{"id":214728,"date":"2020-03-31T11:50:52","date_gmt":"2020-03-31T09:50:52","guid":{"rendered":"https:\/\/innovationorigins.com\/?p=214728"},"modified":"2020-03-31T11:50:52","modified_gmt":"2020-03-31T09:50:52","slug":"wie-sich-covid-19-auf-die-mobilitaet-auswirken-koennte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/de\/wie-sich-covid-19-auf-die-mobilitaet-auswirken-koennte\/","title":{"rendered":"Wie sich Covid-19 auf die Mobilit\u00e4t auswirken k\u00f6nnte"},"content":{"rendered":"<p>Um die Ausbreitung des SARS-CoV-2 Virus (Coronavirus) zu d\u00e4mmen, reduzieren Regierungen die Personenkontakte. Die damit einhergehenden Ausgangsbeschr\u00e4nkungen haben die Wirtschaft weitgehend auf das Homeoffice verwiesen. Das zeigt sich auch im Berufsverkehr, der einen drastischen R\u00fcckgang erf\u00e4hrt. <a href=\"https:\/\/www.uibk.ac.at\/verkehrssysteme\/mitarbeiter.html\">Stephan Tischler<\/a> vom Arbeitsbereich <a href=\"https:\/\/www.uibk.ac.at\/verkehrssysteme\/index.html.de\"><em>Intelligente Verkehrssysteme<\/em> <\/a>an der <a href=\"https:\/\/www.uibk.ac.at\/\"><em>Universit\u00e4t Innsbruck<\/em><\/a> fragt sich, ob die Covid-19 Krise das Potenzial hat, das Mobilit\u00e4tsverhalten nachhaltig zu ver\u00e4ndern.<\/p>\n<h3>Inwieweit hat sich der Berufsverkehr seit den Ausgangsbeschr\u00e4nkungen ver\u00e4ndert?<\/h3>\n<p>Der Luftverkehr ist in \u00d6sterreich praktisch zum Erliegen gekommen. Die Fahrgastzahlen im \u00f6ffentlichen Verkehr sind in Wien zum Beispiel um 40 bis 80 Prozent gesunken. Auch das Verkehrsaufkommen auf den Stra\u00dfen ist zur\u00fcckgegangen: in Wien um circa 50 Prozent, in Paris um bis zu 80 Prozent. Im Berufsverkehr sind diese R\u00fcckg\u00e4nge teils weniger ausgepr\u00e4gt, weil viele von den \u00f6ffentlichen Verkehrsmitteln auf Personenkraftwagen umsteigen.<\/p>\n<p>Auch das Fahrrad ist eine M\u00f6glichkeit den \u00f6ffentlichen Verkehr zu umgehen: Der Anteil der Radfahrer ist in gr\u00f6\u00dferen europ\u00e4ischen St\u00e4dten teils deutlich gestiegen. In Tirol und hier vor allem in Innsbruck wurde der Fahrradverkehr jedoch beschr\u00e4nkt. Deshalb werden nur noch vereinzelt Fahrten mit dem Fahrrad unternommen. Feststellbar ist auch, dass Eink\u00e4ufe vermehrt zu Fu\u00df erledigt werden. Da es f\u00fcr viele die einzige Gelegenheit ist legal\u00a0das Haus zu verlassen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_214773\" aria-describedby=\"caption-attachment-214773\" style=\"width: 453px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-214773\" src=\"https:\/\/archive.ioplus.nl\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/ST_180331-600x415.jpg\" alt=\"\" width=\"453\" height=\"313\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-214773\" class=\"wp-caption-text\">Dr. Stephan Tischler (c) Herwig Z\u00f6ttl<\/figcaption><\/figure>\n<p>Der momentane R\u00fcckgang des Berufsverkehrs stimmt euphorisch. Aber die virtuelle Mobilit\u00e4t wird nach der R\u00fccknahme der Ausgangsbeschr\u00e4nkungen nicht automatisch zu einem geringeren physischen Gesamtverkehrsaufkommen f\u00fchren. Viele Wege lassen sich virtuell nur in deutlich geringerem Umfang ersetzen: zum Beispiel Ver- und Entsorgung, Hol- und Bringfahrten in Familien sowie Freizeit- und Urlaubsaktivit\u00e4ten. Im Lieferverkehr ist durch vermehrten E-Commerce gar mit erh\u00f6htem Aufkommen zu rechnen. Dieser w\u00e4re aber durch die Umsetzung neuer Systeme im Bereich der urbanen Logistik noch optimierbar.