{"id":280650,"date":"2021-04-27T11:00:00","date_gmt":"2021-04-27T09:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/innovationorigins.com\/?p=280650"},"modified":"2021-04-27T11:00:00","modified_gmt":"2021-04-27T09:00:00","slug":"luxusmodekonzerne-setzen-sich-ein-dass-baumwollanbau-ressourceneffizient-wird","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/de\/luxusmodekonzerne-setzen-sich-ein-dass-baumwollanbau-ressourceneffizient-wird\/","title":{"rendered":"Luxusmodekonzerne setzen sich ein, dass Baumwollanbau ressourceneffizient wird"},"content":{"rendered":"\n<p>Wenn sich die amerikanische <a href=\"https:\/\/www.pvh.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">PVH Corp<\/a>, die franz\u00f6sische <a href=\"https:\/\/www.kering.com\/en\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Kering Gruppe<\/a><em> <\/em>und der Textilproduzent <a href=\"https:\/\/www.arvind.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Arvind Limited <\/a>zusammentun, um Baumwolle ressourceneffizient anzubauen, dann sagt uns das eines: die Faser ist in der Mode unentbehrlich und wird auch nicht so schnell ersetzbar sein. Derzeit ist Baumwolle die meistgenutzte Faser weltweit. Fast 30 Prozent aller Textilien werden aus dem nat\u00fcrlichen Rohstoff gefertigt. Ihre enorme Beliebtheit ist auf ihre Langlebigkeit und ihren un\u00fcbertroffenen Tragekomfort zur\u00fcckzuf\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<p>Gleichzeitig ist Baumwolle zuletzt wegen ihrer schlechten Umweltbilanz in Verruf geraten. Baumwolle ist f\u00fcr 24 Prozent des weltweiten Einsatzes von Insektiziden verantwortlich (Quelle: <a href=\"https:\/\/farmandanimals.com\/how-much-water-does-it-take-to-grow-cotton\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Textile Exchange 2018<\/a>). Der Anbau von Baumwolle erfordert bis zu 10.000 Liter Wasser pro Kilogramm (Quelle: <a href=\"https:\/\/onlinelibrary.wiley.com\/doi\/abs\/10.1002\/9781119385523.ch3\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">cottonconnect.org<\/a>). Au\u00dferdem nimmt sie B\u00f6den in Anspruch, die auch f\u00fcr die Lebensmittelproduktion dringend gebraucht werden w\u00fcrden. Will man Baumwolle ressourceneffizient anbauen, sind neue Technologien dringend notwendig, so das Forschungskonsortium, das von der niederl\u00e4ndischen Innovationsplattform <a href=\"https:\/\/fashionforgood.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Fashion for Good<\/a><em> <\/em>geleitet wird.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Extra-langstapelige Baumwollsorten<\/h3>\n\n\n\n<p>Das Ziel, den Baumwollanbau ressourceneffizient zu gestalten, ist umso herausfordernder, als es um den Anbau von <em>extra-langstapeligen Baumwollsorten<\/em> (ELS) in der Region Gujarat in Indien geht. Der Begriff <em>Stapel <\/em>steht f\u00fcr das wichtigste Qualit\u00e4tsmerkmal der Baumwolle, n\u00e4mlich deren Faserl\u00e4nge. Je l\u00e4nger die Faser, desto h\u00f6her die Qualit\u00e4t. Im Vergleich zu mittel- und kurzstapeligen Baumwollsorten lassen sich aus <em>extra-langstapeligen Baumwollsorten<\/em> feinere und zugleich festere Garne herstellen. Stoffe aus diesen Fasern verschlei\u00dfen weniger und haben eine h\u00f6here Lebensdauer. Die Abnutzung erfolgt durch das Tragen und das Waschen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Auch interessant:<\/strong> <a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/neue-methode-ermoglicht-das-recycling-von-kleidung-mit-polyamid-erstmals-im-geschlossenen-kreislauf\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Durchbruch