{"id":210698,"date":"2020-02-26T16:15:40","date_gmt":"2020-02-26T15:15:40","guid":{"rendered":"https:\/\/innovationorigins.com\/?p=210698"},"modified":"2020-02-26T16:15:40","modified_gmt":"2020-02-26T15:15:40","slug":"satellitendaten-zeigen-meeresstroemungen-verschieben-sich-zu-nord-und-suedpol","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/de\/satellitendaten-zeigen-meeresstroemungen-verschieben-sich-zu-nord-und-suedpol\/","title":{"rendered":"Satellitendaten zeigen: Meeresstr\u00f6mungen verschieben sich zu Nord- und S\u00fcdpol"},"content":{"rendered":"<p>Der Einfluss der Erderw\u00e4rmung auf den Wasserspiegel der Weltmeere ist unbestritten. Wissenschaftler des <a href=\"https:\/\/www.awi.de\/en.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Alfred-Wegener-Institutes, Helmholtz-Zentrum f\u00fcr Polar- und Meeresfoschung (AWI)<\/a> haben nun Beweise daf\u00fcr gefunden, dass sich die gro\u00dfen, windgetriebenen Str\u00f6mungssysteme der Ozeane in den vergangenen 40 Jahren mit hohem Tempo in Richtung der Pole verschoben haben. Das zeigen die Ergebnisse von Auswertungen globaler Langzeit-Satellitendaten zur Meeresoberfl\u00e4chentemperatur und zur H\u00f6he des Meeresspiegels.<\/p>\n<p>Das Wasser in den acht gro\u00dfen, windgetriebenen Meeresstr\u00f6mungen der Erde, den sogenannten Ocean Gyres, bewegt sich vereinfacht gesagt im Kreis. Drei dieser Wirbel gibt es im Atlantik, drei im Pazifik und jeweils einen im Indischen sowie im S\u00fcdlichen Ozean. Diese rotierenden Str\u00f6mungssysteme sind zum gro\u00dfen Teil f\u00fcr das Wetter und das marine Leben in den K\u00fcstenregionen verantwortlich. So transportieren die f\u00fcnf subtropischen Ozeanwirbel an ihrem westlichen Rand, wie dem Golfstrom, W\u00e4rme und Feuchtigkeit aus den Tropen in die mittleren und h\u00f6heren Breiten. Dadurch beeinflussen sie die lokalen Lufttemperaturen und Niederschl\u00e4ge. An ihrem \u00f6stlichen Rand, wie dem Kanarenstrom, steigt dagegen n\u00e4hrstoffreiches Wasser aus der Tiefe auf. Dort leben Algen, Kleinstlebewesen und Fische in riesigen Mengen. Deshalb werden diese Gebiete auch als Speisekammern der Ozeane bezeichnet.<\/p>\n<p>Ozeanografische Langzeitmessungen dieser Ozeanwirbel waren bisher aus Kostengr\u00fcnden nicht m\u00f6glich. Den Forscher des AWI ist es nun aber gelungen, diese \u00dcberwachung mittels einer Analyse von Langzeit-Satellitendaten durchzuf\u00fchren. Dabei konnten sie anhand von Temperatur- und H\u00f6henunterschieden die Lage der gro\u00dfen Str\u00f6mungssysteme und ihre r\u00e4umliche Ausdehnung rekonstruieren. \u201eBeim Vergleich der Daten zeigte sich dann, dass sich in den zur\u00fcckliegenden 40 Jahren alle acht gro\u00dfen windgetriebenen Oberfl\u00e4chenstr\u00f6mungssysteme polw\u00e4rts verschoben haben\u201c, sagt Erstautor und AWI-Ozeanograph Hu Yang.<\/p>\n<p>Die Ergebnisse zeigten, dass sich die Grenzen der sogenannten Ozeanwirbel und ihrer wichtigen Randstr\u00f6me sowohl auf der Nordhalbkugel als auch auf der S\u00fcdhalbkugel um 800 Meter pro Jahr in Richtung des jeweiligen Pols verschieben. Ausl\u00f6ser der Verschiebung dieser Wassermassen ist laut Berechnungen mit einem neuen AWI-Klimamodell zum gr\u00f6\u00dften Teil die Erderw\u00e4rmung. Die Auswirkungen sind ein Anstieg des Meeresspiegels, die Abwanderung von Arten und, dass sich Sturmgebiete geographisch verlagern.<\/p>\n<p><strong>Simulationen zeigen Einfluss der Erderw\u00e4rmung<\/strong><\/p>\n<p>\u201eAuf der S\u00fcdhalbkugel sind diese Ver\u00e4nderungen besonders deutlich zu sehen\u201c, erkl\u00e4rt Hu Yang. \u201eAuf der Nordhalbkugel dagegen beeinflussen Faktoren wie die Lage der Kontinente und die Meereisentwicklung in der Arktis den Str\u00f6mungsverlauf, sodass wir hier starke nat\u00fcrliche Schwankungen sahen, die uns motivierten, herauszufinden, welche Prozesse in welchem Ausma\u00df diese Verlagerung antreiben.