{"id":215673,"date":"2020-03-31T13:06:56","date_gmt":"2020-03-31T11:06:56","guid":{"rendered":"https:\/\/innovationorigins.com\/?p=215673"},"modified":"2020-03-31T13:06:56","modified_gmt":"2020-03-31T11:06:56","slug":"bluttest-erkennt-50-krebsarten-symptome","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/de\/bluttest-erkennt-50-krebsarten-symptome\/","title":{"rendered":"Bluttest erkennt \u00fcber 50 Krebsarten, trotz fehlender Symptome"},"content":{"rendered":"<p>F\u00fcr die <strong>Fr\u00fcherkennung von Krebs<\/strong> gibt es eigentlich nur eine Methode: <strong>regelm\u00e4\u00dfige Vorsorgeuntersuchungen<\/strong>. Doch Mammographien oder Darmspiegelungen sind f\u00fcr Patienten oft unangenehm. Zu 100 Prozent zuverl\u00e4ssig sind sie obendrein auch nicht. Es kommt immer wieder zu Fehldiagnosen. Auf der eine Seite werden <a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/nanosensor-erkennt-krebs-biomarker-im-blut\/\">Tumore<\/a> nicht erkannt. \u00a0Auf der anderen Seite werden Menschen durch langwierige und schwer ertr\u00e4gliche Krebstherapien geschickt. Und das, obwohl sie nie an Krebs erkrankt waren.<\/p>\n<p>Forscher der <a href=\"https:\/\/www.esmo.org\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">European Society for Medical Oncology<\/a> in Lugano, Schweiz, haben nun einen <strong>neuartigen Bluttest<\/strong> entwickelt. Mit diesem Verfahren lassen sich mehr als als 50 Krebsarten genau erkannen. Au\u00dferdem kann der Test zeigen, wo im K\u00f6rper der Krebs entstanden ist. Oftmals schon bevor der Erkrankte erste Symptome zeigt.<\/p>\n<h2>Neuer Bluttest \u2013 weniger falsch-positive Ergebnisse<\/h2>\n<p>In ihrer Studie <em>Circulating Cell-free Genome Atlas<\/em> (CCGA) verzeichneten die Wissenschaftler eine falsch-positive Krebserkennungsrate von 0,7 Prozent. Konkret hei\u00dft das: Nur ein Prozent der getesteten Patienten identifiziert der Bluttest als f\u00e4lschlicherweise krebskrank. Bei bisherigen Methoden f\u00fcr beispielsweise Brustkrebs-Screenings liegt die Fehlerquote wesentlich h\u00f6her. Rund zehn Prozent der Frauen bekommen eine falsch-positive Krebsdiagnose. Ein weiterer Vorteil: Bei 96 Prozent der Proben bestimmte der Test auch das Gewebe, in dem der Krebs entstanden ist. Dabei lag die Genauigkeit bei 93 Prozent.<\/p>\n<h2>Tumore verteilen DNA<\/h2>\n<p>Der Test basiert auf der Tatsache, dass Tumore im Blut DNA verteilen. Das f\u00fchrt zur sogenannten zellfreien DNA (cfDNA). Die cfDNA kann jedoch auch aus anderen Zelltypen stammen. Das macht es oft schwierig, die cfDNA von Tumoren zu bestimmen. Der Bluttest der Schweizer Forscher analysiert chemische Ver\u00e4nderungen an der DNA. Sie werden auch als \u201eMethylierung&#8221; bezeichnet und kontrollieren normalerweise die Genexpression. \u201eAbnormale Methylierungsmuster und die daraus resultierenden Ver\u00e4nderungen der Genexpression k\u00f6nnen zum Tumorwachstum beitragen, so dass diese Signale in der cfDNA das Potenzial haben, Krebs zu erkennen und zu lokalisieren\u201c, hei\u00dft es in der Studie, die in der f\u00fchrenden Krebszeitschrift <em><a href=\"https:\/\/www.journals.elsevier.com\/annals-of-oncology\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Annals of Oncology<\/a><\/em> ver\u00f6ffentlicht wurde.<\/p>\n<p>F\u00fcr den Test haben die Forscher Blutproben von 6.689 Teilnehmern untersucht. Darunter waren Proben mit zuvor unbehandeltem Krebs (2.482 Patienten) und einer Kontrollgruppe ohne Krebs (4.207 Patienten). Dabei standen die Ergebnisse von 4.316 Teilnehmern zur Analyse zur Verf\u00fcgung: 3.052 im Schulungsset (1.531 mit Krebs, 1.521 ohne Krebs) und 1264 im Validierungsset (654 mit Krebs und 610 ohne Krebs).