{"id":236539,"date":"2020-08-05T17:33:52","date_gmt":"2020-08-05T15:33:52","guid":{"rendered":"http:\/\/innovationorigins.com\/?p=236539"},"modified":"2020-08-05T17:33:52","modified_gmt":"2020-08-05T15:33:52","slug":"effizientes-recycling-von-baumwolle-aus-alter-jeans-wird-edles-viskosekleid","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/de\/effizientes-recycling-von-baumwolle-aus-alter-jeans-wird-edles-viskosekleid\/","title":{"rendered":"Effizientes Recycling von Baumwolle: Aus alter Jeans wird edles Viskosekleid"},"content":{"rendered":"\n<p>Was bisher unm\u00f6glich schien, ist nun gelungen: Alte Baumwollbekleidung \u2013 die meist aus einem Materialmix besteht \u2013 wurde in ein Viskose-Filamentgarn umgewandelt. Ein neues Verfahren machts m\u00f6glich.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIn der Regel wird Baumwoll-Kleidung verbrannt oder sie landet auf der Deponie\u201c, beschreibt Andr\u00e9 Lehmann, Wissenschaftler&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.iap.fraunhofer.de\/de\/Forschungsbereiche\/Biopolymere\/fasertechnologie.html\">am Fraunhofer-Institut f\u00fcr Angewandte Polymerforschung IAP in Potsdam<\/a>, die derzeitige Situation. Denn Kleidung aus Baumwolle zu recyceln, war bislang technisch nicht m\u00f6glich. Grund genug f\u00fcr ihn, gemeinsam mit seinem Forscherteam im Auftrag des schwedischen Unternehmens&nbsp;<a href=\"https:\/\/renewcell.com\/\">re:newcell<\/a>, das sich nachhaltige Bekleidung spezialisiert hat, an selbiger in der Mode zu forschen. Und das mit Erfolg: K\u00fcrzlich ist es den Wissenschaftlern erstmals gelungen, Zellstoff aus recycelter Baumwolle zu Viskosefasern aus reiner Cellulose weiterzuverarbeiten. Zudem eignet sich die neue Faser sogar f\u00fcr die Fertigung in Gro\u00dfserie.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Der Umgang mit Bekleidung<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Nicht wenige Kleiderschr\u00e4nke quellen \u00fcber. Dabei werden viele Hosen, R\u00f6cke und Oberteile kaum oder gar nicht getragen. So lautet das Ergebnis einer Umfrage von Greenpeace zum Kaufverhalten der B\u00fcrger. Selbst nicht besch\u00e4digte Kleidung wird aussortiert und landet in der M\u00fclltonne oder Altkleidersammlung. Umweltfreundlich ist das definitiv nicht. Denn allein zur Herstellung der Bekleidung fallen Unmengen an Ressourcen, Chemikalien und Wasser an. Zwar werden Altkleider hierzulande oft wiederverwertet, doch aus ihnen werden dann minderwertige Produkte wie Reinigungst\u00fccher gefertigt. Bislang gibt es nicht viele neue, upgecycelte Kleidungsst\u00fccke. \u201eTextilien bestehen selten aus reiner Baumwolle. Eine Jeans etwa enth\u00e4lt immer einen Anteil an Chemiefasern wie Polyester oder Elasthan\u201c, erkl\u00e4rt Lehmann. Hosen, Hemden und Co. sind also selten sortenrein. Sie bestehen meist aus einem Mischgewebe. Und bis dato war es nicht m\u00f6glich, die miteinander verwobenen Fasern zu trennen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Neues Viskose-Filamentgarn in hochwertiger Qualit\u00e4t\u00a0<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>\u00dcblicherweise wird Zellstoff von der Textilindustrie als Ausgangsmaterial verwendet, um daraus k\u00fcnstliche Celluloseregeneratfasern wie Viskose, Modal oder Lyocell herzustellen. Da der Zellstoff nicht schmelzbar ist, muss dieser zu einer Spinnl\u00f6sung aufgel\u00f6st und zu cellulosischen Spinnfasern umgeformt werden. Der Zellstoff wird in der Regel aus Holz gewonnen. \u00bbWir haben von re:newcell jedoch Zellstoffplatten aus recycelter Baumwolle erhalten und sollten pr\u00fcfen, ob sie sich zu Viskosefasern weiterverarbeiten lassen\u201c, beschreibt Lehmann den Prozess, \u201eDurch Einstellen der richtigen Parameter im L\u00f6sungs- als auch Spinnprozess, wie effektive Filtrationsstufen, konnten wir die im Zellstoff enthaltenen Fremdfasern herausl\u00f6sen.