{"id":196245,"date":"2019-11-17T13:33:59","date_gmt":"2019-11-17T12:33:59","guid":{"rendered":"https:\/\/innovationorigins.com\/?p=196245"},"modified":"2019-11-17T13:33:59","modified_gmt":"2019-11-17T12:33:59","slug":"meistgelesen-warum-eine-deutsch-flaemisch-niederlaendische-mega-city-keine-so-gute-idee-ist","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/de\/meistgelesen-warum-eine-deutsch-flaemisch-niederlaendische-mega-city-keine-so-gute-idee-ist\/","title":{"rendered":"Meistgelesen: Warum eine deutsch-fl\u00e4misch-niederl\u00e4ndische Mega-City keine so gute Idee ist"},"content":{"rendered":"<p>Immer mehr Menschen ziehen in die Stadt. In den kommenden Jahren werden sogar Mega-Citys entstehen, in denen mehr als drei\u00dfig Millionen Menschen leben und arbeiten. Es ist keineswegs unvorstellbar, dass bis 2025 etwa 70 Prozent der Weltbev\u00f6lkerung in solchen Metropolen leben werden. Mit durchschnittlich 150.000 Einwohnern k\u00f6nnen die niederl\u00e4ndischen St\u00e4dte mit dieser Gr\u00f6\u00dfe nicht mithalten. Um sich \u00fcber Wasser zu halten, t\u00e4ten die Niederlande gut daran, zusammen mit Flandern und dem deutschen Ruhrgebiet einen Block zu bilden. Peter Savelberg, der Erfinder des Tristate City-Modells, erkl\u00e4rte in dem <a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/meistgelesen-nur-eine-deutsch-flaemisch-niederlaendische-megacity-kann-wettbewerbsfaehig-sein\/\">meistgelesenen Artikel<\/a> der vergangenen Woche, wie er sich das vorstellt. Savelberg glaubt, dass dieser Block mit insgesamt mehr als vierzig Millionen Einwohnern und Know-how sowie einem hohen Ma\u00df an Wohlstand und Gemeinwohl in der Lage w\u00e4re, mit Weltst\u00e4dten wie Hongkong zu konkurrieren.<\/p>\n<h3>Eine schlechte Idee?<\/h3>\n<p>Eine schlechte Idee, so Zef Hemel, Professor f\u00fcr Stadt- und Regionalplanung an der Universit\u00e4t Amsterdam: \u201eAus wirtschaftlicher Sicht ist eine solche Metropole \u00fcberhaupt nicht attraktiv. Au\u00dferdem ist dieses Stadtmodell nicht nachhaltig. Ein durchschnittlicher Niederl\u00e4nder erurschat einen weitaus h\u00f6heren CO2-Aussto\u00df als jemand in Hongkong. Dort nutzen sie f\u00fcr alles die U-Bahn, w\u00e4hrend wir hier viele Kilometer mit dem Auto zur\u00fccklegen. Auch im Bereich des \u00f6ffentlichen Verkehrs kommen wir schlecht weg, da wir kein nationales U-Bahn-Netz haben. Die Metropolregion Los Angeles hat eines und hat etwa so viele Einwohner wie die Niederlande.&#8221;<\/p>\n<p>Hemel stellt klar, dass die Idee, die die Niederlande als eine gro\u00dfe Stadt sieht, nicht neu ist. \u201ePremierminister Wim Kok hat das bereits Mitte der 90er Jahre gesagt. Das nationale Stra\u00dfennetz war gerade fertiggestellt worden, und jeder konnte das Land pl\u00f6tzlich mit hoher Geschwindigkeit in nur zwei oder drei Stunden durchqueren.&#8221; Die Idee war, dass es mit der Fertigstellung des Stra\u00dfennetzes (und dem gleichzeitigen Aufkommen des Internets) keine Rolle mehr spielt, wo jemand ist. \u201eAber das Gegenteil ist der Fall. Das ist das Paradoxon, in dem wir uns befinden. Seit der Fertigstellung des nationalen Stra\u00dfennetzes und der Einrichtung des Internets hat eine st\u00e4rkere Zentralisierung stattgefunden. Der Attraktivit\u00e4tsfaktor des Zentrums, das in den Niederlanden als Randstad bezeichnet wird, hat sich nur aufgrund der verbesserten Erreichbarkeit erh\u00f6ht. Jeder will ein Teil davon sein.&#8221;<\/p>\n<h3>Kein Leben mehr in den Innenst\u00e4dten<\/h3>\n<p>Als Beispiel nennt Hemel den Umzug verschiedener Firmensitze aus den Provinzen nach Amsterdam seit Anfang der 90er Jahre. Das vielleicht bekannteste Beispiel ist Philips, das 1993 von Eindhoven in die Hauptstadt zog. \u201eDie Konzentration hat seit den 90er Jahren zugenommen. Untersuchungen haben gezeigt, dass viele Innenst\u00e4dte nicht mehr belebt sind, Gesch\u00e4fte leer sind und junge Menschen in die Randstad ziehen, weil \u201ada was los ist\u2018.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDieses Ph\u00e4nomen zeigt sich auch im Gesundheitswesen. Durch die Zusammenlegung von Krankenh\u00e4usern, immer mehr in Richtung Gro\u00dfstadt, haben die Regionen Probleme. Der Standard f\u00fcr Krankenwagen, innerhalb von 45 Minuten ein Erstversorgungszentrum zu erreichen, ist in Gefahr und Patienten au\u00dferhalb der Randstad m\u00fcssen weitere Strecken fahren, um in ein gutes Krankenhaus zu kommen.