{"id":225409,"date":"2020-06-02T14:27:08","date_gmt":"2020-06-02T12:27:08","guid":{"rendered":"https:\/\/innovationorigins.com\/?p=225409"},"modified":"2020-06-02T14:27:08","modified_gmt":"2020-06-02T12:27:08","slug":"paradigmenwechsel-bei-tierversuchen-weniger-tiere-verlaesslichere-resultate","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/de\/paradigmenwechsel-bei-tierversuchen-weniger-tiere-verlaesslichere-resultate\/","title":{"rendered":"Paradigmenwechsel bei Tierversuchen: Weniger Tiere, verl\u00e4sslichere Resultate"},"content":{"rendered":"<p><strong>Jedes Jahr leiden und sterben rund drei Millionen Tiere in Versuchslaboren weltweit. Laut Zahlen des <a href=\"https:\/\/www.tierschutzbund.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Deutschen Tierschutzbundes<\/a> wurden im Jahr 2018 insgesamt 2.825.066 Wirbeltiere und Kopff\u00fc\u00dfer (Kraken und Tintenfische) f\u00fcr wissenschaftliche Zwecke \u201everwendet\u201c. 686.352 Tiere wurden ohne Tests get\u00f6tet. Internationale Wissenschaftler haben nun auf Einladung der <a href=\"https:\/\/www.unibe.ch\/index_ger.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Universit\u00e4t Bern<\/a> neue Empfehlungen f\u00fcr Tierversuche erarbeitet und \u201efordern einen Paradigmenwechsel, um die Reproduzierbarkeit von Versuchsergebnissen zu verbessern und gleichzeitig die Zahl der Versuchstiere zu vermindern\u201c.<\/strong><\/p>\n<p>In Allgemeinen finden Tierversuche unter streng standardisierten Laborbedingungen statt. So soll die Reproduzierbarkeit der Versuchsergebnisse verbessert werden, was allerdings nur selten der Fall ist. Im Gegenteil. Die Reproduzierbarkeit ist erstaunlich schlecht. Durch absichtlich eingeplante biologische Variation im Versuchsdesign sollen die Ergebnisse in Zukunft aber verl\u00e4sslicher werden, wenn es nach den Forschern aus verschiedenen Fachgebieten geht.<\/p>\n<p>\u201eWissenschaftliche Ergebnisse in unabh\u00e4ngigen Studien zu reproduzieren, ist die Nagelprobe, mit der Forschende Fakten von Anekdoten unterscheiden\u201c, sagt Bernhard V\u00f6lkl, der den Workshop zusammen mit Hanno W\u00fcrbel, Professor f\u00fcr Tierschutz an der Universit\u00e4t Bern, ausgerichtet hat. W\u00fcrbel erkl\u00e4rt, mangelnde Reproduzierbarkeit verursache \u201e\u00f6konomische Kosten und wissenschaftliche Unsicherheit \u2013 und ist ethisch bedenklich, wenn dadurch medizinischer Fortschritt behindert und Tiere in nicht aussagekr\u00e4ftigen Versuchen verwendet werden\u201c.<\/p>\n<h3>Mehr biologische Variation n\u00f6tig<\/h3>\n<p>Strikte Standardisierung der Tiere und der Haltungsbedingungen sei bei Tierversuchen die Norm, zum Beispiel bei der Erforschung der Wirkung neuer Medikamente, sagen die Wissenschaftler. Indem man m\u00f6glichst alle Einflussfaktoren, au\u00dfer der Versuchsbehandlung, eliminiere, sollten die \u201ePr\u00e4zision der Versuchsergebnisse erh\u00f6ht und gleichzeitig der Tierverbrauch vermindert werden\u201c. Eine derartige Standardisierung hat allerdings zur Folge, dass die Versuchsergebnisse nur sehr beschr\u00e4nkt \u00fcbertragen werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>\u201eDer Geltungsbereich vieler Tierversuche ist so eingeschr\u00e4nkt, dass ein erhebliches Risiko besteht, Versuchsergebnisse zu erzielen, die nicht reproduzierbar sind\u201c, sagt W\u00fcrbel. Daher empfehlen die Forscher eine \u201eHeterogenisierung\u201c. Durch eine solche geplante biologische Variation im Versuchsdesign von Tierversuchen soll der Geltungsbereich der Ergebnisse erweitert und so die Reproduzierbarkeit verbessert werden.<\/p>\n<h3>Weniger Tiere f\u00fcr mehr Erkenntnisse<\/h3>\n<p>\u201eMit solchen Versuchsdesigns k\u00f6nnen wir vergleichbare Versuchsbedingungen und biologische Variation unter einen Hut bringen und damit feststellen, ob die Ergebnisse robust sind gegen\u00fcber Variation in den Versuchsbedingungen\u201c, sagt Naomi Altman, k\u00fcrzlich emeritierte Professorin an der <strong><a href=\"https:\/\/www.psu.edu\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Penn State University<\/a><\/strong> (Philadelphia, USA). Um diese biologische Variation einzuplanen, g\u00e4be es viele M\u00f6glichkeiten, wie zum Beispiel mehrere Zuchtlinien oder Altersgruppen der Tiere, oder unterschiedliche Haltungsbedingungen. Dar\u00fcber hinaus k\u00f6nnten Versuche auch in mehreren Teilversuchen oder in mehreren Labors durchgef\u00fchrt werden.<\/p>\n<p>\u201eEs gibt nicht die eine beste L\u00f6sung f\u00fcr alle Versuche\u201c, sagt V\u00f6lkl. \u201eDeshalb empfehlen wir die Heterogenisierung von Tieren und Umweltbedingungen in allgemeiner Form. Forschende sollten ihre L\u00f6sungen mit Blick auf den angestrebten Geltungsbereich der Versuchsergebnisse begr\u00fcnden.\u201c Auch wenn f\u00fcr einzelne Versuche mehr Tiere verwendet w\u00fcrden, w\u00fcrde so der Gesamtverbrauch an Tieren abnehmen, betonen die Forscher in ihrer Studie, die in der Zeitschrift \u00abNature Reviews Neuroscience\u00bb ver\u00f6ffentlicht wurde. \u201eWir schlagen einen Paradigmenwechsel vor, um den Nutzen von Tierversuchen zu erh\u00f6hen und damit den Tierverbrauch zu vermindern\u201c, so W\u00fcrbel: \u201eStatt die Anzahl Tiere pro Tierversuch zu minimieren, sollten wir den Erkenntnisgewinn pro Tier oder Versuch maximieren.