{"id":209892,"date":"2020-02-20T13:46:09","date_gmt":"2020-02-20T12:46:09","guid":{"rendered":"https:\/\/innovationorigins.com\/?p=209892"},"modified":"2020-02-20T13:46:09","modified_gmt":"2020-02-20T12:46:09","slug":"eblocker-geschaeftsfuehrer-raet-gruendern-vertraut-keinem-investor","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/de\/eblocker-geschaeftsfuehrer-raet-gruendern-vertraut-keinem-investor\/","title":{"rendered":"eBlocker-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer r\u00e4t Gr\u00fcndern: \u201eVertraut keinem Investor\u201d"},"content":{"rendered":"<p>Vor einem Jahr bekam das Hamburger Start-up <a href=\"https:\/\/eblocker.org\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">eBlocker<\/a> den begehrten Preis der <a href=\"https:\/\/www.smarthome-deutschland.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Smart Home Initiative<\/a>. Noch am selben Tag war das Schicksal von eBlocker im Grunde schon besiegelt. Ein potentieller gro\u00dfer, strategischer Partner zog seine Zusage zur\u00fcck. Die Insolvenz war unausweichlich.<\/p>\n<p>Christian Bennefeld und sein Gesch\u00e4ftspartner Boris Prinz hatten gemeinsam mit ihren Mitarbeitern ein Produkt entwickelt, das die Privatsph\u00e4re von Usern beim Surfen sch\u00fctzt. Das Ger\u00e4t sch\u00fctzte PCs, Tablets, Smart-TV, Spielekonsolen und IoT-Ger\u00e4te im Heimnetzwerk vor Malware und Tracking, also davor, ausspioniert zu werden. Nun ist eBlocker zur\u00fcck.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/investor-dringend-gesucht-praemiertes-start-up-eblocker-vor-firmenaufloesung\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Mehr \u00fcber die gescheiterte Investitionsrunde von eBlocker lesen Sie hier.<\/a><\/p>\n<p>Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Christian Bennefeld erz\u00e4hlt im Interview, wie es zur Insolvenz kam, wie er es geschafft hat, eBlocker wieder auferstehen zu lassen und, was er aus der Insolvenz gelernt hat.<\/p>\n<h3>Warum haben Sie keine L\u00f6sung in der Insolvenzphase gefunden?<\/h3>\n<p>Es war einfach eine Frage der Zeit. Wir waren mit verschiedenen Partnern im Gespr\u00e4ch, auch mit Investoren. Es ist aber schwierig, sobald man als Start-up einmal Insolvenz angemeldet hat. Mit unserem markreifen Produkt hatten wir mehrere 10.000 von Kunden, einen sechsstelligen Monatsumsatz und waren mit den Ums\u00e4tzen auch grob im Plan.<\/p>\n<p>Mit einem Partner waren wir schon so weit, das alles bereits sicher schien. Eine halbe Stunde, bevor wir den SmartHome Preis bekommen haben, hat dieser Partner abgesagt. Der Grund war, aus meiner Sicht, dass er vom Insolvenzverwalter aufgefordert wurde, eine Zahlung in f\u00fcnfstelliger H\u00f6he zu leisten. Nat\u00fcrlich macht das kein Unternehmen, nur zur Fortsetzung von Verhandlungen, solange noch gar nicht sicher ist, was dabei herauskommt. Und da Vertr\u00e4ge zu verhandeln eine gewisse Zeit dauert, w\u00e4re dann nach vier Wochen die gleiche Summe wieder f\u00e4llig gewesen. Uns fehlte also schlichtweg die Zeit, Verhandlungen im Rahmen des Insolvenzverfahrens zu einem positiven Ergebnis zu f\u00fchren.<\/p>\n<h3>Und wie ging es dann weiter bis zur Wiederauferstehung?