{"id":202688,"date":"2020-01-05T06:30:45","date_gmt":"2020-01-05T05:30:45","guid":{"rendered":"https:\/\/innovationorigins.com\/?p=202688"},"modified":"2020-01-05T06:30:45","modified_gmt":"2020-01-05T05:30:45","slug":"besseres-morgen-massenstoerwaffen-haben-zukunft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/de\/besseres-morgen-massenstoerwaffen-haben-zukunft\/","title":{"rendered":"Besseres Morgen: Der Professor und der Hacker"},"content":{"rendered":"<p>Es war der Tag vor Weihnachten, als das Telefon des Professors klingelte. Auf dem Display stand \u201eanonym&#8221;, mit einem kleinen A. Das kann nur eines bedeuten.<br \/>\n\u201eHacker!&#8221; sagte der Professor.<br \/>\n\u201eProfessor!&#8221;, antwortete der Hacker.<br \/>\nDer Hacker und der Professor kannten sich schon eine Weile. Sie hatten schon zusammengearbeitet, als sie beide noch f\u00fcr die Polizei arbeiteten. Der Hacker nannte sich selbst &#8216;Hacker&#8217;. Kein &#8216;ethischer Hacker&#8217; oder &#8216;White-Hat-Hacker&#8217;, nur &#8216;Hacker&#8217;. Und der Professor kannte nicht viele Hackers.<\/p>\n<p>Der Professor hatte k\u00fcrzlich eine Vorlesung \u00fcber die Notwendigkeit der Zusammenarbeit zwischen Polizei, Universit\u00e4ten und Unternehmen gehalten. Es waren viele Leute gekommen, um ihm zuzuh\u00f6ren, und der Hacker war einer von ihnen.<br \/>\n\u201eSie werden es bald aus den Medien erfahren, aber die Universit\u00e4t Maastricht ist Opfer von L\u00f6segeldforderungen geworden&#8221;, sagte der Hacker, \u201eund da es dabei tats\u00e4chlich um die Zusammenarbeit zwischen Polizei, Universit\u00e4t und Wirtschaft geht, m\u00f6chte ich Sie auf einen Kaffee einladen.\u201c<br \/>\nMit \u201aTasse&#8217; meinte der Hacker einen doppelten Espresso, und \u201aEinladung&#8217; bedeutete nicht, dass er bezahlt.<\/p>\n<p>Und so kam es zum Treffen.<br \/>\nSie hatten sich kaum die Hand gesch\u00fcttelt, da wechselte der Hacker schon das Thema.<br \/>\n\u201eDiese Art von Software ist darauf ausgerichtet, L\u00f6segeld zu bekommen. Sie wurde vor Ewigkeiten auf dem System des Opfers platziert und wurde h\u00f6chstwahrscheinlich getestet, bevor sie tats\u00e4chlich aktiviert wurde. Die Software verschl\u00fcsselt oder verschiebt wichtige Daten, und das Opfer erh\u00e4lt eine Nachricht, die ihm anbietet, die Daten im Austausch gegen Krypto-W\u00e4hrung zu entschl\u00fcsseln.&#8221;<br \/>\n\u201eWie w\u00e4r&#8217;s mit einem doppelten Espresso?&#8221;, fragte der Professor. Nach einem leichten Nicken des Kopfes, das nur f\u00fcr einen erfahrenen Betrachter offensichtlich war, redete der Hacker weiter.<br \/>\n\u201eSelbst wenn die Universit\u00e4t Maastricht zahlen w\u00fcrde, besteht eine gute Chance, dass nur ein Teil der Daten wiederhergestellt werden k\u00f6nnte. Au\u00dferdem erh\u00f6ht sich die Chance auf sp\u00e4tere L\u00f6segeldzahlungen, da das Opfer scheinbar bereit ist zu zahlen.&#8221;<br \/>\nDer Professor meinte vor, dass Massenvernichtungswaffen Waffen der Vergangenheit seien, dass aber Massenst\u00f6rwaffen Zukunft h\u00e4tten.<\/p>\n<p>\u201eDann wird es aber erst richtig interessant&#8221;, fuhr der Hacker fort. \u201eDenn was macht das Opfer als n\u00e4chstes?\u201d<br \/>\nDer Professor wusste, dass das er nur eine Augenbraue hochziehen musste.<br \/>\n\u201eIch sage Ihnen: Sie werden eine kommerzielle Gesllschaft beauftragen, eine Analyse des Schadens durchzuf\u00fchren und auch der Chancen, diesen Schaden wieder gutzumachen. Das ist das Entscheidende f\u00fcr das Opfer. Und die Polizei? Sie wird hinzugezogen, um eine Anzeige aufzunhemen und eine Untersuchung durchzuf\u00fchren. Aber das ist vergleichbar mit einem Fahrraddiebstahl.