{"id":191592,"date":"2019-10-19T12:00:14","date_gmt":"2019-10-19T10:00:14","guid":{"rendered":"https:\/\/innovationorigins.com\/?p=191592"},"modified":"2019-10-19T12:00:14","modified_gmt":"2019-10-19T10:00:14","slug":"mangelnder-teamgeist-deutsche-wissenschaftler-gruender","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/de\/mangelnder-teamgeist-deutsche-wissenschaftler-gruender\/","title":{"rendered":"Mangelnder Teamgeist? Darum werden zu wenige deutsche Wissenschaftler zu Gr\u00fcndern"},"content":{"rendered":"<p>Im <a href=\"http:\/\/www3.weforum.org\/docs\/GCR2018\/05FullReport\/TheGlobalCompetitivenessReport2018.pdf\">Global Competitiveness Index 4.0<\/a> des <a href=\"https:\/\/www.weforum.org\/\">Weltwirtschaftsforums<\/a> des Jahres 2018 belegte Deutschland als Topstandort f\u00fcr Spitzenforschung Platz 3 hinter den USA und Singapur. In puncto Innovationsf\u00e4higkeit lag Deutschland sogar unangefochten an der Spitze der insgesamt 140 bewerteten L\u00e4nder. Dennoch sind Ausgr\u00fcndungen aus wissenschaftlichen Institutionen eher eine Seltenheit. Die Rate betr\u00e4gt gerade mal f\u00fcnf Prozent, in Estland (32. Gesamtplatz) dagegen 19 Prozent.<\/p>\n<p>Ein von der Joachim Herz Stiftung gef\u00f6rdertes Forschungsprojekt am Entrepreneurship Research Institute der Technischen Universit\u00e4t M\u00fcnchen (TUM ERI) hat sich nun mit der Frage besch\u00e4ftigt, wo die Gr\u00fcnde daf\u00fcr liegen, dass deutsche Akademiker offenbar vor Firmengr\u00fcndungen zur\u00fcckschrecken. In einem ersten Zwischenergebnis fanden die Forscher dabei heraus, dass die Probleme oft in drei wesentlichen Faktoren f\u00fcr den Erfolg liegen: Teamgeist, Pragmatismus und Soft Skills.<\/p>\n<p>Im Rahmen ihrer Studie hat das Forschungsteam \u00fcber mehrere Monate mehr als 100 unternehmerische Teams begleitet, in denen Experten aus Hochschulen und Unternehmen zusammenarbeiten, einige davon an der Einrichtung f\u00fcr Unternehmensausgr\u00fcndungen der TU M\u00fcnchen. In w\u00f6chentlichen Online-Fragebogen und Interviews gaben die Teilnehmer dar\u00fcber Auskunft, mit welchen Herausforderungensie bei der Ausgr\u00fcndung ihrer Idee konfrontiert wurden.<\/p>\n<figure id=\"attachment_191591\" aria-describedby=\"caption-attachment-191591\" style=\"width: 600px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-191591\" src=\"https:\/\/archive.ioplus.nl\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/startup-849804_1920-600x428.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"428\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-191591\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Pixabay<\/figcaption><\/figure>\n<h3>Teamarbeit wichtig f\u00fcr den Erfolg<\/h3>\n<p>Um ein Unternehmen zu gr\u00fcnden, reichen Fachkenntnisse nicht aus, nicht einmal, wenn man sein Studium Summa Cum Laude abgeschlossen hat. Und auch eine innovative Technologie ist nicht genug. Mindestens ebenso wichtig ist eine gute Marktkenntnis, um beurteilen zu k\u00f6nnen, welche Idee das Potenzial f\u00fcr eine Kommerzialisierung hat. Genau daran mangelt es Wissenschaftlern nach ihrem Studium im Allgemeinen. Daher ist es nach Ansicht von Fachleuten auch wichtig, dass Akademiker bei einer Firmengr\u00fcndung m\u00f6glichst von Beginn an Menschen mit Erfahrung aus Industrie- und mit Gr\u00fcndungserfahrung ins Team nehmen.<\/p>\n<p>Neben diesen mangelnden Marktkenntnissen gibt es laut den Ergebnissen der Studie ein weiteres, gro\u00dfes Hindernis, das den jungen Gr\u00fcndern oft im Wege steht. Vielen Gr\u00fcndungsteams falle es schwer, einen gemeinschaftlichen und geradlinigen Weg zu finden, erkl\u00e4rte Nicola Breugst, Professorin f\u00fcr Entrepreneurial Behavior am TUM Entrepreneurship Research Institute, bei der Vorstellung der Zwischenergebnisse . Diese Uneinigkeit beziehe sich sowohl auf die Entscheidung, was das Produkt k\u00f6nnen soll, als auch auf die Frage, wie diese Vision am besten umzusetzen ist. \u201eDie Gr\u00fcndungsteams beginnen dann, immer mehr Varianten zu diskutieren, ohne sich auf eine Linie festlegen zu k\u00f6nnen und scheitern letztendlich\u201c, sagte sie. Daher d\u00fcrften sich universit\u00e4re und andere Einrichtungen der Gr\u00fcndungsf\u00f6rderung nicht nur darauf beschr\u00e4nken, Technologie- und Marktkenntnisse zu vermitteln. Sie m\u00fcssten auch Soft-Skill-Kurse, z.B. um teamorientiertes Coaching anbieten.