{"id":287591,"date":"2021-05-04T17:00:00","date_gmt":"2021-05-04T15:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/innovationorigins.com\/?p=287591"},"modified":"2021-05-04T17:00:00","modified_gmt":"2021-05-04T15:00:00","slug":"weniger-plastikmuell-dank-bioaktiver-papierbeschichtung-bei-lebensmittelverpackungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/de\/weniger-plastikmuell-dank-bioaktiver-papierbeschichtung-bei-lebensmittelverpackungen\/","title":{"rendered":"Weniger Plastikm\u00fcll dank bioaktiver Papierbeschichtung bei Lebensmittelverpackungen"},"content":{"rendered":"\n<p>Zu den Unmengen von Plastikm\u00fcll, der jedes Jahr mehr wird, tragen nicht zuletzt Verpackungen von Lebensmitteln einen gro\u00dfen Teil bei. Egal ob Wurst, K\u00e4se, Fleisch, Fisch oder auch Obst, Salat und Gem\u00fcse, alles ist hygienisch in Kunststoff verpackt. Alleine in Deutschland t\u00fcrmte sich der Plastikm\u00fcll aus diesen Verpackungen im Jahr 2017 auf 38,5 Kilogramm \u2013 pro Einwohner. Deshalb haben Forscher des <a href=\"https:\/\/www.ivv.fraunhofer.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Fraunhofer-Instituts f\u00fcr Verfahrenstechnik und Verpackung IVV<\/a> und des<a href=\"https:\/\/www.igb.fraunhofer.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"> Fraunhofer-Instituts f\u00fcr Grenzfl\u00e4chen- und Bioverfahrenstechnik IGB<\/a> im Rahmen des Projekts &#8220;BioActiveMaterials&#8221; eine innovative, umweltfreundliche Beschichtung aus pflanzenbasierten Proteinen und Wachsen f\u00fcr Papierverpackungen entwickelt. Diese spart nicht nur Plastik ein, sie verl\u00e4ngert auch die Haltbarkeit der Lebensmittel und kann ganz einfach in der Altpapiertonne entsorgt werden.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">L\u00e4ngere Haltbarkeit dank Proteinen, Wachsen und Antioxidantien<\/h3>\n\n\n\n<p>Die Basis der neuartigen, verschlie\u00dfbaren Siegelrandbeutel oder des Einschlagpapiers ist normales Papier. Dieses wird mit einer speziellen Beschichtung aus Proteinen und Wachsen mit biobasierten Additiven versehen. Die &#8220;spezielle Formulierung der langzeitstabilen Beschichtung&#8221; erf\u00fclle gleich mehrere Funktionen, betont Dr. Michaela M\u00fcller, Leiterin des Innovationsfelds Funktionale Oberfl\u00e4chen und Materialien am Fraunhofer IGB. &#8220;Zum einen dienen die Proteine als Sauerstoffsperrschicht und die Wachse als Wasserdampfbarriere, so trocknet beispielsweise Obst nicht so schnell aus. Zum anderen verleihen die biobasierten Additive antioxidative und antimikrobielle Wirkung&#8221;, erkl\u00e4rt sie. &#8220;Fleisch und Fisch verderben dann nicht so schnell. Insgesamt wird die Haltbarkeit des Lebensmittels deutlich verl\u00e4ngert.&#8221; Dabei sorgen die Proteine in der Beschichtung daf\u00fcr, dass kein Mineral\u00f6l aus dem Papier auf die Lebensmittel \u00fcbergeht, denn im Altpapier gibt es immer noch Reste mineral\u00f6lhaltiger Druckerfarbe.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Unsere papierbasierten Verpackungen sind auch f\u00fcr Lebensmittel geeignet, die gek\u00fchlt werden m\u00fcssen, beispielsweise Fleisch. Hierbei bleibt die Schutzfunktion vor Sauerstoff erhalten&#8221;, erg\u00e4nzt M\u00fcller. Sogar Tiefk\u00fchlkost lie\u00dfe sich darin verpacken. &#8220;Nach der Nutzung wandert die Verpackung in die Altpapiertonne, die Beschichtung ist biologisch abbaubar und st\u00f6rt das Papierrecycling nicht&#8221;, sagt Dr. Cornelia Stramm, Abteilungsleiterin am Fraunhofer-Institut f\u00fcr Verfahrenstechnik und Verpackung IVV.