{"id":193699,"date":"2019-11-02T08:00:36","date_gmt":"2019-11-02T07:00:36","guid":{"rendered":"https:\/\/innovationorigins.com\/?p=193699"},"modified":"2019-11-02T08:00:36","modified_gmt":"2019-11-02T07:00:36","slug":"wie-nachhaltig-kann-bootsbau-von-rennyachten-sein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/de\/wie-nachhaltig-kann-bootsbau-von-rennyachten-sein\/","title":{"rendered":"Wie nachhaltig kann Bootsbau sein?"},"content":{"rendered":"<p>Nachdem Greta Thunberg mit der Rennyacht Malizia II ihren \u2012 als Alternative zum Flug \u2012 nachhaltigen T\u00f6rn \u00fcber den Atlantik machte, wurde in aller Welt der Carbon-Rumpf der Yacht viel diskutiert. Denn dieses Material ist als andere als nachhaltig. Doch immerhin: Es ist f\u00fcr die harten Bedingungen auf hoher See derzeit noch die sicherste und beste Wahl. Noch \u2013 denn das Projektteam <a href=\"https:\/\/www.ecosailkarlsruhe.com\/\">ecosail<\/a> rund um Prof. Dr.-Ing. Fahmi Bellalouna der <a href=\"https:\/\/www.hs-karlsruhe.de\/home\/\">Hochschule Karlsruhe<\/a> arbeitet derzeit daran, den Bootsbau nachhaltiger zu gestalten.<\/p>\n<p>F\u00fcr den im Jahre 2006 von der Uni Palermo gemeinsam mit der Universit\u00e4t von Neapel ins Leben gerufenen <a href=\"http:\/\/www.1001velacup.eu\/edizioni\/edizione-2019.html\">1001 VELA Cup 2019<\/a> entwickelte das Team eine Jolle, die &#8211; bezogen auf das Gewicht &#8211; zu 70 % aus Naturstoffen besteht. Denn das war die Vorgabe der Wettkampfanforderungen. Immerhin belegte das deutsche Team mit ihrer Mach 1 den 5. Platz des internationalen, studentischen Profi-Wettkampfes mit Gr\u00fcnen Booten.<\/p>\n<figure id=\"attachment_193707\" aria-describedby=\"caption-attachment-193707\" style=\"width: 600px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-193707\" src=\"https:\/\/archive.ioplus.nl\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/Bild_5-600x425.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"425\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-193707\" class=\"wp-caption-text\">ecosail-Team \u00a9Salvatore Lopez<\/figcaption><\/figure>\n<h3>Tropenholz und Spantenstruktur<\/h3>\n<p>Das etwa 110 kg wiegende Boot \u00e4hnelt einer 470er, \u2012 also einer olympischen Zweimann-Rennjolle mit Trapez und Spinnaker \u2012, besteht aber aus laminiertem Flachsgewebe mit 50 % Naturharzanteil. Zudem ist die innere Rumpfstruktur, eine Spantenstruktur, aus tropischem Okoum\u00e8 Holz und Sapelli Holz gefertigt. Dieses Tropenholz zeichnet sich durch hohe Festigkeit mit gleichzeitig geringem Gewicht aus. Das Deck der Gr\u00fcnen Jolle besteht aus Birch-Holz. Dies ist neben den obigen Eigenschaften zudem noch relativ flexibel.<\/p>\n<p>Bellalouna erkl\u00e4rt den Hintergrund und die Zukunft von Bauweise und Materialen:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eDie innere Struktur des Rumpfs wurde durch eine Spantenbauweise und durch die Verwendung von leichten, aber gleichzeitig stabilen Holzarten-Okoum\u00e8 Holz und Sapelli Holz realisiert. Diese Leichtbauweise hat zur hohen Gewichtsreduzierung und zu mehr Stabilit\u00e4t des Rumpfes gef\u00fchrt. Ferner wurde durch den Einsatz von Flachsgewebe als leichte und hochfeste Naturfaser und durch Vakuumpressen als Laminierverfahren der Rumpfschale eine stabile und leichte Rumpfform verliehen.&#8221;<\/p><\/blockquote>\n<p>&#8220;Der Einsatz von Naturfasern, z.B. Flachs, Jute, Halfagras, ist aufgrund der sehr positiven \u00d6kobilanz \u2013 eben ihrer F\u00e4higkeit in trockenen und wasserarmen Gebieten zu gedeihen und der M\u00f6glichkeit sie mehrmals pro Jahr zu ernten \u2012, vergleichbar mit Holz. Die Naturfasern haben sehr gute mechanische Eigenschaften. Somit werden sie zuk\u00fcnftig mehr an Bedeutung in den industriellen Anwendungen, z.B. im Automobil-, Schiffs- und Flugzeugbau, gewinnen&#8221;, erg\u00e4nzt Bellalouna.<\/p>\n<h3>Branchen\u00fcbergreifend: Naturfasern f\u00fcr industrielle Fertigung<\/h3>\n<p>Denn Ziel des ecosail-Projektes ist es, nicht nur im Bootsbau die industrielle Verwendung von Naturfasern zu untersuchen und zu bewerten. Und immerhin hat das studentische Seglerteam ja nun die Tauglichkeit der entwickelten Konzepte in der Praxis bewiesen. Im n\u00e4chsten Schritt werden diese bei Fachausstellungen und in Fachver\u00f6ffentlichungen potenziell interessierten Unternehmen vorgestellt. So hofft das Uni-Team auf weitere m\u00f6gliche Kooperationen. Denn schon jetzt arbeiten die Studenten, von denen viele Profi-Segler sind, im engen Austausch mit Firmen aus dem Yacht-Design sowie der -Fertigung zusammen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_193708\" aria-describedby=\"caption-attachment-193708\" style=\"width: 600px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-193708\" src=\"https:\/\/archive.ioplus.nl\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/Bild_3-600x369.