{"id":205561,"date":"2020-02-13T14:00:00","date_gmt":"2020-02-13T13:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/innovationorigins.com\/?p=205561"},"modified":"2020-02-13T14:00:00","modified_gmt":"2020-02-13T13:00:00","slug":"wie-wirkt-sich-induktive-ladung-in-der-e-mobilitat-auf-biologie-aus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/de\/wie-wirkt-sich-induktive-ladung-in-der-e-mobilitat-auf-biologie-aus\/","title":{"rendered":"Wie wirkt sich induktive Ladung in der E-Mobilit\u00e4t biologisch aus?"},"content":{"rendered":"<p>2019 hat sich die Zahl der zugelassenen E-Autos im Vergleich zu 2015 verdreifacht. Die Zahl der Ladestationen liegt im ersten Quartal 2020 bei rund 17.860. Damit wird eines klar: Je mehr Elektroautos zugelassen werden, desto gr\u00f6\u00dfer ist die Speicherkapazit\u00e4t der in ihnen verbauten Batterien.<\/p>\n<p>Diese k\u00f6nnte genutzt werden, um Leistungsschwankungen erneuerbarer Energiearten und Stromspitzen abzufangen. Die perfekte Technik daf\u00fcr w\u00e4re ein induktives Ladesystem, die drahtlose \u00dcbertragung von Energie. Und genau das nehmen die Beteiligten des Forschungsprojekts <a href=\"https:\/\/www.erneuerbar-mobil.de\/projekte\/feedbac-car\">Feedbac-Car<\/a> bis Mitte 2020 unter die Lupe. Sie untersuchen die M\u00f6glichkeiten, E-Fahrzeuge nicht nur durch Induktion, also durch Empfangs- und Senderspulen, zu laden, sondern bei Bedarf deren \u00fcbersch\u00fcssige Energie wieder ins Stromnetz einzuspeisen. Immerhin k\u00f6nnte durch diesen Zusatznutzen E-Mobilit\u00e4t f\u00fcr Kunden noch attraktiver werden. Somit w\u00e4re es eine elegante und auch gute L\u00f6sung. Doch, entstehen durch induktives Laden auch Nebenwirkungen? Immerhin entsteht bei der Energie\u00fcbertragung ein Magnetfeld. Das ist \u2012 anders als etwa bei einem Laserstrahl \u2012 nicht klar begrenzt. Es streut. Jedoch nimmt es mit der Entfernung von den Spulen stark ab.<\/p>\n<p>Ob sich diese Technologie auch auf die Biologie auswirkt, untersucht seit kurzem Dr. Alexander Lerchl, Professor f\u00fcr Biologie und Ethik in Naturwissenschaften und Technik an der <a href=\"https:\/\/www.jacobs-university.de\/\">Jacobs University Bremen<\/a>. Lerchl hat dabei insbesondere verschiedene Pflanzen, Insekten und Einzeller im Blick. Der Bremener Professor ist mit seinem Team Teil des Forschungskonsortiums Feedbac-Car.<\/p>\n<figure id=\"attachment_205562\" aria-describedby=\"caption-attachment-205562\" style=\"width: 1024px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/archive.ioplus.nl\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/newsimage323439.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-205562 size-large\" src=\"https:\/\/archive.ioplus.nl\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/newsimage323439-1024x683.jpg\" alt=\"Prof. Dr. Alexander Lerchl, Professor of Biology and Ethics of Science and Technology\" width=\"1024\" height=\"683\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-205562\" class=\"wp-caption-text\">Prof. Dr. Alexander Lerchl, Professor of Biology and Ethics of Science &amp; Technology \u00a9University Bremen<\/figcaption><\/figure>\n<p>Sein Gl\u00fcck: Er kann f\u00fcr seine Studie auf gro\u00dfe Helmholtz-Spulen zur\u00fcckgreifen, die ein Magnetfeld mit einer St\u00e4rke von 360 Mikrotesla bei 20 kHz beziehungsweise 85 kHz erzeugen. Zum Vergleich: F\u00fcr Hochspannungsleitungen betr\u00e4gt der Grenzwert f\u00fcr die magnetische Flussdichte 100 Mikrotesla. Wir sprachen mit ihm \u00fcber seine Forschungsarbeit, deren Dauer er auf circa ein Jahr sch\u00e4tzt.