<\/p>\n\n\n\n<p>Forscher am Fraunhofer IVV haben die Praxistauglichkeit der Beschichtung bereits \u00fcberpr\u00fcft. &#8220;Wir haben beispielsweise getestet, wie effektiv die jeweilige Beschichtung das Lebensmittel vor Au\u00dfeneinfl\u00fcssen wie Wasserdampf, Sauerstoff und Mineral\u00f6l sch\u00fctzt&#8221;, erkl\u00e4rt Stramm. Das Team \u00fcbernahm zudem das Auftragen der Beschichtung auf die Papiere im Rolle-zu-Rolle-Verfahren. Dazu wird die Beschichtung als w\u00e4ssrige Dispersion mittels einer Maschine, auf der das Papier \u00fcber Walzen gef\u00fchrt wird, aufgetragen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Die Kunst ist das Mischungsverh\u00e4ltnis<\/h3>\n\n\n\n<p>Die Rohstoffe f\u00fcr &#8220;BioActiveMaterials&#8221; stammen aus nat\u00fcrlichen, lebensmittelrechtlich zugelassenen Substanzen. Die Forscher haben hierzu beispielsweise mit Raps, Lupinen, Molke oder Sonnenblumen experimentiert. So k\u00f6nnten nicht verwertete Reststoffe aus der landwirtschaftlichen Produktion verwendet werden. Die Wachse sind hingegen entweder Bienenwachs oder stammen aus dem in Nordmexiko vorkommenden Candelilla-Busch sowie aus der brasilianischen Carnauba-Palme. &#8220;Wir haben uns f\u00fcr diese Wachse entschieden, da sie biologisch abbaubar, lebensmittelrechtlich zugelassen und auf dem Markt leicht verf\u00fcgbar sind&#8221;, erkl\u00e4rt M\u00fcller.<\/p>\n\n\n\n<p>Um nun die geeignete Beschichtung herzustellen, werden alle Zutaten in klassischer Labortechnik zerkleinert, erhitzt, ger\u00fchrt und gemixt. &#8220;Die Kunst besteht im Mischungsverh\u00e4ltnis und in der Reihenfolge, in der man die einzelnen Substanzen dazugibt&#8221;, sagt M\u00fcller. &#8220;Die Flexibilit\u00e4t beim Mischungsverh\u00e4ltnis der Substanzen erm\u00f6glicht es uns auch, die Beschichtung f\u00fcr bestimmte Anwendungen zu optimieren.&#8221; Eine Verpackung f\u00fcr Fleisch k\u00f6nnte so durch mehr Antioxidantien besonders antimikrobiell und antioxidativ sein, die T\u00fcte f\u00fcr Salat k\u00f6nnte mit einer Wachsbeschichtung versehen werden, die besonders gut vor Austrocknung sch\u00fctzt.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Beschichtung direkt auf Lebensmittel<\/h3>\n\n\n\n<p>Die bioaktive Beschichtung w\u00fcrde sich aber nicht nur f\u00fcr Papier eignen, erkl\u00e4ren die Forscher, auch Karton k\u00f6nnte damit ausgestattet werden. Ein Bedrucken der Verpackung mit dem Hersteller-Logo oder lebensmittelrechtlich vorgeschriebenen Angaben zu Inhaltsstoffen sei ebenfalls kein Problem.<\/p>\n\n\n\n<p>Aktuell experimentieren die Fraunhofer-Wissenschaftler bereits damit, die Beschichtung direkt auf Lebensmittel wie etwa Obst oder Gem\u00fcse aufzutragen und so die Haltbarkeit zu erh\u00f6hen. Aus gesundheitlicher Sicht sei die essbare Beschichtung n\u00e4mlich sowieso unbedenklich.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Titelbild:<\/em><\/strong><em> Ein Siegelbeutel aus Papier mit der Beschichtung auf der Innenseite. Nach der Nutzung landet die Verpackung mit den bioaktiven Materialien in der Altpapiertonne. \u00a9 Fraunhofer<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Weitere Artikel zum Thema Plastikm\u00fcll finden Sie <a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/?s=plastikm%C3%BCll\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">hier<\/a>.<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zu den Unmengen von Plastikm\u00fcll, der jedes Jahr mehr wird, tragen nicht zuletzt Verpackungen von Lebensmitteln einen gro\u00dfen Teil bei. Egal ob Wurst, K\u00e4se, Fleisch, Fisch oder auch Obst, Salat und Gem\u00fcse, alles ist hygienisch in Kunststoff verpackt. 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