{"id":219240,"date":"2020-04-24T11:30:42","date_gmt":"2020-04-24T09:30:42","guid":{"rendered":"https:\/\/innovationorigins.com\/?p=219240"},"modified":"2020-04-24T11:30:42","modified_gmt":"2020-04-24T09:30:42","slug":"venture-builder-warum-sich-ein-russisches-unternehmen-in-eindhoven-niederlaesst","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/de\/venture-builder-warum-sich-ein-russisches-unternehmen-in-eindhoven-niederlaesst\/","title":{"rendered":"Venture Builder: Warum sich ein russisches Unternehmen in Eindhoven niederl\u00e4sst"},"content":{"rendered":"<p>Als vor sechs Jahren <strong>politische und wirtschaftliche Spannungen<\/strong> zwischen dem <strong>Westen und Russland<\/strong> wieder verst\u00e4rkt auftraten, sprachen die Medien schnell von einem neuen Kalten Krieg. Seitdem machen Kapitalmarktrestriktionen und Handelsembargos die Gesch\u00e4fte mit dem osteurop\u00e4ischen Land unattraktiv. Es ist schwieriger geworden wirtschaftliche Beziehungen zu unterhalten. Damit ist klar: Dies ist nicht der richtige Zeitpunkt, um in eine Gesch\u00e4ftsbeziehung mit Russland zu investieren. Nichtsdestotrotz beweist der russische Venture Builder <a href=\"https:\/\/technospark.ru\/en\/\">Technospark<\/a> Mut. Vor einigen Monaten hat es <strong>ein B\u00fcro auf dem Eindhovener High-Tech-Campus<\/strong> in den Niederlanden er\u00f6ffnet. \u00a0Mit Innovationen und Unternehmertun-Konzepten will der Venture Builder der abgek\u00fchlten Beziehung zwischen den Niederlanden und Russland \u00a0neues Leben einhauchen.<\/p>\n<h2>Russischer Venture Builder in den Niederlanden<\/h2>\n<p><a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/\">Innovation Origins<\/a> sprach in einem halbleeren B\u00fcro in Eindhoven mit dem Moskauer Direktor f\u00fcr Unternehmensentwicklung, Boris Galkin. Er erl\u00e4utert das Ertragsmodell von Technospark: \u201eTechnospark ist ein Venture Builder, der seit 2012 aktiv ist. Das Konzept des Venture Buildings besteht darin, <strong>Start-ups zu gr\u00fcnden<\/strong> und sie dann wieder zu verkaufen. Wenn das Unternehmen aus eigener Kraft operieren kann. Der gro\u00dfe Unterschied zu einem Beschleuniger ist, dass ein Venture Builder ein Unternehmen neu aufbaut. Wir f\u00fchren alle Schritte selbst durch: Ermittlung der Marktnachfrage, Prototyping, Festlegung der Vertriebsstrategie und Entwicklung eines Kundenstamms. Das Geld f\u00fcr die Start-ups kommt von Technospark selbst. Auch russische Privatinvestoren sind beteiligt. Mit der Zeit wollen wir zudem europ\u00e4ische Investoren in unser Gesch\u00e4ft einbinden.\u201c<\/p>\n<p>In der Regel verkauft Technospark die Unternehmen, nachdem der <strong>Breakeven, also die Gewinnschwelle,<\/strong>\u00a0erreicht ist. Von da an sollte ein Start-up \u00a0unabh\u00e4ngig arbeiten und schwarze Zahlen schreiben. Technospark hat seit 2012 einhundert Millionen Euro investiert. Mehr als siebzig Start-ups gr\u00fcndete der Venture Builder. Die meisten von ihnen sind in Russland ans\u00e4ssig. Die Einnahmen aus dem Verkauf junger Unternehmen werden laut Galkin in neue Unternehmen reinvestiert, mit dem Ziel, das Venture-Building-Portfolio weiter auszubauen.<\/p>\n<h2>Wenig Produkte f\u00fcr Europa<\/h2>\n<p>Die Start-ups von Technospark sind in vielen <strong>verschiedenen Sparten<\/strong> t\u00e4tig, wie Windenergie, Mikroelektronik, medizinische Ger\u00e4te und Lasertechnik. Die meisten Produkte sind allerdings f\u00fcr den russischen Markt bestimmt. In Europa werden sie nicht vertrieben. Bis auf einige wenige, die sich eigen, auch hier vermarktet zu werden.<\/p>\n<p>Eines ist beispielsweise der Logistikroboter von Ronavi Robotics. Mit ihm lassen sich Auswahlprozesse in Distributionszentren automatisieren. Technospark hat sich genau f\u00fcr dieses Produkt entschieden, da die Zahl der Kundenbestellungen \u00fcber Webshops enorm gestiegen ist. Bei der Entwicklung des Roboters investierte auch Amazon. Der gr\u00f6\u00dfte Akteur im E-Commerce steckte bereits riesige Summen in die Digitalisierung der Logistik. Mit Erfolg: Im Laufe der Jahre verbuchte das Unternehmen einen steigenden Nettoumsatze. Durch den Einsatz von Logistikrobotern k\u00f6nnen Bestellungen achtmal schneller zusammengestellt werden als von Menschen.