{"id":243472,"date":"2020-09-16T09:00:00","date_gmt":"2020-09-16T07:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/innovationorigins.com\/?p=243472"},"modified":"2020-09-16T09:00:00","modified_gmt":"2020-09-16T07:00:00","slug":"alzheimer-gen-hat-schon-in-jungen-jahren-auswirkungen-auf-das-gehirn","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/de\/alzheimer-gen-hat-schon-in-jungen-jahren-auswirkungen-auf-das-gehirn\/","title":{"rendered":"Alzheimer-Gen hat schon in jungen Jahren Auswirkungen auf das Gehirn"},"content":{"rendered":"\n<p>Die Gr\u00fcnde, wieso Menschen im Alter Alzheimer-Demenz bekommen, sind trotz jahrelanger und intensiver Forschung noch immer zu\u00a0 gr\u00f6\u00dften Teil unbekannt. \u00c4rzte vermuten, dass eine Kombination aus Lebensstil, \u00e4u\u00dferen Faktoren und genetischen Risiken als Ursachen infrage kommen. Der gr\u00f6\u00dfte genetische Risikofaktor geht auf erbliche Mutationen zur\u00fcck, die das Gen f\u00fcr \u201eApolipoprotein E\u201c (ApoE) betreffen, einen Eiwei\u00dfstoff, der f\u00fcr den Fettstoffwechsel und Nervenzellen wichtig ist. Von diesem ApoE-Gen sind drei Varianten bekannt. Die h\u00e4ufigste Form steht laut Aussagen von Wissenschaftlern f\u00fcr ein durchschnittliches Alzheimer-Risiko. Eine der beiden selteneren Varianten f\u00fcr ein erh\u00f6htes, die andere f\u00fcr ein verringertes Risiko.<br><br>Forscher des <a href=\"https:\/\/www.dzne.de\/\">Deutschen Zentrums f\u00fcr Neurodegenerative Erkrankungen<\/a> (DZNE)\u00a0und der <a href=\"https:\/\/www.ruhr-uni-bochum.de\/de\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Ruhr-Universit\u00e4t Bochum<\/a> haben in einer Studie an 82 jungen Erwachsenen gezeigt, inwieweit das Gen schon in jungen das Ged\u00e4chtnis beeinflusst. \u201eUns hat interessiert, ob und wie sich die verschiedenen Genvarianten auf die Hirnfunktion auswirken. Deshalb haben wir die Gehirne junger Erwachsener im Hirnscanner untersucht, w\u00e4hrend sie eine Aufgabe l\u00f6sen mussten, die ihr Ged\u00e4chtnis herausforderte\u201c, erl\u00e4utert Dr. Hweeling Lee, die die aktuelle Studie am DZNE in Bonn leitete.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>\u00c4hnliche Geschehnisse unterscheiden<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Die 82 M\u00e4nner und Frauen waren alle etwa 20 Jahre alt, studierten und galten als kognitiv gesund. \u201eGem\u00e4\u00df ihrer Erbanlagen f\u00fcr ApoE hatten 33 Teilnehmende ein durchschnittliches, 34 ein erh\u00f6htes und 15 ein verringertes Risiko, im sp\u00e4ten Alter an Alzheimer zu erkranken\u201c, schreiben die Forscher im Wissenschaftsjournal \u201e<a href=\"https:\/\/www.cell.com\/current-biology\/home\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Current Biology<\/a>\u201c. Im Rahmen der Studie wurde untersucht, wie die Gehirne der Probanden bestimmte Ged\u00e4chtnisaufgaben verarbeiten.<br><br>Dazu wurden sie an einen Hirnscanner angeschlossen, w\u00e4hrend ihnen \u00fcber einen Monitor nacheinander mehr als 150 verschiedene Abbildungen vorgespielt wurden wie beispielweise ein Hammer, eine Ananas oder eine Katze. Einige Bilder wurden nach einer Weile wiederholt, die Objekte waren jedoch manchmal an einer anderen Position auf dem Bildschirm. Die Aufgabe der Studienteilnehmenden bestand nun darin, zu erkennen, ob ein Objekt \u201eneu\u201c oder zuvor bereits gezeigt worden war. Au\u00dferdem sollten sie erkennen, ob sich die Position ver\u00e4ndert hatte, falls sie der Meinung waren, dass das Objekt bereits fr\u00fcher gezeigt worden war.