{"id":229515,"date":"2020-07-15T11:00:00","date_gmt":"2020-07-15T09:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/innovationorigins.com\/?p=229515"},"modified":"2020-07-15T11:00:00","modified_gmt":"2020-07-15T09:00:00","slug":"gemeinsam-fur-nachhaltigkeit-in-der-lieferkette","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/de\/gemeinsam-fur-nachhaltigkeit-in-der-lieferkette\/","title":{"rendered":"Gemeinsam f\u00fcr Nachhaltigkeit in der Lieferkette"},"content":{"rendered":"\n<p>Die Globalisierung hat die Produktion vieler G\u00fcter, die wir t\u00e4glich konsumieren, weit aus unserem Blickfeld ger\u00fcckt. Das Bewusstsein f\u00fcr die Verantwortung, die Konsumenten und Unternehmen f\u00fcr die gesamte Produktions- und Lieferkette dieser Produkte haben, ist in den letzten Jahren merklich gewachsen. Doch wie k\u00f6nnen menschenrechtliche Standards und&nbsp;Nachhaltigkeit in den weitverzweigten Lieferketten sichtbar gemacht und&nbsp;verbessert werden? <a href=\"https:\/\/sustainabill.de\/\">Sustainabill<\/a> hat eine Plattform entwickelt, die es Unternehmen und Subunternehmen erm\u00f6glicht, Probleme aufzudecken und&nbsp;gemeinsam an selbstgesteckten Zielen in puncto Menschenrechte und&nbsp;Umweltschutz zu arbeiten. IO sprach mit Klaus Wiesen, einem der Gr\u00fcnder und CEO des Start-ups.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWir haben eine Cloudplattform entwickelt, die es Unternehmen erm\u00f6glicht,&nbsp;ihre Lieferkette aufzudecken. Es geht darum, Sichtbarkeit in die tiefere&nbsp;Lieferkette hinein herzustellen. Das Unternehmen, also unser Kunde, l\u00e4dt&nbsp;seinen Zulieferer dazu ein, ein Profil auf unserer Plattform anzulegen. Er bittet ihn offenzulegen, an welchen Standorten er f\u00fcr ihn produziert und wie Produkte, Rohstoffe, Materialien verarbeitet werden. Die Direktlieferanten werden dazu angehalten, dass gleiche bei den Vorlieferanten zu tun. So dass sich diese Anfragen Schritt f\u00fcr Schritt die Lieferkette hinunter hangeln, bis zur Quelle der Rohstoffe.\u201c So beschreibt Wiesen sein Unternehmen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Nachhaltigkeit in der Lieferkette &#8211; es geht nur gemeinsam<\/h3>\n\n\n\n<p>Der gemeinsame Weg von Sustainabill und seinen Kunden beginnt mit einem&nbsp;Kick-off in Form eines Webinars.&nbsp;Die Unternehmen zahlen eine Lizenzgeb\u00fchr&nbsp;und lernen mit der Plattform zu arbeiten. Zu Beginn werden sie von Sustainabill beim Datenimport und dem Aufdecken ihrer Lieferkette unterst\u00fctzt und begleitet. Im sp\u00e4teren Verlauf werden die Unternehmen weiter beraten, managen ihr Projekt auf der Plattform aber selbst\u00e4ndig.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Es geht darum zu kl\u00e4ren, ob die Vorlieferanten gesetzte Standards im Umwelt- und Arbeitsschutz erf\u00fcllen. Ist das nicht der Fall, k\u00f6nnen die Unternehmen zusammen mit den Subunternehmen daran arbeiten, diese Missst\u00e4nde zu beheben. Mit Hilfe der Plattform kann \u00fcberpr\u00fcft werden, ob die Verbesserungen auch umgesetzt wurden.<\/p>\n\n\n\n<p>Nat\u00fcrlich stellt sich die Frage, wie Daten auf einer Plattform die tats\u00e4chlichen Verh\u00e4ltnisse vor Ort sichtbar machen k\u00f6nnen. Wie wird die Richtigkeit der Angaben \u00fcberpr\u00fcft? Zu garantieren, dass die einzelnen Daten an jeder Stelle korrekt sind, ist nicht Aufgabe des Unternehmens. Aber allein durch die Zusammenf\u00fchrung einer Vielzahl an Informationen, k\u00f6nnen Schwachpunkte sichtbar gemacht und Hinweise gegeben werden, ob die Angaben stimmig sind. Dazu werden Datenbanken im Hintergrund genutzt. Erst einmal wird \u00fcberpr\u00fcft, ob der Unternehmensstandort \u00fcberhaupt existiert. Dann werden Plausibilit\u00e4ts-Checks durchgef\u00fchrt. So wird zum Beispiel gefragt, ob die Angaben zur Produktionsmenge und zum Energieverbrauch eines Unternehmens realistisch sind. Ist alles plausibel? Welchen Energieverbrauch haben andere Unternehmen dieser Kategorie in dieser Region? Wie sah der Verbrauch in den Vorjahren aus? Es werden Nachweisdokumente angefragt, die die Angaben belegen. Werden Ungereimtheiten sichtbar, beginnt eine&nbsp;\u00dcberpr\u00fcfung. Sustainabill arbeitet mit Pr\u00fcfdienstleistern zusammen, die im Zweifelsfall auf Wunsch des Kunden vor Ort geschickt werden. Auf diese Weise kann der Pr\u00fcfdienst, der sehr kostspielig ist, gezielt eingesetzt werden.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/archive.ioplus.nl\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/PC-with-dashboard-2.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-230130\" width=\"415\" height=\"383\"\/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>\u201eWir pr\u00fcfen nicht selber, sondern machen Risiken aus und weisen darauf hin. Die Risiken werden \u00fcber die Plattform automatisch sichtbar gemacht. Und wir leisten Unterst\u00fctzung, um das genauer zu beleuchten\u201c, so Wiesen. \u201eAber da endet die Reise noch lange nicht. Denn im zweiten Schritt geht es darum, Dinge messbar zu machen. Hier ist das Oberthema Treibhausgasemission. Dazu werden konkrete Daten abgefragt nach Energieverbrauch oder Einsatz von D\u00fcngemitteln, zum Beispiel. So komme ich zu genauen Werten der CO2-Emission. Gemeinsam mit dem Lieferanten kann der Kunde daran arbeiten, die Treibhausgasemissionen zu verringern.&#8221; <\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Menschenrechte und Umweltschutz im Blick<\/h3>\n\n\n\n<p>Im Zusammenhang mit der Treibhausgasemission ist Entwaldung ist ein&nbsp;wichtiges Thema. Hier unterst\u00fctzt Sustainabill seine Kunden durch die Nutzung von Geoanalysen, die belegen, ob in einem bestimmten Gebiet Rodungen stattgefunden haben. Die Menschenrechte sind neben dem Umweltschutz das zweite Oberthema. Hier geht es vor allem um Arbeitsschutz und Kinderarbeit. Es werden Selbstausk\u00fcnfte eingeholt und auch hier werden wieder Daten von externen Partner genutzt, die z.B. darauf hinweisen k\u00f6nnten, ob der Name dieses Unternehmens im Zusammenhang mit Kinderarbeit genannt wurde. Das dritte gro\u00dfe Thema ist Circular Economy und strategische, kritische Rohstoffe.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die Unternehmen k\u00f6nnen erfragen, welche Prim\u00e4rmaterialien in ihrem Produkt stecken. Unter welchen Arbeitsbedingungen werden sie gewonnen? Was kann durch recycelte Materialien ersetzt werden? Auch hier k\u00f6nnen die Unternehmen gemeinsam mit ihren Lieferanten daran arbeiten, mehr und mehr&nbsp;Sekund\u00e4rmaterialien zu nutzen. Es geht also immer darum, Probleme&nbsp;offenzulegen und in kontinuierlicher Zusammenarbeit Verbesserungen auf den Weg zu bringen. <\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Letztendlich ist das trotz allem noch ein Nischenthema. Aber es wird gr\u00f6\u00dfer und das ist gut.