{"id":214655,"date":"2020-03-25T17:00:53","date_gmt":"2020-03-25T16:00:53","guid":{"rendered":"https:\/\/innovationorigins.com\/?p=214655"},"modified":"2020-03-25T17:00:53","modified_gmt":"2020-03-25T16:00:53","slug":"wie-co2-aus-der-umgebungsluft-zu-einem-high-tech-rohstoff-wird","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/de\/wie-co2-aus-der-umgebungsluft-zu-einem-high-tech-rohstoff-wird\/","title":{"rendered":"Wie CO2 aus der Umgebungsluft zu einem High-Tech-Rohstoff wird"},"content":{"rendered":"<p>Am <em>Karlsruher Institut f\u00fcr Technologie<\/em> (KIT) entsteht eine weltweit einzigartige Versuchsanlage. Ihre Aufgabe wird es sein, CO2 (Kohlendioxid) aus der Umgebungsluft abzuziehen und in hochreines und industriell nutzbares <em>Carbon Black<\/em> umzuwandeln.<\/p>\n<p>Die globale Erderw\u00e4rmung soll bis Ende des Jahrhunderts auf unter zwei Grad begrenzt werden. Dazu haben sich die globalen Regierungen im <em>Pariser Klimaabkommen 2015<\/em> verpflichtet. Um dieses Ziel zu erreichen, sind nicht nur Treibhausgasemissionen zu reduzieren, sondern auch bereits emittiertes CO2 wieder aus der Atmosph\u00e4re zu entfernen. Technische L\u00f6sungen sind noch zu finden.<\/p>\n<p>In der Versuchsanlage am KIT will man das sch\u00e4dliche Treibhausgas CO2 aus der Umgebungsluft abziehen und daraus <em>Carbon Black<\/em> machen, einen Rohstoff f\u00fcr High-Tech Anwendungen. Der pulverf\u00f6rmige, hochreine Kohlenstoff <em>Carbon Black<\/em> kann etwa in der Elektronik-, Druck-, oder Bauindustrie eingesetzt werden. Forschungspartner sind die<a href=\"https:\/\/ineratec.de\/\"> <em>Ineratec GmbH<\/em><\/a>, eine Ausgr\u00fcndung aus dem KIT, sowie <a href=\"https:\/\/www.climeworks.com\/\"><em>Climeworks<\/em><\/a>, eine Ausgr\u00fcndung der <a href=\"https:\/\/ethz.ch\/de.html\"><em>ETH Z\u00fcrich<\/em><\/a>.<\/p>\n<h3>Postfossiler Rohstoff<\/h3>\n<p>Der Ansatz unterscheidet sich von bisherigen Konzepten zur Reduzierung von atmosph\u00e4rischem CO2. So ist etwa bei den <em>Carbon-Capture-and-Storage<\/em>-Methoden (CCS) lediglich die Speicherung von CO2 in tiefen Gesteinsschichten vorgesehen. Gegen\u00fcber fl\u00fcchtigem CO2 sei fester Kohlenstoff weniger komplex in der Handhabung, erkl\u00e4rt der Projektkoordinator <a href=\"https:\/\/www.tvt.kit.edu\/21_113.php\">Benjamin Dietrich<\/a> <em>vom <a href=\"https:\/\/www.tvt.kit.edu\/index.php\">Institut f\u00fcr Thermische Verfahrenstechnik<\/a><\/em> (TVT) am KIT. Dar\u00fcberhinaus sei dieser als Rohstoff n\u00fctzlich. Bislang wurde <em>Carbon Black<\/em> haupts\u00e4chlich aus fossilem Erd\u00f6l hergestellt. Weshalb Dietrich von einer <em>postfossilen Rohstoffversorgung<\/em> spricht.<\/p>\n<p>Die Versuchsanlage am KIT soll mehrere Prozessschritte miteinander kombinieren. Diese wurden im Laborma\u00dfstab bereits entwickelt und untersucht. Jetzt sollen sie erstmals im Verbund in einer integrierten Anlage realisiert werden. Der Erfolg des Versuchs wird wesentlich von der Integration der Prozessbausteine und der Prozessf\u00fchrung abh\u00e4ngen.