im Recycling von Kleidung mit Polyamid<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Auch im Hinblick auf die Kreislaufwirtschaft sind ELS-Baumwollsorten erw\u00fcnscht. \u201cBei den derzeitigen Baumwoll-Recyclingmethoden wird die durchschnittliche Faserl\u00e4nge leider reduziert. Deshalb m\u00f6chte die Textilindustrie f\u00fcr ihre Stoffe die l\u00e4ngsten Fasern haben,\u201c erkl\u00e4rt Georgia Parker, Innovation Manager bei Fashion for Good. <\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Die Region Gujarat<\/h3>\n\n\n\n<p>Derzeit machen ELS nur etwa zwei bis drei Prozent des weltweiten Baumwollaufkommens aus. Das liegt daran, dass die hochwertigen Baumwollpflanzen sehr empfindlich sind. \u201e Jede Sorte hat einzigartige Anforderungen. Aber allgemein sind es stabile Anbaubedingungen, die zur besten Faserqualit\u00e4t f\u00fchren. Stress durch Temperaturschwankungen, Feuchtigkeit, Wasser- und N\u00e4hrstoffmangel oder Sch\u00e4dlingsbefall kann die Endqualit\u00e4t beeintr\u00e4chtigen. Au\u00dferdem haben ELS auch eine l\u00e4ngere Wachstumsperiode, was den Bedarf an <em>bevorzugten<\/em> Bedingungen noch verst\u00e4rkt\u201c, so Parker.<\/p>\n\n\n\n<p>Traditionell werden ELS-Baumwollsorten in den s\u00fcdlichen Bundesstaaten Indiens angebaut, wo die Sommer im Durchschnitt zehn Grad k\u00fchler sind und Regenfeldbau betrieben werden kann. Das ist eine Form des Bodenbaus, die ausschlie\u00dflich mit Wasser aus Niederschl\u00e4gen auskommt. Es braucht also keine zus\u00e4tzliche k\u00fcnstliche Bew\u00e4sserung.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Ressourceneffizient<\/h3>\n\n\n\n<p>Das Forschungsprojekt wird auf einer Anbaufl\u00e4che von 1,5 Hektar in der Region Gujarat durchgef\u00fchrt. Hier liegt die durchschnittliche Jahrestemperatur bei 32 Grad. Das hei\u00dft, es ist extrem hei\u00df und trocken. Der britische Technologiepartner <a href=\"https:\/\/www.materra.org\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Materra<\/a> (ehemals hydroCotton) hat eine Expertise im Management von klimaresistentem Baumwollanbau. Nach mehrfachen Tests in Gro\u00dfbritannien soll das Verfahren jetzt an das Klima und die Ressourcen in Gurjarat angepasst werden. \u201eDieses Pilotprojekt wird zeigen, dass der Anbau von komplizierten Baumwollsorten wie ELS auch in Regionen m\u00f6glich ist, in denen dies eine Herausforderung darstellt. Zus\u00e4tzlich wird die Skalierung der Technologie der Region eine neue Einnahmequelle bringen und die Wirtschaft ankurbeln\u201c, sagt Parker.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>\u201eDieses Pilotprojekt wird zeigen, dass der Anbau von komplizierten Baumwollsorten wie ELS auch in Regionen m\u00f6glich ist, in denen dies eine Herausforderung darstellt.\u201c <\/p><cite>Georgia Parker, Innovation Manager bei Fashion for Good<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Materra kombiniert in seiner innovativen Anbaumethode Pr\u00e4zisionslandwirtschaft und Umweltkontrolle. Letztere ist durch den Einsatz von Sensoren gew\u00e4hrleistet. W\u00e4hrend des gesamten Prozesses werden Daten in Echtzeit erfasst, um die Endqualit\u00e4t des Produkts sicherzustellen. Dabei werden der Ressourceneinsatz beim Anbau der Baumwolle sowie die Luftfeuchtigkeit und die Temperatur gemessen. Dar\u00fcberhinaus k\u00f6nnen auch soziale Faktoren wie Arbeitsbedingungen und Arbeitseinsatz \u00fcberwacht werden.