{"id":227354,"date":"2020-06-23T13:20:10","date_gmt":"2020-06-23T11:20:10","guid":{"rendered":"https:\/\/innovationorigins.com\/?p=227354"},"modified":"2020-06-23T13:20:10","modified_gmt":"2020-06-23T11:20:10","slug":"warum-helfen-und-geben-gluecklich-macht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/de\/warum-helfen-und-geben-gluecklich-macht\/","title":{"rendered":"Warum Helfen und Geben gl\u00fccklich macht"},"content":{"rendered":"<p>Zu Beginn des Corona-Lockdowns konnte man gr\u00f6\u00dftenteils den Eindruck gewinnen, die Krise w\u00fcrde wirklich das Schlimmste im Menschen hervorbringen. Egoismus regierte die (Einkaufs)welt. Da k\u00fcmmerte es nicht, wenn andere wochenlang vor leer ger\u00e4umten Regalen standen, in denen mittlerweile wieder das Toilettenpapier, Nudeln, Seife oder Desinfektionsmittel zu Hauf zu finden sind. Hauptsache, im eigenen Keller t\u00fcrmten sich Vorr\u00e4te f\u00fcr ein Jahr.<\/p>\n<p>Auf der anderen Seite brachte diese Krise aber auch das Beste in vielen Menschen hervor. Man kaufte f\u00fcr alte und gef\u00e4hrdete Nachbarn ein, die man kaum kannte und rief Verwandte und Bekannte an, mit denen man schon ewig nicht mehr gesprochen hatte. Und wir spendeten Geld und Dinge f\u00fcr Menschen in Not. \u201eDie Corona-Krise hat uns verst\u00e4rkt vor Augen gef\u00fchrt, dass wir alle miteinander verbunden sind und unser Verhalten nicht ohne Wirkung f\u00fcr andere bleibt\u201c, sagt Philippe Tobler, Neuro\u00f6konom an der <strong><a href=\"https:\/\/www.uzh.ch\/de.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Universit\u00e4t Z\u00fcrich<\/a><\/strong> (UZH). \u201eWir sind auf die Menschen um uns herum angewiesen und sie auf uns.\u201c<\/p>\n<h3>Geben macht gl\u00fccklicher als Nehmen<\/h3>\n<p>Tobler besch\u00e4ftigt sich unter anderem mit der Frage, was in unserem Gehirn vorgeht, wenn wir uns gro\u00dfz\u00fcgig und spendabel zeigen, obwohl das an unseren eigenen Geldbeutel geht. Wissenschaftlich gibt es verschiedene Gr\u00fcnde, wieso wir \u201eGutes tun\u201c. Entweder aus freundschaftlichen oder verwandtschaftlichen Beziehungen heraus. Oder, weil wir hoffen, dass der Andere sich revanchiert und wir \u201eetwas zur\u00fcckbekommen\u201c. Vielleicht wollen wir auch vor Anderen \u201egut dastehen\u201c oder sind um unseren guten Ruf besorgt. Tobler hat aber eine weitere Erkl\u00e4rung: Gro\u00dfz\u00fcgigkeit mache gl\u00fccklich, sagt der Professor f\u00fcr Neuro\u00f6konomie und Soziale Neurowissenschaften am Volkswirtschaftlichen Institut. \u201eWir untersch\u00e4tzen, dass eine Gabe an andere uns oft zufriedener macht, als sich eigenn\u00fctzig zu verhalten.\u201c<\/p>\n<p>In einem Experiment untersuchte Tobler mit der Psychologin Soyoung Park und einer Gruppe weiterer Forscher den Zusammenhang von Gro\u00dfz\u00fcgigkeit und Gl\u00fcck auf neuronaler Ebene. Dazu informierten sie f\u00fcnfzig Probandinnen und Probanden, dass sie in den kommenden vier Wochen insgesamt je einhundert Schweizer Franken erhalten w\u00fcrden. Jeweils 25 Personen sollten das Geld dann f\u00fcr andere Menschen ausgeben, die andere Gruppe f\u00fcr sich selbst. Sp\u00e4ter musste alle 50 in einer davon unabh\u00e4ngigen Aufgabe entscheiden, wie viel Geld sie freiwillig f\u00fcr jemand anders aufwenden w\u00fcrden. W\u00e4hrenddessen wurde ihre Gehirnaktivit\u00e4t mittels funktioneller Magnet\u00acresonanztomografie gemessen.<\/p>\n<h3>\u00dcberraschendes Ergebnis<\/h3>\n<p>Zur \u00dcberraschung der Wissenschaftler zeigte sich, dass sich die 25 Probanden, die sich verpflichtet hatten, die 100 Franken f\u00fcr andere auszugeben, in der unabh\u00e4ngigen Aufgabe gro\u00dfz\u00fcgiger verhielten und als gl\u00fccklicher einsch\u00e4tzen als die Kontrollgruppe. Das wohlige Gef\u00fchl, das \u00d6konomen \u201ewarm glow\u201c nennen, hat jedoch offenbar nichts mit dem Wert des Geschenks zu tun, sondern alleine mit dem Geben an sich. Die Ergebnisse zeigten, dass Gro\u00dfz\u00fcgigkeit eine ver\u00e4nderbare und manipulierbare Gr\u00f6\u00dfe ist. Sie k\u00f6nne \u201eSchoggist\u00e4ngeli um Schoggist\u00e4ngeli\u201c erlernt und ge\u00fcbt werden.