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"369\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-193708\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9Sven Doll<\/figcaption><\/figure>\n<p>Im Prinzip werden sogar alle Hochschulteams, die an dem 1001 Vela Cup teilnehmen, durch Sponsoren aus der Segelbootkonstruktion und dem Segelbootbau unterst\u00fctzt. Gleichzeitig nutzen die Unternehmen die Veranstaltung als intensive Austauschplattform sowie als Impulsgeber f\u00fcr die Entwicklung ihrer neuen Konzepte.<\/p>\n<p>Bellalouna freut sich:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eDas Interesse von Kunden an umweltfreundlichen und nachhaltigen Produkten hat den Bootsmarkt auch erreicht. Das Segeln ist per se eine umweltfreundliche und nachhaltige Mobilit\u00e4tsform, die nur den Wind und die Thermik als Energiequelle benutzt. Daher achten inzwischen viele Kunden auf die Materialzusammensetzung und auf die Herstellverfahren von Segelbooten. Diese Entwicklung wird oft von Experten \u2012 wie Designern, Ingenieuren, Werftmitarbeitern aus dem Boots- und Dickschiffsbaubereich \u2012, immer best\u00e4tigt.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Doch bis dahin ist noch ein langer Weg. Bellalouna erl\u00e4utert:<\/p>\n<p>\u201eBoots- und Dickschiffsbau sind aufgrund der St\u00fcckzahlen und der Gr\u00f6\u00dfe des Markts sehr teuer. Daher versuchen die Hersteller hier m\u00f6glichst etablierte Materialien und Herstellverfahren einzusetzen, um Kosten zu reduzieren. Der Einsatz von neuen \u00f6kologischen Materialien und Herstellverfahren ist technisch aufgrund der fehlenden Daueruntersuchungen sehr riskant und wirtschaftlich nicht rentabel. Die meisten Boots- und Dickschiffsbauer sind kleine Werften, die dieses technische und wirtschaftliche Risiko nicht tragen k\u00f6nnen. Und in der Forschung gibt es in Deutschland sowie weltweit zwar Hochschulen und Institute, die sich der Entwicklung von nachhaltigen Konzepten f\u00fcr kleine Boote und Dickschiffe widmen, es ist jedoch kein lukratives Forschungsgebiet.\u201c<\/p>\n<h3>Hybrid-Faser statt reinem Carbon<\/h3>\n<p>Auch wenn Naturfasern aufgrund ihrer sehr guten, mechanischen Eigenschaften und sehr guten \u00d6kobilanz langfristig eine alternative f\u00fcr Carbon und Kunststofffasern darstellen k\u00f6nnten, sieht Bellalouna zuk\u00fcnftig deren Aufgabe eher im Bereich von Hybrid-Fasern, die aus Natur- und Kunststofffasern zusammengesetzt werden. Denn, so der Prof.:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eDie Herstellung von R\u00fcmpfen durch Verbundwerkstoffe aus Epoxidharz und Kunststofffasern ist aufgrund der Wirtschaftlichkeit und der guten technischen Beherrschung bez\u00fcglich der Belastung und der Fertigung mittelfristig nicht 100 % wegzudenken. Das h\u00e4ngt nat\u00fcrlich von der Weiterentwicklung im Bereich von Naturverbundwerkstoffen ab\u2026\u201c<\/p><\/blockquote>\n<h3>Gr\u00fcner Bootsbau f\u00e4cher\u00fcbergreifend<\/h3>\n<p>Insgesamt waren \u00fcbrigens am etwa 8000 Stunden dauernden Bootsbau der zukunftsweisenden ecosail-Jolle 25 Studenten beteiligt. Sie kamen aus den Studieng\u00e4ngen Maschinenbau, Mechatronik, Fahrzeugtechnik, Wirtschaftsingenieurwesen und International Management.<\/p>\n<p>Der n\u00e4chste 1001 VELA Cup findet vom 17. bis 22. September 2020 im Golf von Palermo statt. Hier werden dann neben den Karlsruhern noch zwei weitere deutsche Hochschulen, die Fachhochschule Kiel und Hochschule Ostwestfalen-Lippe, mit eigenen Teams dabei sein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nachdem Greta Thunberg mit der Rennyacht Malizia II ihren \u2012 als Alternative zum Flug \u2012 nachhaltigen T\u00f6rn \u00fcber den Atlantik machte, wurde in aller Welt der Carbon-Rumpf der Yacht viel diskutiert. Denn dieses Material ist als andere als nachhaltig. 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