{"id":223715,"date":"2020-05-19T14:00:32","date_gmt":"2020-05-19T12:00:32","guid":{"rendered":"https:\/\/innovationorigins.com\/?p=223715"},"modified":"2020-05-19T14:00:32","modified_gmt":"2020-05-19T12:00:32","slug":"eiweissproduktion-ohne-tierhaltung-und-pflanzenanbau","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/de\/eiweissproduktion-ohne-tierhaltung-und-pflanzenanbau\/","title":{"rendered":"Eiwei\u00dfproduktion ohne Tierhaltung und Pflanzenanbau"},"content":{"rendered":"<p>Proteine sind ein wichtiger Teil unserer Ern\u00e4hrung. Da unser K\u00f6rper aber nicht in der Lage ist, alle Bestandteile aus einfachen Verbindungen selbst zu bilden, m\u00fcssen wir sie \u201efertig\u201c mit der Nahrung aufnehmen. In der Regel geschieht das mit tierischen Produkten wie Fleisch, Milch und Eiern, aber auch mit bestimmten Pflanzen. Die Folge der \u201eHerstellung\u201c dieser Proteine durch Tiere und Pflanzen sind ein enormer Verschlei\u00df von Ressourcen und auch schwerwiegende Umweltprobleme. Ein Forschungsteam der <a href=\"https:\/\/uni-tuebingen.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Universit\u00e4t T\u00fcbingen<\/a> hat nun theoretisch untersucht, wie man die wachsende Weltbev\u00f6lkerung ohne Tierhaltung und den Anbau von pflanzen mit Proteinen versorgen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>\u201ePower-to-Protein\u201c, nennt der Leiter des Projekts, der Umweltbiotechnologe Professor Lars Angenent vom Zentrum f\u00fcr Angewandte Geowissenschaften, die Methode. Dabei werden Eiwei\u00dfe direkt aus Grundzutaten wie Kohlendioxid und Ammoniak produziert. Dar\u00fcber hinaus erforschen die Wissenschaftler, wie man bestehende Verfahren der industriellen Proteinerzeugung und Berechnungen daf\u00fcr nutzen k\u00f6nnte. In einem Artikel in der Fachzeitschrift <a href=\"https:\/\/www.cell.com\/joule\/pdf\/S2542-4351(20)30177-X.pdf?_returnURL=https%3A%2F%2Flinkinghub.elsevier.com%2Fretrieve%2Fpii%2FS254243512030177X%3Fshowall%3Dtrue\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><em>Joule<\/em><\/a> kommt das Team zu dem Schluss, \u201edass elektrochemische und biotechnologische Verfahren in Kombination erhebliche Proteinmengen f\u00fcr die menschliche Versorgung liefern k\u00f6nnten.\u201c Bei vergleichsweise sehr geringem Energieeinsatz.<\/p>\n<p>\u201eWir befinden uns mit der derzeitigen Nahrungsmittelproduktion in einer vielschichtigen Krise\u201c, sagt Lars Angenent. \u201eVor allem die Viehhaltung zur Herstellung von tierischem Protein verbraucht viel Landfl\u00e4che, fossile Rohstoffe, Phosphor und Wasser. Sie f\u00fchrt au\u00dferdem zu riesigen Mengen klimasch\u00e4dlicher Emissionen.\u201c Daher sei die Produktion tierischer Proteine insbesondere in sehr armen L\u00e4ndern so gut wie unerschwinglich. Angenent will daher die Proteinproduktion nicht nur kosteng\u00fcnstig gestalten, sondern auch in eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft ohne fossile Rohstoffe einbinden.