{"id":207133,"date":"2020-02-04T13:30:00","date_gmt":"2020-02-04T12:30:00","guid":{"rendered":"https:\/\/innovationorigins.com\/?p=207133"},"modified":"2020-02-04T13:30:00","modified_gmt":"2020-02-04T12:30:00","slug":"computermodell-liefert-daten-fuer-wirklich-nachhaltige-strategien-fuer-die-umwelt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/de\/computermodell-liefert-daten-fuer-wirklich-nachhaltige-strategien-fuer-die-umwelt\/","title":{"rendered":"Computermodell liefert Daten f\u00fcr wirklich nachhaltige Strategien f\u00fcr die Umwelt"},"content":{"rendered":"<p>Die <em>Europ\u00e4ische Union<\/em> strebt die Bio\u00f6konomie an und m\u00f6chte von fossilen auf erneuerbare Quellen umsteigen. Betroffen sind sowohl Produktionsprozesse als auch Energieerzeugung. Diese Umstellung in Europa wird weltweit Folgen haben &#8211; etwa hinsichtlich des Land- und Wasserverbrauchs.<\/p>\n<p>Forschende um Stefan Giljum an der <em>Wirtschaftsuniversit\u00e4t Wien<\/em> m\u00f6chten die Entscheidungen, die diese Umstellung erfordert, auf eine solide Datenbasis stellen. Sie bauen ein Computermodell, um belastbare Daten und Modelle zur Minimierung von Treibhausgasen und Umweltverschmutzung zu gewinnen. Diese Daten sollen Konsumierenden, einzelnen Unternehmen, ganze Branchen und politischen Entscheidern zu wirklich nachhaltigen Entscheidungen verhelfen.<\/p>\n<h3>Konsum und seine Folgen auf die Umwelt<\/h3>\n<p>Aktuell gibt es noch viele L\u00fccken im Verst\u00e4ndnis der mitunter sehr komplexen weltweiten Produktionsketten. Oft wissen wir nicht, welche Zusammenh\u00e4nge zwischen unserem Konsum und den Folgen auf die Umwelt in anderen Kontinenten bestehen, etwa bei den Kohlendioxid-Emissionen, dem Verbrauch von Wasser oder der ben\u00f6tigten Anbaufl\u00e4che. Schlie\u00dflich werden die Kohlendioxidemissionen f\u00fcr weltweit gefragte Waren dem Produktionsland angelastet.<\/p>\n<p>Wo, wie und in welcher Menge Maiskolben aus dem Feld gezogen werden, hat im Anbauland Auswirkungen auf Fl\u00e4chennutzung, Umwelt und Gesellschaft. In einem Konsumland wie \u00d6sterreich kommen diese in Form von Popcorn, Tierfutter oder Treibstoff (Bioethanol) an. Hier sind die Auswirkungen des Anbaus nicht zu sp\u00fcren.<\/p>\n<figure id=\"attachment_207134\" aria-describedby=\"caption-attachment-207134\" style=\"width: 600px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-207134 size-medium\" src=\"https:\/\/archive.ioplus.nl\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/237_F_Palm_oil_plantations_ESA_sc-c-Copernicus-Sentinel-data-2019-ESA-CC-BY-SA-3.0-IGO-600x407.png\" alt=\"Computermodell, Umwelt, Konsum, Umweltfolgen\" width=\"600\" height=\"407\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-207134\" class=\"wp-caption-text\">Palm\u00f6l-Plantagen in Indonesien (c) Copernicus Sentinel data (2019), ESA, CC BY-SA 3.0 IGO<\/figcaption><\/figure>\n<p><em><strong>Foto oben:<\/strong> Luftaufnahme von Palm\u00f6l-Plantagen in Indonesien. Die weltweite Produktion des \u00d6ls ist von 4,5 Millionen Tonnen auf 70 Millionen Tonnen zwischen 1980 und 2014 gestiegen. Das Forschungsprojekt zeichnet den globalen Fu\u00dfabdruck einzelner Produktgruppen nach.