\u201c<\/p>\n<p>Die Forscher simulierten die Entwicklung der Str\u00f6mungssysteme unter anderem mit dem neuen AWI-Klimamodell. Dabei entsprachen die Ausgangsbedingungen der ersten Berechnungen einer Welt mit einem Kohlendioxidgehalt wie im Jahr 1850, vor Beginn der Industrialisierung. Nach einer stetigen Steigerung des Kohlendioxidgehalts in der Erdatmosph\u00e4re bis auf das doppelte Niveau konnten sie den m\u00f6glichen Str\u00f6mungsverlauf f\u00fcr unterschiedliche klimatische Ausgangsbedingungen berechnen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_210696\" aria-describedby=\"caption-attachment-210696\" style=\"width: 600px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-210696\" src=\"https:\/\/archive.ioplus.nl\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/csm_new_fig_272b418d26-600x292.gif\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"292\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-210696\" class=\"wp-caption-text\">Schematische Darstellung der gro\u00dfen windgetriebenen Ozeanzirkulation (schwarze Pfeile) und ihrer Bewegung (wei\u00dfe Pfeile) unter globaler Erw\u00e4rmung. (Foto: yanghu, Alfred-Wegener-Institut)<\/figcaption><\/figure>\n<p>\u201eUnsere Berechnungen f\u00fcr eine Welt mit hohen Kohlendioxidwerten ergeben dieselben Trends wie wir sie in den Satellitendaten sehen\u201c, betont Mitautor und AWI-Klimamodellierer Prof. Gerrit Lohmann. \u201e\u00c4hnliche Ver\u00e4nderungen sehen wir auch in unseren Analysen mit anderen weltweit verf\u00fcgbaren Modell\u00e4ufen. Wir k\u00f6nnen somit zeigen, dass die Erderw\u00e4rmung ein ma\u00dfgeblicher Motor dieser Str\u00f6mungsverlagerung ist.\u201c<\/p>\n<p>Au\u00dferdem w\u00fcrden die Klimasimulationen Hinweise darauf geben, welche Prozesse im Zusammenspiel von Ozean und Atmosph\u00e4re die Verschiebung der Ozeanwirbel verursachen, sagt Lohmann. \u201eWir sehen sowohl in verschiedenen Beobachtungsdaten als auch in unseren Modell\u00e4ufen, dass sich die Winde, welche die Meeresstr\u00f6mungen antreiben, polw\u00e4rts verlagern. Wie die einzelnen Bausteine des Klimasystems jedoch zusammenwirken, untersuchen wir derzeit in Folgeprojekten.\u201c<\/p>\n<p><strong>Weitreichende Folgen f\u00fcr Mensch und Umwelt<\/strong><\/p>\n<p>Bereits im Rahmen fr\u00fcherer Studien haben Wissenschaftler erkannt, dass sich vor allem die \u00f6stlichen und westlichen Randstr\u00f6me der gro\u00dfen Ozeanwirbel polw\u00e4rts verlagern. Demnach belegen Klimadaten, dass zum Beispiel der Agulhasstrom w\u00e4hrend der letzten Eiszeit sieben Breitengerade dichter am \u00c4quator lag als heute. Um genau herauszufinden, wie schnell diese Verschiebungen k\u00fcnftig vor sich gehen werden, m\u00fcssten nach Aussagen der Forscher Langzeit-Satellitendaten und historische Klimadaten zur Wassertemperatur in den Randbereichen der Meeresstr\u00f6mungen miteinander kombiniert werden.<\/p>\n<p>Fest stehe allerdings schon heute, dass die Verschiebung der gro\u00dfen Str\u00f6mungssysteme weitreichende Folgen f\u00fcr Mensch und Umwelt habe. \u201eMit den westlichen Randstr\u00f6men verschieben sich zum Beispiel die Pfade der Winterst\u00fcrme und des Jetstream. In den Randbereichen der \u00f6stlichen Randstr\u00f6me beobachten wir, dass die reichhaltigen \u00d6kosysteme schrumpfen, weil sich durch die Str\u00f6mungsverlagerung die Lebensbedingungen f\u00fcr die Meeresbewohner zu schnell \u00e4ndern\u201c, erl\u00e4utert Hu Yang.<\/p>\n<p>So gabe bisher bereits entscheidende Temperaturver\u00e4nderungen unter anderem im Golf von Maine durch eine Verlagerung des Golfstroms. Die fr\u00fcher umfangreichen Kabeljaubest\u00e4nde sind aufgrund dieser ver\u00e4nderten Umweltbedingungen abgewandert. Vor der Ostk\u00fcste Uruguays und Argentiniens verschiebt sich der Brasilstrom allm\u00e4hlich Richtung S\u00fcden. Dar\u00fcber hinaus steigt der Meeresspiegel in den Gebieten \u00fcberdurchschnittlich an, in denen Randstr\u00f6me in h\u00f6here Breiten vorsto\u00dfen, wie an der Nordostk\u00fcste Nordamerikas. Da die Verlagerung der gro\u00dfen subtropischen Ozeanwirbel dazu f\u00fchrt, dass sich die n\u00e4hrstoffarmen Meeresregionen ausweiten und die Produktivit\u00e4t der Weltmeere insgesamt abnimmt, bef\u00fcrchten die Wissenschaftler, dass die Verlagerung der gro\u00dfen Str\u00f6mungsringe der Anfang eines grundlegenden Wandels der Weltmeere darstellen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Die Studie, der Satellitendaten von 1982 bis 2018 f\u00fcr die Meeresoberfl\u00e4chentemperatur und von 1992 bis 2018 f\u00fcr die H\u00f6he der Meeresoberfl\u00e4che zugrunde lagen, wurde im Fachmagazin Geophysical Research Letters ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Einfluss der Erderw\u00e4rmung auf den Wasserspiegel der Weltmeere ist unbestritten. 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