{"id":191755,"date":"2019-10-20T08:30:38","date_gmt":"2019-10-20T06:30:38","guid":{"rendered":"https:\/\/innovationorigins.com\/?p=191755"},"modified":"2019-10-20T08:30:38","modified_gmt":"2019-10-20T06:30:38","slug":"morgen-besser-how-we-fail-and-why-it-matters","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/de\/morgen-besser-how-we-fail-and-why-it-matters\/","title":{"rendered":"Morgen Besser: How we fail and why it matters"},"content":{"rendered":"<p>Ich spreche regelm\u00e4\u00dfig auf sogenannten FuckUp-Nights, Veranstaltungen, auf denen \u00fcber gescheiterte Projekte und Unternehmen gesprochen wird. Mir gef\u00e4llt das Format sehr gut. \u00dcber etwas sprechen zu k\u00f6nnen setzt voraus, dass wir es anerkannt und reflektiert haben. Das Gespr\u00e4ch war schon immer die beste Therapie, weil es uns zwingt uns mit einer Erfahrung auseinanderzusetzen, sie zu strukturieren und sie verstehen zu wollen. Es geht um die Fragen: Was war mein FuckUp, warum kam es dazu und was habe ich daraus gelernt und was k\u00f6nnen andere aus dieser Erfahrung lernen. Eigentlich ganz banal. Und doch so schwierig.<\/p>\n<p>Wir leben in einer sogenannten Erfolgsgesellschaft, die sich auf erfolgreiche Menschen konzentriert. Gescheiterte sind da zwangsl\u00e4ufig uninteressant. Glauben wir. In meiner Welt sind Erfolg und Scheitern zwei Seiten derselben Medaille. Im Erfolg liegt immer das Risiko des Scheiterns und im Scheitern stets auch eine M\u00f6glichkeit f\u00fcr den Erfolg. Das ist keine Theorie, sondern dass muss so sein. Wir lernen grunds\u00e4tzlich auf zwei verschiedene Arten: Erfahrung (trial &amp; error) und Nachahmung (imitation). Erfahrungen machen wir, wenn wir etwas neu ausprobieren oder imitieren. Und wenn es uns gelingt, dann sch\u00fcttet unser Gehirn Neurotransmitter wie Dopamin usw. aus, die uns dazu anregen, die gemachte Erfahrung zu wiederholen. Sind wir gescheitert, so geht dies erst einmal mit Emotionen der Entt\u00e4uschung, der Frustration und des Zweifels einher, was dazu f\u00fchrt, dass wir eine \u00e4hnliche Situation zu vermeiden suchen.<\/p>\n<h3>Geschichten des Scheiterns<\/h3>\n<p>Er gibt viele Geschichten des Scheiterns. Oft sprechen wir \u00fcber Unternehmen oder deren Produkte. Am Ende sind es aber immer Menschen, die eine Erfahrung des Scheiterns machen. In den n\u00e4chsten Monaten werde ich regelm\u00e4\u00dfig an dieser Stelle \u00fcber sogenannte FuckUps berichten \u2013 Unternehmen, Sportler, Produkte, Politiker \u2013 und was wir aus diesen lernen k\u00f6nnen. Denn darum geht es ja. Nicht der Fehler, das Scheitern oder der FuckUp sollte im Mittelpunkt stehen, sondern die sogenannten Erfahrungen und Learnings, die wir aus ihnen ziehen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Heute m\u00f6chte ich mit meinem eigenen FuckUp beginnen. Im Jahr 2011 musste ich f\u00fcr mein Unternehmen Insolvenz anmelden. Zuvor waren unsere M\u00e4rkte 2009 um 50% zusammengebrochen und die Banken haben uns trotz guter Restrukturierungserfolge das Vertrauen entzogen. Soweit so gut. Es w\u00e4re ein Leichtes jetzt zu sagen, dass wir Finanzkrise oder die Banken schuld waren. Und das habe ich auch eine Zeit lang geglaubt und gedacht. Es gab nur ein Problem: wieso haben es meine Wettbewerber, die in der gleichen Branche und teilweise bei der gleichen Bank waren, geschafft? Das konnten nicht die Schuldigen sein. Aber wer dann? Egal wo ich suchte, ich kam immer wieder bei mir an. Bei den Entscheidungen, die ich nicht getroffen hatte, die ich falsch getroffen habe, oder zu sp\u00e4t. Die Informationen und Hinweise, den Wahrheiten, die ich nicht wahrhaben wollte, weil sie nicht in mein Selbstbild von mir und meinem Unternehmen gepasst haben. An der Selbst\u00fcbersch\u00e4tzung der zeitlichen und finanziellen Ressourcen vor mir und meinem Unternehmen, an den falschen Priorit\u00e4ten, die ich gesetzt habe, weil ich dachte, dass es irgendwie schon werden w\u00fcrde. Und vielem mehr.