{"id":242093,"date":"2020-09-09T09:00:00","date_gmt":"2020-09-09T07:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/innovationorigins.com\/?p=242093"},"modified":"2020-09-09T09:00:00","modified_gmt":"2020-09-09T07:00:00","slug":"vitrimere-machen-kunststoff-der-zukunft-nachhaltig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/de\/vitrimere-machen-kunststoff-der-zukunft-nachhaltig\/","title":{"rendered":"Vitrimere machen Kunststoff der Zukunft nachhaltig"},"content":{"rendered":"\n<p>Kunststoff ist unserem Leben nicht mehr wegzudenken, entsprechend gro\u00df auch die Mengen, die jedes Jahr produziert werden. Alleine die deutsche Kunststoffindustrie stellte im vergangenen Jahr 18,2 Millionen Tonnen her. Weltweit sind es beinahe 400 Millionen Tonnen. Ein gro\u00dfer Teil davon landet nach Gebrauch in der Umwelt, zum Beispiel in den Weltmeeren. Rund 10 Millionen Tonnen flie\u00dfen laut einer Statistik der <a aria-label=\"undefined (opens in a new tab)\" href=\"https:\/\/www.duh.de\/home\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Deutschen Umwelthilfe<\/a> jedes Jahr in die Meere.<br><br>Problematisch werden k\u00f6nnen aber auch unsere t\u00e4glichen Gebrauchsgegenst\u00e4nde. Meist ist ihre Lebenszeit nur recht kurz bemessen, da sie im Allgemeinen nicht repariert werden k\u00f6nnen, sondern ersetzt werden m\u00fcssen. Um das in Zukunft \u00e4ndern zu k\u00f6nnen, erforscht ein Team um den Chemiker und Materialwissenschaftler Prof. Dr. Ulrich S. Schubert der<a aria-label=\"undefined (opens in a new tab)\" href=\"https:\/\/www.uni-jena.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"> Friedrich-Schiller-Universit\u00e4t Jena M\u00f6glichke<\/a>iten, Kunststoffe nachhaltiger zu machen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Oberfl\u00e4chen mit dem Haartrockner reparieren<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>\u201eStellen Sie sich zerkratzte Oberfl\u00e4chen von Wohnungsm\u00f6beln vor, zum Beispiel in der K\u00fcche\u201d, beschreibt Schubert ein m\u00f6gliches Einsatzgebiet dieser intelligenten Kunststoffe. \u201eSie erw\u00e4rmen die entsprechende Oberfl\u00e4che einfach \u2013 etwa mit einem Haartrockner \u2013 und sie sieht nicht nur wieder aus wie neu, sondern sie ist neu.\u201c Sogenannte Vitrimere sollen daf\u00fcr sorgen, dass Gebrauchsgegenst\u00e4nde langlebiger sind und somit seltener ersetzt werden m\u00fcssen. Sie k\u00f6nnen auch leichter wiederverwertet werden und damit einen Beitrag zum Umweltschutz leisten.<br><br>\u201eBesonders Verbundwerkstoffe lassen sich kaum recyceln, denn die hier eingesetzten Materialien lassen sich so gut wie nicht mehr voneinander trennen\u201c, erkl\u00e4rt Schubert. Deutlich werde dieses Problem, wenn Windkraftanlagen erneuert werden m\u00fcssen. \u201eHier fallen gro\u00dfe Mengen an Abfall an, allein schon \u00fcber die Rotorbl\u00e4tter. Bis auf wenige Ausnahmen gibt es hier bisher keine geeignete Strategie, diese Ressourcen weiter zu nutzen.\u201c<br><br>Das lie\u00dfe sich mit intelligenten Werkstoffen wie den Vitrimeren jedoch \u00e4ndern, betont der Professor. \u201eDiese Materialien sind schaltbar. Das hei\u00dft, ihre Verarbeitbarkeit kann gesteuert werden.\u201c So lie\u00dfen sich theoretisch Verbundwerkstoffe herstellen, die bei Bedarf wieder getrennt und weiter genutzt werden k\u00f6nnen. Das zu erforschen, haben sich Schubert und sein Team f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf Jahren vorgenommen. \u201eBesonders interessieren uns faserverst\u00e4rkte Werkstoffe\u201c, sagt Schubert. \u201eHier wollen wir vor allem Glas- und Kohlenstofffasern in die neuen Kunststoffe einbetten, die u. a. f\u00fcr den Leichtbau und die Einsparung von CO<sub>2<\/sub>-Emissionen eingesetzt werden k\u00f6nnen. Uns interessieren aber auch Nanokomposite, in denen Nanof\u00fcllstoffe das Material verst\u00e4rken.\u201c<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Intelligente Kunststoffe werden allt\u00e4glich<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Eines Tages werden diese nachhaltigen Kunststoffe allt\u00e4glich werden und in Flugzeugen, auf Oberfl\u00e4chen oder etwa in Tennisschl\u00e4gern eingesetzt werden, ist Schubert sicher. \u201eVitrimere sind noch eine sehr junge Klasse von Kunststoffen. Konkrete Anwendungen sind bisher noch nicht vorhanden. Unser Ziel ist es aber, mit dieser Forschung eine neue Generation von nachhaltigen Materialien zu erm\u00f6glichen.\u201c<em><br><br><\/em>Die Forscher werden \u00fcber einen Zeitraum von f\u00fcnf Jahren durch die Carl-Zeiss-Stiftung gef\u00f6rdert, die zwei Millionen Euro f\u00fcr das Projekt bewilligt hat. \u201eSo einen Betrag erh\u00e4lt man normalerweise nur f\u00fcr ein gro\u00dfes koordiniertes Projekt der Deutschen Forschungsgemeinschaft\u201c, erkl\u00e4rt Schubert. Etwa acht Doktorandinnen und Doktoranden sollen in den kommenden Jahren diese neue Materialklasse von der Synthese, der Verarbeitung, ihren zugrundeliegenden Mechanismen bis hin zu ihren Umwelteinfl\u00fcssen untersuchen, so Schubert. Au\u00dferdem werde eine Nachwuchsgruppe etabliert.<br><br><em><strong>Titelbild<\/strong>: An der Universit\u00e4t Jena werden nachhaltige, intelligente Kunststoffen erforscht. Foto: Jens Meyer (Universit\u00e4t Jena)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kunststoff ist unserem Leben nicht mehr wegzudenken, entsprechend gro\u00df auch die Mengen, die jedes Jahr produziert werden. Alleine die deutsche Kunststoffindustrie stellte im vergangenen Jahr 18,2 Millionen Tonnen her. Weltweit sind es beinahe 400 Millionen Tonnen. Ein gro\u00dfer Teil davon landet nach Gebrauch in der Umwelt, zum Beispiel in den Weltmeeren. 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