{"id":194210,"date":"2019-11-04T08:00:04","date_gmt":"2019-11-04T07:00:04","guid":{"rendered":"https:\/\/innovationorigins.com\/?p=194210"},"modified":"2019-11-04T08:00:04","modified_gmt":"2019-11-04T07:00:04","slug":"interdisziplinaeres-doktorats-kolleg-will-smart-farming-auf-oekologischer-basis-entwickeln","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/de\/interdisziplinaeres-doktorats-kolleg-will-smart-farming-auf-oekologischer-basis-entwickeln\/","title":{"rendered":"Interdisziplin\u00e4res Doktorats-Kolleg will Smart Farming auf \u00f6kologischer Basis entwickeln"},"content":{"rendered":"<p>In Wien gr\u00fcndete ein Konsortium aus drei Universit\u00e4ten das neue Doktorats Kolleg <em>DiLaAg \u2013 digitale Technologien in der Landwirtschaft<\/em>. Mit der Vision des <em>Smart Farming<\/em> sollen Methoden entwickelt werden, die effizient und ressourcenschonend sind und gleichzeitig einen Beitrag zur Nachhaltigkeit leisten.<\/p>\n<p>Beim Kick off des neuen interdisziplin\u00e4ren Doktorats Kolleg am 31. Oktober im Universit\u00e4ts- und Forschungsgeb\u00e4ude Tulln war das Konsortium samt Doktoranden versammelt. Vertreter der Universit\u00e4ten f\u00fcr <a href=\"https:\/\/boku.ac.at\/\"><em>Bodenkultur<\/em><\/a>, <a href=\"https:\/\/www.vetmeduni.ac.at\/\"><em>Veterin\u00e4rmedizin<\/em><\/a> und <a href=\"https:\/\/www.tuwien.at\/\"><em>Technische Universit\u00e4t<\/em> <\/a>(Informatik) erkl\u00e4rten, die Basis f\u00fcr den zielf\u00fchrenden Einsatz von digitalen Technologien in der Landwirtschaft legen zu wollen. Initiator des Programms war die Stiftung <a href=\"https:\/\/www.forummorgen.at\/\"><em>Forum Morgen<\/em> <\/a>in Nieder\u00f6sterreich (N\u00d6). Diese ist vom Land Nieder\u00f6sterreich finanziert und f\u00f6rdert interdisziplin\u00e4re Forschungsprojekte im europ\u00e4ischen Kontext.<\/p>\n<p>Das <a href=\"http:\/\/dilaag.boku.ac.at\/kick-off-veranstaltung-des-projektes-dilaag\/\">Programm DiLaAG<\/a> soll sich zur Innovationsplattform f\u00fcr Fachleute aus der landwirtschaftlichen Praxis entwickeln und die Gesellschaft informieren, so der Projektleiter DiLaAG, <a href=\"https:\/\/boku.ac.at\/personen\/person\/887BDB8F37171690\/\">Andreas Gronauer<\/a>, Institutsvorstand f\u00fcr <a href=\"https:\/\/boku.ac.at\/nas\/ilt\"><em>Landtechnik<\/em><\/a> am <a href=\"https:\/\/boku.ac.at\/nas\"><em>Department f\u00fcr Nachhaltige Agrarsysteme<\/em><\/a>.<\/p>\n<h3>Smart Farming auf \u00f6kologischer Basis<\/h3>\n<p>Der Begriff <em>Smart Farming<\/em> steht f\u00fcr die Nutzung moderner Technologien mit dem Ziel, Quantit\u00e4t und Qualit\u00e4t von Agrarprodukten zu steigern. In L\u00e4ndern mit weniger n\u00e4hrstoffreichen B\u00f6den ist die Forschung zumindest in <em>Precision Farming<\/em> schon weit fortgeschritten. Die Israelis etwa bauen Avocados in der W\u00fcste Gobi an. M\u00f6glich wird dies durch die Zufuhr der genau richtigen Menge an Fl\u00fcssigkeit und N\u00e4hrstoffen, erkl\u00e4rte Professor <a href=\"https:\/\/www.ifs.tuwien.ac.at\/amin.tjoa\">A Min Tjoa<\/a>, von der <a href=\"http:\/\/www.ifs.tuwien.ac.at\/\"><em>Fakult\u00e4t f\u00fcr Informatik<\/em><\/a> an der TU Wien.