<\/p>\n<h2>Dr. Alexander Lerchl, Professor f\u00fcr Biologie und Ethik in Naturwissenschaften und Technik im Interview<\/h2>\n<h4><em>Herr Prof. Dr. Lerchl, Sie haben gerade die Erforschung der biologischen Wirkung von induktiver Ladung von Autobatterien gestartet, welche Hypothese steckt dahinter?<\/em><\/h4>\n<p>Die Frage zu beantworten, ob die dabei auftretenden Magnetfelder biologische Effekte haben. Dazu gibt es n\u00e4mlich sehr wenig Forschung bislang.<\/p>\n<h4><em>An welche biologischen Effekte denken Sie zum Beispiel?<\/em><\/h4>\n<p>Wenn ich das w\u00fcsste&#8230; Wir untersuchen verschiedene Parameter, zum Beispiel Entwicklung, Verhalten und \u00dcberlebensraten. Erst wenn wir Effekte finden, k\u00f6nnen wir weiter in die Tiefe gehen. Daf\u00fcr ist es allerdings jetzt noch zu fr\u00fch, wir m\u00fcssen unsere Befunde erst mal ver\u00f6ffentlichen.<\/p>\n<h4><em>Induktive Ladung, bedeutet das, dass auch der Mensch, sofern diese Spulen in Autos und im Boden integriert werden, auf den Stra\u00dfen st\u00e4ndig dem Magnetfeld schutzlos ausgesetzt ist?<\/em><\/h4>\n<p>Sie werden nur dann ausgesetzt sein (worst case), wenn Sie sich l\u00e4ngere Zeit in unmittelbarer N\u00e4he der zu ladenden Fahrzeuge aufhalten. Also praktisch danebenstehen oder liegen. Die Felder nehmen mit dem Quadrat der Entfernung ab und sind schon ab einem Meter Abstand oder weniger weit unterhalb der Grenzwerte.<\/p>\n<h3>Grenzwerte werden eingehalten<\/h3>\n<h4><em>Welchen Hintergrund haben in diesem Zusammenhang die EU-Richtlinien zur \u201eBegrenzung der Exposition der Bev\u00f6lkerung gegen\u00fcber elektromagnetischen Feldern\u201c? Welche Art von Gef\u00e4hrdung wird durch elektromagnetische Strahlung vermutet?<\/em><\/h4>\n<p>Das ist eine sehr komplexe Frage bzw. Antwort. Je nach Frequenz gibt es unterschiedliche biologische Wirkmechanismen, die durch die Grenzwerte in der <a href=\"https:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/bimschv_26\/\">26. BImSchV<\/a> Sch\u00e4den oder Gef\u00e4hrdungen ausschlie\u00dfen. Im Frequenzbereich von Stromleitungen (50 Hz), aber auch in dem sog. Zwischenfrequenz-Bereich, auf dem wir forschen, sind es vor allem die durch Magnetfelder induzierten elektrischen Str\u00f6me. In h\u00f6heren Frequenzbereichen (bis etwa 1 GHz) sind es Erw\u00e4rmungen von Gewebe, noch h\u00f6here Frequenzbereiche verursachen ebenfalls Erw\u00e4rmungen, allerdings nur in den oberen Hautschichten, weiter reichen die Felder dann nicht.<\/p>\n<h4><em>Sie sprechen in Ihrer Pressemitteilung den Grenzwert f\u00fcr die magnetische Flussdichte bei Hochspannungsleitungen von 100 Mikrotesla an. Wieviel Mikrotesla strahlt eine derzeitige induktive Ladung ab oder k\u00f6nnte eine zuk\u00fcnftige induktive Ladung bei st\u00e4rkerer Leistung abstrahlen?<\/em><\/h4>\n<p>Das h\u00e4ngt von der Leistung und dem Abstand der Spulen am Boden bzw. im Fahrzeug ab. Auch das ist Teil unserer Forschungen \u2012 und zwar von den anderen Projektpartnern. Sicher muss sein, dass die Grenzwerte der <a href=\"https:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/bimschv_26\/\">26. BImSchV<\/a> nicht \u00fcberschritten werden.