{"id":197677,"date":"2019-11-26T14:00:07","date_gmt":"2019-11-26T13:00:07","guid":{"rendered":"https:\/\/innovationorigins.com\/?p=197677"},"modified":"2019-11-26T14:00:07","modified_gmt":"2019-11-26T13:00:07","slug":"so-veraendert-sich-beim-gehen-das-sehen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/de\/so-veraendert-sich-beim-gehen-das-sehen\/","title":{"rendered":"So ver\u00e4ndert sich beim Gehen das Sehen"},"content":{"rendered":"<p>Unsere Augen sehen auf zwei unterschiedliche Arten: Mit unserem zentralen Sehverm\u00f6gen, das beispielsweise beim Sehtest gemessen wird, und mit dem peripheren Sehverm\u00f6gen. Dieser Sehbereich ist zwar nicht so scharf wie der zentrale Sehbereich, ist aber daf\u00fcr viel gr\u00f6\u00dfer und hat eine hohe zeitliche Aufl\u00f6sung, wodurch wir Bewegungen im Seitenblickfeld sehr schnell erkennen k\u00f6nnen. Dieses periphere Sehen kann \u00fcberlebenswichtig werden oder mitunter zumindest Verletzungen verhindern, z.B. bei \u201eSmartpone Zombies\u201c, damit sie nicht pausenlos mit anderen Menschen oder Hindernissen zusammensto\u00dfen.<\/p>\n<p>Forscher der <a href=\"https:\/\/www.uni-wuerzburg.de\/startseite\/\">Julius-Maximilians-Universit\u00e4t (JMU) W\u00fcrzburg<\/a> haben nun genau untersucht, wie der Mensch seine Umwelt wahrnimmt und was die Sinnesreize im peripheren Nervensystem und im Gehirn bewirken. Erkenntnisse \u00fcber diese Prozesse k\u00f6nnten langfristig dazu beitragen, Krankheiten wie ADHS oder Parkinson besser zu verstehen, sagen die Wissenschaftler. Bisher wurden die Messungen bei derartigen Forschungen im Allgemeinen im Kernspintomographen durchgef\u00fchrt. Das bedeutet, dass die Probanden entweder sitzen oder liegen, ihr Kopf fixiert ist und sie nach M\u00f6glichkeit noch nicht einmal blinzeln d\u00fcrfen.<\/p>\n<h3>Peripheres Sichtfeld bei Bewegung genauer<\/h3>\n<p>Jedoch verbringt niemand seine Tage derart statisch und in einer kontrollierten Umgebung, und es macht einen gro\u00dfen Unterschied, ob der Mensch sitzt oder sich bewegt, wenn er visuelle Reize verarbeitet. Daher haben die Wissenschaftler in W\u00fcrzburg nun speziell den peripheren Anteil des Gesichtsfeldes getestet, w\u00e4hrend die Studienteilnehmer in Bewegung waren. Das Ergebnis zeigte, dass der periphere Teil \u2013 im Vergleich zum zentralen Teil des Gesichtsfeldes \u2013 bei Bewegung Informationen verbessert verarbeitete. Beides lie\u00df sich nach Aussagen der Forscher sowohl an der Wahrnehmung der Probanden als auch an deren Gehirnantwort nachweisen. Und diese Verschiebung der optischen Pr\u00e4ferenz sei auch sinnvoll.<\/p>\n<p>\u201eEs ist vor allem die periphere visuelle Information, die uns Aufschluss \u00fcber die Richtung und Geschwindigkeit unserer Bewegung gibt und damit f\u00fcr unsere Navigation eine wichtige Rolle spielt\u201c, sagt Neurowissenschaftlerin Dr. Barbara H\u00e4ndel, die die neuen Erkenntnisse mit ihrem Kollegen Dr. Liyu Cao im Fachmagazin PLOS Biology ver\u00f6ffentlicht hat. Von Tieren sei schon l\u00e4nger bekannt gewesen, dass \u201eeine gesteigerte K\u00f6rperbewegung zu einer erh\u00f6hten Feuerrate in visuellen Arealen des Gehirns f\u00fchrt\u201c.