<\/p>\n<p>Das Universit\u00e4ten-Konsortium will die effizienzsteigernden M\u00f6glichkeiten von <em>Smart Farming<\/em> zus\u00e4tzlich auf eine \u00f6kologische Basis stellen. Im Fokus stehen Technologien wie Sensorik, Robotik, Automation und k\u00fcnstliche Intelligenz.<\/p>\n<p>Im Hinblick auf<\/p>\n<ul>\n<li>eine rapide wachsende Weltbev\u00f6lkerung, die bis 2015 um ein Viertel auf zehn Milliarden steigen wird,<\/li>\n<li>schrumpfende Agrarfl\u00e4chen durch zunehmende Bodenversiegelung,<\/li>\n<li>drohende Ernteausf\u00e4lle durch extreme Wetterereignisse im Klimawandel,<\/li>\n<\/ul>\n<p>\u201ebraucht es alle Dimensionen der Agrarwirtschaft\u201c, wie es der prominente Gastredner, <em><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Club_of_Rome\">Club-of-Rome<\/a>&#8211;<\/em>Mitglied Prof. Dr. Dr. Dr. h.c. Franz Josef Radermacher formulierte.<\/p>\n<h3>Einblick in die ersten Dissertationen<\/h3>\n<p>Einen tieferen Einblick in das Programm DiLaAG gaben die Forschungsprojekte der Doktorierenden, die unter der Moderation von Projektleiter Gronauer pr\u00e4sentiert wurden:<\/p>\n<p>So ist etwa die Arbeit <em>Deep Learning in Food Production<\/em> von Lukas Teufelberger neuen Methoden der Ernteprognose unter den Aspekten klimatischer Extreme und technologischer Verbesserungen gewidmet. Untersucht werden sowohl aquaponische als auch hydroponische Umgebungen.<\/p>\n<h3>Erh\u00f6hte Pr\u00e4zision im Pflanzenanbau<\/h3>\n<p>In der auf Robotik basierenden Arbeit von <a href=\"https:\/\/boku.ac.at\/personen\/person\/13890C380A069EBA\">Florian Kitzler<\/a> geht es um <em>die Integration von Bestandsparametern f\u00fcr intelligente landwirtschaftliche Prozesse. <\/em>Wobei die Bestandsparameter aus Bilddaten online erfasst werden &#8211; und mit zus\u00e4tzlichen Daten wie Wetter und Leistung kombiniert. Herausforderung ist es, mit unstrukturierten Faktoren umzugehen, wie etwa Licht- und Wetterverh\u00e4ltnissen und Ver\u00e4nderungen durch das Wachstum der Pflanzen. Die so gewonnenen Erkenntnisse sollen eine erh\u00f6hte Pr\u00e4zision durch neuartige Modellierungen erm\u00f6glichen.<\/p>\n<h3>Monitoring der Weidehaltung von Milchk\u00fchen<\/h3>\n<p><a href=\"https:\/\/search.obvsg.at\/primo-explore\/fulldisplay?docid=OBV_alma71456392230003331&amp;context=L&amp;vid=OBV&amp;lang=de_DE\">Barbara Pichlbauer<\/a> untersucht in ihrer Arbeit <em>Monitoring der Weidehaltung von Milchk\u00fchen<\/em> eine digitale Sensortechnik. Im Stall bereits erprobt, soll diese nun auch auf der Weide getestet werden. Das macht insofern Sinn, als die Beobachtung der Rinder durch den Landwirt auf der Weide schwieriger ist, als im Stall. Die Sensortechnik soll den gesundheitlichen Zustand der Rinder erfassen und eine sichere Nahrungsmittelproduktion mit gesunden Tieren erm\u00f6glichen.<\/p>\n<h3>Nachhaltigkeitsbewertung der Digitalisierung in der Landwirtschaft<\/h3>\n<p>Last but not least wird es eine Arbeit zur <em>Nachhaltigkeitsbewertung der Digitalisierung in der Landwirtschaft mittels \u00d6kobilanz geben.