{"id":216124,"date":"2020-04-02T20:04:41","date_gmt":"2020-04-02T18:04:41","guid":{"rendered":"https:\/\/innovationorigins.com\/?p=216124"},"modified":"2020-04-02T20:04:41","modified_gmt":"2020-04-02T18:04:41","slug":"neuer-europaeischer-klimasatellit-aufgrund-der-corona-krise-spaeter-im-weltraum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/de\/neuer-europaeischer-klimasatellit-aufgrund-der-corona-krise-spaeter-im-weltraum\/","title":{"rendered":"Neuer europ\u00e4ischer Klimasatellit aufgrund der Corona-Krise sp\u00e4ter im Weltraum"},"content":{"rendered":"<p>Der Start des neuen europ\u00e4ischen Satelliten <a href=\"https:\/\/earth.esa.int\/web\/guest\/missions\/esa-future-missions\/sentinel-6\">&#8220;Copernicus Sentinel-6&#8221;<\/a>, der unter anderem den Wasseranstieg in den Ozeanen und die Dicke des arktischen Eises genauer als bisher messen soll, wird voraussichtlich sp\u00e4ter als zum geplanten Termin Ende 2020 erfolgen. Der Grund daf\u00fcr ist, dass die Coronakrise die Vorbereitungsarbeiten verz\u00f6gert. Das erkl\u00e4rte Josef Aschbacher, der Direktor des Erdbeobachtungsprogramms der Europ\u00e4ischen Weltraumorganisation (ESA), letzte Woche auf einer Online-Konferenz. Das Thema der Konferenz war die Wirksamkeit der europ\u00e4ischen Biodiversit\u00e4tspolitik.<\/p>\n<p>Aschbacher wurde eingeladen, seine Vision \u00fcber die Nutzung der sieben Satelliten vorzustellen, die die EU bereits im Weltraum hat und die zur Beobachtung der Erde eingesetzt werden. Die Satelliten liefern in Echtzeit Daten u.a. \u00fcber die Qualit\u00e4t der Luft, des Wassers der Ozeane und die Wetterbedingungen \u00fcberall auf der Welt. Sie liefern auch Daten \u00fcber das Vorkommen von Vegetation, woraus sich ableiten l\u00e4sst, welche Tierarten dort leben. Das System ist das beste der Welt und wird von Institutionen weltweit genutzt. Eine Analyse der Website zeigt laut Aschbacher, dass diese Daten die wichtigste Informationsquelle f\u00fcr die amerikanische Weltraumorganisation NASA sind.<\/p>\n<h3>Verkn\u00fcpfung von Satellitendaten mit der europ\u00e4ischen Klimapolitik<\/h3>\n<p>Mehrere Teilnehmer der Konferenz wollten wissen, warum die von den Sentinel-Satelliten gelieferten Daten nicht mit den europ\u00e4ischen Klimazielen verkn\u00fcpft sind, die Unternehmen und Mitgliedsstaaten zwingen, ihre Schadstoffemissionen zu reduzieren. Denn mit Hilfe der Satellitendaten l\u00e4sst sich genau herausfinden, wann und wo die Emissionen von z.B. Stickstoff, Feinstaub, Schwefeloxid und gew\u00f6hnlichem Staub zu hoch sind.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"New Ocean Monitoring Indicators: Ocean Acidification\" width=\"1290\" height=\"726\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/0OMomKaT9fQ?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p>Aschbacher z\u00f6gerte zun\u00e4chst, eine Antwort darauf zu formulieren, weil er kein Beamter oder Politiker, sondern ein Weltraumexperte sei. In jedem Fall, so erkl\u00e4rte er, seien Investitionen notwendig, um die gewaltige Menge an Daten, die von den sieben Satelliten \u00fcber das Klima geliefert werden, in Informationen zu verwandeln. Das bedeutet, dass die gesammelten Daten zu spezifischen Datens\u00e4tzen verarbeitet werden m\u00fcssen, mit denen man u.a. vorhersagen kann, wie sich das Klima an bestimmten Orten kurz- und langfristig entwickeln wird.<\/p>\n<p>Die ESA arbeitet derzeit an einem &#8216;digitalen Zwilling&#8217; der Erde. Dies ist eine digitale Simulation, mit deren Hilfe man die Auswirkungen einer bestimmten politischen Entscheidung auf das Klima sehen kann.<\/p>\n<h3>Die europ\u00e4ische Wirtschaft muss nachhaltig werden<\/h3>\n<p>Die stellvertretende Direktorin der Generaldirektion Umwelt der Europ\u00e4ischen Kommission, Joanna Drake, sagte, es sei selbstverst\u00e4ndlich, dass die von den Satelliten gelieferten Daten zur Erf\u00fcllung der Ziele des Green Deal genutzt werden. Dies stehe im Einklang mit der Politik der Europ\u00e4ischen Kommission, die eine evidenzbasierte Politik bef\u00fcrwortet. Seit dem Amtsantritt der Pr\u00e4sidentin der Europ\u00e4ischen Kommission, Ursula von der Leyen, hat der Schutz der biologischen Vielfalt h\u00f6chste Priorit\u00e4t. Neue Gesetze m\u00fcssen daran gemessen werden.