{"id":211376,"date":"2020-03-04T09:26:39","date_gmt":"2020-03-04T08:26:39","guid":{"rendered":"https:\/\/innovationorigins.com\/?p=211376"},"modified":"2020-03-04T09:26:39","modified_gmt":"2020-03-04T08:26:39","slug":"corona-epidemie-nachverfolgung-kontaktpersonen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/de\/corona-epidemie-nachverfolgung-kontaktpersonen\/","title":{"rendered":"Kann eine Nachverfolgung von Kontaktpersonen die Corona-Epidemie stoppen?"},"content":{"rendered":"<p>Das Corona-Virus und seine immer weitere Verbreitung wirken sich mehr und mehr auf das Leben in Deutschland und Europa aus. Menschen geben sich nicht mehr die Hand oder igeln sich sogar zuhause ein, wer niest oder sich r\u00e4uspert, wird schief angeschaut, in Superm\u00e4rkten steht man zum Teil vor leeren Regalen, Firmen schicken ihre Angestellten nach Hause, Veranstaltungen werden abgesagt und so weiter. Das Virus bestimmt das Leben und niemand kann sagen, wie sich die Situation weiterentwickeln wird.<\/p>\n<p>Christian Drosten, Virologe und Direktor des Instituts f\u00fcr Virologie der <a href=\"https:\/\/www.charite.de\/en\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Berliner Charit\u00e9<\/a>, geht davon aus, dass sich ca. 60 bis 70 Prozent der Deutschen infizieren werden. \u201eDas kann durchaus zwei Jahre dauern oder sogar noch l\u00e4nger\u201c, wird der Mediziner von <em>Bild<\/em> zitiert. Das w\u00e4ren etwa 50 bis 60 Millionen Menschen. K\u00f6nnte aber eine intensive Nachverfolgung von Kontaktpersonen von Erkrankten, eine Pandemie verhindern? Ja, sagen britische Mathematiker. In <a href=\"https:\/\/www.thelancet.com\/journals\/langlo\/home\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><em>Lancet Global Health<\/em><\/a> ver\u00f6ffentlichten Modellrechnungen zeigen sie, dass dies kein aussichtsloses Unterfangen w\u00e4re. Unter gewissen Voraussetzungen k\u00f6nnte die Corona-Epidemie innerhalb von 3 Monaten gestoppt werden.<\/p>\n<p>Bei Krankheiten wie offener Lungentuberkulose sind Kontaktuntersuchung und Fallisolierung schon lange bew\u00e4hrte Methoden, um kleinere Krankheitsausbr\u00fcche zu stoppen. Ob diese Ma\u00dfnahmen auch bei COVID-19 greifen w\u00fcrden, h\u00e4ngt nach Ansicht einer Projektgruppe an der London School of Hygiene &amp; Tropical Medicine um die Epidemiologin Rosalind Eggo vor allem von 2 Faktoren ab. Ein Faktor sei die \u201eBasisreproduktionszahl R0\u201c, d.h. die Zahl der Menschen, die ein Infizierter ansteckt. \u201eLiegt die R0 bei unter 1, sinkt die Zahl der Erkrankten und die Epidemie findet ein allm\u00e4hliches Ende.\u201c Wie das <a href=\"https:\/\/www.aerzteblatt.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><em>Deutsche \u00c4rzteblatt<\/em><\/a> berichtet, war R0 in Wuhan zu Beginn der Corona-Epidemie relativ hoch.<\/p>\n<h3>Unsicherheitsfaktor Kranke ohne Symptome<\/h3>\n<p>\u201eLiegt der anf\u00e4ngliche R0-Wert bei 3,5, ist eine Pandemie kaum noch zu verhindern\u201c schreibt Eggo. Dann sei ein Ausbruch im Prinzip nur zu stoppen, wenn es gelinge, mehr als 90 % der Kontakte zu identifizieren und unter Quarant\u00e4ne zu stellen. Bei einem R0-Wert von 2,5 m\u00fcssten mehr als 70 % der Kontakte gefunden und isoliert werden. Bei einem R0-Wert von 1,5 k\u00f6nnte die Epidemie bereits gestoppt werden, nachdem 50 % der Kontakte identifiziert wurden.<\/p>\n<p>Als zweiten wesentlichen Faktor nennen die Wissenschaftler den Anteil der Infektionen, die sich vor Ausbruch der Symptome ereignen. \u201eIdeal w\u00e4re es, wenn es keine asymptomatischen \u00dcbertragungen g\u00e4be. Dies ist bei dem SARS-CoV-2 offenbar nicht der Fall.\u201c Derzeit gehen Forscher davon aus, dass 15 % der Menschen, die infiziert werden, noch keine Symptome haben. In diesem Fall seien die Chancen auf ein Ende der Epidemie laut den Berechnungen von Eggo mit 90 % oder mehr sehr hoch. Allerdings tr\u00e4fe das nur zu, wenn die anf\u00e4ngliche R0 bei 2,5 liege und mindestens 80 % der F\u00e4lle gefunden und isoliert werden k\u00f6nnten. Nat\u00fcrlich d\u00fcrfe bei der Kontaktsuche nicht zu viel Zeit vergehen. Ein gro\u00dfer Unsicherheitsfaktor seien jedoch auch Menschen, die zwar infiziert und somit \u00dcbertr\u00e4ger sind, bei denen die Krankheit aber nie ausbricht und somit unerkannt bleibt.<\/p>\n<p>Kontaktuntersuchungen sind indes sehr aufwendig: Hatte ein Erkrankter Kontakt mit 20 Personen, m\u00fcssen bei 100 F\u00e4llen bereits 2.000 Kontaktuntersuchungen durchgef\u00fchrt werden. Sollte die Zahl der Erkrankungen weiter zunehmen \u2013 wovon derzeit auszugehen ist \u2013 k\u00e4me das Gesundheitssystem sehr schnell an seine Grenzen.<br \/>\nDeshalb ist Eggo auch eher pessimistisch.<\/p>\n<p>\u201eIn den meisten plausiblen Ausbruchszenarien reichen Fallisolierung und Kontaktverfolgung allein nicht aus, um Ausbr\u00fcche zu kontrollieren\u201c, schreibt sie. Zwar k\u00f6nnte eine effektive Kontaktverfolgung und -isolierung dazu beitragen, \u201edas Ausma\u00df eines Ausbruchs zu verringern oder ihn \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum unter Kontrolle zu bringen.\u201c Andererseits w\u00fcrde selbst eine nahezu perfekte Kontaktverfolgung in einigen Szenarien nicht ausreichen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Corona-Virus und seine immer weitere Verbreitung wirken sich mehr und mehr auf das Leben in Deutschland und Europa aus. 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