{"id":199097,"date":"2019-12-05T14:00:39","date_gmt":"2019-12-05T13:00:39","guid":{"rendered":"https:\/\/innovationorigins.com\/?p=199097"},"modified":"2019-12-05T14:00:39","modified_gmt":"2019-12-05T13:00:39","slug":"so-bereiten-uns-traeume-darauf-vor-aengsten-im-realen-leben-zu-begegnen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/de\/so-bereiten-uns-traeume-darauf-vor-aengsten-im-realen-leben-zu-begegnen\/","title":{"rendered":"So bereiten uns Tr\u00e4ume darauf vor, \u00c4ngsten im realen Leben zu begegnen"},"content":{"rendered":"<p>Wir fallen, wir werden verfolgt und k\u00f6nnen uns nicht bewegen, wir wollen schreien, aber es kommt kein Ton heraus, ein geliebter Mensch stirbt oder verschwindet pl\u00f6tzlich. Szenarien die wohl jeder schon mal in seinen Tr\u00e4umen erlebt hat. Kommen Angst- bzw. Alptr\u00e4ume h\u00e4ufiger vor als ein Mal pro Woche, gelten sie als Schlaf- und Angsttraumst\u00f6rung. In Deutschland leiden laut Statistik rund f\u00fcnf Prozent der Erwachsenen unter dieser St\u00f6rung.<\/p>\n<p>Hin und wieder mal einen Angsttraum zu haben, kann andererseits aber sogar gut f\u00fcr uns sein, denn wie Forscher der <a href=\"https:\/\/www.unige.ch\">Universit\u00e4t Genf<\/a> (UNIGE) und des <a href=\"https:\/\/www.hug-ge.ch\/en\/\">Universit\u00e4tsspitals Genf<\/a> (HUG) in der Schweiz, in Zusammenarbeit mit der <a href=\"https:\/\/www.wisc.edu\/\">University of Wisconsin<\/a> (USA) jetzt herausgefunden haben, haben diese schlechten Tr\u00e4ume durchaus einen Zweck: Sie bereiten uns darauf vor, Situationen, in denen wir im Leben Angst haben, anzugehen.<\/p>\n<h3>Bewusstsein unterscheidet nicht zwischen Traum und Leben<\/h3>\n<p>Der Mannheimer Traumforscher und Autor des Buches <em>Tr\u00e4ume \u2013 Unser n\u00e4chtliches Kopfkino<\/em>, Michael Schredl, stellte bereits 2014 fest, dass das menschliche Bewusstsein zwischen Traum und Realit\u00e4t nicht unterscheiden kann. Traumbewusstsein und Wachbewusstsein sind komplett identisch. Die Wissenschaftler in der Schweiz gingen diesem Ph\u00e4nomen nun weiter nach und identifizierten in einer Untersuchung, welche Bereiche des Gehirns aktiviert werden, wenn die Menschen in ihren Tr\u00e4umen Angst haben.<\/p>\n<figure id=\"attachment_199094\" aria-describedby=\"caption-attachment-199094\" style=\"width: 750px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-199094 size-full\" src=\"https:\/\/archive.ioplus.nl\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/page_garde_Perogramvros.jpg\" alt=\"\" width=\"750\" height=\"329\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-199094\" class=\"wp-caption-text\">Ein Patient mit einem hochdichten Elektroenzephalogramm (EEG), das die Gehirnaktivit\u00e4t w\u00e4hrend des Schlafes mit zahlreichen Elektroden am Sch\u00e4del misst. \u00a9 Doroth\u00e9e Baumann<\/figcaption><\/figure>\n<p>Dazu analysierten sie mit Hilfe eines Elektroenzephalogramms (EEG) im Schlaflabor die Gehirnaktivit\u00e4t von 18 Probanden, die sie in der Nacht mehrmals weckten. Jedes Mal, wenn die Teilnehmer geweckt wurden, mussten sie eine Reihe von Fragen beantworten, wie zum Beispiel: Hast du getr\u00e4umt? Und wenn ja, hattest du Angst? Das Wecken aus den Tr\u00e4umen ist unerl\u00e4sslich, da das Gehirn Tr\u00e4ume w\u00e4hrend des REM-Schlafes aus dem Ged\u00e4chtnis l\u00f6scht und daher eine Befragung am n\u00e4chsten Tag unm\u00f6glich macht.<\/p>\n<p>Die Wissenschaftler verwendeten in ihren Tests die High-Density-Elektroenzephalographie, bei der mehrere Elektroden auf dem Sch\u00e4del positioniert sind, um die Gehirnaktivit\u00e4t zu messen. Dabei entdeckten sie, dass bestimmte Regionen des Gehirns f\u00fcr die Entstehung von Tr\u00e4umen verantwortlich sind, w\u00e4hrend andere Regionen je nach Inhalt eines Traums, wie Wahrnehmungen, Gedanken oder Emotionen, aktiviert werden.<\/p>\n<h3>Traumtagebuch<\/h3>\n<p>Durch die Auswertung der Gehirnaktivit\u00e4t anhand des EEGs konnten die Forscher zwei Hirnregionen identifizieren, die bei Angsttr\u00e4umen besonders aktiv waren: die Inselrinde und den Gyrus cinguli. Die Inselrinde wird auch im Wachzustand automatisch aktiviert, wenn jemand Angst hat. Der Gyrus cinguli spielt in bedrohlichen oder angsteinfl\u00f6\u00dfenden Situationen eine Rolle dabei, Fluchtreaktionen vorzubereiten. \u201eZum ersten Mal haben wir die neuronalen Korrelate der Angst im Traum identifiziert und beobachtet, dass \u00e4hnliche Regionen aktiviert werden, wenn wir Angst sowohl im Schlaf als auch im Wachzustand erleben&#8221;, erkl\u00e4rt Lampros Perogamvros, leitender klinischer Dozent im HUG Schlaflabor, Abteilung Pneumologie.