{"id":190852,"date":"2019-10-15T17:00:57","date_gmt":"2019-10-15T15:00:57","guid":{"rendered":"https:\/\/innovationorigins.com\/?p=190852"},"modified":"2019-10-15T17:00:57","modified_gmt":"2019-10-15T15:00:57","slug":"190852-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ioplus.nl\/archive\/de\/190852-2\/","title":{"rendered":"Start-up of the Day: Blue Planet Ecosystems  m\u00f6chte die Fischzucht in ein Computer- und Containersystem verlagern"},"content":{"rendered":"<p>Der Klimawandel und schrumpfende agrarische Fl\u00e4chen sind eine gro\u00dfe Herausforderung f\u00fcr die Nahrungs- und Futtermittelproduktion. Besonders problematisch ist die Versorgung mit tierischem Protein.<\/p>\n<p>Das Start-up <a href=\"https:\/\/www.blueplanetecosystems.com\/\"><em>Blue Planet Ecosystems<\/em> <\/a>mit Sitz in San Francisco und Wien m\u00f6chte die Fischzucht in ein Computer- und Containersystem verlagern. Das \u00d6kosystem soll so simuliert werden, dass die Natur in autarken LARA (Land-based Automated Recirculating Aquaculture) Systemen nachgebildet werden kann.<\/p>\n<p>\u201eWir haben alles selbstgebaut, auch die Hardware\u201c, sagt Paul Schmitzberger, CEO und Co-Gr\u00fcnder von Blue Planet Ecosystems. Wir, das ist ein Team aus Ingenieuren, Biologen und Computerwissenschaftern. Hardware, das sind LARA Systeme, in denen die drei Stufen eines aquatischen \u00d6kosystems nachgebaut werden &#8211; von der Alge (Phytoplankton) \u00fcber den Zooplankton bis hin zum Endprodukt Fisch.<\/p>\n<p>Phytoplankton sind phytosynthetische Organismen, die ihre eigene Nahrung aus der Energie des Sonnenlichts herstellen. Ein weiteres Merkmal ist deren hohe Wachstumsrate: Bei idealen Licht &#8211; und Temperaturverh\u00e4ltnissen k\u00f6nnen diese innerhalb von vier bis sieben Tagen geerntet werden. Das ist eine Produktivit\u00e4t, die weit \u00fcber jener der traditionellen Landwirtschaft liegt.<\/p>\n<p>Zooplankton sind mikroskopische und semimikroskopische wirbellose Tiere, die in Gew\u00e4ssern vorkommen. Zooplankton wie Daphnien haben kurze Lebenszyklen, die innerhalb weniger Tage vom Ei zur Reife f\u00fchren. In der Natur explodiert deren Population, wenn die Umweltbedingungen stimmen. Ein Merkmal, das Blue Planet Ecosystems nutzt. Die Umweltparameter werden mit einer ausreichenden Versorgung mit Lebensmitteln (Mikroalgen) optimiert. Bei der Umwandlung pflanzlicher Biomasse in wertvolles tierisches Eiwei\u00df sind Daphnien noch effizienter als Insekten. Diese Effizienz reduziert die Umweltbelastung im Vergleich zur Haltung von warmbl\u00fctigen Tieren wie Rindern deutlich.<\/p>\n<h3>Nat\u00fcrlich ern\u00e4hrte Fische<\/h3>\n<p>Die gesundheitsf\u00f6rdernden N\u00e4hrstoffe die von den Algen synthetisiert werden, werden \u00fcber die nat\u00fcrliche Nahrungskette im Endprodukt Fisch bioakkumuliert. In den g\u00e4ngigen Aquakulturen ist diese Nahrungskette unterbrochen. Das Wasserprotein wird durch pflanzliches (Fischmehl) und tierisches (Blutmehl) ersetzt. Mikroplastik und andere Umweltgifte aus Industrie und Landwirtschaft werden durch diese Futtermittel unweigerlich an Nutztiere verf\u00fcttert. Dadurch verliert das Fischfleisch seine gesundheitsf\u00f6rdernden Eigenschaften weitgehend. Bei <em>Blue Planet Ecosystems<\/em> entspricht das Futter den physiologischen Anforderungen der Organismen.<\/p>\n<p>Das LARA-System, an dem das Start-up forscht, basiert auf erneuerbarer Energie und ist vereinfacht gesagt, ein Prozess, in dem Sonnenlicht in Fische verwandelt wird. Die Algeneinheit, die CTO Georg Schmitzberger entwickelte, hat die F\u00e4higkeit Licht optimal zu \u201eernten\u201c und f\u00fcr die Algen zur Verf\u00fcgung zu stellen.<\/p>\n<p>Das System erm\u00f6glicht die Herstellung von Lebensmitteln weitgehend unabh\u00e4ngig von klimawandelbedingten Umweltfaktoren und damit verbundenen Preisschwankungen von Futtermitteln wie Fischmehl. Durch die stark reduzierte Abh\u00e4ngigkeit vom Wasser sollen LARA-Systeme auch in W\u00fcstengebieten eingesetzt werden.<\/p>\n<p><em>Paul Schmitzberger in Interview:<\/em><\/p>\n<h4>Was ist eure Motivation? Welches Problem l\u00f6st ihr und warum ist das wichtig?<\/h4>\n<p>Uns interessiert das Thema auf intellektueller Ebene \u2013 und wir bauen gern Dinge. Erst haben wir aus Neugierde an der Funktion von biologischen \u00d6kosystemen geforscht und dann herausgefunden, dass wir damit ein gro\u00dfes Problem l\u00f6sen.