&#8221;<br \/>\nDer Professor musste nicht lange \u00fcber diesen Vergleich nachdenken.<br \/>\n\u201eIch meine, es ist eher eine Formalit\u00e4t. Denn ich kann Ihnen versichern, dass alle Hinweise im Softwarecode, oder die E-Mail- oder IP-Adressen auf L\u00e4nder hinweisen, in denen die Polizei nicht ermitteln darf! Also ist eine Ermittlung und Strafverfolgung von vornherein ausgeschlossen.&#8221;<\/p>\n<p>Der Hacker starrte ihn vielsagend an. Aufrund ihrer Beziehung musste der Professor nun eine kluge Frage stellen.<br \/>\n\u201eSie sagen also, dass diese Art von Kriminellen mit allem davonkommen k\u00f6nnen, weil sie keine nat\u00fcrlichen Feinde haben?&#8221; Es war keine wirklich kluge Frage, sondern eher eine Zusammenfassung.<br \/>\n\u201eGenau!&#8221; rief der Hacker begeistert. \u201eDas Opfer ist dem Kriminellen technisch nicht gewachsen. Und die Polizei kann nichts tun, da sie sich an die Konventionen und Regeln ihres Berufsstandes halten muss.&#8221;<\/p>\n<p>Der Hacker war kurz still. Nur f\u00fcr einen Moment.<br \/>\n\u201eAls B\u00fcrger muss ich mir dar\u00fcber aber keine Sorgen machen. Ich bin in verschiedenen Foren, gebe mich als jemand anderes aus, benutze Pseudonyme und gesicherte E-Mail-Adressen, kaufe hier und da ein St\u00fcck Software. Ich tue nichts Illegales, aber ich tue Dinge, die die Polizei nicht oder nur in Ausnahmef\u00e4llen tun kann.&#8221;<br \/>\nDer Professor nickte. In ihrem fr\u00fcheren Leben waren sie h\u00e4ufig mit Gesetzen konfrontiert worden, die die Polizei daran hinderten, das zu tun, was ein B\u00fcrger tun darf.<\/p>\n<p>\u201eIn der Zwischenzeit habe ich eine riesige Menge an Daten gesammelt. \u00dcber T\u00e4tergruppen, die Vorgehensweise, Gespr\u00e4che zwischen Menschen und so weiter. All das hat einen Vorhersagewert.&#8221; Der Hacker fuhr fort: \u201eIch will nicht sagen, dass der Angriff auf die Universit\u00e4t damit h\u00e4tte verhindert werden k\u00f6nnen, aber ich erkenne beim Hinsehen bereits Muster. Wenn wir also die Datenwissenschaft anwenden &#8230; nun, dann \u2026&#8221;<br \/>\nEr war suchte nach den richtigen Worten und das war auch f\u00fcr den Professor eine neue Erfahrung.<br \/>\n&#8220;&#8230; dann k\u00f6nnen wir definitiv besser vorhersagen, was passieren wird.&#8221;<\/p>\n<p>Weihnachten kam, und kurz darauf Silvester. Die Beobachtungen des Hackers gingen dem Professors nicht aus dem Kopf. Als das neue Jahrzehnt anbrach, schnappte er sich sein Telefon. 2020 musste das Jahr der Mustererkennung werden, und das w\u00fcrde mit einem doppelten Espresso beginnen.<\/p>\n<p>Er rief \u201eanonym&#8221; an. Mit einem kleinen a.<\/p>\n<h3>\u00dcber diese Kolumne:<\/h3>\n<p><em>In einer Kolumne, die abwechselnd von Maarten Steinbuch, Mary Fiers, <strong>Peter de Kock<\/strong>, Eveline van Zeeland, Lucien Engelen, Tessie Hartjes, Jan Wouters, Katleen Gabriels und Auke Hoekstra geschrieben wird, versucht Innovation Origins herauszufinden, wie die Zukunft aussehen wird. Diese Kolumnisten, gelegentlich erg\u00e4nzt durch Gast-Blogger, arbeiten alle auf ihre Weise an L\u00f6sungen f\u00fcr die Probleme unserer Zeit. Damit es morgen besser wird. <a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/?s=morgen\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Hier sind alle vorherigen Episoden<\/a>.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es war der Tag vor Weihnachten, als das Telefon des Professors klingelte. Auf dem Display stand \u201eanonym&#8221;, mit einem kleinen A. 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