{"id":211474,"date":"2020-03-04T07:00:02","date_gmt":"2020-03-04T06:00:02","guid":{"rendered":"https:\/\/innovationorigins.com\/?p=211474"},"modified":"2020-03-04T07:00:02","modified_gmt":"2020-03-04T06:00:02","slug":"in-tirol-ist-eine-fossilfreie-energieversorgung-bis-2050-erreichbar","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/de\/in-tirol-ist-eine-fossilfreie-energieversorgung-bis-2050-erreichbar\/","title":{"rendered":"In Tirol ist eine fossilfreie Energieversorgung bis 2050 erreichbar"},"content":{"rendered":"<p>Die Vision der Energie-Autonomit\u00e4t bis 2050 fordert eine langfristige Planung: die Wende steht vor dem Hintergrund eines steigenden Energiebedarfs. Im \u00f6sterreichischen Bundesland Tirol ist die fossilfreie Energieversorgung bis 2050 umsetzbar \u2013 erfordert aber den Ausbau der erneuerbaren Energietr\u00e4ger.<\/p>\n<p>Die Vernetzung der Welt, verflochtene Wirtschaftssysteme, steigender Bedarf an Wohnraum und eine hochmotorisierte Gesellschaft \u2013 die aktuellen Str\u00f6mungen f\u00fchren zu einem steigenden Energiebedarf. Noch wird dieser gro\u00dfteils durch den Einsatz von fossilen Energietr\u00e4gern gedeckt. Aber die steigenden Treibhausgasemissionen und der dadurch verursachte Klimawandel machen eine fossilfreie Energieversorgung unumg\u00e4nglich.<\/p>\n<h3>Fossilfreie Energieversorgung aus heimischen Energietr\u00e4gern<\/h3>\n<p>Das Bundesland Tirol verf\u00fcgt \u00fcber viele erneuerbare Potenziale: Sonnen- und Windenergie, Wasserkraft und Biomasse. In einer Studie in Kooperation von <em>Universit\u00e4t Innsbruck<\/em>, <em>Management Center Innsbruck<\/em> (MCI) und <em>Wasser Tirol<\/em> wurde jetzt die Frage gestellt, ob Tirol 2050 eine fossilfreie Energieversorgung haben kann.<\/p>\n<p>Die Studienautoren Wolfgang Streicher und Markus Mailer gingen von einer totalen Umstellung auf erneuerbare Energien aus; die fossilfreie Energieversorgung soll bevorzugt aus heimischen Energietr\u00e4gern bestehen.<\/p>\n<h3>Vision 2050 theoretisch erreichbar<\/h3>\n<p>Die Ergebnisse zeigten, dass der Energiebedarf im Jahr 2050 theoretisch mit erneuerbaren Ressourcen aus Tirol gedeckt werden kann. Die Art der Energieversorgung wurde mit verschiedenen Energietr\u00e4gern durchgespielt. Untersucht wurden Strom, Wasserstoff und Methan.<\/p>\n<p>In allen durchgerechneten Szenarien war die fossilfreie Energieversorgung erreichbar. Das Stromszenario erwies sich allerdings als der effizienteste Energietr\u00e4ger \u2013 vorausgesetzt es kommt zum Ausbau der Stromerzeugung. Aber auch andere fossilfreie Energietr\u00e4ger erfordern eine Expansion:<\/p>\n<ul>\n<li>Steigerung der Wasserkraft um 50 Prozent;<\/li>\n<li>Nutzung der Windenergie zumindest in beschr\u00e4nktem Ausma\u00df;<\/li>\n<li>Best\u00fcckung nahezu aller nutzbaren Dachfl\u00e4chen mit Photovoltaik-Modulen;<\/li>\n<li>Verwendung der gesamten heimischen nachwachsenden und f\u00fcr energetische Nutzung zur Verf\u00fcgung stehenden Biomasse;<\/li>\n<\/ul>\n<p>Im Wasserstoff- und Methan-Szenario m\u00fcssten erg\u00e4nzend betr\u00e4chtliche Freifl\u00e4chen mit Photovoltaikanlagen errichtet werden.<\/p>\n<h3>Raumw\u00e4rme aus W\u00e4rmepumpen<\/h3>\n<p>In der Raumw\u00e4rme sollen k\u00fcnftig statt \u00d6l und Gas vor allem W\u00e4rmepumpen eingesetzt werden. Dadurch k\u00f6nnte die Umweltw\u00e4rme aus Luft, Erde und Wasser genutzt werden \u2013 aber auch Biomasse und Fernw\u00e4rme aus fossilfreien Energietr\u00e4gern. Trotz begrenzter Verf\u00fcgbarkeit: Auch Biogas spielt eine Rolle in der zuk\u00fcnftigen Energieversorgung.<\/p>\n<p>Bei Geb\u00e4uden k\u00f6nnten bauliche Ma\u00dfnahmen den Energiebedarf um fast ein Drittel reduzieren. Die Studienautoren empfehlen die hochwertige Sanierung des Geb\u00e4udebestands und h\u00f6chste Qualit\u00e4tsstandards im Neubau, wie etwa <em>Passivhausstandard<\/em>.