<br><br>\u201eWir haben die F\u00e4higkeit getestet, \u00e4hnliche Geschehnisse voneinander zu unterscheiden. Das nennt man Muster-Trennung\u201c, sagt Hweeling Lee. \u201eIm Alltag geht es beispielsweise darum, sich daran zu erinnern, ob man einen Schl\u00fcssel in der linken oder der rechten Schublade einer Kommode abgelegt hat oder auf welchem Platz innerhalb eines Parkhauses das Auto abgestellt wurde. Solche Situationen haben wir in vereinfachter Weise nachgestellt, indem wir die Position der abgebildeten Gegenst\u00e4nde ver\u00e4ndert haben.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Gleichzeitig wurde mit einem \u201eUltra-Hochfeld-Tomografen\u201c mit einer Magnetfeldst\u00e4rke von sieben Tesla \u00a0<br>die Hirnaktivit\u00e4t der Probanden gemessen. Im Mittelpunkt stand hierbei der Hippocampus, ein nur wenige Kubikzentimeter gro\u00dfes Areal, das in jeder Gehirnh\u00e4lfte einmal vorkommt und als Schaltzentrale des Ged\u00e4chtnisses gilt. Bei einer Alzheimer-Erkrankung wird dieser Teil des Gehirns als erstes gesch\u00e4digt. \u201eBislang gab es keine vergleichbaren Studien mit solcher Detailsch\u00e4rfe an Teilnehmern, die hinsichtlich ApoE genotypisiert waren. Das ist ein besonderes Merkmal unserer Studie\u201c, so Hweeling Lee.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Keine Unterschiede in der Ged\u00e4chtnisleistung<\/strong>, aber&#8230;<\/h3>\n\n\n\n<p>Bei diesen Messungen zeiget sich, dass es bei den drei Probandengruppen hinsichtlich der F\u00e4higkeit zur Mustertrennung keine Unterschiede gab. \u201eAlle Studienteilnehmer waren im Ged\u00e4chtnistest \u00e4hnlich gut \u2013 unabh\u00e4ngig davon, ob sie ein erh\u00f6htes, ein verringertes oder ein durchschnittliches Risiko f\u00fcr Alzheimer hatten. Bei jungen gesunden Menschen sind solche Ergebnisse durchaus zu erwarten\u201c, so Nikolai Axmacher, Professor f\u00fcr Neuropsychologie an der Ruhr-Universit\u00e4t Bochum. Unterschiede habe es jedoch in der Hirnaktivit\u00e4t gegeben. \u201eDie verschiedenen Probandengruppen aktivierten die diversen Unterbereiche des Hippocampus in unterschiedlicher Weise und unterschiedlich stark\u201c, erkl\u00e4rt er. \u201eIhre Gehirne reagierten also unterschiedlich auf die Ged\u00e4chtnisaufgabe. Tats\u00e4chlich haben wir Unterschiede in der Hirnaktivierung nicht nur zwischen Personen mit durchschnittlichem und erh\u00f6htem Risiko beobachtet, sondern auch zwischen Personen mit durchschnittlichem und reduziertem Risiko.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Inwieweit diese Effekte f\u00fcr die Entwicklung einer Alzheimer-Erkrankung im Alter von Bedeutung sind, k\u00f6nnen die Wissenschaftler aber noch nicht sagen. \u201eUnsere Befunde k\u00f6nnten mit sehr fr\u00fchen Krankheitsprozessen zusammenh\u00e4ngen. Dies zu kl\u00e4ren, ist eine Aufgabe f\u00fcr k\u00fcnftige Studien und k\u00f6nnte dazu beitragen, Biomarker f\u00fcr die Fr\u00fcherkennung von Demenz zu entwickeln\u201c, meint Hweeling Lee. \u201eBemerkenswert ist jedenfalls, dass sich eine genetische Veranlagung f\u00fcr Alzheimer schon im jungen Erwachsenenalter im Gehirn widerspiegelt.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Gr\u00fcnde, wieso Menschen im Alter Alzheimer-Demenz bekommen, sind trotz jahrelanger und intensiver Forschung noch immer zu\u00a0 gr\u00f6\u00dften Teil unbekannt. \u00c4rzte vermuten, dass eine Kombination aus Lebensstil, \u00e4u\u00dferen Faktoren und genetischen Risiken als Ursachen infrage kommen. 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