<\/em> In einem <em>lifecycle assessment<\/em> sollen die \u00f6kologischen und sozialen Auswirkungen der landwirtschaftlichen Produktion \u00fcber den gesamten Lebensweg quantitativ bearbeitet werden. Die Arbeit kn\u00fcpft an die Ergebnisse der anderen Arbeiten an, weshalb die Fragestellung noch nicht feststeht. Eine m\u00f6gliche Fragestellung w\u00e4re jedoch: Wie effizient ist die Robotik und was sind die Umweltauswirkungen?<\/p>\n<p>Die Dissertationen sind abh\u00e4ngig von der Datenverf\u00fcgbarkeit und Projektleiter Gronauer wies darauf hin, dass Partner aus Industrie und Landwirtschaft gesucht werden, die sich aktiv beteiligen wollen.<\/p>\n<h3>Kausalit\u00e4t vs. Korrelation<\/h3>\n<p>Den Gastredner <a href=\"https:\/\/www.fawn-ulm.de\/prof-dr-dr-f-j-radermacher-dr-h-c\">Franz Josef Radermacher<\/a> stellte <a href=\"https:\/\/boku.ac.at\/personen\/person\/087E932156F0F215\/\">Hubert Hasenauer<\/a>, der Direktor der <em>Universit\u00e4t f\u00fcr Bodenkultur<\/em>, als einen <em>Mahner f\u00fcr die Nachhaltigkeit<\/em> vor. Radermacher warnte eingangs vor zu viel Euphorie f\u00fcr k\u00fcnstliche Intelligenz. Diese arbeite mit Korrelation und nicht mit Kausalit\u00e4t. Das wirkliche Thema der Wissenschaft sei jedoch Kausalit\u00e4t. Um Probleme wie jene der Weltern\u00e4hrung zu l\u00f6sen, brauche es immer noch einen gesunden Hausverstand. Die revolution\u00e4re Leistung von Maschinen bestehe lediglich in der enormen Rechenleistung, die viel Zeit und menschliche Arbeitskraft spare.<\/p>\n<h3>Humusmonitoring<\/h3>\n<p>Sp\u00e4ter ging Radermacher zu Fragen der Weltern\u00e4hrung sowie Klima und Energie \u00fcber. Die <em>Sustainable Development Goals<\/em> (SDGs) im <a href=\"https:\/\/ec.europa.eu\/clima\/policies\/international\/negotiations\/paris_de\"><em>Pariser \u00dcbereinkommen<\/em> <\/a>h\u00e4lt er f\u00fcr nicht umsetzbar. Schon allein wegen des rapiden Weltbev\u00f6lkerungswachstums. Ausnahme sei nur die kleine Gruppe der <em>nature based solutions, <\/em>bei der es um die konsequente Verfolgung von naturnahen L\u00f6sungen geht. Alles was mit Humusverbesserung, mit Aufforstung und Regenwaldschutz zu tun hat, so Radermacher. In diesem Zusammenhang sieht er eine wichtige Aufgabe f\u00fcr die Zukunft kommen:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eDer Boden der Landwirtschaft ist derzeit eine Kohlenstoffquelle und tr\u00e4gt einige Milliarden CO2 pro Jahr und weltweit in die Atmosph\u00e4re. Wir m\u00fcssen das Gegenteil erreichen und einige Milliarden CO2 aus der Atmosph\u00e4re in den Boden bekommen, so dass dieser zur Kohlenstoffsenke wird.&#8221; Franz Josef Radermacher<\/p><\/blockquote>\n<p>Ein kohlenstoffhaltiger Boden weist eine h\u00f6here Produktivit\u00e4t und einen besseren Wasserhaushalt auf und tr\u00e4gt gleichzeitig zum Schutz des Klimas und der Umwelt bei.<\/p>\n<p>Das wichtigste Element der organischen Bodensubstanz ist der Humus, der zu beinahe 60 Prozent aus Kohlenstoff besteht. Wichtig f\u00fcr den Klimaschutz ist der langfristig stabile Humus. Radermacher pl\u00e4diert daher f\u00fcr ein EU-F\u00f6rdersystem, das auf einem Humusmonitoring basiert. Dabei bekommen jene Landwirte, die f\u00fcr Humusbildung sorgen, eine h\u00f6here F\u00f6rderung als jene, die dies nicht tun.<\/p>\n<p>N\u00e4here Informationen zu Humusmonitoring finden Sie in <a href=\"https:\/\/www.thuenen.de\/de\/thema\/boden\/humus-fuer-bodenfruchtbarkeit-und-klimaschutz\/\">dieser Ver\u00f6ffentlichung<\/a> des <a href=\"https:\/\/www.thuenen.de\/\"><em>Th\u00fcnen Instituts<\/em><\/a>.