{"id":220665,"date":"2020-04-29T12:31:00","date_gmt":"2020-04-29T10:31:00","guid":{"rendered":"https:\/\/innovationorigins.com\/?p=220665"},"modified":"2020-04-29T12:31:00","modified_gmt":"2020-04-29T10:31:00","slug":"hilft-keratin-bei-der-behandlung-von-schwerer-depression","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/de\/hilft-keratin-bei-der-behandlung-von-schwerer-depression\/","title":{"rendered":"Hilft Keratin bei der Behandlung von schwerer Depression?"},"content":{"rendered":"<p>Laut Informationen der <a href=\"http:\/\/www.euro.who.int\/en\/home\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Weltgesundheitsorganisation<\/a> (WHO) leiden in Deutschland mehr als vier Millionen Menschen unter einer Depression. Und glaubt man Psychologen, k\u00f6nnte diese Zahl aufgrund der Corona-Beschr\u00e4nkungen in n\u00e4chster Zeit noch bedeutend anwachsen. Schon jetzt schl\u00e4gt aber die Standardtherapie bei etwa einem Drittel der Patienten nur unzureichend an, bei einem weiteren Drittel gar nicht. Als Ursache vermuten die Wissenschaftler individuelle Unterschiede des Gehirnstoffwechsels.<\/p>\n<p>Bei schweren Depressionen und insbesondere bei einer akuten Selbstmordgefahr ist schnelle Hilfe aber unbedingt notwendig. \u00c4rzte sehen in dem Medikament Ketamin, das seit kurzem als Antidepressivum zugelassen ist, eine m\u00f6gliche L\u00f6sung f\u00fcr dieses Problem. Ketamin wurde urspr\u00fcnglich als Narkosemittel entwickelt und greift biochemisch in die Informations\u00fcbertragung der Hirnzellen ein. Auf diese Weise kann auch die Lernf\u00e4higkeit des Gehirns verbessert werden.<\/p>\n<p>\u201eWir gehen davon aus, dass bei den sehr schweren Depressionen traumatische oder Angsterfahrungen so tief ins Ged\u00e4chtnis eingebrannt sind, dass sie nicht so einfach verlernt werden k\u00f6nnen\u201c, sagt Professor Martin Walter, Direktor der Klinik f\u00fcr Psychiatrie und Psychosomatik am <a href=\"https:\/\/www.uniklinikum-jena.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Universit\u00e4tsklinikum Jena<\/a>. \u201eKetamin kann das therapeutische Fenster f\u00fcr neue, positive Erfahrungen \u00f6ffnen und so zusammen mit anderen Therapieformen die l\u00e4hmende Erinnerung \u00fcberschreiben helfen. Gerade bei suizidalen Patienten bedarf es au\u00dferdem schneller Linderung, die bisherige Medikamente meist nicht erbringen.\u201c<\/p>\n<figure id=\"attachment_220664\" aria-describedby=\"caption-attachment-220664\" style=\"width: 600px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-220664\" src=\"https:\/\/archive.ioplus.nl\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/NeuroMarKet_UKJ_MRT-600x400.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"400\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-220664\" class=\"wp-caption-text\">Auf der Suche nach einem Prognosemarker f\u00fcr die Ketamintherapie bei Depression messen Prof. Dr. Martin Walter (r.) und Dr. Florian G\u00f6tting vom UKJ die Hirn-Netzwerkaktivit\u00e4t im MRT. Foto: Michael Szab\u00f3\/UKJ<\/figcaption><\/figure>\n<h3>Vor Risiken und Nebenwirkungen wird gewarnt<\/h3>\n<p>Allerdings ist auch Ketamin nicht der Stein der Weisen, denn nur etwa die H\u00e4lfte der Betroffenen spricht auf eine Behandlung mit diesem Wirkstoff an. Und auch die Nebenwirkungen, wie erh\u00f6hter Blutdruck oder vor\u00fcbergehende psychose-artige Symptomen, erfordern oft weitere Behandlungen. Professor Walter hat nun gemeinsam mit Wissenschaftlern in Mannheim, T\u00fcbingen, Turku in Finnland und dem franz\u00f6sischen Stra\u00dfburg ein Forschungsprojekt gestartet, mit dem Ziel, einen Biomarker f\u00fcr das Ansprechen der Therapie mit Ketamin zu etablieren.<\/p>\n<p>Im Rahmen einer klinischen Studie sollen Nutzen und Risiken des Medikaments individualisiert abgewogen werden. Die Forscher untersuchen dazu bei 100 Patienten, die an einer schwer behandelbaren Depression leiden, Stoffwechselparameter im Blut und im Gehirn sowie MRT-Bilddaten zur Netzwerkaktivit\u00e4t im Gehirn. Die Parameter werden einen Tag vor der und 22 Tage nach Beginn der Ketamintherapie erfasst und mit dem Verlauf der Behandlung korreliert.<\/p>\n<p>So solle ein \u201emultimodaler Marker entstehen, der anzeigt, ob ein Patient von der Therapie mit Ketamin profitieren wird\u201c, erkl\u00e4ren die Wissenschaftler. \u201eBei den Untersuchungen wird die funktionelle Netzwerkaktivit\u00e4t des Gehirns erfasst und in einer magnetresonanzspektroskopischen Messung auch die Konzentration des Botenstoffs Glutamat im Gehirn.\u201c Parallel dazu l\u00e4uft eine weitere Studie im Tiermodell.<\/p>\n<h3>Weitere Studie zur Best\u00e4tigung der Ergebnisse<\/h3>\n<p>In bisherigen Untersuchungen zeigte sich bereits ein Einfluss von Ketamin auf die einzelnen betrachteten Signalwege und Stoffwechselprodukte. Dar\u00fcber hinaus habe man laut Aussagen der \u00c4rzte Ver\u00e4nderungen dieser Hirnbotenstoffe und der Netzwerkkommunikation im Gehirn mit Depression in Zusammenhang gebracht. \u201eWir nutzen modernste Verfahren der Proteomik und Neurobildgebung, um die physiologischen und molekularen Wirkungsmechanismen des Ketamins bei Depression besser zu verstehen. Anhand dessen wollen wir den oder die Parameter identifizieren, die als Biomarker helfen k\u00f6nnen, den individuellen Nutzen einer Ketamintherapie besser einzusch\u00e4tzen\u201c, so Prof. Walter.<\/p>\n<p>Als n\u00e4chster Schritt ist eine Studie mit zwei Patientengruppen mit unterschiedlichen Biomarkern geplant, um die Ergebnisse der ersten Untersuchung zu best\u00e4tigen. Das Projekt ist auf drei Jahre angelegt und wird von der EU und dem BMBF im Rahmen des NEURON-Netzwerkes mit 800.000 Euro gef\u00f6rdert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Laut Informationen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) leiden in Deutschland mehr als vier Millionen Menschen unter einer Depression. Und glaubt man Psychologen, k\u00f6nnte diese Zahl aufgrund der Corona-Beschr\u00e4nkungen in n\u00e4chster Zeit noch bedeutend anwachsen. Schon jetzt schl\u00e4gt aber die Standardtherapie bei etwa einem Drittel der Patienten nur unzureichend an, bei einem weiteren Drittel gar nicht. 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