\u201c<\/p>\n<h3>Weniger Perfektionismus, mehr Pragmatismus<\/h3>\n<p>Eine weitere, gro\u00dfe H\u00fcrde f\u00fcr Gr\u00fcnder in Deutschland ist, laut der Ergebnisse der Studie, eine weltweit gesch\u00e4tzte \u201edeutsche Tugend\u201c: Perfektionismus. Gr\u00fcndungsteams m\u00fcssten nach der Devise \u201efail fast and early\u201c m\u00f6gliche Kunden schon fr\u00fchzeitig auch mit nicht vollst\u00e4ndig ausgereiften Prototypen konfrontieren und so herauszufinden, ob es einen Markt f\u00fcr ihre Produkte gibt. Dieses Testen und Einholen von Feedback in einem sehr fr\u00fchen Stadium steht allerdings im Widerspruch zum wissenschaftlichen Mindset, bei dem unausgereiftes Wissen keine Basis f\u00fcr Entscheidungen und die Kommunikation mit Anderen darstellt. Aus diesem Grund m\u00fcssten die Akademiker lernen, weniger wissenschaftlich und mehr \u201eunternehmerisch pragmatisch\u201c zu denken.<\/p>\n<figure id=\"attachment_191589\" aria-describedby=\"caption-attachment-191589\" style=\"width: 600px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-191589\" src=\"https:\/\/archive.ioplus.nl\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/unternehmertum_zwischenergebnisse-600x401.png\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"401\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-191589\" class=\"wp-caption-text\">Prof. Breugst pr\u00e4sentiert die Zwischenergebnisse\u00a9 Bert Willer \/ UnternehmerTUM, Oktober 2019<\/figcaption><\/figure>\n<p>\u201eDie ersten Ergebnisse der Studie zeigen, dass selbst interdisziplin\u00e4re akademische Gr\u00fcndungsteams mit \u00e4hnlichen Ausgangssituationen und Herausforderungen h\u00f6chst unterschiedliche Entwicklungswege einschlagen. Teams, die weniger auf die Expertentipps aus unserem Inkubator geh\u00f6rt haben und sich in ihren Entscheidungsprozessen quasi verloren haben, waren in der Regel nicht erfolgreich\u201c, erkl\u00e4rte Prof. Dr. Dr. Holger Patzelt, Professor f\u00fcr Entrepreneurship, TUM Entrepreneurship Research Institute. Wissenschaftler sollten sich trauen, auch mit unfertigen Prototypen m\u00f6gliche Zielgruppen und wichtige Stakeholder zuzugehen. Einige Gemeinsamkeiten h\u00e4tten aber alle gezeigt, betonte er: Neugier, Risikobereitschaft und Offenheit gegen\u00fcber Neuem. \u201eImmerhin m\u00fcssen sich Wissenschaftler*innen auf Forschungsprojekte einlassen, die schlimmstenfalls keine Ergebnisse liefern \u2013, was eine wichtige Voraussetzung f\u00fcr eine Ausgr\u00fcndung ist.\u201c<\/p>\n<h3>Dreij\u00e4hrige Studie<\/h3>\n<p>In dem dreij\u00e4hrigen Forschungsprojekt wollen die Forscher herausfinden, wie Wissenschaftler zu Gr\u00fcndern werden, welche Einfl\u00fcsse diesen Prozess unterst\u00fctzen oder hemmen und, welche \u201egrundlegenden relevanten, aber oftmals vernachl\u00e4ssigten, psychologischen Prozesse\u201c in akademischen Ausgr\u00fcndungen ablaufen. Ein weiteres Ziel, ist es, zu verstehen, wie interdisziplin\u00e4re Gr\u00fcndungsteams erfolgreich zusammenarbeiten, Kompromisse finden und gemeinsame Firmenwerte entwickeln. Zudem wollen sie sehen, wieso manche Lehrst\u00fchle mehr Gr\u00fcndungen hervorbringen als andere.<\/p>\n<p>Das Bildungssystem und F\u00f6rderm\u00f6glichkeiten in Deutschland seien f\u00fcr Gr\u00fcnder idal, sagte Dr. Nina Lemmens von der Joachim Herz Stiftung. Dennoch g\u00e4be es immer wenige Menschen, die es wagten, ein Unternehmen zu gr\u00fcnden oder sie w\u00fcrden zu fr\u00fch aufgeben. \u201eWoran liegt das? Am Mindset? Mangelnder Risikobereitschaft? Oder der Angst vor dem Scheitern? Wie k\u00f6nnen wir Wissenschaftler*innen Mut machen, mehr zu experimentieren?\u201c, sagte sie. Die finalen Ergebnisse der Studie werden Anfang 2021 in Berlin pr\u00e4sentiert.<\/p>\n<p><strong><em><a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/?s=gr%C3%BCnder\">Mehr Artikel zum Thema Gr\u00fcnder finden Sie hier.<\/a><\/em><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Global Competitiveness Index 4.0 des Weltwirtschaftsforums des Jahres 2018 belegte Deutschland als Topstandort f\u00fcr Spitzenforschung Platz 3 hinter den USA und Singapur. In puncto Innovationsf\u00e4higkeit lag Deutschland sogar unangefochten an der Spitze der insgesamt 140 bewerteten L\u00e4nder. Dennoch sind Ausgr\u00fcndungen aus wissenschaftlichen Institutionen eher eine Seltenheit. 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