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Pr\u00e4zises Bew\u00e4sserungssystem<\/h3>\n\n\n\n<p>Es sei ein weit verbreiteter Irrtum, dass Baumwolle eine wasserintensive Kulturpflanze ist. Tats\u00e4chlich sei sie trockenheitstolerant, sagt Parker. Sie f\u00fchrt diesen Irrtum auf die sozialen und wirtschaftlichen Faktoren zur\u00fcck, die mit dem Anbau verbunden sind. Mehr als 60 Prozent der globalen Baumwollproduktion erfolgt auf kleinen Baumwollfarmen. \u00dcber 90 Prozent dieser gesch\u00e4tzt 100 Millionen Kleinbauern leben in Entwicklungsl\u00e4ndern und bewirtschaften weniger als zwei Hektar. Parker: \u201eBew\u00e4sserungssysteme k\u00f6nnten gro\u00dfe Mengen an Wasser sparen. Aber die Landwirte k\u00f6nnen nicht investieren, weil der Verkaufspreis der Baumwolle niedrig ist und sie keine erschwingliche Finanzierung bekommen. Stattdessen nutzen sie kostenlose Methoden, die wasserintensiv sind, wie zum Beispiel Furchen- oder \u00dcberschwemmungsbew\u00e4sserung.\u201c Die Furchenbew\u00e4sserung wird bei Pflanzen angewendet, die in Reihen angebaut werden. Das Wasser wird zwischen den Pflanzenreihen \u00fcber einzelne Kan\u00e4le transportiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit dem innovativen Bew\u00e4sserungssystem von Materra k\u00f6nnen \u00fcberm\u00e4\u00dfige Wasserverluste verhindert werden. Landwirtschaftliche Eintr\u00e4ge werden direkt an das Wurzelsystem geliefert, wo sie effizient aufgenommen werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Sch\u00e4dlingsbek\u00e4mpfung<\/h3>\n\n\n\n<p>Dar\u00fcberhinaus ist die Methode pestizidfrei. Das Technologieunternehmen kontrolliert Sch\u00e4dlingsausbr\u00fcche mit nat\u00fcrlichen Fressfeinden. In Gujarat ist es die heimische Florfliege, welche die auf Baumwolle vorkommenden Sch\u00e4dlinge vertilgt. Als Breitbandr\u00e4uber frisst sie viele verschiedene Sch\u00e4dlinge, anstatt sich auf einen einzigen zu spezialisieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Ernte auf der Testfl\u00e4che in Gujarat soll bei drei Tonnen Baumwolle liegen. Die drei Industriepartner wollen sich das Volumen teilen. Die Kleidungsst\u00fccke, die daraus entstehen, sollen ab 2023 im Handel erh\u00e4ltlich sein. <a href=\"https:\/\/www.calvinklein.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Calvin Klein<\/a>, ein Unternehmen aus der PVH Corp m\u00f6chte die Produktion bis 2025 vollst\u00e4ndig auf nachhaltige Baumwolle umstellen. Mit dem Projekt soll es gelingen.<\/p>\n\n\n\n<p>Materra wird die Daten und Erkenntnissen aus dem Pilot f\u00fcr die Wahl des n\u00e4chsten geeigneten Teststandorts nutzen. Die breite Umsetzung der Technologie soll Kleinbauern die M\u00f6glichkeit geben, ihre Ernten zu vergr\u00f6\u00dfern und kommerziell attraktivere extra-langstapelige Baumwollsorten anzubauen. Gleichzeitig wirkt sich die Technologie positiv auf die Umwelt aus und gew\u00e4hrleistet eine verbesserte R\u00fcckverfolgbarkeit der vorgelagerten Lieferkette.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Auch interessant:<\/strong> <a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/wie-baumwolle-intelligent-wird\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Wie Baumwolle intelligent wird<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn sich die amerikanische PVH Corp, die franz\u00f6sische Kering Gruppe und der Textilproduzent Arvind Limited zusammentun, um Baumwolle ressourceneffizient anzubauen, dann sagt uns das eines: die Faser ist in der Mode unentbehrlich und wird auch nicht so schnell ersetzbar sein. Derzeit ist Baumwolle die meistgenutzte Faser weltweit. 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