{"id":220357,"date":"2020-04-29T17:00:22","date_gmt":"2020-04-29T15:00:22","guid":{"rendered":"https:\/\/innovationorigins.com\/?p=220357"},"modified":"2020-04-29T17:00:22","modified_gmt":"2020-04-29T15:00:22","slug":"energie-aus-muell-einfach-im-eigenen-keller-produzieren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/de\/energie-aus-muell-einfach-im-eigenen-keller-produzieren\/","title":{"rendered":"Energie aus M\u00fcll: einfach im eigenen Keller produzieren"},"content":{"rendered":"<p>Zwei gro\u00dfe Herausforderungen warten in der Zukunft auf uns. Eigentlich begleiten sie uns schon lange: Wir produzieren zu viel M\u00fcll. Und wir ben\u00f6tigen immer mehr Energie. Das Aachener Start-up <a href=\"https:\/\/www.aestechnik.de\/\">AES \u2013 Autonome Energiesysteme<\/a> hat f\u00fcr beide Probleme eine L\u00f6sung entwickelt. Es kommt aber auch ein dritter Punkt dazu \u2013 Unabh\u00e4ngigkeit. Die Anlagen funktioniert dezentral, Betriebe k\u00f6nnen selbst\u00e4ndig aus ihren Abf\u00e4llen Energie gewinnen und Stromkosten sparen. Auch das ist eine gute Sache. Wir sprachen mit Marco Karber wie Energie aus M\u00fcll gewonnen werden kann. Er ist einer der Gr\u00fcnder des Unternehmens.<\/p>\n<h3>Wie funktioniert Ihre Anlage genau?<\/h3>\n<p>Bei uns geht es darum, Energie aus M\u00fcll zu gewinnen. In unserer Anlage, dem Pyrolyseofen, k\u00f6nnen Mischabf\u00e4lle verwertet werden. Unser erster Kunde wird ein Altenheim sein. Das hei\u00dft, in diesem Fall werden Hygieneabf\u00e4lle, Handschuhe, Inkontinenzmaterial verwertet. Aber auch K\u00fcchenabf\u00e4lle, also Bio- und Gartenabf\u00e4lle. Der Mitarbeiter des Altenheims geht einfach mit dem M\u00fcllsack in den Keller und wirft ihn in die Anlage. Zuerst wird der M\u00fcll zerkleinert, dann kommt das Material in den Pyrolysereaktor, den wir genau f\u00fcr diese Nutzung weiterentwickelt haben. Hierbei entsteht Gas, das verbrannt wird. Die entstehende W\u00e4rme wird direkt wieder von der Anlage f\u00fcr den Pyrolyseprozess genutzt. Zudem es entsteht ein \u00d6l, dass ebenfalls verbrannt wird, um W\u00e4rme und Strom zu liefern. Beides kann direkt vom Kunden genutzt werden.<\/p>\n<h3>So versorgt sich der Nutzer bei der Entsorgung seines M\u00fclls auch noch mit Energie?<\/h3>\n<p>Ja, er kann bis zu zwanzig Prozent seines Energiebedarfs decken. Der Wirkungsgrad der Anlage liegt etwa bei 60 Prozent. Am meisten wird beim M\u00fcll eingespart. Die H\u00e4lfte der M\u00fclltonnen k\u00f6nnen abbestellt werden. Bei gr\u00f6\u00dferen Einrichtungen werden so enorme Kosten in der Abfallentsorgung eingespart.<\/p>\n<h3>Kann ich mir so eine Anlage auch zu Hause in den Keller stellen?<\/h3>\n<p>Urspr\u00fcnglich war die Anlage tats\u00e4chlich f\u00fcr Privathaushalte gedacht, um Energie aus M\u00fcll zu gewinnen. \u00a0Aber w\u00e4hrend der Entwicklung wurde klar, dass der Betrieb nur bei einem h\u00f6heren Aufkommen funktioniert. Deshalb wenden wir uns an Altenheime, Krankenh\u00e4user, Hotels. Auch gr\u00f6\u00dfere Restaurants k\u00f6nnten dazukommen. Solche Einrichtungen haben kontinuierlich einen sehr hohen Energiebedarf. Die Anlage kann da wirklich das ganze Jahr \u00fcber laufen. Auch in der Textilbranche k\u00f6nnten die aussortierten Altkleider, die nicht wieder verwendet werden, verwertet werden und das \u00d6l k\u00f6nnte recycelt werden.<\/p>\n<h3>Haben Sie schon Kunden?