<\/p>\n<h3>Hefen und Pilze<\/h3>\n<p>Proteine bestehen aus Kohlenstoff, Sauerstoff, Wasserstoff und Stickstoff. Eine chemische Synthese zur k\u00fcnstlichen Herstellung w\u00e4re aber sehr aufwendig. Es g\u00e4be jedoch \u201eLebewesen, die von Natur aus sehr gro\u00dfe Mengen Proteine bilden, welche in ihrer Zusammensetzung nahrhaft f\u00fcr uns Menschen sind, vor allem Hefen und Pilze\u201c, sagen die Forscher. \u201eBei den Power-to-Protein-Verfahren haben andere Forscher, aber auch der Gruppenleiter Dr. Bastian Molitor und ich in T\u00fcbingen, elektrochemische und biologische Prozesse in unterschiedlicher Weise verkettet. Uns interessiert, wie effizient einzelne Verfahren sind und ob sie sich f\u00fcr unsere Zwecke eignen\u201c, erkl\u00e4rt Angenent.<\/p>\n<p>Bei diesen verfahren stehen in T\u00fcbingen solche im Mittelpunkt, bei denen weder Licht noch gentechnisch ver\u00e4nderte Mikroben n\u00f6tig sind. Das Team nutzt beispielsweise Strom aus erneuerbarer Energie, um Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff zu spalten. Anschlie\u00dfend k\u00f6nnen bestimmte Bakterien den Wasserstoff zu Wasser oxidieren \u201eund mit der freiwerdenden Energie Kohlendioxid und Ammoniak zu anderen organischen Stoffen umsetzen, die die Proteinbausteine bilden.\u201c Ein weiterer Pluspunkt dieser Methode ist, dass der Mensch einige der Proteinproduzenten wie Hefe und manche Pilze direkt verzehren kann.<\/p>\n<h3>Erste Ans\u00e4tze vor 60 Jahren<\/h3>\n<p>Laut Angenent haben Forscher bereits in den 1960er-Jahren \u00fcberlegt, Proteine in Form von Kohlendioxid und Ammoniak aus Ausscheidungen des Menschen Proteine hergestellt werden k\u00f6nnen. \u201eDort ging es um eine geschlossene Kreislaufwirtschaft im kleinen Ma\u00dfstab, um Menschen auf eine lange Raumfahrtmission zu schicken.\u201c Die Produktion von Fleischersatzprodukten habe erste industrielle Erfahrungen mit der Proteinherstellung aus einfachen Stoffen und Energie geliefert. \u201eWir haben Ideen und Ans\u00e4tze auf eine z\u00fcgige praktische Weiterentwicklung gepr\u00fcft und sehen darin ein gro\u00dfes Potenzial. Einer Studie zufolge ben\u00f6tigt man nur rund 2,5 Prozent aller erzeugten Energie, um die Menschen weltweit mit Proteinen aus Power-to-Protein-Verfahren zu ern\u00e4hren.\u201c<\/p>\n<p>Eine solche Strategie erfordere allerdings \u201eein radikales Umdenken in den Produktionsabl\u00e4ufen\u201c, betont der Wissenschaftler. Auf dem Weg zu einer nachhaltigen Kreislaufwirtschaft brauche die Menschheit mehr M\u00f6glichkeiten zur Erzeugung erneuerbarer Energie. Au\u00dferdem eine Infrastruktur, Kohlendioxid \u2013 das Gas, das heute eher als sch\u00e4dliches Abfallprodukt bekannt ist \u2013 einfangen und speichern zu k\u00f6nnen. Am wichtigsten sei, \u201edass die Landwirte wirtschaftlich gest\u00e4rkt werden, damit sie sich auf die nachhaltige Produktion von Weizen, Gem\u00fcse, Obst, N\u00fcssen und anderen proteinersetzenden Produkten konzentrieren und zugleich die Natur sch\u00fctzen k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Proteine sind ein wichtiger Teil unserer Ern\u00e4hrung. Da unser K\u00f6rper aber nicht in der Lage ist, alle Bestandteile aus einfachen Verbindungen selbst zu bilden, m\u00fcssen wir sie \u201efertig\u201c mit der Nahrung aufnehmen. In der Regel geschieht das mit tierischen Produkten wie Fleisch, Milch und Eiern, aber auch mit bestimmten Pflanzen. 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