<\/p>\n<h4><em>Nur, damit ich das jetzt richtig verstehe, ein Vergleich: Die WHO hat zwar Induktionsherde im Normalfall als nicht sch\u00e4dlich eingestuft \u2013 nichtdestotrotz wird ihnen nachgesagt, sie seien gesundheitssch\u00e4dlich insbesondere f\u00fcr Kinder, Schwangere und Menschen mit Herzschrittmachern. Entsprechend gibt es Vorsorge-Empfehlungen. Inwieweit k\u00f6nnten diese auch f\u00fcr die gef\u00e4hrdete Zielgruppe in Bezug auf die induktive Ladung bei der E-Mobilit\u00e4t \u00fcbertragen werden?<\/em><\/h4>\n<p>Vorsorgeempfehlungen sind immer politisch, und gerade in diesem Fall nicht wissenschaftlich begr\u00fcndet. Wichtige Ausnahme: Menschen mit alten (!) Herzschrittmachern. Das ist aber der Bereich der EMV, also der Elektromagnetischen (Un-)Vertr\u00e4glichkeit von eben solchen Ger\u00e4ten <em>[Anmrkg: das gilt ebenso auch f\u00fcr Metallschmuck und Smartwatches]<\/em>. Das ist ein Unterschied zur EMVU, also der Elektromagnetischen (Un-)Vertr\u00e4glichkeit zur Umwelt oder der Elektromagnetischen Umweltvertr\u00e4glichkeit. Der erste Fall interessiert uns in Bezug auf die Forschung weniger oder nicht. Es geht bei der Forschungsarbeit um die EMVU.<\/p>\n<h4><em>Also nochmal zusammengefasst: Gefahren durch induktive Ladung und Magnetfelder \u2013 Wie sehen Sie diese Thematik als Wissenschaftler?<\/em><\/h4>\n<p>Es gibt aus wissenschaftlicher Sicht derzeit keinen Grund zur Besorgnis \u2013 dies soll auch die Studie noch weiter untermauern. Doch es gibt eben in diesem Bereich schlicht zu wenig Forschung. Und: Die bestehenden Grenzwerte [s.o.] werden, so wie es jetzt aussieht, sicher eingehalten. Dar\u00fcber hinaus gibt es bislang keine Erkenntnisse, dass biologische oder gar sch\u00e4dliche Effekte auftreten k\u00f6nnten.<\/p>\n<h3><strong>Hintergrund zu FeedbacCAR<\/strong><\/h3>\n<p>Das Forschungsrojekt FeedbacCar (Future Electric Energy Distribution by Aggregated Clusters and Cars with Automated Response) wird finanziert vom Bundesministerium f\u00fcr Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit. Projektpartner sind die Zollner Elektronik AG, die Audi AG, IFAK \u2013 Institut f\u00fcr Automation und Kommunikation e.V. sowie die Energie2Market GmbH. In einem Flottenversuch mit mehreren Fahrzeugen werden derzeit Erfahrungen gesammelt, ob die Fahrzeuge sich als Energiespeicher eignen. Das Projekt ist bis Ende Juni 2020 befristet.<\/p>\n<p>Mehr zum Thema E-Mobilit\u00e4t finden Sie <a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/?s=e-Mobilit%C3%A4t\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">hier<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>2019 hat sich die Zahl der zugelassenen E-Autos im Vergleich zu 2015 verdreifacht. Die Zahl der Ladestationen liegt im ersten Quartal 2020 bei rund 17.860. Damit wird eines klar: Je mehr Elektroautos zugelassen werden, desto gr\u00f6\u00dfer ist die Speicherkapazit\u00e4t der in ihnen verbauten Batterien. Diese k\u00f6nnte genutzt werden, um Leistungsschwankungen erneuerbarer Energiearten und Stromspitzen abzufangen. 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