\u201c<\/p>\n<p>Der Workshop wurde vom <a href=\"http:\/\/www.snf.ch\/en\/Pages\/default.aspx\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Schweizerischen Nationalfonds<\/a> (SNF) und von der Abteilung Tierschutz der Universit\u00e4t Bern unterst\u00fctzt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jedes Jahr leiden und sterben rund drei Millionen Tiere in Versuchslaboren weltweit. Laut Zahlen des Deutschen Tierschutzbundes wurden im Jahr 2018 insgesamt 2.825.066 Wirbeltiere und Kopff\u00fc\u00dfer (Kraken und Tintenfische) f\u00fcr wissenschaftliche Zwecke \u201everwendet\u201c. 686.352 Tiere wurden ohne Tests get\u00f6tet. Internationale Wissenschaftler haben nun auf Einladung der Universit\u00e4t Bern neue Empfehlungen f\u00fcr Tierversuche erarbeitet und \u201efordern [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1660,"featured_media":225407,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"advgb_blocks_editor_width":"","advgb_blocks_columns_visual_guide":"","footnotes":""},"categories":[25213],"tags":[26409,51769,51766,36760,51772,51775],"location":[],"article_type":[],"serie":[],"archives":[],"internal_archives":[],"reboot-archive":[],"class_list":["post-225409","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-nachhaltigkeit-de","tag-forschung-de","tag-labor-de","tag-tierversuche-de","tag-universitaet-genf-de","tag-versuchslabor-de","tag-versuchstiere-de"],"blocksy_meta":[],"acf":{"subtitle":"","text_display_homepage":false},"author_meta":{"display_name":"Petra Wiesmayer","author_link":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/author\/petra-wiesmayer\/"},"featured_img":null,"coauthors":[],"tax_additional":{"categories":{"linked":["<a href=\"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/de\/category\/nachhaltigkeit-de\/\" class=\"advgb-post-tax-term\">Nachhaltigkeit<\/a>"],"unlinked":["<span class=\"advgb-post-tax-term\">Nachhaltigkeit<\/span>"]},"tags":{"linked":["<a href=\"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/de\/category\/nachhaltigkeit-de\/\" class=\"advgb-post-tax-term\">forschung<\/a>","<a href=\"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/de\/category\/nachhaltigkeit-de\/\" class=\"advgb-post-tax-term\">Labor<\/a>","<a href=\"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/de\/category\/nachhaltigkeit-de\/\" class=\"advgb-post-tax-term\">tierversuche<\/a>","<a href=\"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/de\/category\/nachhaltigkeit-de\/\" class=\"advgb-post-tax-term\">Universit\u00e4t Genf<\/a>","<a href=\"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/de\/category\/nachhaltigkeit-de\/\" class=\"advgb-post-tax-term\">Versuchslabor<\/a>","<a href=\"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/de\/category\/nachhaltigkeit-de\/\" class=\"advgb-post-tax-term\">Versuchstiere<\/a>"],"unlinked":["<span class=\"advgb-post-tax-term\">forschung<\/span>","<span class=\"advgb-post-tax-term\">Labor<\/span>","<span class=\"advgb-post-tax-term\">tierversuche<\/span>","<span class=\"advgb-post-tax-term\">Universit\u00e4t Genf<\/span>","<span class=\"advgb-post-tax-term\">Versuchslabor<\/span>","<span class=\"advgb-post-tax-term\">Versuchstiere<\/span>"]}},"comment_count":"0","relative_dates":{"created":"Posted 6 years ago","modified":"Updated 6 years ago"},"absolute_dates":{"created":"Posted on June 2, 2020","modified":"Updated on June 2, 2020"},"absolute_dates_time":{"created":"Posted on June 2, 2020 2:27 pm","modified":"Updated on June 2, 2020 2:27 pm"},"featured_img_caption":"","series_order":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/225409","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1660"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=225409"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/225409\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/wp-json\/"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=225409"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=225409"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=225409"},{"taxonomy":"location","embeddable":true,"href":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/wp-json\/wp\/v2\/location?post=225409"},{"taxonomy":"article_type","embeddable":true,"href":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/wp-json\/wp\/v2\/article_type?post=225409"},{"taxonomy":"serie","embeddable":true,"href":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/wp-json\/wp\/v2\/serie?post=225409"},{"taxonomy":"archives","embeddable":true,"href":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/wp-json\/wp\/v2\/archives?post=225409"},{"taxonomy":"internal_archives","embeddable":true,"href":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/wp-json\/wp\/v2\/internal_archives?post=225409"},{"taxonomy":"reboot-archive","embeddable":true,"href":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/wp-json\/wp\/v2\/reboot-archive?post=225409"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}