<\/em><\/p>\n<h3>Das Computermodell<\/h3>\n<p>Eben diese globale Ressourcennutzung ist es, die Giljum und sein Team in ihrem Computermodell visualisieren. Sie bilden die Weltwirtschaft ab, indem sie Materialfl\u00fcsse vom Ursprung bis zum Endverbrauch erfassen. Der Fokus liegt auf dem Einsatz von Biomasse und fossilen Energietr\u00e4gern entlang von globalen Wertsch\u00f6pfungsketten. Das Computermodell soll aufzeigen, wie der Konsum einzelner Produkte &#8211; etwa in Europa &#8211; mit den Umweltfolgen des An- oder Abbaus der Rohstoffe in den Herkunftsl\u00e4ndern zusammenh\u00e4ngt.<\/p>\n<p>Besonders spannend sind die Verzweigungen globaler Materialfl\u00fcsse, die in Richtung Treibstoff, Lebens- und Futtermittel oder Baustoffe gehen, so Giljum:<\/p>\n<ul>\n<li>Mais wird entweder gegessen, gef\u00fcttert oder in Form von Bioethanol getankt.<\/li>\n<li>Holz kann verheizt, verbaut oder chemisch verarbeitet werden.<\/li>\n<li>Zuckerrohr wird zu Treibstoff, Zucker oder Spirituosen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Im Computermodell wird der Ressourcenverbrauch von 190 L\u00e4ndern mit Blick auf konkrete Produktgruppen wie Textilien, Nahrungsmittel oder Energietr\u00e4ger aufgezeigt. Hotspots von intensiven Umweltfolgen werden offensichtlich.<\/p>\n<h3>Datenbeschaffung und -abbildung<\/h3>\n<p>Um die Zusammensetzung der globalen Materialstr\u00f6me aufzuzeigen, verwendet das Team aktuelle Daten etwa von diversen Beh\u00f6rden der <em>Vereinten Nationen<\/em>. Um die Daten zu harmonisieren und in einen konsistenten Rahmen zu bringen, werden geeignete Prozesse entwickelt. Im Computermodell verwandeln sich die Einheiten auf dem Weg vom Ursprung zum Endverbrauch: Aus Energieinhalt und Tonnagen in den ersten Verarbeitungsschritten werden monet\u00e4re Lieferungen zwischen Wirtschaftssektoren und Haushaltsausgaben in den Verbraucherl\u00e4ndern; letztere werden in Euro ausgedr\u00fcckt.<\/p>\n<figure id=\"attachment_207138\" aria-describedby=\"caption-attachment-207138\" style=\"width: 675px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-207138\" src=\"https:\/\/archive.ioplus.nl\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/237_F_c-WU-Wien-600x263.png\" alt=\"Computermodell, Umwelt, Konsum, Umweltfolgen,\" width=\"675\" height=\"296\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-207138\" class=\"wp-caption-text\">Flussdiagramm (c) WU Wien<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: center;\"><em><strong>Foto oben:<\/strong>\u00a0 Das Flussdiagram zeigt die Verbreitung der brasilianischen Sojabohne in der Welt und wie sie genutzt wird. <\/em><\/p>\n<h3>L\u00fcckenhafte Datenlage<\/h3>\n<p>Die Nahrungsmittelproduktion f\u00fcr die <em>Europ\u00e4ische Union<\/em> erfolgt zu etwa 85 Prozent auf Fl\u00e4chen innerhalb der EU. Die Versorgung mit Produkten aus biogenen Rohstoffen wie etwa Treibstoff und Kunststoff wird jedoch zu zwei Dritteln aus Anbaugebieten au\u00dferhalb der EU sichergestellt.<\/p>\n<p>Weniger bekannt ist die Herkunft von Biomasse oder fossilen Energietr\u00e4gern, die derzeit nur auf Ebene aggregierter Wirtschaftssektoren nachvollziehbar ist. Forschungsgruppen weltweit arbeiten daran, detailliertere Modelle zu erstellen, um die Umweltfolgen auch einzelner Produkte besser zu verstehen.