<\/p>\n<h3>Gr\u00fcner Wasserstoff und gr\u00fcnes Methanol<\/h3>\n<p>Einen weiteren substanziellen Teil der L\u00f6sung sieht Radermacher in gr\u00fcnem Wasserstoff und gr\u00fcnem Methanol. Anders als die Anh\u00e4nger der <em>all-electric solution<\/em> fordert er eine L\u00f6sung, die aus 50 Prozent Elektrik und 50 Prozent Synthetik besteht. Zitat: \u201eDie synthetische Schiene l\u00e4uft vor allem \u00fcber die Sonnenw\u00fcsten der Erde, die man nutzt (&#8230;) um die Sonne zu ernten und erneuerbare Energie (&#8230;) zu produzieren. Dann produziert man mit diesem Strom \u00fcber Elektrolyse den gr\u00fcnen Wasserstoff den man (&#8230;) mit CO2 zu Methanol verbindet. Dieses Methanol ist eine Art Benzin und (&#8230;) eine hochenergetische klimaneutrale Fl\u00fcssigkeit, die wir mit 50 Prozent Elektrik verbinden.\u201c<\/p>\n<p>Radermacher arbeitet mit dem <a href=\"http:\/\/www.bmz.de\/de\/index.html\"><em>Ministerium f\u00fcr Wirtschaftliche Zusammenarbeit<\/em><\/a> im Kontext des <a href=\"https:\/\/www.bmz.de\/rue\/de\/international\/Marshallplan_mit_Afrika\/index.html\"><em>Marshallplan mit Afrika<\/em><\/a> an der Umsetzung der mit Abstand gr\u00f6\u00dften Produktionsst\u00e4tte f\u00fcr gr\u00fcnen Wasserstoff und gr\u00fcnes Methanol. Die Sonnenfelder haben eine Gr\u00f6\u00dfe von 15 mal 15 Kilometer. Radermacher: \u201eWollte man die Energieprobleme der ganzen Welt l\u00f6sen, br\u00e4uchte man Sonnenfelder in einer Gr\u00f6\u00dfe von 1000 mal 1000 Kilometer. Das ist die Gr\u00f6\u00dfe der Aufgabe, die wir stemmen m\u00fcssen.\u201c<\/p>\n<p><strong>Auch interessant:<\/strong><\/p>\n<div id=\"main-content\">\n<div class=\"container\">\n<div id=\"content-area\" class=\"clearfix\">\n<div class=\"et_pb_extra_column_main\">\n<article id=\"post-185391\" class=\"module single-post-module post-185391 post type-post status-publish format-standard has-post-thumbnail hentry category-empfohlene category-muenchen category-nachhaltigkeit category-oesterreich tag-biooekonomie tag-boku-wien tag-universitaet-fuer-bodenkultur-wien et-has-post-format-content et_post_format-et-post-format-standard\">\n<div class=\"post-header\">\n<p class=\"entry-title\"><a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/185391-2\/\">Umwelt- und Sozialwissenschaft wichtige Aspekte der Bio\u00f6konomie<\/a><\/p>\n<p class=\"entry-title\"><a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/189384-2\/\">Warum der Klimawandel Auswirkungen auf die Wasserverf\u00fcgbarkeit hat<\/a><\/p>\n<p class=\"entry-title\"><a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/start-up-of-the-day-phytoprove-handlicher-device-ermittelt-gesundheitszustand-von-pflanzen\/\">Start-up of the day: Phytoprove \u2013 Handlicher Device ermittelt Gesundheitszustand von Pflanzen<\/a><\/p>\n<\/div>\n<\/article>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Wien gr\u00fcndete ein Konsortium aus drei Universit\u00e4ten das neue Doktorats Kolleg DiLaAg \u2013 digitale Technologien in der Landwirtschaft. 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