u00fcssen sie durch den gesamten Blutkreislauf \u2013 mit teils schweren Nebenwirkungen \u2013 bis sie im Gehirn ankommen. Dabei m\u00fcssen sie auch die Blut-Hirn-Schranke \u00fcberwinden, die verhindert, dass unz\u00e4hlige Substanzen aus dem Blut \u00fcberhaupt ins Gehirn gelangen. Aus diesem Grund kommen die wenigsten Medikamente, die gegen diese Tumoren wirken k\u00f6nnten, auch wirklich an ihrem Bestimmungsort an.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Forscher der Medizinischen Universit\u00e4t Graz und der Universit\u00e4t Link\u00f6ping haben nun eine effektivere und f\u00fcr den Organismus schonendere Methode entwickelt. Sie leiten Gemcitabin, ein extrem wirksames Chemotherapeutikum, mithilfe einer implantierten Ionenpumpe direkt zum Tumor ins Gehirn und umgehen dabei auch die Blut-Hirn-Schranke.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Nervenzellen verschonen<\/h3>\n\n\n\n<p>&#8220;Die Glioblastom-Behandlung, die derzeit in den Kliniken eingesetzt wird, sch\u00e4digt Krebs- und Nervenzellen in gleichem Ma\u00dfe&#8221;, sagt Linda Waldherr, Universit\u00e4tsassistentin an der Medizinischen Universit\u00e4t Graz. &#8220;Mit der Gemcitabin-Ionenpumpe bek\u00e4mpfen wir jedoch nur die Krebszellen, gleichzeitig werden Neuronen nicht besch\u00e4digt. Au\u00dferdem zeigen unsere Experimente an kultivierten Glioblastomzellen, dass mit der Ionenpumpe mehr Krebszellen abget\u00f6tet werden als mit der manuellen Behandlung\u201c, so Waldherr, die die im Fachjournal &#8220;Advanced Materials Technologies\u201c publizierte Studie gemeinsam mit den Forschern der Universit\u00e4t Link\u00f6ping durchgef\u00fchrt hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Da die Ionenpumpe, die den Wirkstoff aus einem Elektrolytreservoir in Zellen oder einen Tumor transportiert, nur sehr wenig Strom verwendet, werden Neuronen dadurch nicht aktiviert. Das verhindert auch ungewollte Nervensignale. Ein weiterer Pluspunkt ist, dass dank des niedrigen Stroms und der niedrigen Spannung keine gro\u00dfen Stromversorgungen oder Batterien f\u00fcr eine m\u00f6gliche therapeutische Technologie ben\u00f6tigt werden.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Weitere Tests<\/h3>\n\n\n\n<p>&#8220;Der Druck im Gehirn ist extrem empfindlich. Wenn man nun eine Ionenpumpe zum Transport des Medikaments verwendet, anstatt eines fl\u00fcssigkeitsbetriebenen Ger\u00e4ts, wird der Hirndruck nicht beeinflusst&#8221;, erkl\u00e4rt Rainer Schindl, Biophysiker an der Medizinischen Universit\u00e4t Graz und Mitautor der Studie. &#8220;Au\u00dferdem wird die Dosierung elektrisch gesteuert, was die Abgabe des Chemotherapeutikums \u00e4u\u00dferst pr\u00e4zise macht. Der n\u00e4chste Schritt wird sein, die Ionenpumpe zu nutzen, um verschiedene Chemotherapeutika zu evaluieren, die bisher zu starke Nebenwirkungen hatten oder die Blut-Hirn-Schranke nicht passieren konnten.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Das Forschungsprojekt wird vom Wissenschaftsfonds FWF im Rahmen des 1000-Ideen-Programms, der \u00d6sterreichischen Akademie der Wissenschaften, der Knut-und-Alice-Wallenberg-Stiftung sowie der Schwedische Stiftung f\u00fcr Strategische Forschung mitfinanziert.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Titelbild:<\/em><\/strong><em> Auf Schalen, in denen vaskularisierte Gehirntumore kultiviert werden, sind Ionenpumpen (transparente Plastikr\u00f6hrchen) installiert, die den Wirkstoff \u00fcber elektrische Ansteuerung in die Zellen transportieren. Quelle: \u00a9 Linda Waldherr<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Auch interessant:<br><a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/glioplastom-hirntumor-experimentell-led-implantat\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Mit experimentellem LED-Implantat gegen Hirntumorzellen<\/a><br><a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/hirntumoren-therapie-kuenstliche-intelligenz\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Bessere Therapie von Hirntumoren durch K\u00fcnstliche Intelligenz<\/a><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Diagnose &#8220;b\u00f6sartiger Hirntumor&#8221; kommt f\u00fcr die Betroffenen immer noch zum gro\u00dfen Teil einem Todesurteil gleich. Auch nach Operation und anschlie\u00dfender Behandlung mit Chemotherapie und Bestrahlung kommt der Krebs bei den meisten Patienten zur\u00fcck. So sinkt die Lebenserwartung betr\u00e4chtlich. Nur knapp zehn Prozent \u00fcberleben f\u00fcnf Jahre. 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