<\/p>\n<p>Durch die wachsende Weltbev\u00f6lkerung m\u00fcssen wir die Produktion von tierischem Protein in den n\u00e4chsten Jahrzehnten verdoppeln. Das f\u00fchrt dazu, dass die Menschheit \u00f6kologische Juwelen in landwirtschaftliche Nutzfl\u00e4che umwidmet. Wir l\u00f6sen das Problem, indem wir die Produktion von tierischem Protein von typischen agrarischen Wertsch\u00f6pfungsketten entkoppeln. Wir brauchen keine Futtermittel aus pflanzlichen oder tierischen Proteinen, deren Produktion vom Klimawandel betroffen ist.<\/p>\n<p>Ein weiterer Aspekt ist die Verschmutzung der Weltmeere durch Mikroplastik und Umweltgifte wie Blei oder Fertilizer, die sich in der Nahrungskette sammeln und potenziell negative Auswirkungen auf sensible und gesundheitlich vorbelastete Menschen haben.<\/p>\n<h4>Was war das gr\u00f6\u00dfte Hindernis, das ihr \u00fcberwinden musstet? Gab es einen Moment in dem ihr aufgeben wolltet?<\/h4>\n<p>Nein diesen Moment gab es gl\u00fccklicherweise noch nicht.<\/p>\n<h4>Was waren die bisher sch\u00f6nsten Momente?<\/h4>\n<p>Wir hatten ein Pre-Seed-Investment von <em>IndieBio<\/em> in San Francisco, dem bedeutendsten Life Science-Accelerator weltweit. Als wir am Demo Day vor 1200 Menschen unseren <em>Laboratory Scale Prototype<\/em> pr\u00e4sentierten, war das schon toll.<\/p>\n<h4>Welche Leistungen haben euch wirklich stolz gemacht?<\/h4>\n<p>Dass wir es innerhalb k\u00fcrzester Zeit geschafft haben, von einer Powerpoint-Pr\u00e4sentation zu einem Prototyp zu kommen, ein gutes Team aufzubauen \u2013 und Unterst\u00fctzung f\u00fcr eine technisch anspruchsvolle Idee zu finden.<\/p>\n<h4>Wie schwer war es, eine Finanzierung zu bekommen?<\/h4>\n<p>Die Finanzierung ist f\u00fcr jedes Start-up sicher das schwierigste Teilprojekt. Im Silicon Valley sagt man, dass man 120 Kontakte mit Risikokapitalgebern f\u00fcr f\u00fcnf Term-Sheets und f\u00fcnf Termsheets f\u00fcr ein Investment braucht. Wir haben auch viele Gespr\u00e4che gef\u00fchrt und haben es geschafft.<\/p>\n<h4>Wie sind die Bedingungen am Standort Wien. K\u00f6nnt ihr euch einen besseren\/idealen Ort f\u00fcr euer Start-up vorstellen?<\/h4>\n<p>Nach f\u00fcnf Monaten im<em> IndieBio <\/em>in San Francisco sind wir seit August wieder in Wien \u2013 allerdings mit einer Niederlassung in San Francisco. Silicon Valley bietet sicher extreme Standortvorteile. Aber wir haben auch in Europa gute Wissenschafter und gute Bedingungen. Vor allem ist der Standort Wien leistbar. Silicon Valley ist extrem teuer.<\/p>\n<h4>Wo m\u00f6chtet ihr mit Ihrem Unternehmen in f\u00fcnf Jahren sein?<\/h4>\n<p>Ein funktionierendes Produkt, das gut am Markt angenommen wird und ein stabiles, florierendes Unternehmen.<\/p>\n<h4>Was macht eure Innovation besser\/anders als existierende Dinge?<\/h4>\n<p>Wir glauben, dass der Wert zuk\u00fcnftiger Industrien eher in der Software als in der Hardware liegt. Aber es muss eine Abstimmung zwischen Hard- und Software geben \u2013 und in unserem Projekt zus\u00e4tzlich noch mit der Biologie.<\/p>\n<p>Was uns hervorhebt, ist die Software. Wir bauen ein System, welches das nat\u00fcrliche \u00d6kosystem simuliert und streben nach einer L\u00f6sung, die immer schneller und selbstst\u00e4ndiger lernt. Unser <em>Head of Data Science<\/em> ist eine Teilchenphysikerin. Sie hat zehn Jahre am Cern an Machine Learning Systemen f\u00fcr Atlas Experimente gearbeitet \u2013 mit extrem hohen Datenmengen und sophisticated Modellen. Bei uns simuliert sie nicht das Universum, sondern das \u00d6kosystem. Unser Experte in Agrokultur hat unter anderem in Sri Lanka Fischfarmen designt.<\/p>\n<h4>Danke f\u00fcr das Gespr\u00e4ch<\/h4>\n<p>Unter diesem <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=ExGCnQMxriM&amp;t=715s\">Link<\/a> finden Sie ein Video \u00fcber das Projekt Blue Planet Ecosystem.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/innovationorigins.com\/de\/?s=start-up\">Sie interessieren sich f\u00fcr Start-ups? Hier finden Sie weitere Artikel zum Thema<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Klimawandel und schrumpfende agrarische Fl\u00e4chen sind eine gro\u00dfe Herausforderung f\u00fcr die Nahrungs- und Futtermittelproduktion. Besonders problematisch ist die Versorgung mit tierischem Protein. Das Start-up Blue Planet Ecosystems mit Sitz in San Francisco und Wien m\u00f6chte die Fischzucht in ein Computer- und Containersystem verlagern. 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