<\/h3>\n<p>Wir wollten f\u00fcr unsere Kunden die Technologie bis August noch soweit entwickeln, dass die Nutzer keinen Schaden erleiden und und eBlocker mit kostenlosen Filtern weiterf\u00fchren k\u00f6nnen. Das war auch mit dem Insolvenzverwalter abgesprochen. Letztendlich mussten wir dann aber innerhalb von 14 Tagen alles ger\u00e4umt haben und konnten am Produkt nicht weiterarbeiten. Wir haben die Technologie trotzdem weiter entwickelt, ohne dass wir daf\u00fcr bezahlt wurden.<\/p>\n<p>Bei der Verhandlung vor dem Insolvenzgericht haben wir (Bennefeld und Prinz, d. Red.) und paar unserer 20 fr\u00fcheren Kollegen ein Angebot gemacht, die Software weiterzuf\u00fchren, unter der Pr\u00e4misse, dass sie kostenlos sein wird. Wir machen daraus ein Non-Profit-Unternehmen und wollen damit kein Geld verdienen. Daf\u00fcr sind wir aber auch nicht bereit, gro\u00dfe Summen auszugeben, um dem Insolvenzverwalter die Technologie abzukaufen. Wir haben also den ber\u00fchmten Euro geboten. Die Gl\u00e4ubigerversammlung, der er Insolvenzverwalter und das Gericht haben dem Vorschlag dann zugestimmt. Am 23. Dezember haben wir den Vertrag mit dem Insolvenzverwalter unterschrieben und noch am selben Tag eine Spendenaktion unter den E-Mail-Adressaten unseres Newsletters gestartet. Dieses initiale Fundraising ging \u00fcber 6.000 Euro, die wir innerhalb von 23 Stunden zusammen bekamen. Es hat mich wirklich pers\u00f6nlich sehr ber\u00fchrt, dass die Nutzer auch so viel Lob f\u00fcr uns hatten.<\/p>\n<figure id=\"attachment_209891\" aria-describedby=\"caption-attachment-209891\" style=\"width: 400px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-209891\" src=\"https:\/\/archive.ioplus.nl\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/Christian_Bennefeld_500x500_Portrait.jpg\" alt=\"\" width=\"400\" height=\"400\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-209891\" class=\"wp-caption-text\">eBlocker-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Christian Bennefeld \u00a9 eBlocker<\/figcaption><\/figure>\n<h3>War das auch der Grund, aus dem Sie weitergemacht haben? Aus Idealismus und, um anderen zu helfen?<\/h3>\n<p>Ja. Uns geht es nicht um Geld. Wir glauben an den Schutz der Privatsph\u00e4re. Das ist uns wichtig. Wir glauben, dass es wichtig ist, einen gesellschaftlichen Beitrag zu leisten. Wir wollten eBlocker nicht sterben lassen. Das war die eigentliche Motivation. Wir haben alle andere Jobs und verdienen alle anderweitig unser Geld.<\/p>\n<h3>Damit ich das jetzt richtig verstehe. Sie wurden also mehr oder weniger durch die Insolvenz dazu gezwungen, eBlocker als Open Source und kostenlos anzubieten?<\/h3>\n<p>Nein, gar nicht. Wir hatten die Idee schon vorher gehabt, konnten aber keine Investoren daf\u00fcr begeistern. Aber wenn man nicht auf Kommerz aus ist, ist das eine tolle Sache und der Erfolg den wir im Moment haben, zeigt auch, dass es funktioniert.<\/p>\n<h3>Das hei\u00dft, die Resonanz auf das neue, kostenfreie Modell ist gut?<\/h3>\n<p>Ja, sehr gut. Fr\u00fcher haben wir den eBlocker als Plug-and-Play-Hardware produziert und verkauft. Dazu mussten wir aber die Hardware vorfinanzieren und das war ein gro\u00dfer Teil des Finanzbedarfs. Heute kann sich der Nutzer selbst einen Rasberry Pi (Einplatinencomputer), kaufen, der quasi auch im Plug &amp; Play-eBlocker steckte. Dazu eine SD-Karte und ein Netzteil. Man bespielt nur die SD-Karte mit unserer Software und steckt sie rein. Mehr braucht man nicht und hat seinen eigenen eBlocker zu Hause.