<\/h3>\n<p>Soweit sind wir noch nicht. Wir sind gerade noch bei der Entwicklung unserer Anlage. Dazu arbeiten wir eng mit unseren zuk\u00fcnftigen Kunden zusammen, um unsere Pilotanlage so gut wie m\u00f6glich auf sie zuschneiden zu k\u00f6nnen. Auch mit dem Institut f\u00fcr Textiltechnik der <a href=\"https:\/\/www.rwth-aachen.de\/cms\/~a\/root\/\">RWTH Aachen<\/a> kooperieren wir. Dort sind wir in einem Inkubator-Programm. Wir sind vor Ort am Institut und k\u00f6nnen da die Werkstatt und das Labor f\u00fcr Analysen nutzen.<\/p>\n<h3>Wie sind sie auf die Idee gekommen, Energie aus M\u00fcll zu produzieren?<\/h3>\n<p>Mein Kollege Andres Sheldrick und ich haben gemeinsam Verfahrenstechnik studiert. W\u00e4hrend unseres Masters haben wir immer mal wieder Brainstorming gemacht und Ideen entwickelt. Wir haben uns Gedanken gemacht \u00fcber m\u00f6gliche Verfahren, die noch nicht ins 21. Jahrhundert geholt worden sind. Bei vielen haben wir festgestellt, dass sie schon patentiert waren. Aber die Idee mit der dezentralen Abfallverwertung haben wir weiterverfolgt. Zudem haben wir festgestellt, dass es kaum dezentrale Anlagen gibt, die digital gesteuert werden. Erstmal war uns das Einsparpotenzial wichtig. Aber au\u00dferdem noch einen Beitrag zur Nachhaltigkeit leisten zu k\u00f6nnen, das ist nat\u00fcrlich um so besser.<\/p>\n<h3>Gab es bisher kritische Momente?<\/h3>\n<p>Ja, da gab es einige. Die Entwicklung, um Energie aus M\u00fcll zu gewinnen, ist langwierig. Man muss immer wieder \u00c4nderungen in der Konstruktion machen, die Teile neu anfertigen, ausprobieren. Da gibt es lange Durststrecken, bis der n\u00e4chste Erfolg kommt. Wir haben direkt nach dem Studium begonnen. Da kam nat\u00fcrlich das finanzielle Problem dazu. Wir mussten immer schauen, woher das Geld f\u00fcr die n\u00e4chsten Teile kommt. Es ist riskant sowas nach dem Studium und ohne Finanzierung anzugehen. Aber nun sind wir an einem guten Punkt und werden auch bald einen Investor finden, der uns im letzten Jahr unterst\u00fctzt.<\/p>\n<p>Am Anfang haben wir bei mir im Keller gearbeitet. Da konnten wir nicht einmal grade drinnen stehen. Sp\u00e4ter konnten wir bei einem Mentor eine Art Pavillion nutzen und seit der Gr\u00fcndung als Start-up k\u00f6nnen wir am Institut f\u00fcr Textiltechnik die Werkstatt nutzen und k\u00f6nnen so seit Januar richtig arbeiten.<\/p>\n<h3>Welche Herausforderungen sehen Sie noch auf sich zukommen?<\/h3>\n<p>Wenn die Anlage l\u00e4uft, ist das wichtigste geschafft. Wir sind jetzt seit eineinhalb Jahren bei der Entwicklung und haben schon einige H\u00fcrden \u00fcberwinden m\u00fcssen. Unseren Platz auf dem Markt zu finden, das wird nicht so schwierig, glauben wir. Denn wir haben sehr gute Verkaufsargumente. Die Anlage hat in f\u00fcnf Jahren die Anschaffungskosten eingespielt und von da an spart man. Wir haben schon Absichtserkl\u00e4rungen von Altersheimen, sie sind sehr begeistert von der Idee.<\/p>\n<h3>Was sind Ihre n\u00e4chsten Schritte?<\/h3>\n<p>Wir brauchen noch vier bis sechs Wochen bis der Prototyp steht. Und dann noch einmal sechs Monate f\u00fcr die Pilotanlage. Im Moment m\u00fcssen wir gerade auf Teile warten, die in China hergestellt werden. Wir m\u00fcssen einen Investor finden, damit wir das letzte Jahr \u00fcberbr\u00fccken. Dann wird die Pilotanlage gebaut, daf\u00fcr haben wir schon einen Kunden. Das wird bis November geschehen. In einem Jahr werden wir dann hoffentlich die erste Anlage ausliefern k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/category\/startups\/\"><em>Weitere Artikel \u00fcber Start-ups k\u00f6nnen Sie hier lesen.<\/em><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zwei gro\u00dfe Herausforderungen warten in der Zukunft auf uns. Eigentlich begleiten sie uns schon lange: Wir produzieren zu viel M\u00fcll. 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