\u201c Das Ergebnis: Ein Filamentgarn, also eine mehrere Kilometer lange Endlosfaser, die zu 100 Prozent aus Cellulose besteht. Qualitativ kann sie es durchaus mit holzbasierten Celluloseregeneratfasern aufnehmen. Aus dem Baumwoll-Zellstoff konnten im Spinnverfahren neue Fasern hergestellt werden, die sich f\u00fcr die Massenfertigung im industriell etablierten Viskoseprozess eignen. \u201eWir konnten den hohen Anspruch von re:newcell an die Reinheit der neuen Faser erf\u00fcllen\u201c, freut sich Lehmann, der das entstandene Filamentgarn als baumwollbasierte cellulosische Regeneratfaser bezeichnet. Im Vergleich mit markt\u00fcblichen Viskosefasern konnte diese \u00fcberzeugen und wies dieselben Eigenschaften auf.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Aufwendiges Viskose-Verfahren<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Das war keine leichte Aufgabe, denn das Viskoseverfahren ist komplex: Zun\u00e4chst muss der Zellstoff mit Lauge aktiviert und anschlie\u00dfend chemisch derivatisiert werden. Auf diese Weise erh\u00e4lt man eine hochreine alkalische Viskose-L\u00f6sung, die mittels Spinnd\u00fcsen, die mehrere tausend Spinnl\u00f6cher mit Durchmessern von 55 \u03bcm aufweisen, in ein saures Spinnbad ausgesponnen wird. Aus den jeweils zu tausenden sich bildenden Fl\u00fcssigkeitsf\u00e4dchen der polymeren L\u00f6sung regeneriert sich die derivatiserte Cellulose und f\u00e4llt kontinuierlich in Fadenform im Spinnbad aus. Im weiteren laufenden Prozess wird die chemische Derivatisierung best\u00e4ndig r\u00fcckg\u00e4ngig gemacht und der Faden weitergewaschen, bevor man ihn getrocknet aufspult. Er besteht dann aus reiner Cellulose. Damit ist er besonders umweltfreundlich. Denn Cellulose verrottet und tr\u00e4gt nicht zu den Bergen an Mikroplastik, die die Weltmeere verschmutzen, bei. Ein gro\u00dfer Vorteil gegen\u00fcber erd\u00f6l-basierten Polyesterfasern, die noch mit einem Anteil von rund 60 Prozent auf dem Weltmarkt dominieren.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Nachhaltige Kleidung und alternative Zellstoffquelle<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>K\u00fcnftig kann Bekleidung wie ein alte Jeans oder ein altes T-Shirt also mehrfach wiederverwertet werden und so zu mehr Nachhaltigkeit in der Mode beitragen. Dar\u00fcber hinaus ist es so m\u00f6glich, die Rohstoffbasis f\u00fcr die Zellstoffgewinnung der Textilindustrie zu erweitern. Dazu Lehmann: \u201eBisher ist die holzbasierte Cellulose der Ausgangsstoff f\u00fcr Viskosefasern. Durch das Optimieren der Trennprozesse und die Intensivierung der Filtration der Fremdfasern im Spinnverfahren k\u00f6nnen wir langfristig die rezyklisierte Naturfaser-Baumwolle als alternative Zellstoffquelle und ernst zu nehmende Rohstoffbasis etablieren.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was bisher unm\u00f6glich schien, ist nun gelungen: Alte Baumwollbekleidung \u2013 die meist aus einem Materialmix besteht \u2013 wurde in ein Viskose-Filamentgarn umgewandelt. Ein neues Verfahren machts m\u00f6glich. \u201eIn der Regel wird Baumwoll-Kleidung verbrannt oder sie landet auf der Deponie\u201c, beschreibt Andr\u00e9 Lehmann, Wissenschaftler&nbsp;am Fraunhofer-Institut f\u00fcr Angewandte Polymerforschung IAP in Potsdam, die derzeitige Situation. 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