<\/p>\n<p>Wie gro\u00dfz\u00fcgig wir sind, h\u00e4nge von ganz verschiedenen Faktoren ab, betonen die Forscher. Verschiedene Studien w\u00fcrden zeigen, dass Arme im Verh\u00e4ltnis gro\u00dfz\u00fcgiger seien als Reiche, weil sie sich besser in die Notlage anderer Menschen hineinversetzen k\u00f6nnten. Andere Studien kamen jedoch zu dem Schluss, dass Arme und Reiche mehr spenden als Menschen mit Durchschnittseinkommen. Zudem seien \u00e4ltere sind in der Regel gro\u00dfz\u00fcgiger als junge. \u201eDies mag aber auch damit zusammenh\u00e4ngen, dass sie mit gr\u00f6\u00dferer Wahrscheinlichkeit \u00fcber mehr Geld verf\u00fcgen.\u201c<\/p>\n<h3>Frauen sind gro\u00dfz\u00fcgiger als M\u00e4nner<\/h3>\n<p>Den Grund, wieso Frauen im allgemeinen spendabler sind als M\u00e4nner, sehen Tobler und seine Kollegen darin, dass das neuronale Belohnungssystem, (in dem der Botenstoff Dopamin ausgesch\u00fcttet wird) von Frauen sensibler auf prosoziales Verhalten wie etwa Spenden reagiere als das von M\u00e4nnern. Gro\u00dfz\u00fcgigkeit wirke in weiblichen Gehirnen also in der Regel st\u00e4rker belohnend als in m\u00e4nnlichen. \u201eDie Verabreichung eines Dopaminhemmers f\u00fchrt entsprechend dazu, dass die Gro\u00dfz\u00fcgigkeit bei den Frauen abnimmt, nicht aber bei den M\u00e4nnern.\u201c In einem anderen Experiment zeigte sich, dass die Vergabe von Testosteron dazu f\u00fchrte, dass sich M\u00e4nner egoistischer verhielten. \u201eAllerdings haupts\u00e4chlich gegen\u00fcber Menschen, die ihnen nicht nahestehen.\u201c<\/p>\n<p>Man k\u00f6nne jedoch nicht generell sagen, dass Frauen gro\u00dfz\u00fcgiger seien als M\u00e4nner, betont Tobler. M\u00e4dchen erhielten oft von klein auf deutlich mehr positive R\u00fcckmeldung als Jungen,wenn sie sich altruistisch verhielten und auf andere R\u00fccksicht n\u00e4hmen. \u201eGro\u00dfz\u00fcgigkeit ist ein Verhalten, f\u00fcr das sie belohnt werden \u2013 und Dopamin spielt eine entscheidende Rolle darin, bestimmte Handlungen zu st\u00e4rken und zu bewerten.\u201c Auf der anderen Seite seinen auch nicht alle M\u00e4nner Egoisten. \u201eM\u00e4nner begeben sich zum Beispiel eher f\u00fcr andere in Gefahr als Frauen.\u201c Zudem sei Egoismus manchmal auch nicht schlecht, zitiert Tobler aus der Fachliteratur den Fall eines Mannes, dessen Gro\u00dfz\u00fcgigkeit nach einem Hirnschlag keine Grenzen mehr kannte: \u201eZum Leidwesen seiner Frau verschenkte er in k\u00fcrzester Zeit ihr ganzes Hab und Gut.\u201c<\/p>\n<h3>So zeigt sich Gro\u00dfz\u00fcgigkeit im Gehirn<\/h3>\n<p>Wenn wir gro\u00dfz\u00fcgig sind, sei im Gehirn insbesondere der Schl\u00e4fen-Scheitellappen-\u00dcbergang aktiv, erkl\u00e4ren die Wissenschaftler. Dann k\u00f6nnen wir uns in die Situation anderer versetzen und \u00fcber den eigenen Tellerrand hinaussehen. Der Schl\u00e4fen-Scheitellappen-\u00dcbergang kommuniziere bei gro\u00dfz\u00fcgigeren Menschen zudem intensiver mit dem Striatum als bei eher geizigen Menschen. Das Striatum ist Teil des Belohnungssystems im Gehirn und hat einen wichtigen Anteil in unserem Gl\u00fccksempfinden. \u201eJe intensiver die beiden Gehirnstrukturen miteinander in Verbindung stehen, desto gro\u00dfz\u00fcgiger \u2013 und zufriedener \u2013 sind wir mit entsprechenden Entscheidungen.\u201c<\/p>\n<p>Wieso gibt dann aber der Eine lieber f\u00fcr andere und der Andere belohnt sich lieber selbst? \u201eWenn gro\u00dfz\u00fcgige Menschen anderen etwas geben, bearbeiten bestimmte Teile ihres Belohnungssystems diese Handlung ganz \u00e4hnlich wie eine Belohnung f\u00fcr sie selbst\u201c, wissen die Forscher. Bei Geizh\u00e4lsen regiert das Belohnungssystem wiederum deutlich st\u00e4rker auf eine Belohnung f\u00fcr sie selbst.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zu Beginn des Corona-Lockdowns konnte man gr\u00f6\u00dftenteils den Eindruck gewinnen, die Krise w\u00fcrde wirklich das Schlimmste im Menschen hervorbringen. Egoismus regierte die (Einkaufs)welt. Da k\u00fcmmerte es nicht, wenn andere wochenlang vor leer ger\u00e4umten Regalen standen, in denen mittlerweile wieder das Toilettenpapier, Nudeln, Seife oder Desinfektionsmittel zu Hauf zu finden sind. 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