<\/p>\n<h3>Sie denken, dass dieses ver\u00e4nderte Mobilit\u00e4tsverhalten \u2013 vor allem im Berufsverkehr &#8211; zur Gewohnheit werden k\u00f6nnte?<\/h3>\n<p>Wir scheuen oft davor zur\u00fcck, bekannte Routinen und Gewohnheiten zu verlassen und Neues auszuprobieren, beziehungsweise uns damit n\u00e4her zu befassen. Was brauche ich um von zu Hause arbeiten zu k\u00f6nnen? Wie funktionieren Webcam, Cloud und Webkonferenzen? Die Umstellung vieler Betriebe auf Homeoffice sowie die massiven Ausgangsbeschr\u00e4nkungen zwingen jedoch viele Menschen, sich mit der Arbeit von zu Hause aus zu besch\u00e4ftigen.<\/p>\n<p><strong>Auch interessant:<\/strong> <a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/in-tirol-ist-eine-fossilfreie-energieversorgung-bis-2050-erreichbar\/\">In Tirol ist eine fossilfreie Energieversorgung bis 2050 erreichbar<\/a><\/p>\n<p>Wo noch nicht vorhanden, wird entsprechendes Equipment zugelegt. Allein die Verkaufszahlen der letzten Tage sind beeindruckend: so meldete der <a href=\"https:\/\/help.orf.at\/stories\/3000360\/\">\u00d6sterreichische Rundfunk (ORF) am Samstag<\/a> eine Nachfragesteigerung bei Webcams um \u00fcber 1000 Prozent (!). Da auch Monitore, Drucker und Docking-Stationen verst\u00e4rkt gekauft werden ist davon auszugehen, dass nicht nur die Online-Spiele boomen, sondern auch tats\u00e4chlich zu Hause gearbeitet wird.<\/p>\n<p>Wer einmal die Scheu vor der Nutzung abgelegt und sich an den Umgang gew\u00f6hnt hat, wird mit h\u00f6herer Wahrscheinlichkeit auch l\u00e4ngerfristig Besprechungen virtuell durchf\u00fchren da es eine enorme Zeit- und Ressourceneinsparung bedeutet.<\/p>\n<h3>Was muss passieren, um die Nutzung von Homeoffice und virtuellen Besprechungen auch nach <em>COVID-19<\/em> auf einem hohen Level fortzuf\u00fchren?<\/h3>\n<p>Es m\u00fcsste zu einem Ausbau der technischen Infrastruktur kommen. Die Stabilit\u00e4t der Verbindungen und hohe \u00dcbertragungsqualit\u00e4t muss sichergestellt sein. Verbindungsabbr\u00fcche, Ton- und Bildausf\u00e4lle sollten zur Ausnahme werden.<\/p>\n<p>Sinnvoll w\u00e4re es finanzpolitische Anreize f\u00fcr Firmen und Mitarbeiter zu schaffen. Zum Beispiel sollten die Kosten f\u00fcr das Homeoffice absetzbar beziehungsweise f\u00f6rderbar sein.<\/p>\n<p>Auch br\u00e4uchte es weitere Softwareentwicklungen, um eine breitere Angebotsvielfalt zum Beispiel an Programmen zur virtuellen Zusammenarbeit zu schaffen; wobei eine verst\u00e4rkte Nutzung jedoch automatisch zu mehr Angebot f\u00fchrt. Auch eine h\u00f6here Datensicherheit m\u00fcste geschaffen werden.<\/p>\n<p>Der wohl zentralste Punkt ist der Gewohnheitseffekt im Umgang mit dem Homeoffice.<\/p>\n<h3>In welchem Bereich ist der Berufsverkehr aus Umweltsicht besonders problematisch?