\u201c<\/p>\n<h3>Universit\u00e4t = Vielfalt<\/h3>\n<p>Auch beim Thema Innovation sieht Hemel f\u00fcr die Niederlande keinen Vorteil darin, eine Gro\u00dfstadt zu sein: \u201eSt\u00e4dte spielen eine wichtige Rolle in der Wissensgesellschaft. Eine gute Universit\u00e4t mit Labors und Forschern auf dem Campus reicht nicht aus.\u201c<\/p>\n<p>\u201eIn Amerika gibt es Universit\u00e4tsst\u00e4dte, in denen die Talente nach dem Abschluss wegziehen. Interessant wird es erst, wenn eine Universit\u00e4t in den Ballungsraum eingebettet ist. Dann kann eine Universit\u00e4t von der r\u00e4umlichen N\u00e4he und der Verf\u00fcgbarkeit komplexer \u00d6kosysteme profitieren. In New York gibt es Columbia, Cornell-Tech und NYU. Diese Universit\u00e4ten geh\u00f6ren zu den besten der Welt. Das spiegelt sich auch in den Ranglisten wider, da es staatliche Universit\u00e4ten wie die City University of New York (CUNY) gibt, die besser abschneiden als niederl\u00e4ndische Universit\u00e4ten. Denn sie alle profitieren von der Vielfalt und kritischen Masse New Yorks, mehr Menschen und einer breiteren Nutzung \u00f6ffentlicher Verkehrsmittel. Weniger Kilometer Staus, weil alle das U-Bahn-Netz nutzen.&#8221;<\/p>\n<p>Hemel glaubt, dass die Niederl\u00e4nder die falsche Mentalit\u00e4t haben, um im Sinne einer Metropole zu denken: \u201eWir m\u00f6gen es nicht, wenn Menschen ihre eigene Werbetrommel r\u00fchren. Es gibt das holl\u00e4ndische Sprichwort: \u201aDoe maar gewoon dan doe je al gek genoeg\u2018 &#8211; (was bedeutet: \u201eBenimm dich normal, das ist verr\u00fcckt genug&#8221;. d.Red.) Das Gleiche gilt f\u00fcr die Universit\u00e4ten. Hier gibt es weniger Spannungen und weniger Unterschiede zwischen den Universit\u00e4ten. Aber das ist notwendig, um voranzukommen.&#8221;<\/p>\n<h3>Akzeptanz ist noch lang nicht erreicht<\/h3>\n<p>Die r\u00e4umliche Konzentration beschr\u00e4nkt sich nicht nur auf die Niederlande: \u201eIn der Vergangenheit dachten wir f\u00e4lschlicherweise, das sei nur in Entwicklungsl\u00e4ndern der Fall. Aber es geschieht auch in Frankreich, der Schweiz, Gro\u00dfbritannien und Kanada. Toronto hat in Kanada eine starke magnetische Anziehungskraft. Ich denke, wir sollten uns nicht weiter dagegen wehren, sondern dieses Ph\u00e4nomen akzeptieren. So k\u00f6nnen wir uns darauf vorbereiten.&#8221;<\/p>\n<p>Aber der Professor hat diese Akzeptanz bisher kaum gesehen. Ihm zufolge tun verschiedene Ministerien in den Niederlanden alles in ihrer Macht Stehende, um die Lage zu verbessern.<\/p>\n<p>\u201eDie Regierung versucht, die Ausweitung der Stadtentwicklung au\u00dferhalb der Gro\u00dfst\u00e4dte durch alle Arten von Regionalprogrammen so weit wie m\u00f6glich zu f\u00f6rdern. Ich kann eine betr\u00e4chtliche Anzahl von Initiativen aufz\u00e4hlen, die den Regionen helfen, zu wachsen und voranzukommen. Im Sinne der Nachhaltigkeit w\u00e4re es sinnvoller zu akzeptieren, dass die Vernetzung zu einer st\u00e4rkeren r\u00e4umlichen Konzentration f\u00fchrt. Es ist m\u00f6glich, die Niederlande als eine gro\u00dfe Stadt zu sehen, aber wir sollten nicht denken, dass dies alles ausgleichen wird.&#8221; Hemel ist \u00fcberzeugt, dass dieses Modell unweigerlich zu gro\u00dfen Unterschieden zwischen st\u00e4dtischen und l\u00e4ndlichen Gebieten f\u00fchren wird. Hemel: \u201eEs ist eine Illusion, dass wir die Einwohner in einer gro\u00dfen, landesweiten, grundverschiedenen und aufgeteilten Stadt halten k\u00f6nnen.&#8221;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Immer mehr Menschen ziehen in die Stadt. In den kommenden Jahren werden sogar Mega-Citys entstehen, in denen mehr als drei\u00dfig Millionen Menschen leben und arbeiten. Es ist keineswegs unvorstellbar, dass bis 2025 etwa 70 Prozent der Weltbev\u00f6lkerung in solchen Metropolen leben werden. Mit durchschnittlich 150.000 Einwohnern k\u00f6nnen die niederl\u00e4ndischen St\u00e4dte mit dieser Gr\u00f6\u00dfe nicht mithalten. 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