{"id":194369,"date":"2019-11-05T14:00:30","date_gmt":"2019-11-05T13:00:30","guid":{"rendered":"https:\/\/innovationorigins.com\/?p=194369"},"modified":"2019-11-05T14:00:30","modified_gmt":"2019-11-05T13:00:30","slug":"menschliches-gehirn-erkennt-musik-schneller-als-smartphone-apps","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/de\/menschliches-gehirn-erkennt-musik-schneller-als-smartphone-apps\/","title":{"rendered":"Menschliches Gehirn erkennt Musik schneller als Smartphone-Apps"},"content":{"rendered":"<p>Smartphone-Apps wie Shazam, MusicID, SoundHound und der gleichen schaffen es innerhalb weniger Sekunden, einen Song zu erkennen und uns auf dem Phone den Titel mitzuteilen. Neuesten Studienergebnissen zufolge kann ein menschliches Gehirn damit problemlos konkurrieren \u2013 auch wenn uns in der Regel der Titel nicht einf\u00e4llt. Um eine vertraute Melodie zu erkennen, braucht unser Gehirn aber nur Bruchteile von Sekunden, n\u00e4mlich 100 bis 300 Millisekunden.<\/p>\n<p>In der britischen Spielshow \u201eName That Tune\u201c setzten die Macher genau auf dieses Ph\u00e4nomen. Dort mussten zwei aus dem Studiopublikum ausgew\u00e4hlte Teilnehmer in verschiedenen Spielen gegeneinander antreten, um Bargeld und Preise zu gewinnen. Forscher des <a href=\"https:\/\/www.ucl.ac.uk\/\">University College London<\/a> (UCL) haben nun in einer Studie untersucht, wie schnell das Gehirn auf bekannte Musik reagiert und wie das zeitliche Profil der Prozesse im Gehirn ist, die das erm\u00f6glichen.<\/p>\n<p>Die Studienteilnehmer, f\u00fcnf M\u00e4nnern und f\u00fcnf Frauen, nannten dazu jeweils f\u00fcnf Lieder, die ihnen sehr vertraut waren. Die Forscher w\u00e4hlten dann f\u00fcr jeden Teilnehmer eines der bekannten Lieder aus und passten es mit einer Melodie zusammen, die in n Tempo, Melodie, Harmonie, Gesang und Instrumentierung \u00e4hnlich war wie die vertraute Melodie.<\/p>\n<figure id=\"attachment_194366\" aria-describedby=\"caption-attachment-194366\" style=\"width: 600px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-194366 size-medium\" src=\"https:\/\/archive.ioplus.nl\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/action-audience-celebration-3052360-600x400.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"400\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-194366\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Pexels<\/figcaption><\/figure>\n<h3>Pupillen und EEG verraten Gef\u00fchle<\/h3>\n<p>Dann wurden den Teilnehmern 100 Ausschnitte von jeweils weniger als eine Sekunde des bekannten und unbekannten Liedes in zuf\u00e4lliger Reihenfolge vorgespielt. Insgesamt h\u00f6rten sie rund 400 Sekunden. \u201eIn dieser Arbeit haben wir mit Hilfe der Elektroenzephalographie (EEG) und der Pupillometrie [eine Technik, die den Pupillendurchmesser misst &#8211; ein Ma\u00df f\u00fcr die Erregung] die zeitlichen Signaturen der Hirnprozesse aufgedeckt, die es erm\u00f6glichen, zwischen einem vertrauten, beliebten und unbekannten Musikst\u00fcck zu unterscheiden\u201c, schreiben die Wissenschaftler in ihrer Studie, die im Fachmagazin Nature erschienen ist.<\/p>\n<p>Das Ergebnis brachte zutage, dass das menschliche Gehirn \u201evertraute&#8221; Melodien innerhalb von 100 bis 300 Millisekunden von ersten Ton an erkannte. Das zeigte sich durch eine schnelle Pupillenerweiterung, die, laut Aussage der Forscher, wahrscheinlich mit einer erh\u00f6hten Erregung im Zusammenhang mit dem vertrauten Ger\u00e4usch verbunden ist. Auch die mit dem EEG gemessenen Gehirnreaktionen zeigten eine Unterscheidung zwischen vertrauter und unbekannter Musik ab 350 Millisekunden nach Beginn. \u201eBemerkenswert ist, dass das in der EEG-Aufzeichnung identifizierte Clustermuster demjenigen sehr \u00e4hnlich ist, das h\u00e4ufig in den klassischen Paradigmen des alten\/neuen Ged\u00e4chtnisabrufs vorkommt, was darauf hindeutet, dass die Erkennung von kurzen, zuf\u00e4llig pr\u00e4sentierten Musikausschnitten auf \u00e4hnlichen Prozessen beruht\u201c, hei\u00dft es in der Studie.<\/p>\n<p>Zum Vergleich wurde auch eine Gruppe von Kontrollteilnehmern getestet, die keine Lieblingssongs angegeben hatten. Sie bekamen ebenfalls ein Potpourri von Ausschnitten bekannter und unbekannter Songs vorgespielt. In dieser Gruppe wurden jedoch keine derartigen Unterschiede festgestellt.<\/p>\n<figure id=\"attachment_194367\" aria-describedby=\"caption-attachment-194367\" style=\"width: 600px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-194367\" src=\"https:\/\/archive.ioplus.nl\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/steven-hwg-zBsdRTHIIm4-unsplash-600x400.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"400\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-194367\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Unsplash<\/figcaption><\/figure>\n<h3>Musikbasierte Therapien<\/h3>\n<p>\u201eUnsere Ergebnisse zeigen, dass die Erkennung bekannter Musik bemerkenswert schnell erfolgt\u201c, sagte die Erstautorin der Studie, Professor Maria Chait vom UCL Ear Institute. \u201eDiese Ergebnisse deuten auf einen schnellen temporalen Schaltkreis hin und best\u00e4tigen, wie tief solche Musikst\u00fccke in unserem Ged\u00e4chtnis verwurzelt sind.\u201c Diese Erkenntnisse, wie das Gehirn vertraute Melodien erkennt, seien \u2013 abgesehen von der Grundlagenforschung \u2013 n\u00fctzlich f\u00fcr verschiedene musikbasierte therapeutische Interventionen.<\/p>\n<p>Insbesondere bei Menschen, die an Demenz erkrankt sind, k\u00f6nnte Musik therapeutisch eingesetzt werden, da das Ged\u00e4chtnis f\u00fcr Musik trotz eines ansonsten systemischen Versagens von Ged\u00e4chtnissystemen gut erhalten zu sein scheint, erkl\u00e4rt Chait. \u201eDie Identifizierung des neuronalen Weges und der Prozesse, die die Musikidentifikation unterst\u00fctzen, kann einen Anhaltspunkt f\u00fcr das Verst\u00e4ndnis der Grundlagen dieses Ph\u00e4nomens liefern.&#8221;<\/p>\n<p>Das spanische Start-up <a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/start-up-of-the-day-durch-musiktherapie-alzheimer-verlangsamen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">M\u00e9todo S\u00e1ncal<\/a> nutzt Musik schon seit einiger Zeit als Instrument zur Entwicklung kognitiver F\u00e4higkeiten.<\/p>\n<p><strong><em><a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/?s=demenz\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Hier finden Sie weitere Artikel zum Thema Demenz<\/a><\/em><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Smartphone-Apps wie Shazam, MusicID, SoundHound und der gleichen schaffen es innerhalb weniger Sekunden, einen Song zu erkennen und uns auf dem Phone den Titel mitzuteilen. 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