<\/p>\n<h3>Von CO2 zu Carbon Black<\/h3>\n<p>Zun\u00e4chst wird CO2 aus der Umgebungsluft gefiltert. Das geschieht im <em>Direct-Air-Capture (DAC)-<\/em>Verfahren und mit Hilfe eines Adsorbers. Der n\u00e4chste Schritt erfolgt in einem mikrostrukturierten Reaktor. Darin wird das CO2 mit erneuerbarem Wasserstoff kombiniert und in Methan und Wasser umgewandelt. Das erzeugte Methan wird in einen mit fl\u00fcssigem Zinn bef\u00fcllten Blasenreaktor geleitet und dient im weiteren Prozess als Kohlenstofftr\u00e4ger. Hier wird durch die aufsteigenden Methanblasen eine Pyrolysereaktion ausgel\u00f6st und Methan zerf\u00e4llt in seine Bestandteile:<\/p>\n<ul>\n<li>Wasserstoff, der direkt in die Methanisierung zur\u00fcckgef\u00fchrt wird;<\/li>\n<li>fester Kohlenstoff in Form von mikrogranularem Pulver, dem Carbon Black;<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Versuchsanlage soll auf dem Gel\u00e4nde des KIT entstehen und den Betrieb \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum demonstrieren. Es sind mehrere Ausbaustufen geplant, um die Leistungsf\u00e4higkeit pro Container zu steigern und den parallelen Betrieb mehrerer Anlagen beobachten zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<h3>Organisation<\/h3>\n<p>Das <a href=\"http:\/\/www.kit.edu\/\">KIT<\/a> ist f\u00fcr die Projektkoordination und den Betrieb der Anlage verantwortlich und tr\u00e4gt dar\u00fcberhinaus mit der Pyrolysetechnologie zum Projekt bei. Folgende KIT-Institute sind beteiligt:<\/p>\n<ul>\n<li>das <a href=\"http:\/\/www.ites.kit.edu\/140.php\">Karlsruher Fl\u00fcssigmetalllabor<\/a> (KALLA) als Einrichtung des <a href=\"https:\/\/www.ites.kit.edu\/\">Instituts f\u00fcr Thermische Energietechnik und Sicherheit<\/a> (ITES);<\/li>\n<li>das<a href=\"https:\/\/www.tvt.kit.edu\/\"> Institut f\u00fcr Thermische Verfahrenstechnik<\/a> (TVT);<\/li>\n<\/ul>\n<p>Das Projekt l\u00e4uft unter der Bezeichnung <em>NECOC<\/em> (NEgative CarbOn dioxide to Carbon) und wird vom <em><a href=\"https:\/\/www.bmwi.de\/Navigation\/DE\/Home\/home.html\">Bundesministerium f\u00fcr Wirtschaft und Energi<\/a>e<\/em> (BMWi) \u00fcber die Laufzeit von drei Jahren mit insgesamt 1,5 Millionen Euro gef\u00f6rdert.<\/p>\n<p><strong>Auch interessant:<\/strong><\/p>\n<p class=\"entry-title\"><a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/wasserstoff-produktion-ohne-co2-emissionen-erdgas\/\">Wasserstoffproduktion ohne CO2-Emissionen? Ja, aus Erdgas!<\/a><\/p>\n<p class=\"entry-title\"><a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/fuer-das-klima-in-spanien-wird-gratis-wald-gepflanzt\/\">Klimaschutz \u2013 in Spanien wird gratis Wald gepflanzt<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am Karlsruher Institut f\u00fcr Technologie (KIT) entsteht eine weltweit einzigartige Versuchsanlage. Ihre Aufgabe wird es sein, CO2 (Kohlendioxid) aus der Umgebungsluft abzuziehen und in hochreines und industriell nutzbares Carbon Black umzuwandeln. Die globale Erderw\u00e4rmung soll bis Ende des Jahrhunderts auf unter zwei Grad begrenzt werden. 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