<\/p>\n<p>In der Mobilit\u00e4t biete der Wechsel von Verbrennungsmotoren auf Elektromobilit\u00e4t die Chance, den Energiebedarf um fast 70 Prozent zu senken.<\/p>\n<p>Die geringsten Einsparungen sehen die Studienautoren in der Industrie, wo der Umstieg auf Strom und eine fossilfreie Energieversorgung eine sehr gro\u00dfe Herausforderung darstellt.<\/p>\n<h3>Politisch umsetzbar: Das Energiemix-Szenario<\/h3>\n<p>Am ehesten politisch umsetzbar sei das Energiemix-Szenario, in dem die fossilfreie Energieversorgung ma\u00dfgeblich von Strom und Umweltw\u00e4rme gestellt wird &#8211; unterst\u00fctzt von Wasserstoff und Methan. Wobei der Einsatz von Strom in der Industrie prozessbedingt nicht durchgehend m\u00f6glich sein werde.<\/p>\n<p>Auch der E-Mobilit\u00e4t sind Grenzen gesetzt, selbst wenn Autobahnen f\u00fcr den G\u00fcter- und Personenfernverkehr mit Oberleitungen elektrifiziert werden k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Problematisch bleibt der Flugverkehr. Selbst wenn diese zuk\u00fcnftig aus erneuerbarem Strom und CO<sub>2<\/sub> aus der Atmosph\u00e4re gewonnen werden &#8211; fl\u00fcssige Treibstoffe d\u00fcrften noch lange unverzichtbar zu sein.<\/p>\n<h3>Mitarbeit der Bev\u00f6lkerung<\/h3>\n<p>Neben fossilfreien Energietr\u00e4gern werden auch neue Antriebe und Sharing-Konzepte f\u00fcr Fahrzeuge und neue M\u00f6glichkeiten der Vernetzung im \u00f6ffentlichen Verkehr die Mobilit\u00e4t ver\u00e4ndern. Aspekte, die die Mitarbeit der Bev\u00f6lkerung erfordern.<\/p>\n<blockquote><p>\u201eWenn wir all die uns zur Verf\u00fcgung stehenden erneuerbaren Energien n\u00fctzen und gleichzeitig alle Effizienzma\u00dfnahmen voll aussch\u00f6pfen, dann geht sich die Realisierung der Energieautonomie im Jahr 2050 f\u00fcr Tirol gerade aus\u201c, so Streicher.<\/p><\/blockquote>\n<p>Da Technologien besonders im Geb\u00e4udebereich langlebig sind und das Treibhausgas-Emissionsbudget zur Erreichung des 2 -\u00b0C Klimaziels nur mehr sehr begrenzt ist, m\u00fcsse mit dem Umbau des Energiesystems sofort begonnen werden.<\/p>\n<h3>Diskussionsforum <em>Zukunft Denken<\/em><\/h3>\n<p>Das Projekt wurde im Rahmen des Diskussionsforums <em>Zukunft denken<\/em> im Block <em>Siedlungsraum \u2013 Verkehr \u2013 Energie<\/em> pr\u00e4sentiert. Kuratiert wurde der Themenblock von <a href=\"https:\/\/qe-informatik.uibk.ac.at\/doctors\/ruth-breu\/\">Ruth Breu<\/a>, Leiterin des <a href=\"https:\/\/www.uibk.ac.at\/informatik\/index.html.de\"><em>Instituts f\u00fcr Informatik<\/em><\/a>, <a href=\"https:\/\/www.uibk.ac.at\/verkehrssysteme\/mitarbeiter.html\">Markus Mailer<\/a>, Professor am<a href=\"https:\/\/www.uibk.ac.at\/verkehrssysteme\/\"> <em>Institut f\u00fcr Infrastruktur<\/em><\/a> im Arbeitsbereich <em>Intelligente Verkehrssysteme<\/em> und <a href=\"https:\/\/www.uibk.ac.at\/newsroom\/dossiers\/neue_gesichter\/streicher.html\">Wolfgang Streicher<\/a>, Professor am<a href=\"https:\/\/www.uibk.ac.at\/mti\/index.html.de\"> <em>Institut f\u00fcr Konstruktion und Materialwissenschaft<\/em> <\/a>im Arbeitsbereich <em>Energieeffizientes Bauen<\/em>.<\/p>\n<p><strong>Auch interessant:<\/strong><\/p>\n<p class=\"entry-title\"><a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/modellregion-fuer-die-flexible-steuerung-erneuerbarer-energien\/\">Altdorf in Niederbayern: Modellregion f\u00fcr erneuerbare Energien<\/a><\/p>\n<p class=\"entry-title\"><a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/mit-einer-wanderhilfe-fuer-fische-oekostrom-erzeugen\/\">Mit einer Wanderhilfe f\u00fcr Fische \u00d6kostrom erzeugen<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Vision der Energie-Autonomit\u00e4t bis 2050 fordert eine langfristige Planung: die Wende steht vor dem Hintergrund eines steigenden Energiebedarfs. 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