<\/p>\n<p>Die Weiterentwicklung als Open Source geschieht gemeinsam mit der Community. Wir machen alle Kosten komplett transparent. Die Idee ist, laufend Spendenkampagnen zu haben, bei denen die Nutzer individuell f\u00fcr die Dinge spenden k\u00f6nnen, die ihnen wichtig sind. Und wenn gen\u00fcgend Spenden f\u00fcr das jeweilige Spendenziel zusammenkommen, k\u00f6nnen wir das entsprechend umsetzen.<\/p>\n<h3>Somit ist Ihr gesamtes Unternehmen also ist im Prinzip auf Idealismus aufgebaut?<\/h3>\n<p>Absolut. Wir haben keine Angestellten. Wir sind nicht profitorientiert und wir investieren eben kostenlos sehr viel Zeit. Die Ziele, f\u00fcr die unsere Nutzer bisher gespendet haben, haben wir auch bereits umgesetzt. Wir machen das, weil wir daran glauben, dass Datenschutz wichtig ist und, weil wir die Nutzer sch\u00fctzen wollen. Nicht, weil wir Geld verdienen wollen.<\/p>\n<p>Ich wei\u00df, was da drau\u00dfen bei den Datengiganten los ist, und das macht mir gro\u00dfe Angst. Ich glaube, dass wir, die wir wissen, welche Gefahren bestehen, auch eingeladen sind, uns dagegen zu wehren, sowohl auf der rechtlichen und gesellschaftlichen als auch auf der technischen Seite. Ich k\u00e4mpfe auf beiden Seiten f\u00fcr den Datenschutz und ich m\u00f6chte nicht aus diesem Leben gehen, ohne meinen Beitrag dazu geleistet zu haben, dass wir B\u00fcrger besser vor den \u00dcbergriffen der M\u00e4chtigen auf unsere Daten gesch\u00fctzt werden.<\/p>\n<div style=\"width: 640px;\" class=\"wp-video\"><video class=\"wp-video-shortcode\" id=\"video-209892-1\" width=\"640\" height=\"360\" preload=\"metadata\" controls=\"controls\"><source type=\"video\/mp4\" src=\"https:\/\/eblocker.org\/app\/uploads\/2019\/12\/ndr-eblocker_gegen_das_ausspionieren_von_onlinediensten-13-10-2016_ftp.mp4?_=1\" \/><a href=\"https:\/\/eblocker.org\/app\/uploads\/2019\/12\/ndr-eblocker_gegen_das_ausspionieren_von_onlinediensten-13-10-2016_ftp.mp4\">https:\/\/eblocker.org\/app\/uploads\/2019\/12\/ndr-eblocker_gegen_das_ausspionieren_von_onlinediensten-13-10-2016_ftp.mp4<\/a><\/video><\/div>\n<p><em><strong>NDR-Beitrag<\/strong>: Was das Internet \u00fcber dich wei\u00df\u2026\u00a0<\/em><\/p>\n<h3>Was haben Sie also aus der Insolvenz gelernt?<\/h3>\n<p>Ein gro\u00dfer Fehler, den ich gemacht habe, war, einem Investor zu vertrauen, den ich seit 15 Jahren kenne. Heute sage ich: Traue keinem Investor, selbst wenn man ihn noch so lange kennt. Zwei Wochen vor dem geplanten Notartermin hat er diesen aus recht fadenscheinigen Gr\u00fcnden abgesagt und uns damit in diese Situation gebracht.<\/p>\n<h3>Das w\u00e4re also Ihr wichtigster Ratschlag f\u00fcr potentielle Gr\u00fcnder? Traue keinem Investor?<\/h3>\n<p>Ja erstens das und zweitens, baue nie eine Finanzierungsrunde nur auf einen Investor auf, auch wenn der dies w\u00fcnscht. Ich kannte gen\u00fcgend Leute, die alle investieren wollten und habe ihnen daher abgesagt. Man muss sich immer im Hintergrund weitere M\u00f6glichkeiten warm halten, falls doch etwas schief geht, auf die man noch einmal zu gehen kann.