{"id":268001,"date":"2021-01-13T17:00:47","date_gmt":"2021-01-13T16:00:47","guid":{"rendered":"http:\/\/innovationorigins.com\/?p=268001"},"modified":"2021-01-13T17:00:47","modified_gmt":"2021-01-13T16:00:47","slug":"neue-vielversprechende-antikorper-gegen-sars-cov-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/de\/neue-vielversprechende-antikorper-gegen-sars-cov-2\/","title":{"rendered":"Neue, vielversprechende Antik\u00f6rper gegen SARS-CoV-2"},"content":{"rendered":"\n<p>Sp\u00e4testens seit vergangenem Jahr, seit Beginn der <strong>Coronapandemie<\/strong>, ist das Wort \u201e<strong>Antik\u00f6rper<\/strong>\u201c schon fast ein Teil unseres t\u00e4glichen Sprachgebrauchs geworden. Diese kleinen Aufpasser sind ein wichtiger Teil unseres Immunsystems, um Infektionen abzuwehren, indem sie sich an Oberfl\u00e4chen-Strukturen eines Bakteriums oder <strong>Virus<\/strong> anheften. So verhindern sie, dass sich das Virus oder Bakterium vermehrt und der Mensch \u2013 zum Beispiel an <strong>COVID-19<\/strong> \u2013 erkrankt. Solche Antik\u00f6rper in gro\u00dfen Mengen herzustellen und den Erkrankten zu spritzen, w\u00e4re also ein Weg, Krankheiten erfolgreich bek\u00e4mpfen zu k\u00f6nnen. US-Pr\u00e4sident Donald Trump betont, dass er bei seiner <strong>Coronainfektion<\/strong> auf diese Weise behandelt worden und deshlab so schnell genesen sei.<\/p>\n\n\n\n<p>Allerdings sind die Antik\u00f6rper, mit denen er behandelt wurde, in ihrer Struktur sehr komplex. Sie gelangen nicht sehr tief ins Gewebe und k\u00f6nnen m\u00f6glicherweise ungewollte Komplikationen hervorrufen. Dar\u00fcber hinaus ist es sehr schwierig und zeitaufw\u00e4ndig, Antik\u00f6rper zu produzieren, wodurch sie sich f\u00fcr den breitfl\u00e4chigen Einsatz nicht einen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">\u201eNanobodies\u201c als L\u00f6sung<\/h3>\n\n\n\n<p>\u201eWir setzen dagegen auf eine andere Gruppe von Molek\u00fclen, die Nanobodies\u201c, erkl\u00e4rt Dr. Florian Schmidt, der am Institut f\u00fcr Angeborene Immunit\u00e4t der <a href=\"http:\/\/www.uni-bonn.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Universit\u00e4t Bonn<\/a> eine Emmy-Noether-Gruppe zu diesem vielversprechenden neuen Forschungsgebiet leitet. \u201eDabei handelt es sich um Antik\u00f6rper-Fragmente, die so simpel aufgebaut sind, dass man sie von Bakterien oder Hefen produzieren lassen kann, was mit geringeren Kosten verbunden ist.\u201c Diese Nanobodies sind viel kleiner als klassische Antik\u00f6rper. Sie dringen daher besser ins Gewebe ein und k\u00f6nnen auch einfacher in gr\u00f6\u00dferen Mengen hergestellt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Schwierigkeit bleibt jedoch auch hier bestehen. Da das Immunsystem fast unendlich viele verschiedene Antik\u00f6rper produziert, die alle unterschiedliche Zielstrukturen erkennen, k\u00f6nnen nur ganz wenige zum Beispiel das <strong>SARS-Coronavirus-2<\/strong> au\u00dfer Gefecht setzen. Diese Antik\u00f6rper zu finden, sei wie die Suche nach einem einzelnen Sandkorn an Deutschlands Ostsee-K\u00fcste, gibt Schmidt zu. \u201eWir haben dazu zun\u00e4chst ein Oberfl\u00e4chenprotein des Coronavirus in ein Alpaka und ein Lama injiziert\u201c, erl\u00e4utert der Wissenschaftler. \u201eIhr Immunsystem produziert dann vor allem solche Antik\u00f6rper, die sich gegen dieses Virus richten. Lamas und Alpakas bieten zudem den Vorteil, dass sie neben komplexen normalen Antik\u00f6rpern auch eine einfachere Variante herstellen, die als Basis f\u00fcr Nanobodies dienen kann.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Anhand von Blutproben, die sie den Tieren einige Wochen sp\u00e4ter entnahmen, gewannen die Wissenschaftler die genetische Information aller Antik\u00f6rper, die diese gerade produzierten. Nachdem diese \u201eBibliothek\u201c immer noch Millionen verschiedene Baupl\u00e4ne enthielt, sortierten sie mit einem aufw\u00e4ndigen Verfahren diejenigen heraus, die auf der Oberfl\u00e4che des <strong>Coronavirus<\/strong> das Spike-Protein erkennen. \u201eInsgesamt erhielten wir so Dutzende Nanobodies, die wir dann weiter untersuchten\u201c, erkl\u00e4rt Dr. Paul-Albert K\u00f6nig, Leiter der Core Facility Nanobodies an der Medizinischen Fakult\u00e4t der Universit\u00e4t Bonn und Erstautor der Studie.