<\/p>\n<h3>Vielen kleinen und gro\u00dfen Fehlentscheidungen<\/h3>\n<p>Wir scheitern nicht von einem Tag auf den anderen. Nat\u00fcrlich gibt es die F\u00e4lle, bei denen ein vollkommen unerwartetes Ereignis innerhalb k\u00fcrzester Zeit einem Unternehmen die Gesch\u00e4ftsgrundlage entziehen. Aber die sind doch eher die Ausnahme, als die Regel. Es sind die vielen kleinen und gro\u00dfen Fehlentscheidungen, Nichtwahrhabenwollens und Fehleinsch\u00e4tzungen, die dazu f\u00fchren, dass ein Projekt, eine Karriere oder ein Unternehmen scheitern. Oder wie es ein Freund von mir ausdr\u00fcckte: Bert, es kommt nicht darauf an, dass Du keine Fehler machst. Es ist nur wichtig, dass Du weniger Fehler machst als Deine Wettbewerber.<\/p>\n<p>Was habe ich gelernt? Dass Unternehmer\/innen aus f\u00fcnf Gr\u00fcnden scheitern: Der erste Grund ist die Selbstl\u00fcge. Wenn wir einen Beruf verfolgen, ein Projekt \u00fcbernehmen oder die Nachfolge f\u00fcr ein Unternehmen \u00fcbernehmen, obwohl im wir im Grunde unseres Herzens wissen, dass wir das gar nicht wollen. Wenn unser Herz f\u00fcr etwas anderes schl\u00e4gt als das, was wir aktuell tun. Wenn wir uns selbst etwas vormachen. Der zweite Grund ist die Selbst\u00fcbersch\u00e4tzung. Wenn wir unsere Ressourcen \u00fcbersch\u00e4tzen, unseren finanziellen Spielraum, zeitliche Kapazit\u00e4ten, das Wohlwollen unserer Kunden oder die Motivation unserer Mitarbeiter. Der dritte Grund ist der Zweifel. Das Gegenteil der Selbst\u00fcbersch\u00e4tzung. Wenn wir uns unserer St\u00e4rken und Kompetenzen, die wir besonders in schwierigen Zeiten ben\u00f6tigen, nicht bewusst sind oder diesen nicht trauen. Wenn uns die gepr\u00fcfte Erfahrung im Umgang mit schwierigen Situationen fehlt. Der vierte Grund sind die Nicht-Entscheidungen, die dazu f\u00fchren, dass wir uns nicht konzentrieren und den Fokus auf das legen k\u00f6nnen, was jetzt das Wichtigste ist. Last but not least, der f\u00fcnfte Grund, das sind einfach die Zuf\u00e4lle des Lebens. Die sogenannten Schwarten Schw\u00e4ne, die Ereignisse, von denen wir glauben, dass sie nicht existieren k\u00f6nnen und wenn sie existierten, uns niemals betreffen w\u00fcrden. So wie bei mir eine Halbierung des Marktes \u2013 \u00fcber Nacht.<\/p>\n<p>In dem wir \u00fcber unsere Fehler und Scheiter-Erfahrungen sprechen und die anderer analysieren, erm\u00f6glichen wir es uns selbst und anderen aus diesen Erfahrungen zu lernen. Das ist das, was ich eine echte Lernkultur nenne. In diesem Sinne freue ich mich auf viele neue Erkenntnisse und Lernerfahrungen.<\/p>\n<p><strong>\u00dcber diese Kolumne:<\/strong><\/p>\n<p>In einer w\u00f6chentlichen Kolumne, die abwechselnd von\u00a0<strong>Bert Overlack<\/strong>, Mary Fiers, Peter de Kock, Eveline van Zeeland, Lucien Engelen, Tessie Hartjes, Jan Wouters, Katleen Gabriels, Floris Beemster und Auke Hoekstra geschrieben wird, versucht Innovation Origins herauszufinden, wie die Zukunft aussehen wird. Diese Kolumnisten, gelegentlich erg\u00e4nzt durch Gast-Blogger, arbeiten alle auf ihre Weise an L\u00f6sungen f\u00fcr die Probleme unserer Zeit. Damit es morgen besser wird. <a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/?s=besseres+morgen\">Hier sind alle vorherigen Episoden<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich spreche regelm\u00e4\u00dfig auf sogenannten FuckUp-Nights, Veranstaltungen, auf denen \u00fcber gescheiterte Projekte und Unternehmen gesprochen wird. 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