{"id":223594,"date":"2020-07-25T12:10:00","date_gmt":"2020-07-25T10:10:00","guid":{"rendered":"https:\/\/innovationorigins.com\/?p=223594"},"modified":"2020-07-25T12:10:00","modified_gmt":"2020-07-25T10:10:00","slug":"sars-cov-2-virus-asbreitung-raumluf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/de\/sars-cov-2-virus-asbreitung-raumluf\/","title":{"rendered":"[Update] So breitet sich das SARS-CoV-2-Virus in der Raumluft aus"},"content":{"rendered":"<section class=\"sharing-buttons\">\n<div class=\"sharing-buttons-wrapper\"><\/div>\n<\/section>\n<div class=\"entry-content\">\n<p>[UPDATE] <span style=\"font-size: inherit;\">Nach Angaben von Forschern des <\/span><a style=\"font-size: inherit;\" href=\"https:\/\/www.helmholtz-hzi.de\/en\/news-events\/news\/view\/article\/complete\/sars-cov-2-ausbruch-in-deutschem-fleischzerlegebetrieb-uebertragungen-erfolgten-ueber-weite-distanze\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Deutschen Helmholtz-Zentrums f\u00fcr Infektionsforschung<\/a><span style=\"font-size: inherit;\"> (HZI) ist das Coronavirus in der Lage, sich \u00fcber viel gr\u00f6\u00dfere Entfernungen zu verbreiten als bisher angenommen.<\/span><\/p>\n<\/div>\n<p>Gemeinsam mit anderen wissenschaftlichen Instituten in Deutschland haben die Wissenschaftler die Infektionen bei T\u00f6nnies, einem der gr\u00f6\u00dften Fleischverarbeiter in Deutschland, untersucht. Dort hat sich eine gro\u00dfe Zahl von Mitarbeitern mit dem Virus infiziert. Bisher war unklar, wie dies m\u00f6glich war. Die Untersuchung ergab, dass nicht alle Leiharbeiter daf\u00fcr verantwortlich waren.<\/p>\n<p>Die Forscher stellten fest, dass ein Mitarbeiter in einem der Schlachth\u00f6fe einen Kollegen infizierte, der acht Meter entfernt arbeitete. Die Umweltbedingungen waren der Hauptfaktor daf\u00fcr.<\/p>\n<p>\u201eUnsere Ergebnisse weisen darauf hin, dass die Bedingungen des Zerlegebetriebs &#8211; also die niedrige Temperatur, eine geringe Frischluftzufuhr und eine konstante Luftumw\u00e4lzung durch die Klimaanlage in der Halle, zusammen mit anstrengender k\u00f6rperlicher Arbeit &#8211; die Aerosol\u00fcbertragung von SARS-CoV-2-Partikeln \u00fcber gr\u00f6\u00dfere Entfernungen hinweg f\u00f6rderten\u201c, sagt Prof. Adam Grundhoff, Mitautor der Studie. Ein Mindestabstand von 1,5 bis 3 Metern d\u00fcrfte daher nicht in allen Bereichen ausreichend sein.<\/p>\n<p>Innovation Origins hatte bereits fr\u00fcher \u00fcber den Verdacht deutscher Wissenschaftler berichtet, dass sich das Virus \u00fcber viel gr\u00f6\u00dfere Entfernungen verbreiten k\u00f6nnte als angenommen.<\/p>\n<p><strong>Hier lesen Sie den Originalartikel vom 19. Mai 2020:<\/strong><\/p>\n<p>Noch immer sind sich Wissenschaftler nicht einig, auf welchen Wegen sich das <strong>SARS-CoV-2-Virus<\/strong> genau verbreitet. \u00dcber <strong>Tr\u00f6pfcheninfektion<\/strong>, <strong>Schmierinfektion<\/strong> oder auch \u00fcber <strong>Aerosole<\/strong> (die ausgeatmete Luft) in der <strong>Atemluft<\/strong>. Verschiedene Virologen vertreten die These einer reinen Tr\u00f6pfcheninfektion und gehen davon aus, dass man sich beispielsweise im Supermarkt nicht anstecken k\u00f6nne, sondern nur durch direkten Kontakt mit einem Infizierten. Mittlerweile deutet aber immer mehr darauf hin, dass das <strong>Corona-Virus<\/strong> viel l\u00e4nger in der Atemluft bleibt als bisher angenommen.