<\/p>\n<p>Der zweite gro\u00dfe Fehler war: Wann melde ich eine Insolvenz an? Man hat ja einen gewissen Handlungsspielraum. Und ich kann nur sagen: Liebe Startups, wenn ihr Insolvenz anmelden m\u00fcsst, macht es rechtzeitig, denn es gelten andere Regeln. Wir hatten noch fast 300.000 \u20ac auf dem Konto und konnten die n\u00e4chsten drei Monate noch alles gut bezahlen. Jedoch waren wir gerade erst in einen gro\u00dfen Mietvertrag eingestiegen und, da alle Dauerschuldverh\u00e4ltnisse wie Leasingvertr\u00e4ge, Telefonvertr\u00e4ge, Server Hosting bei einer insolvenzrechtlichen Betrachtung \u00fcber die Laufzeit aufsaldiert werden, hie\u00df das, bei uns wurde die Miete wurde \u00fcber 5 Jahre aufsaldiert und in die Bilanz eingerechnet. Das f\u00fchrte zur \u00dcberschuldung und zwang zur Anmeldung. W\u00e4ren wir noch in der alten Mietung gewesen, h\u00e4tten wir keine Insolvenz anmelden m\u00fcssen. Der zeitliche Fehler war, dass wir am 19. Februar angemeldet haben. Und, da man nur drei Kalendermonate zum Monatsresten Zeit hat, um vielleicht doch noch einen Investor zu gewinnen, haben wir zu viel Zeit verschenkt. Ich w\u00fcrde daher jedem raten, am Ersten des Monats anzumelden, nicht erst mitten im Monat oder gar am Ende.<\/p>\n<p>Der dritte Punkt ist, sich gleich professionelle Hilfe durch einen M&amp;A-Berater (Mergers &amp; Acquisitions) zu holen. Das haben wir zu sp\u00e4t getan. Nachdem wir erst selbst versucht haben, Partner und Investoren zu finden. Als wir uns Ende M\u00e4rz professionelle Hilfe gesucht haben, war nat\u00fcrlich auch viel Zeit vergangen. Ich kann deshalb nur sagen, holt euch gleich professionelle Hilfe eines Beraters, der euch bei der Investorensuche hilft. Versucht es nicht, es alleine zu machen.<\/p>\n<h3>Zu welcher Art Investoren w\u00fcrden Sie einem Start-up \u00fcberhaupt raten? Gro\u00dfen, kleinen, \u00f6ffentlichen?<\/h3>\n<p>Ich habe die Seed-Phase mit einem siebenstelligen Betrag selbst finanziert. Um Profis an Bord zu holen, habe ich den High Tech Gr\u00fcnderfonds (HTGF) aus Bonn und die IFB Innovationsstarter Hamburg, also zwei \u00f6ffentliche Fonds gewonnen. Au\u00dferdem hatte ich noch drei weitere Business Angels dabei. Womit ich aber nicht gerechnet habe \u2013 und ich will da jetzt nicht draufhauen \u2013 dass die \u00f6ffentlichen Investoren gar kein Interesse daran haben, Hilfestellung zu leisten. Die sind so gefangen in ihrer B\u00fcrokratie, sie haken ihre Checklisten ab und lassen die Unternehmen im Wesentlichen alleine. Als der Investor abgesagt hat, haben wir sofort eine Gesellschafterversammlung einberufen und gefragt, ob sie nachfinanzieren k\u00f6nnen. Die \u00f6ffentlichen sind da aber so beh\u00e4big, dass sie sagten, \u201ader n\u00e4chste Investitionsausschuss tagt erst Ende M\u00e4rz. Das schaffen wir nicht.\u2018 Wer also Profis dabei haben will, der soll sich auch echte Profis holen wie VCs (Venture Capital Geber) und keine \u00f6ffentlichen Investoren. Vielleicht nur einen, aber nicht so, wie bei uns, zwei gro\u00dfe \u00f6ffentliche und drei kleine, die nicht weiter investieren konnten.<\/p>\n<h3>Und haben Sie auch noch einen abschlie\u00dfenden Rat, falls eine Insolvenz doch unausweichlich ist?<\/h3>\n<p>Ja, und da haben wir alles richtig gemacht. Stellt euch gut mit dem Insolvenzverwalter. \u00dcbt eine hohe Transparenz und arbeitet mit ihm zusammen anstatt mit ihm auf Konfrontation zu gehen. Unser Insolvenzverwalter hat uns sehr geholfen und hat sich enorm f\u00fcr uns eingesetzt. Der Insolvenzverwalter ist nicht der Feind. Wenn man es richtig anfasst, ist er der Freund und man tut gut daran, diese Freundschaft auch zu pflegen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor einem Jahr bekam das Hamburger Start-up eBlocker den begehrten Preis der Smart Home Initiative. Noch am selben Tag war das Schicksal von eBlocker im Grunde schon besiegelt. 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