<\/p>\n<h2>Venture Builder bringt Logistikroboter auf den Weg<\/h2>\n<p>Der Roboter besteht aus einem niedrigen Wagen (siehe Foto) von der Gr\u00f6\u00dfe einer Europalette. Mit Hilfe eines QR-Codesystems und Orientierungspunkten am Boden bewegt er sich geradlinig durch ein Lager. Auch andere Unternehmen stellen diesen Robotertyp her. Der Grund: Immer mehr Logistikzentren entstehen und die Nachfrage im Online-Handel steigt weiterhin. Das hei\u00dft, immer mehr Waren werden in immer k\u00fcrzerer Zeit durch die Lagerhallen geschleust. Maschinelle Hilfe ist unerl\u00e4sslich.<\/p>\n<p>Der Hauptvorteil des Ronavi-Roboters liegt in seiner Gr\u00f6\u00dfe. Seine Oberfl\u00e4che ist viermal kleiner, als die der Konkurrenz-Roboter. Trotzdem stemmt er dasselbe Gewicht (bis zu 1.500 kg). Dadurch k\u00f6nnen mehr G\u00fcter auf der gleichen Fl\u00e4che gelagert werden, was eine effizientere Nutzung des Lagerraums gew\u00e4hrleistet. Ein weiterer Vorteil ist, dass die Roboter mit jeder Logistiksoftware betrieben werden k\u00f6nnen. Das macht den Preis nach Aussage des Unternehmens im Vergleich zu Unternehmen,\u00a0die nur Komplettpakete anbieten, wesentlich attraktiver.<\/p>\n<figure id=\"attachment_213910\" aria-describedby=\"caption-attachment-213910\" style=\"width: 405px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-213910\" src=\"https:\/\/archive.ioplus.nl\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/MG_7320-600x412.jpg\" alt=\"Ein Start-up des Venture Builder Technopark: Ronavi Robotics produziert Logistikroboter\" width=\"405\" height=\"278\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-213910\" class=\"wp-caption-text\">Logistikroboter von Ronavi Robotics<\/figcaption><\/figure>\n<h2>Niederl\u00e4ndische Partnerschaft<\/h2>\n<p>Ohne die Corona-Pandemie zu ber\u00fccksichtigen, erkl\u00e4rt Galkin, gehe es Russlands Wirtschaft und dem Technologiesektor schlecht: \u201eDie derzeitigen Bedingungen im Land sind weit von einem g\u00fcnstigen Investitionsklima entfernt. Dennoch sehen wir enorme Chancen f\u00fcr die High Technology in unserem Land. Russland eignet sich auch als Produktionsstandort. Die L\u00f6hne sind viermal niedriger als in den Niederlanden, Energiekosten sind gering und es stehen viele (gut ausgebildete) Arbeitskr\u00e4fte zur Verf\u00fcgung.\u201c<\/p>\n<p>Auf die Frage, wie Technospark mit den zus\u00e4tzlichen Herausforderungen durch die Corona-Krise umgeht, antwortet Galkin: \u201eWir werden die Arbeit fortsetzen, die von zu Hause in Russland aus gemacht werden kann. Zum Beispiel arbeiten wir jetzt an der Entwicklung von Software f\u00fcr unsere Produkte und analysieren die Warenstr\u00f6me potenzieller Kunden, damit wir ihnen geeignete Angebote unterbreiten k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n<p>Dennoch wird Technospark f\u00fcr die Produktion des Ronavi-Roboters eine Partnerschaft mit der niederl\u00e4ndischen <a href=\"https:\/\/www.vdlgroep.com\/de\">VDL Groep<\/a> eingehen. Warum sich Technospark nicht daf\u00fcr entschieden hat, die Roboter am neuen Standort in Moskau fertigen zu lassen, erkl\u00e4rt Galkin so: \u201eWir wollen ein zuverl\u00e4ssiges und CE-zertifiziertes Produkt in Europa vermarkten. Deshalb lagern wir die Kosten aus. Da sich der Markt f\u00fcr dieses Produkt st\u00e4ndig weiterentwickelt und \u00e4u\u00dferst umk\u00e4mpft ist, brauchen wir einen Partner, der schnell eine qualitativ hochwertige Produktion aufbaut. VDL ist daf\u00fcr sehr gut geeignet. Die Roboter, die sie hergestellt haben, sind so konstruiert und getestet worden, dass sie 10.000 Arbeitsstunden ohne Wartungsbedarf \u00fcberstehen.\u201c<\/p>\n<p>Technospark baut derzeit eine Vertriebsstruktur in den Niederlanden auf. Neben Business-Entwicklern und Ingenieuren werden Verk\u00e4ufer gesucht, um die Produkte in den Niederlanden verkaufen zu k\u00f6nnen. Galkin: \u201eTechnospark und Ronavi machen jetzt die ersten Schritte in Europa. Wir sind davon \u00fcberzeugt, dass in Zukunft Dutzende unserer Produkte hier verkauft werden&#8221;, so Galkin.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als vor sechs Jahren politische und wirtschaftliche Spannungen zwischen dem Westen und Russland wieder verst\u00e4rkt auftraten, sprachen die Medien schnell von einem neuen Kalten Krieg. Seitdem machen Kapitalmarktrestriktionen und Handelsembargos die Gesch\u00e4fte mit dem osteurop\u00e4ischen Land unattraktiv. Es ist schwieriger geworden wirtschaftliche Beziehungen zu unterhalten. 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