<\/p>\n<p>In Kooperation mit Experten vom deutschen <a href=\"https:\/\/wupperinst.org\/\"><em>Wuppertal Institut f\u00fcr Klima, Umwelt, Energie<\/em><\/a> soll ein Computermodell mit m\u00f6glichst pr\u00e4zisen Datenquellen \u00fcber die gesamte Liefer- und Wertsch\u00f6pfungskette von Biomasse und Treibstoffen entstehen. Dieses bietet letztlich Entscheidungshilfen, um Verschwendung, Fl\u00e4chenverbrauch oder klimasch\u00e4dliche Emissionen zu verringern.<\/p>\n<p>Stefan Giljum leitet die Forschungsgruppe <a href=\"https:\/\/www.wu.ac.at\/ecolecon\/institute\/news-events\/details-ecolecon\/detail\/forschungsgruppe-global-ressourcennutzung-startet-in-2019-ein-fwf-projekt-mf-globe\"><em>Globale Ressourcennutzung<\/em><\/a> am <a href=\"https:\/\/www.wu.ac.at\/en\/ecolecon\/institute\/\"><em>Institute for Ecological Economics<\/em><\/a> der <a href=\"https:\/\/www.wu.ac.at\/\"><em>Wirtschaftsuniversit\u00e4t Wien<\/em><\/a> (WU). Das Projekt <a href=\"https:\/\/www.wu.ac.at\/mfglobe\"><em>MF-GLOBE<\/em><\/a> wird vom <a href=\"https:\/\/www.fwf.ac.at\/\">\u00d6sterreichischen Wissenschaftsfonds<\/a> (FWF) gef\u00f6rdert und l\u00e4uft noch bis 2022.<\/p>\n<figure id=\"attachment_207140\" aria-describedby=\"caption-attachment-207140\" style=\"width: 467px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-207140 size-medium\" src=\"https:\/\/archive.ioplus.nl\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/237_F_c-Martin-Bruckner-et-al.-2019-CC-BY-3.0-467x600.png\" alt=\"Computermodell, Umwelt, Konsum, Umweltfolgen\" width=\"467\" height=\"600\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-207140\" class=\"wp-caption-text\">Weltkarte (c) Martin Bruckner<\/figcaption><\/figure>\n<p><em><strong>Foto oben<\/strong>: Die Weltkarten zeigen das Ackerland (in Hektar) in den Produktionsl\u00e4ndern f\u00fcr Mais\/Zuckerrohr, \u00d6l- und Faserpflanzen. In der EU liegen zwei Drittel der Anbaugebiete f\u00fcr biogene Rohstoffe, die nicht zu Nahrungsmittel verarbeitet werden, au\u00dferhalb Europas. <\/em><span class=\"wp-caption-copyright\"><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/iopscience.iop.org\/article\/10.1088\/1748-9326\/ab07f5\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener noreferrer\"><em>Martin Bruckner et al. 2019, CC BY 3.0<\/em><\/a><\/span><\/p>\n<p><strong>Auch interessant:<\/strong><\/p>\n<p class=\"entry-title\"><a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/prostatakrebs-computermodell-prognose-verlauf\/\">Prostatakrebs: Prognose des Krankheitsverlaufs durch Computermodell<\/a><\/p>\n<p class=\"entry-title\"><a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/selbstfaltende-materialien-ermoeglichen-die-bildung-von-komplexen-formen\/\">Selbstfaltende Materialien erm\u00f6glichen die Bildung von komplexen Formen<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Europ\u00e4ische Union strebt die Bio\u00f6konomie an und m\u00f6chte von fossilen auf erneuerbare Quellen umsteigen. 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