{"id":212301,"date":"2020-03-11T19:37:58","date_gmt":"2020-03-11T18:37:58","guid":{"rendered":"https:\/\/innovationorigins.com\/?p=212301"},"modified":"2020-03-11T19:37:58","modified_gmt":"2020-03-11T18:37:58","slug":"computermodell-berechnet-ausbreitung-von-covid-19","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/de\/computermodell-berechnet-ausbreitung-von-covid-19\/","title":{"rendered":"Computermodell berechnet Ausbreitung von COVID-19"},"content":{"rendered":"<p>Die Ausbreitung von <em>COVID-19<\/em> schreitet deutlich langsamer voran, wenn man die Zahl der Mensch-zu-Mensch-Kontakte reduziert. Davon gehen die Beh\u00f6rden in ihren Schutzma\u00dfnahmen aus &#8211; und das best\u00e4tigt die Berechnung von verschiedenen Szenarien zur Ausbreitung in einem Computermodell der <em>TU Wien<\/em>.<\/p>\n<p>Das Computermodell kann nicht voraussagen, wie viele Menschen \u2013 an <a href=\"https:\/\/www.sozialministerium.at\/Themen\/Gesundheit\/Uebertragbare-Krankheiten\/Infektionskrankheiten-A-Z\/Neuartiges-Coronavirus.html\"><em>COVID-19<\/em><\/a> erkranken werden. Wichtig sei es, die Ausbreitung der Epidemie zu verlangsamen, damit nicht zu viele Menschen gleichzeitig intensive Betreuung brauchen, erkl\u00e4rt <a href=\"https:\/\/cocos.tuwien.ac.at\/fileadmin\/t\/cocos\/CV_Popper_Niki_Brief.pdf\">Niki Popper<\/a> vom <a href=\"https:\/\/informatics.tuwien.ac.at\/orgs\/e194\"><em>Institut f\u00fcr Information Systems Engineering<\/em> an der <em>TU Wien<\/em><\/a>. Das zeige sich derzeit auch in Italien, wo das Gesundheitssystem von der hohen Zahl an Infizierten \u00fcberfordert sei: Wenn Pl\u00e4tze auf den Intensivstationen fehlen oder zu wenige Beatmungsger\u00e4te zur Verf\u00fcgung stehen, dann sterben auch Menschen, die eigentlich geheilt werden k\u00f6nnten, so die Annahme der Wissenschafter.<\/p>\n<h3>Schutzma\u00dfnahmen senken Todesfallrate<\/h3>\n<p>Ziel der Schutzma\u00dfnahmen sei ein m\u00f6glichst flacher Verlauf mit einem m\u00f6glichst niedrigen Spitzenwert, bevor die Zahlen dann wieder zur\u00fcckgehen. Bei einer milderen Epidemie, die l\u00e4nger dauert, sterben meist deutlich weniger Menschen als bei einer heftigen Ausbreitung, die rascher wieder vorbei gehe.<\/p>\n<p>Grund zur Panik bestehe nicht, betonen die Forschenden. \u00d6sterreichs Gesundheitssystem sei resilienter als das italienische. Trotzdem sei Vorsicht geboten. Ihr Computermodell zeigt deutlich, dass die empfohlenen Schutzma\u00dfnahmen die Anzahl der Todesf\u00e4lle durch <em>COVID-19<\/em> reduzieren k\u00f6nnen. Deshalb sei es wichtig, auf Hygiene zu achten und auf unn\u00f6tige Kontakte zu verzichten; besonders f\u00fcr jene, die zur Risikogruppe z\u00e4hlen. Das sind \u00fcber 65-J\u00e4hrige und gesundheitlich Vorbelastete.<\/p>\n<h3>Weniger Personenkontakte hemmen Ausbreitung<\/h3>\n<p>Das Team an der <em>TU Wien<\/em> kann schon mit sehr einfachen Rechenmodellen zeigen, dass die Reduktion der Personenkontakte die H\u00f6he des Peaks senkt. Martin Bicher, der das Modell mit aufgebaut hat, nennt konkrete Zahlen:<\/p>\n<ul>\n<li>Reduziert man die Anzahl der Kontakte um nur 25 Prozent, sinkt der Peaks auf 58 Prozent ab.<\/li>\n<li>Reduziert man die Anzahl der Personenkontakte um 50 Prozent, sinkt der Peak auf unter 30 Prozent.<\/li>\n<\/ul>\n<figure id=\"attachment_212304\" aria-describedby=\"caption-attachment-212304\" style=\"width: 600px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-212304\" src=\"https:\/\/archive.ioplus.nl\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/257_F_Corona-Austria_c-TU-Wien-600x400.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"400\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-212304\" class=\"wp-caption-text\">Ausbreitung COVID-19 (c) TU Wien<\/figcaption><\/figure>\n<p><em>Foto: Wenn man die Zahl der Mensch-zu-Mensch-Kontakte reduziert, breitet sich die COVID-19 deutlich langsamer aus. Das zeigen die Abbildungen rechts.