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Was sind die Motive der Unternehmen, diesen Aufwand zu betreiben? \u201eAus unserer Sicht kann man ethische und monet\u00e4re Motive der Unternehmen hier nicht klar auseinanderhalten. Aber wir sehen tats\u00e4chlich die kuriose Situation, dass der Druck der Gesellschaft, der Konsumenten aber auch der Investoren, viel h\u00f6her ist, als der Druck, den gesetzliche Bestimmungen erzeugen. Dass hei\u00dft, die Politik l\u00e4uft den Forderungen von Konsumenten und Investoren ganz klar hinterher. Die Unternehmen, mit denen wir arbeiten, die haben wirklich&nbsp;den Ansatz: sie wollen nachhaltiger werden. Bei der Treibhausgasemission ist das besonders prominent, dass sich die Unternehmen Ziele setzen und zwar auch vermehrt f\u00fcr ihre Lieferkette. Sie wollen dabei im Einklang mit den <a href=\"https:\/\/ec.europa.eu\/clima\/policies\/international\/negotiations\/paris_de\">Zielen der Pariser Klimakonferenz<\/a> sein und das zusammen mit uns angehen.\u201c&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Der Umschwung kam mit Fridays for Future<\/h3>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/archive.ioplus.nl\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/KW_picture-1-1.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-230111\" width=\"371\" height=\"247\"\/><figcaption>Klaus Wiesen<br><\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Die gr\u00f6\u00dfte Herausforderung f\u00fcr das Unternehmen bestand darin, dass sie bei ihrer Gr\u00fcndung im Jahr 2017 dem Markt noch voraus waren. Es gab noch&nbsp;keinen Bedarf an ihrem Produkt.&nbsp;Ge\u00e4ndert hat sich das mit Greta Thunberg und Fridays for Future. Dieser Umschwung war eindeutig wahrnehmbar, sagt&nbsp;Wiesen. Inzwischen haben die gro\u00dfen Unternehmen die Themen Nachhaltigkeit und Menschenrechte als essenziell erkannt haben, um&nbsp;weiter bestehen zu k\u00f6nnen. Neben den Unternehmen selbst haben auch&nbsp;Investoren den Wert der positiven gesellschaftlichen Auswirkungen ihrer&nbsp;Aktivit\u00e4ten erkannt. So zum Beispiel die Investoren von Sustainabill, die GLS Bank und BrainWeb Investment.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eAber letztendlich ist das trotz allem noch ein Nischenthema. Es wird gr\u00f6\u00dfer und das ist gut\u201c sagt Wiesen. \u201eF\u00fcr die Zukunft w\u00fcnsche ich mir, dass Unternehmen die Relevanz ihrer Lieferkette erkennen. Und zwar nicht nur die gro\u00dfen Unternehmen, die im Blickpunkt der \u00d6ffentlichkeit stehen, sondern auch der Mittelstand. Und wir brauchen gesetzliche Rahmenbedingungen. Daf\u00fcr war das <a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunk.de\/menschenrechte-und-umweltschutz-fragen-und-antworten-zum.1939.de.html?drn:news_id=1151076\">Lieferkettengesetz<\/a> ein guter Ansatz. Das wurde aber im Rahmen der Corona-Krise abgesagt. Ich habe die Hoffnung, dass die Corona-Krise jetzt als Chance erkannt wird, die Investitionen so zu steuern, dass die Wirtschaftsf\u00f6rderung auch gleichzeitig Nachhaltigkeit f\u00f6rdert. Das ist ganz wichtig, dass das jetzt Hand in Hand geht. Dass die Wirtschaft gest\u00e4rkt, gerettet wird \u2013 aber auch mit dem Fokus auf den <a href=\"https:\/\/ec.europa.eu\/info\/strategy\/priorities-2019-2024\/european-green-deal_de\">Green Deal der EU<\/a> und das Thema Nachhaltigkeit.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Auch interessant: <a target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/volvo-macht-herkunft-des-kobalts-fuer-akkus-mit-blockchain-nachvollziehbar\/\">Volvo macht Herkunft des Kobalts mit Blockchain nachvollziehbar<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Globalisierung hat die Produktion vieler G\u00fcter, die wir t\u00e4glich konsumieren, weit aus unserem Blickfeld ger\u00fcckt. Das Bewusstsein f\u00fcr die Verantwortung, die Konsumenten und Unternehmen f\u00fcr die gesamte Produktions- und Lieferkette dieser Produkte haben, ist in den letzten Jahren merklich gewachsen. 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