{"id":197235,"date":"2019-11-24T06:55:54","date_gmt":"2019-11-24T05:55:54","guid":{"rendered":"https:\/\/innovationorigins.com\/?p=197235"},"modified":"2019-11-24T06:55:54","modified_gmt":"2019-11-24T05:55:54","slug":"besseres-morgen-der-nutzen-von-fehlern-und-scheitern-liegt-im-lernen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/de\/besseres-morgen-der-nutzen-von-fehlern-und-scheitern-liegt-im-lernen\/","title":{"rendered":"Besseres Morgen: Der Nutzen von Fehlern und Scheitern liegt im Lernen"},"content":{"rendered":"<p>Das Thema \u201eFehlerkultur\u201c oder \u201efehlerzulassende Kultur\u201c ist in Mode und wird neuerdings in vielen Unternehmen und Tagungen diskutiert. Dies Diskussion reicht von der Begeisterung und dem Wunsch nach einer m\u00f6glichst schnellen Einf\u00fchrung sogenannter FuckUp Events in Unternehmen bis hin zur kompletten Ablehnung gegen\u00fcber einer Fehlertoleranz. Die Bef\u00fcrworter wollen Fehler als Lernm\u00f6glichkeit feiern w\u00e4hrend die Kritiker Fehler als Kostenfaktor bezeichnen, der die Gewinne sinken l\u00e4sst, und damit per se schlecht sein m\u00fcssen. Beides greift zu kurz.<\/p>\n<p>Ich habe in <a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/morgen-besser-scheitern-als-voraussetzung-fuer-zukuenftigen-erfolg\/\">vorangehenden Beitr\u00e4gen<\/a> schon geschrieben, warum ich FuckUp Nights liebe. Weil sie uns Lernerfahrungen erm\u00f6glichen: f\u00fcr die Betroffenen, in dem sie \u00fcber eine solche Erfahrung berichten und sie damit reflektiert haben m\u00fcssen, und f\u00fcr die Zuh\u00f6rer, weil sie durch Beobachtung und die Erfahrungen anderer lernen k\u00f6nnen. \u00dcber Fehler, Irrt\u00fcmer oder gescheiterte Projekte zu reden ist ein wichtiger Bestandteil einer Lernkultur. M\u00fcssen diese wirklich gefeiert werden, wie Kritiker gerne einwenden? Nein m\u00fcssen sie nicht. Es geht \u00fcberhaupt nicht um das Zelebrieren von Fehlern, wie dies teilweise im Silicon Valley gemacht wird. Worin soll der Nutzen sein, das Scheitern zu feiern und gro\u00df herauszustellen, wie pomp\u00f6s gescheitert wurde. Das w\u00fcrde bedeuten, dass wir gerne scheitern und Fehler machen. Ich glaube, dass niemand gerne und freiwillig scheitert. Und schon gar nicht gesund, gl\u00fccklich, kompetent oder erfolgreich, wie dies gerne von manchen Autoren zum Ausdruck gebracht wird.<\/p>\n<h3>Es tut einfach weh<\/h3>\n<p>Wenn Scheitern das entg\u00fcltige Nicht-Mehr-Erreichen-K\u00f6nnen pers\u00f6nlicher wichtiger Ziele ist, dann tut es einfach nur weh, weil es auch um Identit\u00e4t und Misserfolg geht. Egal ob es sich um ein Projekt, ein nicht erreichtes wichtiges Ziel, das Ende einer Beziehung oder eine Insolvenz handelt. Manche gehen soweit, dass sie die Erfahrung des Scheiterns an identit\u00e4tsstiftende Motive und Ziele binden. Und dann ist Scheitern einfach nur schmerzhaft. Wenn wir \u00fcber eine wirkliche Fehler- oder Lernkultur sprechen, dann hat dies \u00fcberhaupt nichts mit Feiern von Fehler und sogen zu tun, sondern viel mehr mit der Verarbeitung eines seelisch \u2013 emotionalen Schmerzes auf der pers\u00f6nlichen Ebene. Diese negativen Emotionen k\u00f6nnen die Bindung eines Mitarbeiters \/ einer Mitarbeiterin an ihr Unternehmen negativ beeinflussen.<\/p>\n<p>F\u00fcr Unternehmen stellt sich die Frage, wie sie aus den Kosten eines Fehlers oder Scheiterns dennoch einen Nutzen ziehen k\u00f6nnen. Der Nutzen von Fehlern und Scheitern liegt im Lernen. Fehlerkultur und Lernkultur bedingen sich sozusagen gegenseitig. Ohne Fehler kein Lernen und kein Lernen ohne Fehlerbereitschaft. Lernen ist aber auch eine Investition in die Zukunft, in der der gleiche Fehler hoffentlich nicht noch einmal gemacht wird. Und dann bekommt ein offener Umgang mit Fehler und Scheitern pl\u00f6tzlich einen ganz anderen Sinn \u2013 n\u00e4mlich die Investition in Erfahrung und Kompetenz von Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen.<\/p>\n<h3>Ungew\u00fcnschte Ergebnisse sind vollkommen normal<\/h3>\n<p>Nat\u00fcrlich ist nicht jeder Fehler oder jedes Scheitern gleich. Wenn ein Fehler vorhersehbar und vermeidbar ist, dann gibt es au\u00dfer Fahrl\u00e4ssigkeit oder Dummheit keinen Grund, dass er doch passiert. Man h\u00e4tte es ja wissen m\u00fcssen und damit ihn auch vermeiden k\u00f6nnen. Anders sieht es aus, wenn ein Fehler weder vorhersehbar noch vermeidbar ist. Das ist z.B. in komplexen und unsicheren Situationen der Fall. Oder wenn es sich, wie z.B. bei Innovationen, um neue Prozesse und Produkte handelt. Diese m\u00fcssen erst getestet und gepr\u00fcft werden, um die tats\u00e4chlichen Eigenschaften und Ergebnisse herauszufinden. Unerwartete und ungew\u00fcnschte Ergebnisse sind hier vollkommen normal und k\u00f6nnen nicht vermieden werden. Und dennoch sind sie wertvoll \u2013 in der Erkenntnis, wie es nicht funktioniert und neuen Ideen, wie es dennoch funktionieren k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Wenn ich von einer Fehler- oder besser Lernkultur spreche, dann rede ich von einer Kultur, in der genau diese unvorhersehbaren und unvermeidbare Fehler passieren d\u00fcrfen, um aus ihnen Lernen zu k\u00f6nnen. Wir haben grunds\u00e4tzlich zwei Lernstrategien zur Verf\u00fcgung: Imitation oder Exploration. Andere zu imitieren hilft uns von ihren Erfahrungen und Kompetenzen lernen zu k\u00f6nnen. Dies bedeutet aber auch, dass wir nichts Neues ausprobieren. Dann sind die Ergebnisse vorhersehbar und vermeidbar. Geht es darum neue Wege zu gehen, Neues zu erforschen und zu entdecken \u2013 Exploration \u2013 dann m\u00fcssen wir bereit sein, uns auf etwas Unvorhersehbares und Unvermeidbares einzulassen.<br \/>\nWenn dieses Unvorhersehbare und Unvermeidbare dann noch pers\u00f6nlich wichtig und identit\u00e4tsstiftend ist, dann kann Scheitern noch so normal, nat\u00fcrlich und gew\u00fcnscht sein \u2013 es wird schmerzhaft sein.<\/p>\n<h3>Bew\u00e4ltigung des Scheiterns<\/h3>\n<p>Studien zeigen, dass negative Gef\u00fchle im Zusammenhang mit gescheiterten Projekten das Risiko einer sinkenden Bindung und die Loyalit\u00e4t von Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen zu dem Unternehmen erh\u00f6hen. Die Verarbeitung negativer Emotionen und die Bew\u00e4ltigung des Scheiterns wird nach diesen Studien auch durch die wahrgenommene Kultur im Umgang mit Scheitern in Unternehmen und der Zeit, die Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen f\u00fcr die Verarbeitung gegeben wird, beeinflusst.<\/p>\n<p>Eine glaubw\u00fcrdige Fehler- bzw. Lernkultur ist f\u00fcr alle Unternehmen zwingend, die in einem Umfeld aktiv sind, in dem Fehler nicht vermieden noch vorhergesehen werden k\u00f6nnen. Das d\u00fcrfte auf alle Unternehmen zutreffen, die sich in einem sogenannten VUCA-Umfeld bewegen \u2013 also fast alle.<\/p>\n<p><strong>\u00dcber diese Kolumne:<\/strong><\/p>\n<p>In einer w\u00f6chentlichen Kolumne, die abwechselnd von\u00a0<strong>Bert Overlack<\/strong>, Mary Fiers, Peter de Kock, Eveline van Zeeland, Lucien Engelen, Tessie Hartjes, Jan Wouters, Katleen Gabriels, Floris Beemster und Auke Hoekstra geschrieben wird, versucht Innovation Origins herauszufinden, wie die Zukunft aussehen wird. Diese Kolumnisten, gelegentlich erg\u00e4nzt durch Gast-Blogger, arbeiten alle auf ihre Weise an L\u00f6sungen f\u00fcr die Probleme unserer Zeit. Damit es morgen besser wird.\u00a0<a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/?s=besseres+morgen\">Hier sind alle vorherigen Episoden<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Thema \u201eFehlerkultur\u201c oder \u201efehlerzulassende Kultur\u201c ist in Mode und wird neuerdings in vielen Unternehmen und Tagungen diskutiert. Dies Diskussion reicht von der Begeisterung und dem Wunsch nach einer m\u00f6glichst schnellen Einf\u00fchrung sogenannter FuckUp Events in Unternehmen bis hin zur kompletten Ablehnung gegen\u00fcber einer Fehlertoleranz. 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