{"id":195832,"date":"2019-11-14T14:00:44","date_gmt":"2019-11-14T13:00:44","guid":{"rendered":"https:\/\/innovationorigins.com\/?p=195832"},"modified":"2019-11-14T14:00:44","modified_gmt":"2019-11-14T13:00:44","slug":"hundefluestern-hund-angeboren-lernen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/de\/hundefluestern-hund-angeboren-lernen\/","title":{"rendered":"\u201eHundefl\u00fcstern\u201c ist nicht angeboren, man muss es lernen"},"content":{"rendered":"<p>Sch\u00e4tzungen des <a href=\"https:\/\/www.aerzteblatt.de\/\">Deutschen \u00c4rzteblatts<\/a> zufolge werden in Deutschland pro Jahr zwischen 20.000 und 40.000 Menschen von Hunden gebissen. Offizielle Zahlen f\u00fcr ganz Deutschland gibt es nicht, da jedes Bundesland eigene Bei\u00dfstatistiken f\u00fchrt. Die meisten dieser Unf\u00e4lle, rund 90 Prozent, passieren dabei mit dem eigenen oder einem bekannten Hund, weil die Halter und insbesondere die Kinder ihren \u201ebesten Freund\u201c einfach nicht gut genug verstehen. Bei der Kommunikation Mensch-Mensch haben wir im Allgemeinen keine Probleme, den Gesichtsausdruck der anderen zu deuten und ihm Freude, Langeweile oder auch \u00c4rger ganz klar anzusehen.<\/p>\n<p>Ganz anders ist das aber oft bei der Beziehung Mensch-Hund. Da kommt es leichter zu Missverst\u00e4ndnissen oder zu komplettem Unverst\u00e4ndnis. \u201eDem Biss des Tieres liegt meist eine gest\u00f6rte Interaktion zugrunde. H\u00e4ufig wurde das Tier erschreckt, ge\u00e4rgert oder beim Fressen gest\u00f6rt\u201c, schreiben die Autoren um die Kinderchirurgin Karin Rothe von der <a href=\"https:\/\/www.charite.de\/en\/\">Berliner Uniklinik Charit\u00e9<\/a> im \u00c4rzteblatt.<\/p>\n<h3>Verst\u00e4ndnis Hund-Mensch besser als Mensch-Hund<\/h3>\n<p>Nach rund 40.000 Jahren, in denen Menschen mit Hunden zusammenleben, sollte dieses Problem doch eigentlich gel\u00f6st sein, und in dem meisten F\u00e4llen trifft das auch zu. Sowohl Menschen als auch Hunde haben im Laufe der Entwicklung spezielle emotionale Signale und kognitive F\u00e4higkeiten entwickelt, die ihr gegenseitiges Verst\u00e4ndnis f\u00f6rdern. So haben Hunde \u00fcber die Jahrtausende hinweg gelernt, menschliche Gesten, ikonische Zeichen und W\u00f6rter zu verstehen. Sie sind sogar in der Lage, Tonfall und Gesichtsausdr\u00fccke des Menschen zu deuten. Warum tut sich aber der Mensch so schwer, seinen Vierbeiner ebenso gut zu verstehen? Ein deutsch-britischen Forschungsteams hat in einer Studie versucht, das herauszufinden.<\/p>\n<figure id=\"attachment_195828\" aria-describedby=\"caption-attachment-195828\" style=\"width: 600px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-195828 size-medium\" src=\"https:\/\/archive.ioplus.nl\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/dog-2088424_1920-600x400.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"400\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-195828\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Pixabay<\/figcaption><\/figure>\n<p>Unter der Leitung von Frederica Amici vom <a href=\"https:\/\/www.eva.mpg.de\/index.html\">Max-Planck-Institut f\u00fcr Evolution\u00e4re Anthropologie<\/a> in Leipzig und Juliane Br\u00e4uer vom <a href=\"https:\/\/www.shh.mpg.de\/en\">Max-Planck-Institut f\u00fcr Menschheitsgeschichte<\/a> in Jena, haben Wissenschaftler jetzt erstmals umfassend untersucht, wie gut oder schlecht Menschen die Gesichtsausdr\u00fccke, bzw. Emotionen von Hunden verstehen k\u00f6nnen und woher dieses Verst\u00e4ndnis kommt. Dazu haben sie 89 Erwachsene und 77 Kinder danach eingeteilt, ob sie selbst einen Hund besa\u00dfen oder nicht, und ob sie in einer Kultur aufgewachsen waren, die Hunden positiv oder negativ gegen\u00fcbersteht.