<\/p>\n<p><strong><a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/?s=gehirn\">Mehr Artikel zum Thema Gehirnforschung finden Sie hier<\/a><\/strong><\/p>\n<p>Anschlie\u00dfend untersuchten die Forscher einen m\u00f6glichen Zusammenhang zwischen der Angst, die w\u00e4hrend eines Traums auftritt, und den Emotionen, die im Wachzustand auftreten. Hierzu gaben sie 89 Teilnehmern f\u00fcr die Dauer einer Woche ein Traumtagebuch, in dem die Probanden jeden Morgen nach dem Aufwachen aufschreiben sollten, ob sie sich an ihre Tr\u00e4ume erinnerten und die Gef\u00fchle, die sie empfanden, einschlie\u00dflich der Angst. Am Ende der Woche wurden mit Hilfe eines Magnetresonanztomographen (MRT) die Gehirnaktivit\u00e4ten der Teilnehmer gemessen, w\u00e4hrend ihnen unterschiedliche Bilder gezeigt wurden: \u201eEmotional-negative Bilder\u201c, wie z.B. \u00dcbergriffe, und auch neutrale Bilder. Das Ziel war, herauszufinden, welche Bereiche des Gehirns bei Angst aktiver waren und ob sich der aktivierte Bereich ver\u00e4ndert hatte, je nach den Emotionen, den die Teilnehmer in ihren Tr\u00e4umen erlebtet hatten.<\/p>\n<p>Hierbei stellte sich heraus, dass die Inselrinde, der Gyrus cinguli und Amygdala (ein Teil des Limbischen Systems) umso weniger aktiviert wurden, wenn ein Proband negative Bilder betrachtete, je mehr Angst er in seinen Tr\u00e4umen empfunden hatte. \u201eDar\u00fcber hinaus stieg die Aktivit\u00e4t im medialen pr\u00e4frontalen Kortex, von dem bekannt ist, dass er die Amygdala im Falle von Angst hemmt, im Verh\u00e4ltnis zur Anzahl der schlechten Tr\u00e4ume an\u201c, sagt Virginie Sterpenich, Forscherin am Department of Basic Neurosciences der UNIGE.<\/p>\n<figure id=\"attachment_199095\" aria-describedby=\"caption-attachment-199095\" style=\"width: 600px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-199095 size-medium\" src=\"https:\/\/archive.ioplus.nl\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/fantasy-2847724_1920-600x339.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"339\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-199095\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Pixabay<\/figcaption><\/figure>\n<h3>Neue Therapieans\u00e4tze?<\/h3>\n<p>Diese Ergebnisse zeigen nach Aussagen der Wissenschaftler den sehr starken Zusammenhang zwischen den Emotionen, die wir sowohl im Schlaf als auch im Wachzustand sp\u00fcren und best\u00e4tigen au\u00dferdem eine neurowissenschaftliche Theorie \u00fcber Tr\u00e4ume: Wir simulieren be\u00e4ngstigende Situationen, w\u00e4hrend wir tr\u00e4umen, um besser auf sie zu reagieren, wenn wir wach sind. \u201eTr\u00e4ume k\u00f6nnen als ein echtes Training f\u00fcr unsere zuk\u00fcnftigen Reaktionen angesehen werden und uns m\u00f6glicherweise darauf vorbereiten, uns auf reale Lebensgefahren einzustellen&#8221;, so Perogamvros.<\/p>\n<p>Aufgrund der neuen Erkenntnisse wollen die Forscher nun untersuchen, ob diese Erkenntnisse zu m\u00f6glichen neuen Formen der Traumtherapie zur Behandlung von Angstst\u00f6rungen f\u00fchren k\u00f6nnen. Im Rahmen dieser Forschung wollen sie auch Alptr\u00e4ume untersuchen. Diese w\u00fcrden \u2013 im Gegensatz zu schlechten Tr\u00e4umen, in denen das Ausma\u00df der Angst moderat ist \u2013 aufgrund eines \u00fcberm\u00e4\u00dfigen Ma\u00dfes an Angst den Schlaf st\u00f6ren und sich sogar nach dem Aufwachen negativ auf den Menschen auswirken. \u201eWir glauben, dass, wenn eine bestimmte Schwelle der Angst in einem Traum \u00fcberschritten wird, sie ihre n\u00fctzliche Rolle als emotionaler Regulator verliert&#8221;, betont Perogamvros.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir fallen, wir werden verfolgt und k\u00f6nnen uns nicht bewegen, wir wollen schreien, aber es kommt kein Ton heraus, ein geliebter Mensch stirbt oder verschwindet pl\u00f6tzlich. Szenarien die wohl jeder schon mal in seinen Tr\u00e4umen erlebt hat. Kommen Angst- bzw. Alptr\u00e4ume h\u00e4ufiger vor als ein Mal pro Woche, gelten sie als Schlaf- und Angsttraumst\u00f6rung. 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