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Vier von mehreren Millionen<\/h3>\n\n\n\n<p>Am Ende waren in Zellkulturen vier Molek\u00fcle tats\u00e4chlich effektiv gegen den Erreger. \u201eDurch R\u00f6ntgenstruktur- und Elektronenmikroskopie-Analysen konnten wir zudem zeigen, auf welche Weise sie mit dem Spike-Protein des Virus interagieren\u201c, erkl\u00e4rt K\u00f6nig. <\/p>\n\n\n\n<p>Bei einer Infektion mit dem SARS-CoV-2-Virus wirkt das Spike-Protein wie eine Art Klettband, mit dem sich das Virus an die Zelle anheftet. Sobald dieser Prozess abgeschlossen ist, wirft das Klettband den Bestandteil ab, der f\u00fcr die Anheftung wichtig ist und die H\u00fclle des Virus fusioniert mit der Zelle. \u201eAuch die Nanobodies scheinen diese Struktur\u00e4nderung auszul\u00f6sen, bevor das Virus auf seine Zielzelle trifft \u2013 ein unerwarteter und neuartiger Wirkmechanismus\u201c, sagt K\u00f6nig. \u201eDie \u00c4nderung ist vermutlich irreversibel; das Virus kann also nicht mehr an seine Zielzellen binden und sie infizieren.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Ein weiterer gro\u00dfer Vorteil von der Nanobodies gegen\u00fcber Antik\u00f6rpern ist, dass sie sich aufgrund ihres einfachen Aufbaus leicht zu Molek\u00fclen kombinieren lassen, die mehrere hundert Mal effektiver sein k\u00f6nnen. \u201eWir haben zwei Nanobodies fusioniert, die sich gegen unterschiedliche Teile des Spike-Proteins richten\u201c, erkl\u00e4rt K\u00f6nig. \u201eDiese Variante war in Zellkulturen hochwirksam. Zudem konnten wir nachweisen, dass so die Wahrscheinlichkeit drastisch sinkt, dass das Virus durch eine Mutation resistent gegen den Wirkstoff wird.\u201c Mittelfristig k\u00f6nnten sich die Molek\u00fcle zu einer neuen vielversprechenden Therapieoption entwickeln, sind K\u00f6nig und seine Kollegen \u00fcberzeugt. Das Unternehmen Dioscure Therapeutics, eine Ausgr\u00fcndung der Universit\u00e4t Bonn, soll die Nanobodies nun in klinischen Studien testen.<\/p>\n\n\n\n<p>An der Studie, die unter anderem vom Bundesministerium f\u00fcr Bildung und Forschung unterst\u00fctzt wurde, waren Institutionen aus Deutschland, Schweden und den USA beteiligt. Weitere F\u00f6rderer sind die Medizinische Fakult\u00e4t der Universit\u00e4t Bonn, die Deutsche Forschungsgemeinschaft, der Klaus Tschira Boost Funds, die Baden-W\u00fcrttemberg Stiftung und die MWK Baden-W\u00fcrttemberg. In den USA f\u00f6rderten die Bill and Melinda Gates Foundation, das U.S. Department of Energy, das National Institutes of Health (NIH), das National Institute of General Medical Sciences (NIGMS) sowie das National Cancer Institute (NCI) das Projekt, in Schweden das Swedish Research Council sowie die Knut and Alice Wallenberg Foundation.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Forscher haben die Ergebnisse ihrer Studie in der Fachpublikation <a href=\"https:\/\/science.sciencemag.org\/lookup\/doi\/10.1126\/science.abe6230\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Science<\/a> ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Titelbild<\/em><\/strong><em>: Zellkulturgef\u00e4\u00dfe mit angef\u00e4rbten Zellen, in denen sich Virusreplikationen durch die vom Virus verursachten L\u00f6cher im Zellrasen (Plaques) quantifizieren lassen. \u00a9 Volker Lannert\/Uni Bonn<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sp\u00e4testens seit vergangenem Jahr, seit Beginn der Coronapandemie, ist das Wort \u201eAntik\u00f6rper\u201c schon fast ein Teil unseres t\u00e4glichen Sprachgebrauchs geworden. 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