{"id":197213,"date":"2019-11-25T07:00:32","date_gmt":"2019-11-25T06:00:32","guid":{"rendered":"https:\/\/innovationorigins.com\/?p=197213"},"modified":"2019-11-25T07:00:32","modified_gmt":"2019-11-25T06:00:32","slug":"mikrogummi-mikroplastik-mensch-schaedlich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/de\/mikrogummi-mikroplastik-mensch-schaedlich\/","title":{"rendered":"Wie sch\u00e4dlich ist Mikrogummi f\u00fcr dem Menschen?"},"content":{"rendered":"<p>Mikroplastik ist im wahrsten Sinne des Wortes in aller Munde. Jeder Mensch nimmt pro Woche durch Essen, Trinken und durch die Atemluft bis zu f\u00fcnf Gramm Mikroplastik zu sich \u2013 und isst so in Prinzip eine Kreditkarte. In der Luft und in unserem Trinkwasser befindet sich aber nicht nur jede Menge Mikroplastik, sondern auch ein anderes Polymer aus dem t\u00e4glichen Gebrauch: Mikrogummi.<\/p>\n<p>Als Autofahrer kennt man das Problem. Die Reifen sind abgefahren und man muss wohl oder \u00fcbel einen neuen Satz kaufen, denn je nach Fahrweise h\u00e4lt ein Pneu rund 40.000 Kilometer bis er ausgetauscht werden muss. Wohin verschwindet aber der ganze Gummi, der urspr\u00fcnglich das Profil der Reifen ausgemacht hat? Nach Vollbremsungen bei hoher Geschwindigkeit ist es klar. Die schwarzen Spuren auf dem Asphalt sind un\u00fcbersehbar, aber auch ohne Vollbremsungen oder Kavalierstarts an Ampeln nutzen Reifen sich ab und der Gummi verteilt sich in der Umwelt.<\/p>\n<p>Forscher rund um Bernd Nowack von der Abteilung \u201eTechnologie und Gesellschaft\u201c Auto- und LKW-Reifen der <a href=\"https:\/\/www.empa.ch\">Eidgen\u00f6ssischen Materialpr\u00fcfungs- und Forschungsanstalt<\/a> (Empa) in St. Gallen haben berechnet, dass sich von 1988 bis 2018 \u2013 alleine in der Schweiz \u2013 rund 200.000 Tonnen Mikrogummi in der Umwelt angesammelt haben. Dazu haben sie unter anderem Import- und Exportdaten von Reifen in der Schweiz ausgewertet, die sie dann mit einem Modell verkn\u00fcpft haben, in dem simuliert wird, wie sich Gummi auf der Stra\u00dfe und im Abwasser verh\u00e4lt. Au\u00dferdem analysierten sie die Abnutzung von Fl\u00e4chen wie zum Beispiel Kunstrasen.<\/p>\n<p>Autos und LKWs die HautpschuldigenDas Ergebnis zeigte, dass Auto- und LKW-Reifen die Hauptquelle f\u00fcr Mikrogummi sind, denn der Abtrag von k\u00fcnstlichen Gr\u00fcnfl\u00e4chen wie Kunstrasen habe mit gerade mal drei Prozent nur eine untergeordnete Rolle gespielt, sagt Nowack. Die restlichen 97 Prozent kamen vom Reifenabrieb. Knapp drei Prozent bleiben dabei innerhalb der ersten f\u00fcnf Meter rechts und links der Stra\u00dfe, f\u00fcnf Prozent in den restlichen B\u00f6den, knapp 20 Prozent gelangen in Gew\u00e4sser. In der Luft verteilt sich nur ein kleiner Teil, der immer wieder aufgewirbelt wird.<\/p>\n<figure id=\"attachment_197212\" aria-describedby=\"caption-attachment-197212\" style=\"width: 600px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-197212 size-medium\" src=\"https:\/\/archive.ioplus.nl\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/hannes-egler-3iHW2HLqTXU-unsplash-600x400.