<\/p>\n<figure id=\"attachment_214775\" aria-describedby=\"caption-attachment-214775\" style=\"width: 890px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-214775 size-full\" src=\"https:\/\/archive.ioplus.nl\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Schermafbeelding-2020-03-26-om-12.37.15.png\" alt=\"\" width=\"890\" height=\"369\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-214775\" class=\"wp-caption-text\">Daten der Copernikus-Satelliten zeigen, dass die Stickstoffmenge in Italien nach dem Lock-down in der Coronakrise zur\u00fcckgegangen ist. Bild: Copernikus<\/figcaption><\/figure>\n<p>Diese beiden Instrumente geben der Europ\u00e4ischen Kommission die M\u00f6glichkeit, die europ\u00e4ische Wirtschaft in eine nachhaltige Wirtschaft umzuwandeln. Wenn die Regierungen und Parlamente der Mitgliedsstaaten zustimmen.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich bieten die Daten der Klimasatelliten den europ\u00e4ischen B\u00fcrgern die erste Gelegenheit, mit einem &#8220;freien Datenraum&#8221; zu experimentieren. Dies ist auch ein Anliegen, der EU-Kommissarin f\u00fcr Digitalisierung Margrethe Vestager. Sie w\u00fcnscht einen freien Gebrauch der Daten auch f\u00fcr andere Bereiche wie die Landwirtschaft und den Arbeitsmarkt.<\/p>\n<h3>Kostenlosen Klimadaten werden wenig genutzt<\/h3>\n<p>Obwohl die Daten der europ\u00e4ischen Klimasatelliten f\u00fcr jeden frei zug\u00e4nglich sind, werden sie von den Einwohnern Europas kaum genutzt. Erst jetzt, da die Bilder der Klimasatelliten zeigen, dass die Stickstoffemissionen \u00fcber China und Italien w\u00e4hrend der Corona-Krise durch die Stilllegung von Verkehr und Fabriken drastisch gesunken sind, entsteht ein gewisses Interesse.<\/p>\n<p>Es ist schade, dass dieses Interesse an kostenlosen Klimadaten nur langsam an Fahrt gewinnt. Denn auch kleine Organisationen k\u00f6nnen davon profitieren. Die Messungen zeigen zum Beispiel, dass die Temperatur in der Nordsee in den letzten Jahrzehnten stetig gestiegen ist. Das ist nat\u00fcrlich bekannt. Aber f\u00fcr die Fischer w\u00e4re es wichtig, dies in Echtzeit zu verfolgen, wenn sie ihre\u00a0 Fangquoten aushandeln. Einige Fische m\u00fcssen in k\u00fchlere Gew\u00e4sser ziehen, weil sie nicht genug Plankton haben, um sich in w\u00e4rmeren Str\u00f6mungen zu ern\u00e4hren. Dies k\u00f6nnte m\u00f6glicherweise die Ursache f\u00fcr den R\u00fcckgang von Fischbest\u00e4nden sein und nicht die \u00dcberfischung, die den Fischern teilweise von Umweltsch\u00fctzern vorgehalten wird. Diese Erkenntnis wird die Fangquoten nicht erh\u00f6hen, aber sie kann den Vorwurf ausr\u00e4umen, der ihnen die Schuld am Abnehmen der lokalen Fischbest\u00e4nde gibt.<\/p>\n<h3>Die Klimasatelliten zeigen: &#8216;Rotterdam liegt in einer Dreckecke&#8217;.<\/h3>\n<p>Die Luftqualit\u00e4tsdaten liefern auch spezifische Informationen \u00fcber die Menge an Staub, Feinstaub und Stickstoff in der Luft f\u00fcr lokale Organisationen, die f\u00fcr saubere Luft k\u00e4mpfen (und nur wenig Geld f\u00fcr Forschung ausgeben k\u00f6nnen), wie z.B. Adem Rotterdam. Bisher haben sie vor allem die sechs Messpunkte des lokalen Umweltdienstes DCMR genutzt. Einer der Initiatoren, Adriaan Korthuis, erkl\u00e4rt, dass er die Website der <a href=\"https:\/\/www.windy.com\/?52.467,13.348,5\">Copernikus-Satelliten<\/a> bisher nicht kannte. Sie erscheint ihm aber sehr hilfreich. &#8220;Man sieht sofort, dass Rotterdam in der Dreckecke des Kontinents liegt&#8221;, sagt er, nachdem er sich die entsprechenden Daten angesehen hat.<\/p>\n<figure id=\"attachment_214777\" aria-describedby=\"caption-attachment-214777\" style=\"width: 1568px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-214777 size-full\" src=\"https:\/\/archive.ioplus.nl\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Schermafbeelding-2020-03-26-om-12.40.56.png\" alt=\"\" width=\"1568\" height=\"897\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-214777\" class=\"wp-caption-text\">Der kleine rote Fleck \u00fcber Rotterdam zeigt an, dass sich relativ viel Stickstoff in der Luft befindet. Bild: Copernikus<\/figcaption><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Start des neuen europ\u00e4ischen Satelliten &#8220;Copernicus Sentinel-6&#8221;, der unter anderem den Wasseranstieg in den Ozeanen und die Dicke des arktischen Eises genauer als bisher messen soll, wird voraussichtlich sp\u00e4ter als zum geplanten Termin Ende 2020 erfolgen. Der Grund daf\u00fcr ist, dass die Coronakrise die Vorbereitungsarbeiten verz\u00f6gert. 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