<\/p>\n<figure id=\"attachment_215669\" aria-describedby=\"caption-attachment-215669\" style=\"width: 600px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-215669 size-medium\" src=\"https:\/\/archive.ioplus.nl\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/7025-figure-01_i1200-600x290.jpg\" alt=\"Neuartiger Bluttest erkennt \u00fcber 50 Krebsarten, auch wenn Patienten noch keine Symptome aufweisen. Die Abbildung zeigt eine \u00dcbersicht mit den Ergebnissen der Blutwerte.\" width=\"600\" height=\"290\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-215669\" class=\"wp-caption-text\">Zellfreie DNA wird aus Blutproben isoliert, die von einem Patienten ohne Krebs (oben) oder mit Krebs (unten) entnommen wurden, und einem gezielten Methylierungs-Sequenzierungsassay unterzogen. Die Sequenzierungsergebnisse, die methylierte (rot) oder unmethylierte (blau) CpG-Regionen identifizieren, werden in einen maschinell lernenden Klassifikator eingegeben, der das Vorhandensein oder Fehlen von Krebs sowie das Herkunftsgewebe (TOO) identifizieren kann. \u00a9 ESMO<\/figcaption><\/figure>\n<h3>Unterschiedliche Trefferquote<\/h3>\n<p>Das Ergebnis zeigte, dass der Bluttest Krebspatienten in der Mehrheit von gesunden Teilnehmern unterscheiden konnte. Unterschiede bei der Trefferquote ergaben sich jedoch je nach Art und Stadium des Krebses. So lag die Quote bei Tumoren im Stadium I lediglich bei 18 Prozent, bei Tumoren in Stadium IV bei 93 Prozent. Im Schnitt lag die Quote bei allen 50 untersuchten Krebsarten bei 43,9 Prozent. Bei den h\u00e4ufigsten und t\u00f6dlichsten Krebsarten (Anal-, Blasen-, Darm-, Speiser\u00f6hren-, Magen-, Kopf- und Halskrebs, Leber- und Gallengangkrebs, Lungen-, Eierstock- und Bauchspeicheldr\u00fcsenkrebs, Lymphom und Leuk\u00e4mie), lag die Quote bei 67,3 Prozent.<\/p>\n<p>Trotz der etwas gemischten Ergebnisse bei sehr fr\u00fchen Krebsstadien waren die Forscher zufrieden. \u201eDiese Daten zeigen die F\u00e4higkeit dieses gezielten Methylierungstests, der unserer Meinung nach die grundlegenden Anforderungen an einen Bluttest f\u00fcr die Krebsfr\u00fcherkennung zu erf\u00fcllt, der f\u00fcr die Fr\u00fcherkennung auf Bev\u00f6lkerungsebene verwendet werden k\u00f6nnte: die F\u00e4higkeit, mehrere t\u00f6dliche Krebsarten mit einem einzigen Test zu erkennen\u201c, sagt der leitende Autor des Artikels, Dr. Michael Seiden (MD, PhD), Pr\u00e4sident der US Oncology (Texas, USA). Dazu z\u00e4hle auch eine sehr niedrige falsch-positive Rate und die F\u00e4higkeit zu erkennen, wo im K\u00f6rper der Krebs lokalisiert ist.<\/p>\n<h3>\u201eBahnbrechende Studie\u201c<\/h3>\n<p>\u00c4hnlich lobend \u00e4u\u00dferte sich auch der Chefredakteur der Annals of Oncology, Professor Fabrice Andr\u00e9, Forschungsdirektor am Institut Gustave Roussy, Villejuif, Frankreich. \u201eDas ist eine bahnbrechende Studie und ein erster Schritt zur Entwicklung einfach durchf\u00fchrbarer Screening-Instrumente. Eine fr\u00fchere Erkennung von mehr als 50 Prozent der Krebserkrankungen k\u00f6nnte jedes Jahr weltweit Millionen von Leben retten und die durch aggressive Behandlungen hervorgerufene Morbidit\u00e4t drastisch reduzieren.\u201c<\/p>\n<p>Inwieweit der neue Bluttest tats\u00e4chlich Tumore fr\u00fcher als herk\u00f6mmliche Vorsorgeuntersuchungen erkennen kann, m\u00fcssen weitere Studien zeigen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/?s=krebs\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Mehr Artikel zum Thema Krebs finden Sie hier.<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F\u00fcr die Fr\u00fcherkennung von Krebs gibt es eigentlich nur eine Methode: regelm\u00e4\u00dfige Vorsorgeuntersuchungen. Doch Mammographien oder Darmspiegelungen sind f\u00fcr Patienten oft unangenehm. Zu 100 Prozent zuverl\u00e4ssig sind sie obendrein auch nicht. Es kommt immer wieder zu Fehldiagnosen. 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