<\/em><\/p>\n<h3>Gro\u00dfer Effekt durch Schutz von Risikogruppen<\/h3>\n<p>Kontakt ist allerdings nicht gleich Kontakt. Das zeigt sich etwa am Beispiel von Einsatzkr\u00e4ften, die einem besonders hohen Ansteckungsrisiko ausgesetzt sind. Das Computermodell kann in unterschiedliche Kontaktnetzwerke von Menschen unterscheiden. Die Simulationen zeigen, dass der Schutz von Hochrisikopatienten und Einsatzkr\u00e4ften zu noch geringeren Peaks f\u00fchrt.<\/p>\n<p>Auch Menschen, die Kontakt zu Hochrisikopersonen haben, wie etwa pflegende Angeh\u00f6rige, sollten so weit wie m\u00f6glich aus dem System genommen werden und auf risikoreiche Kontakte verzichten.<\/p>\n<p>Berechnungen zur Rolle von Veranstaltungen in der Ausbreitung von <em>COVID-19<\/em> stehen noch aus. Aber schon vor den Ergebnissen ist klar, dass Risikopersonen Gro\u00dfveranstaltungen eher meiden sollten, sagt Popper.<\/p>\n<h3>Agentenbasiertes Computermodell<\/h3>\n<p>Das Computermodell der Forschenden an der TU Wien ist agentenbasiert. In der Simulation der Ausbreitung von <em>COVID-19<\/em> werden einzelne virtuelle Personen abgebildet, die bestimmte Verhaltens- und Kontaktmuster haben. Die Datenbanken der <em>Statistik Austria<\/em> erm\u00f6glichen regionale Bev\u00f6lkerungsdaten aus ganz \u00d6sterreich. Dazu kommen externe Faktoren wie die topographische Situation, die regionsspezifische Mobilit\u00e4t und die Gesundheitsinfrastruktur. In der Topographie spielt etwa die Seeh\u00f6he eine Rolle, in der Gesundheitsinfrastruktur die Krankenhauskapazit\u00e4ten. Letzteres kl\u00e4rt die Frage: Wo k\u00f6nnen wie viele Quarant\u00e4nebetten zur Verf\u00fcgung gestellt werden?<\/p>\n<h3>Laufende Optimierung mit neuen Erkenntnissen zu COVID-19<\/h3>\n<p>Das Modell wird laufend mit neuen Erkenntnissen \u00fcber <em>COVID-19<\/em> gef\u00fcttert: Von Tag zu Tag lassen sich Parameter wie Ansteckungswahrscheinlichkeit oder Inkubationszeit besser einsch\u00e4tzen. \u201eWenn das medizinische Wissen zuverl\u00e4ssiger wird, werden damit auch unsere Prognosen aussagekr\u00e4ftiger\u201c, sagt Popper. Er vergleicht die Simulation mit dem Fahren auf Sicht auf einer nebeligen Stra\u00dfe. Das Computermodell erm\u00f6glicht einen Blick in die unmittelbare Zukunft und schafft ein besseres Verst\u00e4ndnis f\u00fcr Auswirkungen von Ma\u00dfnahmen.<\/p>\n<p>Das soll bei schwierigen politischen Entscheidungen helfen, zum Beispiel in den Fragen, welche Veranstaltungen abgesagt werden sollen oder welche Schulen geschlossen werden sollen. Dabei m\u00fcsse man immer eine vern\u00fcnftige Balance zwischen den Vor- und Nachteilen von Ma\u00dfnahmen finden, erkl\u00e4rt Popper. Dabei sollen die Simulationsmodelle seines Teams helfen.<\/p>\n<h3>\u00dcber das Projekt:<\/h3>\n<p>An der TU Wien forscht man seit \u00fcber zehn Jahren an Computermodellen, die das Gesundheitssystem bei der Planung von Ma\u00dfnahmen unterst\u00fctzen k\u00f6nnen. Das Projekt basiert auf der Forschungsplattform<a href=\"http:\/\/www.dexhelpp.at\/\"> <em>DEXHELPP<\/em><\/a>, die im Rahmen von <a href=\"https:\/\/www.ffg.at\/comet\"><em>FFG COMET<\/em> <\/a>gestartet wurde. Kooperationspartner sind das Modellierungs- und Simulations-Unternehmen <em>dwh<\/em> und mehrere weitere Partnerorganisationen aus dem IT- und Gesundheitsbereich. <a href=\"http:\/\/www.dwh.at\/de\/\"><em>dwh<\/em><\/a> ist eine Ausgr\u00fcndung der <em>TU Wien<\/em>.<\/p>\n<p><strong>Auch interessant:<\/strong><\/p>\n<p class=\"entry-title\"><a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/drohnen-gegen-den-coronavirus-in-china\/\">Drohnen gegen den Coronavirus in China<\/a><\/p>\n<p class=\"entry-title\"><a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/wp-admin\/post.php?post=212301&amp;action=edit&amp;classic-editor\">Start-up findet einen vorhandenen Wirkstoff gegen das Coronavirus 2019-nCoV<\/a><\/p>\n<p class=\"entry-title\"><a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/soziale-netzwerke-koennen-bei-der-eindaemmung-des-corona-virus-eine-rolle-spielen\/\">Soziale Netzwerke k\u00f6nnen bei der Eind\u00e4mmung des Corona-Virus eine Rolle spielen<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Ausbreitung von COVID-19 schreitet deutlich langsamer voran, wenn man die Zahl der Mensch-zu-Mensch-Kontakte reduziert. 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