<\/p>\n<p>Den Teilnehmern wurden Fotos von den Hunden, Schimpansen und Menschen mit gl\u00fccklichen, traurigen, w\u00fctenden, neutralen oder \u00e4ngstlichen Gesichtsausdr\u00fccken gezeigt. Dabei sollten sie bewerten, welcher der Emotionen das Gesicht auf dem Bild zeigte. Die Erwachsenen sollten au\u00dferdem sagen, in welchem Kontext das Bild aufgenommen wurde, wie beispielsweise beim Spielen mit einem vertrauten Partner oder kurz vor der Attacke auf einen Artgenossen.<\/p>\n<h3>Alter und kultureller Hintergrund entscheidend<\/h3>\n<p>Die Ergebnisse zeigten, dass die Menschen die Emotionen der Hunde umso zuverl\u00e4ssiger erkennen konnten, je \u00e4lter sie waren. Dar\u00fcber hinaus konnten die Erwachsenen, die in einer Kultur aufgewachsen waren, die Hunden positiv gegen\u00fcber steht, die Gesichtsausdr\u00fccke der Hunde am besten deuten. Es zeigte sich aber auch, dass es egal ist, ob man selbst Hundebesitzer ist oder nicht. Menschen, die selbst einen Hund besa\u00dfen, schnitten nicht besser ab, als solche, die keinen hatten.<\/p>\n<figure id=\"attachment_195829\" aria-describedby=\"caption-attachment-195829\" style=\"width: 600px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-195829 size-medium\" src=\"https:\/\/archive.ioplus.nl\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/dog-486550_1920-600x400.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"400\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-195829\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Pixabay<\/figcaption><\/figure>\n<p>Dennoch ist f\u00fcr die F\u00e4higkeit der Menschen, die Emotionen von Hunden zu deuten, offenbar der kulturelle Hintergrund entscheidend, ob Hunde als wichtig angesehen werden. So w\u00fcrden die Menschen mit Hunden passive Erfahrungen machen, erkl\u00e4rten die Forscher, was dazu f\u00fchren w\u00fcrde, dass sie die Gesichtsausdr\u00fccke von Hunden besser deuten k\u00f6nnen, auch wenn sie selbst nie einen Hund hatten. \u201eDiese Ergebnisse sind bemerkenswert, weil sie darauf hindeuten, dass nicht unbedingt direkte Erfahrungen mit Hunden notwendig sind, um deren Gesichtsausdr\u00fccke zu verstehen\u201c, sagt Federica Amici. \u201eViel wichtiger ist das kulturelle Umfeld, in dem Menschen aufwachsen.\u201c<\/p>\n<p>W\u00e4hrend die Erwachsenen alle Emotionen der Vierbeiner \u2013 wie auch der Menschen und Schimpansen \u2013 in der Studie mehr oder weniger gut deuten konnten, erkannten die Kinder meist nur Wut und Gl\u00fcck. Bei Hunden erkannten sie diese beiden Emotionen sogar besser als bei Schimpansen. Dass sie die anderen Gef\u00fchle von Hunden schlecht deuten konnten &#8211; wie auch die von Schimpansen-, spricht daf\u00fcr, dass das Verst\u00e4ndnis f\u00fcr Hunde im Laufe des Lebens erlernt wird und nicht angeboren ist.<\/p>\n<p>Nun m\u00fcssten weitere Studien zeigen, welche konkreten kulturellen Aspekte die menschliche F\u00e4higkeit beeinflussen, Emotionen von Hunden zu verstehen, sagt Juliane Br\u00e4uer. \u201eDazu sollten auch reale Stimuli mit K\u00f6rperausdr\u00fccken und bewegten Bildern verwendet werden. Auf diese Weise k\u00f6nnen wir diese interkulturellen Unterschiede besser verstehen.\u201c Damit k\u00f6nne man hoffentlich auch das Auftreten \u201enegativer Zwischenf\u00e4lle&#8221; zwischen Mensch und Hund verringern, betont sie. \u201eZwischenf\u00e4lle passieren ja vor allem dann, wenn Menschen nicht f\u00e4hig sind, die Signale der Hunde zu deuten.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sch\u00e4tzungen des Deutschen \u00c4rzteblatts zufolge werden in Deutschland pro Jahr zwischen 20.000 und 40.000 Menschen von Hunden gebissen. Offizielle Zahlen f\u00fcr ganz Deutschland gibt es nicht, da jedes Bundesland eigene Bei\u00dfstatistiken f\u00fchrt. 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