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"400\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-197212\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 unsplash\/Hannes Egler<\/figcaption><\/figure>\n<p>F\u00fcr den Menschen sind die Auswirkungen des Mikrogummis aber offenbar weniger gravierend als die des Mikroplastiks. Christoph H\u00fcglin von der Empa-Abteilung \u201eLuftfremdstoffe \/ Umwelttechnik&#8221; sch\u00e4tzt sie nur als gering ein. Eine Studie aus dem Jahr 2009 belegt, dass der Anteil von Reifenabrieb am eingeatmeten Feinstaub auch an verkehrsnahen Standorten im tiefen einstelligen Prozentbereich liege, sagte er.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/?s=mikroplastik\">Artikel zum Thema Mikroplastik finden Sie hier.<\/a><\/p>\n<p>Mikroplastik und Mikrogummi k\u00f6nne man jedoch nicht in einen Topf werfen. \u201eEs handelt sich um unterschiedliche Partikel, die sich kaum miteinander vergleichen lassen\u201c, so Nowack. Auch wenn von Mikrogummi offenbar keine Gefahr f\u00fcr den Menschen ausgeht, d\u00fcrfe man ihn nicht vernachl\u00e4ssigen, denn die Mengen an freigesetztem Mikrogummi \u00fcbersteigt die von freigesetztem Mikroplastik um ein Vielfaches. Die Wissenschaftler haben ausgerechnet, das nur sieben Prozent der in die Umwelt freigesetzten polymerbasierten Mikropartikel aus Plastik bestehen, die restlichen 93 Prozent aus Gummi. \u201eDie Menge von Mikrogummi in der Umwelt ist riesig und somit h\u00f6chst relevant\u201c, betont Nowack.<\/p>\n<h3>Gefahr durch Schwermetalle?<\/h3>\n<p>W\u00e4hrend Bernd Nowack betont, dass von Mikrogummi kein Gesundheitsrisiko ausgehe, gibt es andere Quellen, die sehr wohl eine Gef\u00e4hrdung in den kleinen Gummipartikeln sehen. In den USA wurden in den letzten Jahren Tausende von Kinderspielpl\u00e4tzen und Sportpl\u00e4tzen mit Gummib\u00f6den aus recycelten Reifen ausgestattet und nicht nur Eltern sondern auch Gesetzgeber machen sich Sorgen \u00fcber gesundheitliche Auswirkungen auf die Kinder. Autoreifen bestehen n\u00e4mlich nicht nur aus Gummi, sondern haben jede Menge Materialien beigemischt, die im Verdacht stehen, Krebs und andere lebensbedrohliche Krankheiten auszul\u00f6sen. So werden Chemikalien wie Schwefel und Zinkoxid verwendet, dazu kommen verschiedene Metalle wie Blei und Cadmium und auch gesundheitssch\u00e4dliche Weichmacher und Feuerschutzmittel.<\/p>\n<p>Eine Gruppe indischer Wissenschaftler f\u00fchrte bereits 2014 eine Studie durch, um die m\u00f6gliche Gefahr zu bewerten, die von Gummipartikeln in der Luft ausgeht. Dazu f\u00fchrten sie 60 m\u00e4nnlichen Mitarbeitern einer Kautschukfabrik und einer Kontrollgruppe einen Lungenfunktionstest durch. Die Gruppen waren aufgeteilt nach der Dauer, die sie den Gummistaubpartikeln ausgesetzt waren: 1-3 Jahre, 4-7 Jahre und 8-11 Jahre. Gruppe 1 war eine Kontrollgruppe. Nach Auswertung aller Lungenfunktionen der Teilnehmer zeigte sich, dass Gruppe 2, 3 und 4 gegen\u00fcber der Kontrollgruppe einen signifikanten R\u00fcckgang der Lungenfunktionen hatte. Die schlechtesten Werte im Vergleich zur Kontrollgruppe hatten die Probanden der Gruppe 4, die dem Mikrogummi am l\u00e4ngsten ausgesetzt waren. Diese Ergebnisse w\u00fcrden zeigen, dass die Lungenfunktion von den Gummistaubpartikeln beeinflusst werde und die Schwere des Effekts von der Dauer abh\u00e4ngig sei, schrieben die Forscher.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mikroplastik ist im wahrsten Sinne des Wortes in aller Munde. Jeder Mensch nimmt pro Woche durch Essen, Trinken und durch die Atemluft bis zu f\u00fcnf Gramm Mikroplastik zu sich \u2013 und isst so in Prinzip eine Kreditkarte. 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