<\/p>\n<p>Wenn jemand hustet, spricht oder niest, st\u00f6\u00dft er einen Strahl unterschiedlich gro\u00dfer Tr\u00f6pfchen und Aerosole aus, die sich in der Raumluft verteilen. Ist ein Mensch mit Corona infiziert, enthalten all diese Tr\u00f6pfchen und Aerosole potenziell auch Viren. Forscher der <a href=\"https:\/\/www.tu-berlin.de\/menue\/home\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><strong>TU Berlin<\/strong><\/a> haben nun in verschiedenen Projekten untersucht, ob und wie schnell diese Partikel zu Boden sinken, wie weit sie sich verteilen, in der Luft bleiben oder wo sie sedimentieren.<\/p>\n<p>\u201eWir untersuchen in verschiedenen Projekten die Verweilzeit von Erregern in der Luft unter den verschiedensten Bedingungen\u201c, sagt Prof. Dr. Martin Kriegel, Leiter des Hermann-Rietschel-Instituts an der TU Berlin. Er und sein Team \u201eContamination Control\u201c untersuchen in zwei Forschungsreinr\u00e4umen und mehreren Raumluftstr\u00f6mungslaboren sowie einem Forschungsoperationsaal unter anderem, inwieweit die Ausbreitung des Virus von der Zusammensetzung und Gr\u00f6\u00dfenverteilung der Partikel innerhalb der ausgeatmeten Luft abh\u00e4ngt. Dabei reicht die Partikelgr\u00f6\u00dfe von ein paar Nanometern (also einem Millionstel Millimeter) bis zu mehreren Mikrometern.<\/p>\n<h3>Verbreitung abh\u00e4ngig von Gr\u00f6\u00dfe und Randbedingungen<\/h3>\n<p>\u201eF\u00fcr das Corona-Virus scheint sich herauszustellen, dass sowohl Tr\u00f6pfcheninfektionen als auch die luftgetragene \u00dcbertragung, also \u00fcber Aerosole, relevant sind\u201c, stellt Martin Kriegel fest. Eine Tr\u00f6pfcheninfektion geschieht \u00fcber Viren, die von einem Speicheltr\u00f6pfchen direkt auf die Schleimh\u00e4ute eines anderen Menschen gelangen. Bei einer Infektion \u00fcber Aerosole hingegen gelangen die Viruspartikel direkt in die Atemwege. F\u00fcr das Verhalten von Viren in der Luft sei die Gr\u00f6\u00dfe der Tr\u00e4ger-Aerosole entscheidend, aber ebenso das Raumklima, die Luftwechselrate und die Art und Weise, wie gel\u00fcftet wird, erkl\u00e4ren die Forscher. \u201eGr\u00f6\u00dfere Partikel sinken schneller zu Boden. Kleinere Partikel folgen dem Luftstrom und k\u00f6nnen lange in der Luft verbleiben\u201c, wei\u00df Martin Kriegel.<\/p>\n<p>Die Ausbreitung im Raum erfolgt laut Aussagen der Wissenschaftler in zwei Schritten. Zun\u00e4chst werde durch das Husten\/Sprechen\/Niesen ein Strahl von Partikeln zwischen 0,01 \u03bcm bis 1500 \u03bcm erzeugt, der in die Raumluft eindringe und sich dann mehr und mehr mit dieser vermische. Dabei sei der Verlauf dieses Strahls abh\u00e4ngig von verschiedenen Randbedingungen: Geschwindigkeit, Turbulenz, Temperaturdifferenz zwischen dem Strahl und der Umgebungsluft sowie der Differenz der Luftfeuchtigkeit. \u201eNach vollst\u00e4ndiger Vermischung des Strahls mit der Raumluft erfolgt die Verteilung\u201c, erkl\u00e4rt Martin Kriegel. \u201eDie kleineren Partikel folgen weitgehend der Raumluftstro\u0308mung, wa\u0308hrend gro\u0308\u00dfere Partikel sukzessive zu Boden fallen. H\u00e4ufig unbeachtet wird die Tatsache, dass der Mensch nur beim Niesen sehr gro\u00dfe Partikel emittiert. Beim normalen Sprechen und Husten werden fast ausschlie\u00dflich kleine Aerosole generiert.