{"id":228084,"date":"2020-07-01T17:00:37","date_gmt":"2020-07-01T15:00:37","guid":{"rendered":"https:\/\/innovationorigins.com\/?p=228084"},"modified":"2020-07-01T17:00:37","modified_gmt":"2020-07-01T15:00:37","slug":"lithiumfoerderung-deutschland-durch-neues-verfahren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/de\/lithiumfoerderung-deutschland-durch-neues-verfahren\/","title":{"rendered":"Lithiumf\u00f6rderung in Deutschland durch neues Verfahren"},"content":{"rendered":"<p>Eine Welt ohne Lithium ist im 21. Jahrhundert nicht mehr denkbar. Handys, E-Autos, Netzspeicher \u2013 f\u00fcr die Akkus, die diese Ger\u00e4te mit Energie versorgen, ist Lithium unerl\u00e4sslich. Gewonnen werden Millionen Tonnen jedes Jahr weit ab von Europa in Afrika, Australien und S\u00fcdamerika. Forscher des <a href=\"https:\/\/www.kit.edu\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Karlsruher Instituts f\u00fcr Technologie<\/a> (KIT) haben jetzt aber eine M\u00f6glichkeit gefunden, Lithium auch in Deutschland zu gewinnen. Der Rohstoff soll dabei \u201eminimalinvasiv\u201c aus den Tiefengew\u00e4ssern in Geothermieanlagen des Oberrheingrabens gef\u00f6rdert werden.<\/p>\n<p>\u201eNach unseren Kenntnissen k\u00f6nnen es bis zu 200 Milligramm pro Liter sein\u201c, wei\u00df der Geowissenschaftler Dr. Jens Grimmer vom <a href=\"http:\/\/www.agw.kit.edu\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Institut f\u00fcr Angewandte Geowissenschaften<\/a> (AGW) des KIT: \u201eWenn wir dieses Potenzial konsequent nutzen, dann k\u00f6nnten wir in Deutschland einen erheblichen Teil unseres Bedarfs decken.\u201c Der Grund, wieso dieses Lithium bisher nicht gef\u00f6rdert werden konnte, ist, dass es kein geeignetes Verfahren gab, es sowohl kosteng\u00fcnstig als auch umweltschonend und nachhaltig zu erschlie\u00dfen.<\/p>\n<p>Grimmer hat jetzt gemeinsam mit seiner Forscherkollegin Dr. Florencia Saravia von der Forschungsstelle des Deutschen Vereins des Gas- und Wasserfaches (DVGW) am Engler-Bunte-Institut (EBI) des KIT ein solches Verfahren entwickelt. \u201eDabei werden in einem ersten Schritt die Lithiumionen aus dem Thermalwasser herausgefiltert und in einem zweiten Schritt weiter konzentriert, bis Lithium als Salz ausgef\u00e4llt werden kann\u201c, so Grimmer. Dieses Verfahren wurde vom KIT bereits zum Patent angemeldet.<\/p>\n<h3>Nur minimale Umweltsch\u00e4den<\/h3>\n<p>Von den traditionellen Methoden der Lithiumproduktion aus den s\u00fcdamerikanischen Salzseen und den australischen Festgesteinen unterscheidet sich das Grimmer-Saravia-Verfahren dadurch, dass die bestehende Infrastruktur von Geothermie-Anlagen genutzt wird. Durch flie\u00dfen die pro Jahr bis zu zwei Milliarden Liter Thermalwasser. Weiterhin f\u00e4llt auch kaum Abraum an, wie er beim klassischen Bergbau \u00fcblich ist. Au\u00dferdem ist der Fl\u00e4chenverbrauch minimal.<\/p>\n<p>Nach Gebrauch wird das Thermalwasser wieder in den Untergrund zur\u00fcckgeleitet. Somit w\u00fcrden keine sch\u00e4dlichen Stoffe freigesetzt und auch die geothermische Strom- und W\u00e4rmeproduktion werde nicht gest\u00f6rt, sagen die Forscher. Das Lithium k\u00f6nne im Thermalwasserzyklus der Geothermie-Anlage kontinuierlich innerhalb von Stunden extrahiert werden, wohingegen die Anreicherung in den s\u00fcdamerikanischen Salzseen mehrere Monate dauere und stark wetterabh\u00e4ngig sei. Bei der herk\u00f6mmlichen Lithiumproduktion kann ein starker Regenguss n\u00e4mlich eine Verz\u00f6gerung von Wochen oder gar Monate zur Folge haben. Und das neue Verfahren hat einen weiteren Vorteil: Man kann gleichzeitig weitere seltene Elemente wie Rubidium oder C\u00e4sium aus dem Thermalwasser extrahieren. Diese werden zum Beispiel in der Laser- und Vakuumtechnologie ben\u00f6tigt.<\/p>\n<h3>\u201eRegionale Wertsch\u00f6pfungsketten&#8221;<\/h3>\n<p>Da die technisch-energetischen M\u00f6glichkeiten einer Geothermie-Anlage genutzt w\u00fcrden, hebe sich dieses Verfahren auch in der CO2-Bilanz sehr positiv von den tradierten Verfahren ab: \u201eWir exportieren viele Umweltprobleme in Drittl\u00e4nder, um unseren Lebensstandard aufrechtzuerhalten und zu verbessern. Mit diesem Verfahren k\u00f6nnen wir unserer Verantwortung gerecht werden und wichtige Rohstoffe f\u00fcr moderne Technologien umweltvertr\u00e4glich vor der eigenen Haust\u00fcr gewinnen\u201c, sagt Saravia. \u201eDar\u00fcber hinaus k\u00f6nnen wir regionale Wertsch\u00f6pfungsketten aufbauen, Arbeitspl\u00e4tze schaffen und gleichzeitig geopolitische Abh\u00e4ngigkeiten reduzieren.\u201c<\/p>\n<p>Die beiden Wissenschaftler entwickeln nun gemeinsam mit Partnern aus der Industrie eine Testanlage. Der erste Prototyp soll dann in einer Geothermie-Anlage im Oberrheingraben aufgebaut werden. Dort werden \u201ezun\u00e4chst einige Kilogramm Lithiumkarbonat bzw. Lithiumhydroxid gewonnen\u201c. Wenn die Versuche erfolgreich sind, sei der Bau einer Gro\u00dfanlage geplant, sagen die Forscher. \u201eM\u00f6glich w\u00e4re dann eine Produktion von mehreren hundert Tonnen Lithiumhydroxid pro Jahr pro Geothermie-Anlage.