<\/p>\n<figure id=\"attachment_197676\" aria-describedby=\"caption-attachment-197676\" style=\"width: 800px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-197676\" src=\"https:\/\/archive.ioplus.nl\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/gehirn2_686179.jpg\" alt=\"\" width=\"800\" height=\"313\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-197676\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Robert Emmerich \/ Universit\u00e4t W\u00fcrzburg<\/figcaption><\/figure>\n<p>Mit Menschen wurden bisher allerdings nur wenige Verhaltensexperimente durchgef\u00fchrt, bei denen der Einfluss von Bewegung auf sensorische Gehirnareale untersucht wurden. Manches w\u00fcrde aber auf eine Verbindung zwischen kognitiven Prozessen und dem Bewegungszustand hindeuten, erkl\u00e4rte H\u00e4ndel. \u201eEs gibt zum Beispiel Hinweise darauf, dass Menschen in Bewegung besser lernen.\u201c Trotzdem seien die zu Grunde liegenden neuronalen Mechanismen aber bisher nicht detailliert getestet worden und deshalb dachten sich Barbara H\u00e4ndel und ihre Kollegen ausgefeilte Tests aus, um diese Fragen zu beantworten.<\/p>\n<h3>Schon die antiken Griechen kannten die Bedeutung von Bewegung<\/h3>\n<p>Die Probanden tragen, w\u00e4hrend sie umherlaufen, Elektrodenkappen, die ihre Gehirnstr\u00f6me erfassen, Bewegungssensoren, Videobrillen und mobile Ger\u00e4te zur Aufzeichnung der Augenbewegungen. Zus\u00e4tzlich tragen sie in einem Rucksack einen Laptop, der ihre EEG-Daten drahtlos aufzeichnet. Das sei zwar ziemlich aufw\u00e4ndig, gibt H\u00e4ndel zu, aber wenn man die Wahrnehmungsstrategien des Menschen w\u00e4hrend seines nat\u00fcrlichen Verhaltens verstehen wolle, m\u00fcsse man den Aufwand betreiben. Die Erforschung der Wahrnehmung bei Menschen in Bewegung st\u00fcnde n\u00e4mlich noch ganz am Anfang.<\/p>\n<p><strong><em><a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/?s=gehirn\">Mehr Artikel zum Thema Gehirn finden Sie hier.<\/a><\/em><\/strong><\/p>\n<p>Im n\u00e4chsten Schritt will die Wissenschaftlerin nun untersuchen, ob der Effekt nur bei visuellen Reizen oder auch in anderen sensorischen Bereichen auftritt, wie zum Beispiel bei der Navigation oder auch bei anderen kognitiven F\u00e4higkeiten wie Ged\u00e4chtnisleistung und Kreativit\u00e4t. M\u00f6glich sei alles, da aus Experimenten mit Ratten bekannt sei, dass die Tiere besser lernen, wenn sie in Bewegung sind. Au\u00dferdem vermuteten schon die Menschen der Antike, dass Gehen die Kreativit\u00e4t steigert. \u201eDie Peripatetiker, eine philosophische Schule um Aristoteles, diskutierten zum Beispiel meist im Gehen, wovon sich auch ihr Name ableitet\u201c, betont Barbara H\u00e4ndel.<\/p>\n<p>Weiterhin sei auch bekannt, dass eine Verbindung zwischen Kreativit\u00e4t und Augenbewegungen bestehe, denn je kreativer Menschen an der L\u00f6sung einer Aufgabe arbeiten, desto \u00f6fter w\u00fcrden sie blinzeln, erkl\u00e4rt sie. \u201eUnd wir haben herausgefunden, dass Menschen beim Umherlaufen ebenfalls h\u00e4ufiger blinzeln als in Ruhe.\u201c Das w\u00fcrde zeigen, dass offenbar eine Verbindung bestehe zwischen den Bewegungen des K\u00f6rpers, der Augen und der geistigen Leistungsf\u00e4higkeit. Die Erforschung dieser Verkn\u00fcpfungen k\u00f6nnte noch viele interessante Aspekte zu Tage f\u00f6rdern.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unsere Augen sehen auf zwei unterschiedliche Arten: Mit unserem zentralen Sehverm\u00f6gen, das beispielsweise beim Sehtest gemessen wird, und mit dem peripheren Sehverm\u00f6gen. Dieser Sehbereich ist zwar nicht so scharf wie der zentrale Sehbereich, ist aber daf\u00fcr viel gr\u00f6\u00dfer und hat eine hohe zeitliche Aufl\u00f6sung, wodurch wir Bewegungen im Seitenblickfeld sehr schnell erkennen k\u00f6nnen. 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