\u201c<\/p>\n<p>Die Forscher haben also auch die sogenannte Sedimentationszeit (Ablagerungszeit) von Partikeln verschiedener Gr\u00f6\u00dfenklassen gemessen. Dabei stellte sich heraus, dass kleine Partikel (0,5 bis 3 \u03bcm) nach einer Messzeit von 20 Minuten noch immer nahezu vollst\u00e4ndig in der Luft vorhanden waren. Es war keine oder nur eine sehr geringe Ablagerung dieser Partikel erkennbar. Von den mittleren Partikel (3 bis 10 \u03bcm) waren nach 20 Minuten noch mehr als 50 Prozent in der Luft zu finden. Und eine weitere Studie zeigte, dass sich selbst gr\u00f6\u00dfere Tr\u00f6pfchen ( gr\u00f6\u00dfer als 60 \u03bcm) unter bestimmten Umst\u00e4nden weit im Raum ausbreiten k\u00f6nnen. \u201eDies ist zum Beispiel der Fall, wenn die Partikel im Auftriebsstrom von Wa\u0308rmequellen (zum Beispiel von einer Person) emittiert werden. Sie steigen auf, verteilen sich horizontal und fangen erst dann an, sich abzulagern. Eventuelle horizontale Luftbewegungen versta\u0308rken den Verbreitungseffekt noch\u201c, so Martin Kriegel.<\/p>\n<h3>Simuliertes B\u00fcro<\/h3>\n<p>Im Hinblick darauf, dass im Rahmen der Lockerungen immer mehr Menschen das Home Office aufgeben und wieder in ihre B\u00fcros zur\u00fcckkehren werden, haben die Forscher die Partikelausbreitung in einem mit vier Personen besetzten B\u00fcro mit und ohne maschineller L\u00fcftung simuliert. \u201eDabei zeigt sich, dass gerade kleinere Partikel unter 50 \u03bcm sich ohne eine maschinelle L\u00fcftung weit im Raum verbreiten und lange verweilen. Im Gegensatz dazu breiten sich Partikel zwischen 5 und 20 \u03bcm in einem Raum mit maschineller L\u00fcftung weniger weit aus und werden zu einem Gro\u00dfteil abgef\u00fchrt\u201c, summiert Martin Kriegel.<\/p>\n<p>Die entscheidenden Fragen, die die Wissenschaftler als n\u00e4chstes kl\u00e4ren wollen, seien, \u201ewie gro\u00df SARS-CoV-2-Partikel sein m\u00fcssen, um noch infekti\u00f6s zu sein und wie die Verweildauer dieser Partikelgr\u00f6\u00dfe durch gezielte Zu- und Abluftanlagen oder auch einfaches Bel\u00fcften von R\u00e4umen beeinflusst werden kann\u201c, betont Kriegel. \u201eDabei spielt auch das Raumklima eine Rolle, denn die Aerosole werden durch Verdunstung sehr schnell kleiner und verhalten sich dann anders. Ganz grunds\u00e4tzlich kann man festhalten, dass bei typischen Luftwechselraten in Wohn- und B\u00fcrogeb\u00e4uden die Erreger \u00fcber Stunden im Raum verbleiben. Die Sinkgeschwindigkeit und auch die Lufterneuerung dauern sehr lange. Jede Erh\u00f6hung der Au\u00dfenluftzufuhr ist daher generell sinnvoll.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>[UPDATE] Nach Angaben von Forschern des Deutschen Helmholtz-Zentrums f\u00fcr Infektionsforschung (HZI) ist das Coronavirus in der Lage, sich \u00fcber viel gr\u00f6\u00dfere Entfernungen zu verbreiten als bisher angenommen. Gemeinsam mit anderen wissenschaftlichen Instituten in Deutschland haben die Wissenschaftler die Infektionen bei T\u00f6nnies, einem der gr\u00f6\u00dften Fleischverarbeiter in Deutschland, untersucht. 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