<\/h3>\n<p>Aus Umweltsicht sind Wegl\u00e4ngen und \u2013geschwindigkeiten ebenso wie die Verkehrsmengen relevant. Je weniger und je k\u00fcrzer gefahren wird, desto geringer sind Energiebedarf und Emissionen, aber auch Unfallwahrscheinlichkeiten, finanzielle Aufw\u00e4nde, Fl\u00e4chenbedarf f\u00fcr Verkehrsinfrastrukturen etcetera.<\/p>\n<p>Der Umstieg vom Verbrennungsmotor auf den Elektroantrieb <em>l\u00f6st<\/em> das Problem der Schadstoffbelastungen entlang der Transportrouten. Ungel\u00f6st bleiben weitere problematische Aspekte wie Fl\u00e4chenverbrauch, Ausd\u00fcnnung des l\u00e4ndlichen Raumes und steigende Abh\u00e4ngigkeiten.<\/p>\n<p>Der Luftverkehr wird noch l\u00e4nger problematisch f\u00fcr das Klima bleiben, da emissionsfreie Triebwerke f\u00fcr mittlere und l\u00e4ngere Distanzen technisch noch nicht verf\u00fcgbar sind. Gerade bei beruflich veranlassten Fl\u00fcgen k\u00f6nnte die verst\u00e4rkte Nutzung von virtuellen Meetings zu einem R\u00fcckgang im Berufsverkehr f\u00fchren.<\/p>\n<h3>Was w\u00e4re das Ideal eines intelligenten Verkehrssystems?<\/h3>\n<p>Sich selbst im Optimum und im Sinne der Nachhaltigkeit regulierend. Bestes Beispiel sind Geschwindigkeitsbeschr\u00e4nkungen: durch eine entsprechende bauliche Gestaltung des Stra\u00dfenraums wie etwa Breite und visuelle Wahrnehmung, wird die zul\u00e4ssige H\u00f6chstgeschwindigkeit erst gar nicht \u00fcberschritten und es braucht keine aufw\u00e4ndige Verordnung und \u00dcberwachung von Tempolimits.<\/p>\n<h3>Und inwiefern k\u00f6nnten oder vielleicht auch nur sollten sich Effekte der Corona-Krise auf die Mobilit\u00e4t in dieses Ideal einf\u00fcgen?<\/h3>\n<p>Pl\u00f6tzlich wird sichtbar, was alles geht: Arbeiten im Homeoffice, zu Fu\u00df Einkaufen gehen, Besprechungen online statt physisch durchf\u00fchren, Freizeitaktivit\u00e4ten im Wohnumfeld statt stundenlang mit dem Auto anzureisen, &#8230;<\/p>\n<p>Was die Gesellschaft und Politik aber auch diskutieren wird m\u00fcssen: in der aktuellen Covid-19\u00a0Krise sch\u00fctzen wir eine sehr sensible Gruppe an Personen (Anmerkung: die \u00e4lteren und gesundheitlich Vorbelasteten) durch massive Einschr\u00e4nkungen der Grundrechte. Diese Beschr\u00e4nkungen werden bislang gro\u00dfteils ohne Widerstand und \u00fcber Parteigrenzen hinweg akzeptiert und mitgetragen. Im Individualverkehr wissen wir, dass wir durch Herabsetzung der Tempolimits ebenso massiv Menschenleben retten k\u00f6nnten. Nur Tempo 30 statt 50 in den St\u00e4dten, 80 statt 100 auf den Landstra\u00dfen und 100 statt 130 auf Autobahnen sind nach wie vor politisch undenkbar.<\/p>\n<h3>Danke f\u00fcr das Gespr\u00e4ch.<\/h3>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Um die Ausbreitung des SARS-CoV-2 Virus (Coronavirus) zu d\u00e4mmen, reduzieren Regierungen die Personenkontakte. Die damit einhergehenden Ausgangsbeschr\u00e4nkungen haben die Wirtschaft weitgehend auf das Homeoffice verwiesen. Das zeigt sich auch im Berufsverkehr, der einen drastischen R\u00fcckgang erf\u00e4hrt. 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