\u201c Laut Informationen des KIT k\u00f6nnten auf deutscher und franz\u00f6sischer Seite des Oberrheingrabens mehrere tausend Tonnen Lithium pro Jahr gewonnen werden.<\/p>\n<p><em><strong>Titelbild<\/strong>: Mit dem minimalinvasiven Verfahren aus dem KIT k\u00f6nnten jedes Jahr tausende Tonnen Lithium aus dem deutschen und franz\u00f6sischen Oberrheingraben gef\u00f6rdert werden. (Foto: Amadeus Bramsiepe, KIT)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Welt ohne Lithium ist im 21. Jahrhundert nicht mehr denkbar. Handys, E-Autos, Netzspeicher \u2013 f\u00fcr die Akkus, die diese Ger\u00e4te mit Energie versorgen, ist Lithium unerl\u00e4sslich. Gewonnen werden Millionen Tonnen jedes Jahr weit ab von Europa in Afrika, Australien und S\u00fcdamerika. Forscher des Karlsruher Instituts f\u00fcr Technologie (KIT) haben jetzt aber eine M\u00f6glichkeit gefunden, [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1660,"featured_media":228082,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"advgb_blocks_editor_width":"","advgb_blocks_columns_visual_guide":"","footnotes":""},"categories":[25213],"tags":[105499,29744,31322,39337,39340],"location":[24328],"article_type":[],"serie":[],"archives":[],"internal_archives":[],"reboot-archive":[],"class_list":["post-228084","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-nachhaltigkeit-de","tag-bergbau-de","tag-karlsruher-institut-fur-technologie-de","tag-kit-de","tag-lithium-de-de","tag-lithium-akkus-de","location-deutschland"],"blocksy_meta":[],"acf":{"subtitle":"","text_display_homepage":false},"author_meta":{"display_name":"Petra Wiesmayer","author_link":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/author\/petra-wiesmayer\/"},"featured_img":null,"coauthors":[],"tax_additional":{"categories":{"linked":["<a href=\"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/de\/category\/nachhaltigkeit-de\/\" class=\"advgb-post-tax-term\">Nachhaltigkeit<\/a>"],"unlinked":["<span class=\"advgb-post-tax-term\">Nachhaltigkeit<\/span>"]},"tags":{"linked":["<a href=\"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/de\/category\/nachhaltigkeit-de\/\" class=\"advgb-post-tax-term\">Bergbau<\/a>","<a href=\"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/de\/category\/nachhaltigkeit-de\/\" class=\"advgb-post-tax-term\">Karlsruher Institut f\u00fcr Technologie<\/a>","<a href=\"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/de\/category\/nachhaltigkeit-de\/\" class=\"advgb-post-tax-term\">KIT<\/a>","<a href=\"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/de\/category\/nachhaltigkeit-de\/\" class=\"advgb-post-tax-term\">lithium<\/a>","<a href=\"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/de\/category\/nachhaltigkeit-de\/\" class=\"advgb-post-tax-term\">Lithium-Akkus<\/a>"],"unlinked":["<span class=\"advgb-post-tax-term\">Bergbau<\/span>","<span class=\"advgb-post-tax-term\">Karlsruher Institut f\u00fcr Technologie<\/span>","<span class=\"advgb-post-tax-term\">KIT<\/span>","<span class=\"advgb-post-tax-term\">lithium<\/span>","<span class=\"advgb-post-tax-term\">Lithium-Akkus<\/span>"]}},"comment_count":"0","relative_dates":{"created":"Posted 6 years ago","modified":"Updated 6 years ago"},"absolute_dates":{"created":"Posted on July 1, 2020","modified":"Updated on July 1, 2020"},"absolute_dates_time":{"created":"Posted on July 1, 2020 5:00 pm","modified":"Updated on July 1, 2020 5:00 pm"},"featured_img_caption":"","series_order":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/228084","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1660"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=228084"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/228084\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/wp-json\/"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=228084"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=228084"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=228084"},{"taxonomy":"location","embeddable":true,"href":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/wp-json\/wp\/v2\/location?post=228084"},{"taxonomy":"article_type","embeddable":true,"href":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/wp-json\/wp\/v2\/article_type?post=228084"},{"taxonomy":"serie","embeddable":true,"href":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/wp-json\/wp\/v2\/serie?post=228084"},{"taxonomy":"archives","embeddable":true,"href":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/wp-json\/wp\/v2\/archives?post=228084"},{"taxonomy":"internal_archives","embeddable":true,"href":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/wp-json\/wp\/v2\/internal_archives?post=228084"},{"taxonomy":"reboot-archive","embeddable":true,"href":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/wp-json\/wp\/v2\/reboot-archive?post=228084"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}